Montag, 24. September 2012

Er, der einzige Gerechte

Das Bekenntnis zu Gott und damit zum Glauben, dass Gott Schöpfer aller Dinge ist und dass es nur diesen einen Gott gibt und Muhammad sein Gesandter ist, ist die erste Säule des Islams. Allerdings lässt sich Gott oder Allah (im arabischen Sprachgebrauch) auf unterschiedliche Weise benennen, ohne dass damit seine Einheit und Einzigkeit ausgeschlossen wird. 99 Namen kennt der Islam, und Goethe, der sich dem Islam stets verbunden fühlte, benannte 1815 den 100.:

Er der einzige Gerechte
Will für jedermann das Rechte.
Sey, von seien hundert Namen,
Dieser hochgelobet! Amen.

Mit einer Einführung über die allgemeine Vorstellung von Gott beginnt das Buch "Der Islam. Für Kinder und Erwachsene" von Lamya Kaddor und Rabeya Müller, das im  Beck Verlag erschienen ist.


Da ich auch als Atheistin an Religionen interessiert bin, war es eine gute Entscheidung, meine Wissenslücken über den Islam durch die Lektüre dieses Buches zu füllen. Danke deshalb an Blogg dein Buch für die gegebene Möglichkeit.

Und wahrlich habe ich die Lektüre nicht bereut. 

Dieses Buch ist eine Einführung in den Islam, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Es ist in elf Kapitel gegliedert, in denen von den Autorinnen die Grundlagen der Religion klar und verständlich darlegt werden. 

Neben der bereits erwähnten Bezeichnung von Gott werden die fünf Säulen des Glaubens dargestellt.


Danach folgt die Beschreibung der Moschee als Haus der Gemeinde.


Sodann rücken der Koran als Wort Gottes und nach einer kurzen Erläuterung der Scharia (das islamische Recht) Muhammad als Gesandter Gottes in den Mittelpunkt.


Außerdem enthält das Buch Ausführungen zum Beziehungen von Frauen und Männer sowie zur Tradition und Kunst. Zudem werden die Verhältnisses des Islams zu anderen Religionen und zur Politik beschrieben und Situation der Muslime in Deutschland und in der Welt dargestellt. 

Im Anhang wird unter anderem der Frage nachgegangen, ob man den Islam zeichnen darf und dies bejaht. Denn dieses Buch ist mit Kulturillustrationen von Alexandra Klobouk versehen, womit ein besseres Verständnis des Textes erreicht werden soll, schließlich richtet sich das Buch an Kinder und Erwachsene. Ich denke, dass dies auch gelingt, obwohl es für mich persönlich der Bilder nicht bedurft hätte. Die Ergänzung durch die Schreibschrift empfinde ich teilweise als gewöhnungsbedürftig.

Dass das Buch von zwei Frauen verfasst wurde, merkt man ihm an. Es ist ohne jede Aggression, neutral, offen und modern geschrieben, schließt kein Thema aus und setzt sich im Rahmen einer Einführung zwar knapp, jedoch gleichwohl mit "heiklen" Themen wie Dschihad, Fundamentalismus und Islamfeindlichkeit auseinander.

Als Frau hat mich natürlich die Rolle der Frau interessiert. Denn gibt es nicht vielfach die Meinung, dass die im Islam die Frau dem Manne untergeordnet sei? Jedoch siehe da, ich zitiere:

  • Frauen sind als Geschöpfe Gottes den Männern gleichgestellt: Ihr Menschen, habt Ehrfurcht vor eurem Herrn, der euch aus einem einzigen Wesen erschaffen hat. Daraus erschuf er auch das Partnerwesen, und aus diesen beiden ließ er viele Männer und Frauen entstehen. (4:1)
  • Frauen sind wie die Männer dazu verpflichtet, zu beten, zu fasten, Abgaben zu zahlen und die Pilgerfahrt zu absolvieren.
  • Frauen haben dieselben Pflichten gegenüber den eigenen Eltern wie die Männer: ... Zu den Eltern sollt ihr gut sein. Wenn einer oder beide unter Altersschwäche leiden, sag nie "Pfui" zu ihnen. Schimpfe nicht mit ihnen, sondern sprich sanft zu ihnen. Sei ihnen gegenüber gütig und bescheiden...
  • Frauen sind in gleichem Maße für das Wohl der Familie verantwortlich wie Männer.
  • Frauen tragen Mitverantwortung in der Gesellschaft: Die Gott ergebenen Männer und die Gott ergebenen Frauen, die gläubigen Männer und die gläubigen Frauen, die Männer, die gegenüber Gott gehorsam sind, und die Frauen, die gegenüber Gott gehorsam sind, die ehrlichen Männer und die ehrlichen Frauen, die geduldigen Männer und die geduldigen Frauen, die bescheidenen Männer und die bescheidenen Frauen, die Männer, die spenden, und die Frauen, die spenden, die Männer, die fasten, und die Frauen, die fasten, die Männer, die ihren Anstand wahren, und die Frauen, die ihren Anstand wahren, die Männer, die häufig an Gott denken, und die Frauen, die häufig an Gott denken - Gott hat für sie alle Gnade und großen Lohn vorgesehen. (33:35)

Wollt auch ihr den Islam etwas näher kennen lernen und ein paar Vorurteile abbauen, empfehle ich euch das Buch, welches ihr beispielsweise hier bestellen könnt.

Kommentare:

  1. Hallo Süße,
    toll, dass Du das Thema aufgreifst! Ich finde es einfach furchtbar, wie mit Ignoranz und Intoleranz Unfriede gestiftet wird - von beiden Seiten. Ich habe im Kindergarten immer gerne mit dem Buch "wie buchstabiert man Gott" gearbeitet. Es beschreibt alle fünf Weltreligionen und stellt sie einander gegenüber - die Gemeinsamkeiten und das Trennende. Spätestens da wird deutlich: das was unterschiedlich ist, macht vor Ort, dort wo die Religion entstand, immer einen unglaublichen Sinn.
    Also lassen wir jeden nach seiner Facon selig werden und tolerieren uns und unseren Glauben gegenseitig!
    Schön, dass auch andere so denken Astrid

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Anke,

    was heißt Atheistin?

    Es beschäftigt mich sehr.

    Alles LIEBE
    Elisabeth

    AntwortenLöschen
  3. liebe Anke, so ein Buch ist sicherlich in diesen Zeiten sinnvoll und nötig, aber es wird, wie viele andere zum Thema, beweisen, dass Theorie und Praxis weit voneinander auseinderklaffen.
    Als Bürgerin einer Kleinstadt mit über 30% Muslimanteil kann ich dir da leider ein Lied davon singen... die gelebte Realität sieht ganz anders aus, als Mohammed das gepredigt hat.
    Ganz liebe Grüße, danke dass du dass Buch zeigst!!Herzlichst, cornelia

    AntwortenLöschen
  4. Danke für den Buchtipp. Das Buch scheint breit gefächert.
    (Ich merke es mir schon einmal vor, wenn meine Lütten in der 6. Klasse sind.)
    Mehr voneinander zu wissen, erleichtert die Toleranz füreinander. Ich habe bisher viele sehr schön Begegnungen mit Muslimen, die in Deutschland leben, gehabt. Von der spontanen Einladung zum Kaffeetrinken als Hilfe für eine Unterrichtsvorbereitung, in der es auch um den Islam ging bis zur Umzugsunterstützung.

    Liebe Grüße
    Nula

    AntwortenLöschen
  5. Hej Anke,
    ein interessantes Thema, gerade ja wieder hochaktuell!
    Kommt gleich mal auf die Buch-Wunschliste!
    Vielen Dank!
    Liebe Grüße
    Manuela

    AntwortenLöschen
  6. Liebe Anke,

    als Muslima freut es mich besonders, wenn solch ein Buch gleich ein so umfassendes Bild vom Islam vermittelt. Auch finde ich es sehr schön, wenn Leute sich für den Anderen interessieren, wenn sie sich informieren und auch zuhören. Für einen respektvollen Umgang miteinander, müssen wir aufeinander zugehen und miteinander ins Gespräch kommen ;-)

    LG
    SelMama

    AntwortenLöschen