Samstag, 5. Oktober 2013

Hänsel und Gretel verliefen sich im Wald...

Ich sehe sie schon: große Fragezeichen auf eurer Stirn angesichts des Titels dieses Posts. Bald schon werdet ihr erkennen, was es genau damit auf sich hat. Ihr müsst allerdings geduldig mitlesen.

Am Sonnabend hatten wir hier herrlichen Sonnenschein - heute leider nicht. Darum war ich mit dem Fahrrad unterwegs. Geplant waren zwei Stunden. Um es gleich vorweg zu sagen. "Verschollen" war ich drei. Herr Schwanenweiß wollte schon einen Suchtrupp losschicken (Dabei hätte er doch nur anrufen müssen! Handys machen es möglich!). Wie es dazu kam?

Ich fuhr dieses Mal nicht, Dörfer und Felder der Umgebung erkunden, sondern in den Wald. Außer mir waren viele andere Menschen unterwegs, Pilze sammeln. Ich weiß nicht, wie deren Ausbeute war. Ich jedenfalls war nicht auf der Suche nach essbaren, sondern nur nach Fotoobjekten, wurde aber trotzdem fündig.


Zugegeben, kleine Exemplare. Doch wartet ab...


Mein Plan war, durch den Wald zum nächsten Dorf - Altheide - zu radeln und von dort in einem größeren Bogen Richtung Stadt zurückzukehren. Eine Karte hatte ich dabei, schließlich ist Frau da vorbereitet. Nun ist das so eine Sache mit einem Wald. Im Altheider Holz, in dem ich unterwegs war, haben sogar einige Wege Namen. Das ist wirklich prima. Und dann gibt es noch Schneisen, die auch wohlklingen. Das passt nur nicht, wenn man den gesuchten Weg NICHT findet. Oder einen Weg, dessen Name zwar ausgeschildert ist, jedoch nicht in der Karte steht.

Klingt das kompliziert? Ihr ahnt es vielleicht. Ich fuhr munter vor mich hin und nahm diesen und jenen Weg...


... in der irrsinnigen Hoffnung, DEN RICHTIGEN bald zu erreichen.


Irgendwann wurden die Wege immer grüner.


Bis zum bitteren Ende.


Das hieß Bahngleise, und daneben befand sich die Bundesstraße 105 (wohl die berühmte Ferienstraße im Norden). Zumindest wusste ich nun, wo ich war, und ich entdeckte am Waldrand auch einen Weg. Mutig beschritt ich diesen. Denn an Fahren war nicht zu denken. Hier war sicher seit Jahren keiner entlang gelaufen, gefahren, gekrochen oder was weiß ich...


Das hatte aber sein Gutes. Denn schaut einmal, was mir da am Weg begegnet ist.


Familie Maronenröhrling (wenn meine Recherchen richtig sind), wobei Vadder Marone einen stolzen Hutdurchmesser von über 15 Zentimeter herzeigte.


Sie standen einträchtig beieinander, dass ich sie gar nicht trennen mochte.


Doch dann bot sich dieses Exemplar an, mich auf dem Heimweg zu begleiten.


Man könne ja sonst viel erzählen...


Einen kurzen Moment überlegte ich noch, ob dies vielleicht ein Steinpilz wäre. Jedoch muss sich da wirklich ein Pilzkenner zu Wort melden...


Nach dieser Begegnung und mit dem kolossalen Begleiter im Fahrradkorb schob ich frohen Mutes weiter. Ich hatte wohl 500 Meter zurückgelegt (gefühlt waren es auf jeden Fall mehr), da sah ich "Licht am Ende des Tunnels". Ja, ein Tunnel war es schon. Aber einer, in dem Wasser gesammelt wurde. Eine Überquerung des Wasserlaufs kam nicht in Frage. Ende! Den ganzen weichen hügeligen Weg zurück? Das kam für mich nicht in Frage.


Ich bin dann wieder rein in Wald.


Und traf diese leuchtend gelben Gesellen.


Und nach der Begegnung mit dem Wald(Glücks)Klee fasste ich mir ein Herz...


... und schob und ächzte mich quer durch den Wald. Gut, dass mich keiner gesehen hat, und ich erzähle euch das hier auch ganz im Vertrauen. Ich gebe zu, in diesen Momenten habe ich mir sehnlichst ein Pferd gewünscht...

Nun kommen wir langsam zum guten Ende der Geschichte. Denn als hoffnungsvolle Optimistin habe ich sämtliche Hürde überwunden. Mit einem Mal befand ich mich auf einem Pfad, nahm instiktiv die korrekte Richtung und befand mich - oh Wunder - plötzlich auf dem von mir zum Beginn meiner Tour gesuchten Weg. So einen Fahrradblitz wie mich habt ihr noch nie gesehen. Im Eiltempo verließ ich das (noch recht) grüne Gehölz und eilte auf dem Radweg nach Hause, wo mich Herr Schwanenweiß in Empfang nahm. Den Rest kennt ihr.

Was lernen wir aus der Geschichte? Wenn Gretel (ich) und Hänsel (Fahrrad) in den Wald fahren und sich "verlaufen", finden sie mit frohem Mut und Glück doch noch nach Hause.

Kommentare:

  1. Liebe Anke,da hätte ich wahrscheinlich ganz schön Panik bekommen! Du machst aber auch Sachen :o) nur gut, dass dein Instinkt dich wieder heile nach Hause gebracht hat...und nun bist du wieder eine Erfahrung reicher.

    Liebe Grüße Constance

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  2. Liebe Anke,

    es geht dir gut.
    Ich kann mich nicht erinnern, einen so ausführlichen Post von dir schon gelesen zu haben.
    Es war hochinteressant.

    Angst hatte ich nicht. Die war durch dein Schreiben weg.

    Alles Liebe
    Elisabeth

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  3. Liebe Anke
    wunderbar verzauberst du mich mal wieder mit deiner Geschichte und Fotos!
    Was für Prachtexemplare von Pilzen du gefunden hast da hat es doch sich rentiert hat dieseMühe mit deinen Hänsel so einen Ausflug gemacht habt! *zwinker* mein Schatz muss auch manchmal länger warten wenns spannend wird und die Zeitrinnt nur noch so davon...
    Schönen Gruss Elke

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  4. ... und das ganz ohne brotkrumen oder kieselsteinchen...
    ich freu mich, dass du gut und erlebnisreich wieder heimgefunden hast, liebe anke

    grüessli, dana

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  5. Liebe Anke, wat bin ich froh, dass ich nicht an Deiner Stelle war. Ich wäre völlig schweißgebadet wieder aus dem Wald heraus gekommen, wenn ich nicht vielleicht sogar noch immer im Kreis laufen würde. :) Aber dadurch hast Du ja ein paar schicke Pilze fotografieren können. Warum hast Du die Pfifferlinge nicht auch mitgenommen? Die sehen doch voll lecker aus :) Und ein Gutes hatte dieser Wege-Such-Trip: Herr Svanvithe kann jetzt wieder neue Wegebilder bestaunen :) ;)

    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag
    Sigi

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  6. Du bist ja mutig! Ich bin sowas von orientierungslos, dass mein Mann immer lästert, wenn ich unterwegs bin und an ein hohes Metallgerüst käme wäre ich in Paris. Und du machst dich alleine auf in den Wald. Da hätte ich schon Panik bekommen. Dafür hast du tolle Pilze entdeckt.

    LG Sabine

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  7. Liebe Anke,
    ganz richtig man darf nicht den Mut verlieren, mir ist es auch schon öfter so gegangen, irgendwie kommt man immer zurück frägt sich nur wann ;)

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  8. Immer gut wenn ein Erlebnis in Ich-Form erzählt wird, dann weiß man, dass es gut ausgeht. Außer jemand erzählt von der Wolke mit der Harfe:o)
    Die Pilzfotos sind wirklich schön. Ich esse gerne Pilze, kenne mich damit aber überhaupt nicht aus.
    LG Donna

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  9. Liebe Anke,

    das hätte auch ne typische Antje-Radtour sein können ... ne Karte im Gepäck und los. Und meinen Falteimer in der Packtasche für die Pilze, die mir zufäälig im Weg stehen.

    Nen lieben Gruß von Antje

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  10. Hej Anke,
    genau das wäre auch mir passiert! Null Orientierungssinn!!!!!
    Wahrscheinlich wäre ich heute noch unterwegs ☻☻
    Aber tolle Bilder hast du von deiner Tour mitgebracht!
    ♥lichst
    Manuela

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  11. Uijuj, da hast du aber Glück gehabt!
    In Wäldern kann es schnell dunkel werden!
    Aber die Bilder waren es wert :-)
    Ganz viele liebe Sonntagsgrüße
    sendet dir Urte

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  12. Ich hab mich vor über 20 Jahren mal im Wald verfahren, noch mit kleinem Kind im Körbchen. Na, das war vielleicht anstrengend, mit einem Liedchen auf den Lippen zum KindBeiDerLauneHalten die sandigen Wege kreuz und quer zu befahren... Aber wenn immer alles glatt geht, hat man auch nix zu erzählen :-)

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  13. Solche Fahrradtouren kenne ich auch, liebe Anke :-) Zum Glück sind unsere Wälder hier nicht so weitläufig, als daß man nicht wieder herausfinden könnte und als alte Pfadfinderin orientiert man sich dann noch am Stand der Sonne, im Winter an Eisbärten und manchen anderen Zeichen ... wobei das fast gar nicht mehr nötig ist, denn mein Handy hat ja eine eingebaute Navi und GPS ;-) Doch wenn es einmal ausfällt oder ich es nicht dabei hätte ...
    Pilze schaue ich mir auch gerne an. Wir haben seit Tschernobyl keine mehr zum Verzehr gesammelt, ist mir zu gefährlich, das Cäsium baut sich sehr langsam ab. Da würde ich mich nicht trauen, sie zu essen. Seither kaufen wir nur noch Pilze. Aber ich bin aus unserer Familie auch fast die Einzige, die Pilze essen mag. ;-)

    Liebe Grüße auch hier
    Sara

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