Montag, 7. September 2015

Rezensionswoche 4. Tag: Codename E.L.I.A.S. Kaltgestellt

Michael Cavenaugh kann so schnell nichts erschüttern. Schließlich ist er Agent bei der Central Intelligence Agency, dem amerikanischen Geheimdienst. Bei einem seiner Einsätze kommt es zu einem Schusswechsel, die von ihm observierte Person ist tot, und nach einer darauffolgenden Explosion findet sich Michael im Krankenhaus wieder. Soweit so gut. Das sind die Risiken, die ein Agent einplanen muss. Womit er allerdings nicht rechnet, ist, dass irgendwo auf dem Weg zwischen Explosion und Krankenhaus die eigene Identität gelöscht wird. Denn bei seinem Erwachen verfügt Michael weder über einen Ausweis noch eine Sozialversicherungsnummer, ja nicht einmal ein Bankkonto. In seiner Wohnung lebt jemand anderes, und selbst sein Arbeitgeber kennt ihn nicht (mehr). Somit sind auch Wohnung und Job futsch.

In dieser Situation scheint sich Michael nur auf zwei Personen verlassen zu können: Brianna, seine Ex, die zwar nicht unbedingt gut auf ihn zu sprechen ist, ihm aber trotzdem ihre hilfreichen Hände reicht, und Luke, ein alter Freund.


Mila Roth vermag mit dem Startband der Serie "Codename E.L.I.A.S." gut zu unterhalten. Die Geschichte ist kurzweilig, die Handlung schreitet zügig voran, verfügt über spannungsreiche Elemente. Dabei wählt sie einen lässigen Grundton, der einerseits ironisch - besonders die Äußerungen der spitzzüngige Brianna bereiten vergnüglichen Lesespaß - und andererseits mit ernsten Klängen versetzt ist. Ihre in Los Angeles angesiedelte Geschichte beginnt gleich mit einem Knall, im wahrsten Sinne des Wortes, denn bei einem Einsatz wird Agent Michael Cavenaugh Opfer einer Explosion, bei der er zwar sein Leben im eigentlichen Sinne behält, jedoch das Leben, das er führte, existiert nicht mehr. Er ist "kaltgestellt".

Wie in einer Serie üblich, werden im "Pilot" zunächst die Protagonisten präsentiert. Michael ist ein äußerst professioneller Agent, der eine Situation hervorragend einzuschätzen vermag. Er vermittelt einen geradlinigen Eindruck, auch wenn er Entscheidungen treffen muss, die auf den ersten Blick fragwürdig erscheinen. Zudem ist er kein Mensch, der den Kopf in den Sand steckt, sondern ihn kühl auf seinen Schultern behält und die Sache angeht. Trotzdem stellt die Autorin ihn keineswegs als makellosen Held dar. Auch er hat seine wunden Punkte, die bereits angedeutet werden.

Ihm gegenüber steht seine Ex-Freundin Brianna, die nicht in Begeisterungsstürmen ausbricht, als sie Michael in der für ihn prekären Situation wiederbegegnet. Es zeigt sich jedoch, dass unter ihrer harten Schale ein weicher Kern sitzt. Der Dritte im Bunde ist Luke, mit dem Michael die Zeit beim Militär verbindet. Ein unkomplizierter Typ, dessen Figur in der Geschichte noch etwas im Hintergrund bleibt, der aber zumindest hier zur Stelle ist, als Michael ihn braucht, und der für einen Job sorgt.

Mila Roth ist eine routinierte Schreiberin. Sie setzt auf einen ungezwungenen amerikanischen Stil ähnlich einer TV-Vorabendserie, in der neben der Suche nach den Verantwortlichen für Michaels "Kaltstellung" Folge für Folge Probleme anderer Menschen bearbeitet und am Ende gelöst werden. Wer daran Freude hat, hält auch mit "Codename E.L.I.A.S." die richtige Lektüre in der Hand.

3,5 Sterne

Sonntag, 6. September 2015

Sommerpost 2015 - Sommerfrüchtchen III

Heute schiebe ich einen Sommerposttag zwischen die Rezensionen.
Denn wir befinden uns auf der Zielgeraden.
In der letzten Woche ging meine Sommerfrucht (Nummer Acht) auf die Reise,
die ich euch dann zusammen mit Karte Nummer Sieben präsentieren werde.


Karen hat bärige Brombeeren gestempelt.
Gleich erinnere ich mich wieder an die köstlichen Früchte im Garten meiner Eltern.


Und nicht nur der Herr Ribbeck im Havelland mag Birnen,
Herr Schwanenweiß ist ebenfalls großer Fan.



Da hat  Petra genau das richtige Sommerfrüchtchen gehäkelt.

Vielen Dank euch beiden!

Und hier sind all die anderen Früchtchen zu finden.

Donnerstag, 3. September 2015

Rezensionswoche - 3. Tag: Vom Schicksal geküsst

Willa Chandler-Golden ist mit der Überzeugung aufgewachsen, dass alles vorherbestimmt ist und sich das eigene Schicksal nicht verändern lässt. Diese Ansicht kommt nicht von ungefähr, hat doch ihr Vater Richard Chandler einen Selbsthilfe-Bestseller, der genau das behauptet, geschrieben und ist damit berühmt geworden. Nicht genug, er hat ihr zudem den Vornamen William gegeben, weil er sich tatsächlich einen Sohn wünschte, jedoch eine weitere Tochter bekam.

Zwar ist Willa nicht vollständig von den Thesen ihres Vaters überzeugt, fügt sich aber bereitwillig ihrem Schicksal: sie hat Karriere gemacht, ein behagliches Zuhause, einen zuverlässigen, liebevollen Mann, und nur ein Baby fehlt ihr noch zu ihrem vermeintlich vollständigen Glück. Das ist vielleicht die einzige Herausforderung. Ansonsten sucht Willa diese nicht und überlässt auch das Entscheiden den anderen.

Es ist nicht verwunderlich, dass doch alles anders kommt, als gedacht. Innerhalb weniger Tage gerät Willas Leben aus den Fugen. Erst meldet sich ihr Ex-Freund Theodore und stellt ihr eine Freundschaftsanfrage auf Facebook. Dann schlägt ihr Shawn, ihr scheinbar doch nicht so zuverlässiger Ehemann, eine zweimonatige Ehe-Pause vor, für die er dann fein säuberlich festgelegte Verhaltensregeln aufstellt, bevor er sich aus der Stadt verabschiedet. Willa verliert ihren Job, muss ein Auge auf Shawns zwölfjährigen Nick haben, der ohne Vater aufwächst und dessen Mutter gerade in Afrika weilt, und obendrein verkraften, dass ihre Eltern ein neues Beziehungskonzept ausprobieren. Zu guter Letzt überredet ihre Freundin Vanessa sie außerdem noch dazu, mit ihr gemeinsam ein Buch für die erfolgreiche Fernsehsendung Dare you! (Trau dich!) zu schreiben, in dem so ganz nebenbei mit praktischen Beispielen und Erfahrungen die Theorien von Richard Chandler widerlegt werden sollen. Ganz zu schweigen von dem Trouble um Willas Bruder Oliver, einem Promi-Yoga-Guru.

Allison Winn Scotch erzählt in "Vom Schicksal geküsst" auf humorvolle Weise von einer jungen Frau, die begreift, dass das Leben nicht vom Schicksal vorherbestimmt ist. Dass man bereit sein muss, Risiken einzugehen, um letztlich das Leben leben zu können, das einem tatsächlich gefällt.

"Es ist nie zu spät,... das zu suchen, worin man wirklich gut ist und hinter dem man aus vollem Herzen steht." (Seite 271)

Willa hat es sich leicht gemacht. Denn glaubt man ihrem Vater, gibt es keine Zufälle im Leben. Dieses besteht vielmehr aus lauter vorbestimmten Erlebnissen, was schlussfolgernd bedeutet, dass der freie Wille eines Menschen mehr oder weniger ausgeschlossen und jeder auf Gedeih und Verderb dem Schicksal ausgeliefert ist. Getreu dem Motto: "Alles geschieht aus einem guten Grund."

Willa ist sympathisch und ehrlich, wenn auch mit geringem Selbstwertgefühl und -vertrauen ausgestattet. Sie zögert und zaudert sich mit Gleichmut etwas träge durchs Leben, trifft keine Entscheidungen, stellt ihren Mann nicht in Frage. Sie und Shawn sind "Shilla", ein Paar, das dermaßen miteinander verbunden scheint, dass es als Einzelperson nicht mehr existiert. Nie tut einer etwas ohne den anderen. Sie sind die Schweiz. Ohne Zwist und Komplikationen. Während das Paar am Anfang der Beziehung nur so vor Selbstzufriedenheit und Stolz auf ihre neu gefundene Liebe strahlte, pendelte sich nach der Euphorie der ersten Verliebtheit ein normaler, lauwarmer Beziehungsalltag ein. Ruhig und ereignislos, dafür jedoch sicher, entspannt und gemütlich, vermeintlich glücklich und zufrieden plätschert ihr Leben dahin.

Bis Shawn nicht mehr die Schweiz sein möchte und die weitere Umstände Willa im Grunde nötigen, ihr Leben zu überdenken. Denn Willa ist gezwungen, genau das Gegenteil von dem zu tun, was sie jahrelang gewohnt ist. Sie muss neue Wege erkunden und beschreiten, schwierige Entscheidungen treffen, sich ihren größten Ängsten stellen und die Gelegenheit nutzen, ihr eigenes Schicksal zu kontrollieren. Dies tut sie zunächst nicht frei-, sondern eher widerwillig, und es bedarf mehrerer Anstöße von ihrer besten Freundin Vanessa.

"Vom Schicksal geküsst" liest sich überwiegend leicht, wenn einen die vielen in Klammern gesetzten Anmerkungen nicht stören. Die Geschichte ist unterhaltsam und amüsant und bedient sich aktueller Medien. So darf der Leser unter anderem E-Mails, SMS, Facebook- und Twitter-Nachrichten (mit)lesen, wenn die Protagonistin Willa aus ihrer Perspektive heraus erzählt. Das ist von Vorteil für den Leser, denn so erfährt er ihre Gedanken und Gefühle aus erster Hand. Nachteilig sind allerdings sich wiederholende Überlegungen. Auch die philosophischen Thesen von Richard Chandler erschließen sich dem Leser nicht immer sofort.

Zudem ist es eben wegen der Ich-Position von Willa schwer möglich, den anderen Personen wirklich nahe zu kommen, weil es vielfach nur bei Beschreibungen aus der Sicht von Willa bleibt. 

Trotzdem ist "Vom Schicksal geküsst" ist eine kurzweilige Chick-Lit, also (Frauen)Lektüre, in der sich Themen wie Liebe, Ehe, Beziehung zwischen Eltern und Kindern, Freundschaft, Verlust und Trauer, Bedauern über verpasste Möglichkeiten und zweite Chancen, Schicksal und Glück vereinen. Sie zeigt, dass es möglich ist, sich selbst und die eigene Kräfte und Möglichkeiten zu entdecken, wenngleich dies manchmal auch bedeuten kann, Risiken einzugehen. Doch stets mit der Frage: "Was kommt als Nächstes?"
Dafür vergebe ich 3,5 Sterne.


Allison Winn Scotch, die 1973 in Virginia geboren wurde, war mehrere Jahre als Journalistin für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften wie beispielsweise "InStyle" tätig. Ihr Debüt "Heute und ein Leben lang", dass 2013 auch in Deutsch erschien ist, wurde ein New-York-Times-Bestseller. Die Autorin lebt mit Mann und zwei Kindern in New York.

Erschienen ist der Roman im Blanvalet Verlag, dem ich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares danke.

Mittwoch, 2. September 2015

Rezensionswoche - 2. Tag: Die Wächterin der Krone

England gegen Ende des 12. Jahrhunderts. Schon als Kind lernt die junge Robin den Umgang mit Pfeil und Bogen und dem Dolch, steht ihr doch wie ein mahnendes Bild das Schicksal ihrer Mutter vor Augen, das ihr verdeutlicht hat, wie wichtig es ist, sich selbst verteidigen zu können. Obwohl sie sich nie verlieben möchte, weil Liebe einen Menschen verwundbar macht und Schmerzen bereitet, geschieht es trotzdem. Sie begegnet Cederick de Molesme, der ihre Gefühle erwidert. Als beide jedoch voneinander erfahren, dass sie durch die Feindschaft ihre Familien auf gegensätzlichen Seiten stehen, wandelt sich ihre Liebe in Hass und eine gemeinsame Zukunft scheint aussichtslos.


Mit die "Wächterin der Krone" beendet Beate Sauer eine dreiteilige Reihe. Standen im ersten Buch "Am Hofe der Löwin" Aline und in "Die Rache der Heilerin" deren Tochter Adela im Mittelpunkt des Geschehens, ist es nun Enkelin und Tochter Robin, die sich dem Kampf gegen die Familie de Thorigny stellen muss.

Es ist eine ereignisreiche Zeit, die Ära von Richard Löwenherz. Nachdem er auf dem Rückweg vom Heiligen Land gefangen genommen wird, übernimmt sein Bruder John die Regierungsgeschäfte, sieht seine Chance gekommen, selbst als König zu regieren und weigert sich daher, Richards Freilassung durch die Zahlung des Lösegelds zu erreichen. Vielmehr ist es Eleonore, die Mutter der beiden, die alles dafür tut, die geforderte Summe aufzubringen. Und sie hat Hilfe...

Beate Sauer entwickelt aus der Legende von Robin Hood eine weibliche Heldin, die sich nach der Vertreibung von ihren Familiengütern gemeinsam mit ihrem Bruder Luce und anderen Geächteten im Wald versteckt und von hier aus gegen die Unterdrückung des Volkes kämpft und sich für die Befreiung von König Richard einsetzt. Allerdings weitet sie die Geschichte nicht über Gebühr aus, denn der Sheriff von Nottingham, Little John und weitere Getreue tauchen im Roman nicht auf. Stattdessen erfindet die Autorin andere liebenswerte Charaktere wie Bruder Oswin oder den Schmied Matthew, die einem gern in der Erinnerung bleiben.

Daneben liegt das Augenmerk natürlich vor allem auf den hauptsächlich agierenden Protagonisten.

Robin, jung, unerfahren, ein wenig starrsinnig, aber auch mutig, begeistert sich neben den "männlichen" Vorlieben wie Reiten und Bogenschießen für das Sticken, findet darin Erfüllung und Glück. Sie ist noch auf der Suche nach dem Sinn ihres Lebens.

Cederick ist kein Ritter wie er im Buche steht. Schon allein, weil er mit seiner Verkrüppelung härter als andere darum kämpfen musste, etwas in seinem Leben zu erreichen. Er zeichnet sich durch eine gewisse Charakterstärke aus, ist mit sich im Reinen. Er steht loyal zu seinem Treueid, solange er meint, das Richtige zu tun. Denn Intrigen sowie Ungerechtigkeiten gegenüber Schwächeren sind ihm zuwider.

Mit Philipp begegnet der Leser einem nachgiebigen jungen Mann ohne Eitelkeit, der in Robin verliebt ist und sich auch auf die Gefahr hin, eine Abfuhr zu bekommen, ihr gegenüber offenbart. Als er tatsächlich "einen Korb" erhält, reagiert er verständnisvoll und ohne Groll, ist geduldig und zurückhaltend und bewahrt sich die Hoffnung, vielleicht doch noch die Liebe von Robin zu erringen. Ein bisschen mehr Kampfgeist würde ihm gut zu Gesicht stehen.

Edward de Thorigny erscheint als ein vom Hass zerfressener Mann, der ohne Zweifel und Skrupel handelt, wenn es darum geht, etwas zu seinem Vorteil zu erlangen. Er stellt dies über moralische Grundsätze, weswegen er mit John gegen König Richard sympathisiert und intrigiert. Anderseits ist er derjenige, der seinen Halbbruder Cederick immer respektiert und unterstützt hat, ihm die Anerkennung gewährt, die der eigene (gemeinsame) Vater verwehrte.

Sie und all die anderen begegnen sich in einer dramatischen Geschichte, die bis ins Heilige Land führt. Beate Sauer erzählt sie gut. Die Handlung ist überschaubar in den historischen Kontex gelegt und kommt ohne Längen aus.

Die Liebesbeziehung von Robin und Cederick beginnt recht schnell, erfährt aber eine gewisse Tragik, da die beiden jeweils feindlichen Lagern angehören und ihre Liebe ins Gegenteil umschlägt. Das wird nachvollziehbar und emotional glaubhaft geschildert. Es ist zu spüren, wie verzweifelt beide sind, als all die gegenseitigen Liebesbezeugungen bedeutungslos werden und der Hass die Oberhand gewinnt. Zerrissen zwischen der Fehde ihrer Familie liegt noch ein langer Weg vor ihnen, und es ist fraglich, ob sie ihn vor diesem Hintergrund am Ende gemeinsam gehen werden...

3,5 Sterne

Dienstag, 1. September 2015

Rezensionswoche - 1. Tag: Reise in ein neues Leben

Da ich noch einige Rezensionen vorbereitet habe, beginne ich den September mit einer Woche, in der ich euch täglich ein Buch vorstellen werde. Vielleicht findet ihr den einen oder anderen Lesestoff und/oder fühlt euch veranlasst, meine Meinung durch eigene Leseerfahrung zu überprüfen.

Auf den ersten Blick vereint die beiden Protagonistinnen des dritten Romans „Insel der blauen Gletscher“ von Christine Kabus wenig. So sehr unterscheiden sie sich in Alter, Herkunft, Lebenszeit und -weise. Und doch ist ihnen eines gemeinsam: Sie verlassen ihre gewohnte Umgebung und suchen ihren eigenen Weg für ein erfülltes Dasein.

Elberfeld im Rheinland, Mai 1907. Emilie, die behütete Tochter des Fabrikanten Gustav Berghoff, feiert gerade ihren 21. Geburtstag und sieht sich den typischen Zwängen ihrer Zeit ausgesetzt: Nicht nur dass sie sich tatsächlich in ein Korsett pressen muss, sich während der Schulzeit lediglich mit Handarbeiten, Auswendiglernen und Abschreibeübungen in Schönschrift beschäftigen durfte. „Wir werden hier nicht über Gebühr mit Wissen belastet. Das hat immerhin den Vorteil, dass wir unseren solcherart geschonten Verstand nachher noch haben werden.“ (Seite 442), schlussfolgert eine Mitschülerin treffend. Sondern es ist auch für Emilie trotz ihrer Intelligenz und ihres vorhandenen Talents nicht vorgesehen, dass sie eine Ausbildung macht. Stattdessen besteht nach Anschauung ihres Vaters das Ziel darin, sie gut zu verheiraten. Damit folgt er dem klassischen Modell, wonach eine Frau versorgt werden sollte. Beklemmende Aussichten für eine Frau von Emilies Format...

Doch dann bietet sich ihr eines Tages die Gelegenheit, zumindest für eine Zeit aus ihrer gewohnten Tristesse auszubrechen. Weil Emilies hochsensibler, schöngeistiger, aber gleichwohl lebensuntüchtiger Bruder Max, Student der Biologie, auf Grund seiner ihn beherrschenden Versagensängste nicht in der Lage ist, an einer Expedition nach Spitzbergen teilzunehmen, tritt sie an seine Stelle. Verkleidet als fescher junger Mann, wobei ihre burschenhafte Figur, die buschigen Augenbrauen und ihr tiefer Stimmentimbre sich als Vorteil erweisen, beginnt sie das Abenteuer ihres Lebens.

Sulzbach-Rosenberg in der Oberpfalz, Juli 2013. Hanna hat gerade ihren Sohn Lukas zum Flughafen gebracht und sich für ein Jahr, das er als Helfer in einem bolivianischen Waisenhaus verbringen will, von ihm verabschiedet. Bei der Rückkehr nach Hause überrascht sie ein Brief ihres Mannes Thorsten, in dem er ihr offenbart, dass er sie verlässt, um nicht länger unzufrieden sein Leben aufzuschieben, sondern entgegen seinem sonstigen Bedürfnis nach Sicherheit und Beständigkeit neue Wege gehen will. 

Nach dem ersten – verständlichen Schock – rafft sich Hanna – auch auf Grund des aufmunternden Zuspruchs ihres guten Freundes Heiko auf und lässt ihr bisheriges Dasein hinter sich, um zu ihren beruflichen Ursprüngen zurückzukehren. Einst hatte sie für ihre Familie ihren erfolgreichen Job als Reisejournalistin an den Nagel gehängt. Jetzt bietet sich ihr die Gelegenheit, für ihre alte Redaktion nach Spitzbergen zu fliegen.

Christine Kabus ist eine ausgezeichnete Erzählerin. Die sich abwechselnden Geschichten der beiden Frauen sind detailliert und mit viel Hintergrundwissen gefüllt. Umfangreiche Informationen geschichtlicher, örtlicher, baulicher oder technischer Natur fügen sich gekonnt in den Text ein und sind für den Leser wissenserweiternd. Bis zur Zusammenführung der beiden Handlungen gibt es berührende, spannungsreiche, geheimnisvolle und nachdenkliche Momente zu entdecken. Da der Humor das eine oder andere Mal ebenfalls nicht zu kurz kommt, ist das Lesen insgesamt ein Vergnügen.

Wie schon in den Vorgängerromanen der Autorin, spielt bei Norwegen eine Hauptrolle. Insbesondere steht Spitzbergen im Fokus der Geschichten von Emilie und Hanna. Zwei Landkarten lassen hierbei eine gute Orientierung zu.

Spitzbergen ist mit einer Fläche von fast 38.000 km² die größte Insel der gleichnamigen Inselgruppe im Arktischen Ozean und als einzige bewohnt. 2.500 Menschen halten es hier im arktischen Klima aufgeteilt auf fünf Dörfer aus.  Zu ihnen gesellen sich 3.000 Eisbären, 10.000 Spitzbergen-Rentiere, ein paar Tausend Walrosse, Robben und Polarfüchse. Die Küsten Spitzbergens sind stark gegliedert und bilden zahlreiche Fjorde, die im westlichen Teil wegen des Golfstroms im Winter oft nicht zufrieren. Der größte und zugleich bekannteste Fjord ist der Isfjord, der weit ins Zentrum der Insel reicht und mit geschützten Lagen die günstigsten Bedingungen für menschliche Besiedlung bietet.
Spitzbergen liegt nördlich der Permafrostgrenze. Das bedeutet, dass der Boden an den Küsten ständig zehn bis vierzig Meter, im Hochland des Inselinneren sogar mehrere hundert Meter tief gefroren ist. Daher sind Geburten und Sterbefälle auf Spitzbergen nicht erlaubt. Eigentlich. Ab und an geschieht es trotzdem. Und im Hinblick auf das Ableben ist das eine heikle Sache: Wegen des Permafrostes kann niemand beerdigt werden, die Leichen werden konserviert...

Beeindruckend sind die Schilderungen der majestätischen und bezaubernden Landschaft. So kann der Leser mit Emilie den erhabenen Anblick erleben, mit dem Schiff durch grünblaues Wasser auf die auf den Gipfeln mit Schnee bedeckten Berge und blauen Gletscher zuzugleiten.

Über die Hälfte der Landfläche von Spitzbergen ist von Gletschern in vielerlei Gestalt bedeckt - manche sehen aus wie gewaltige Tafeln, andere wiederum ähneln bizarren Berglandschaften. Sie sind zwar ständig in Bewegung, dies aber auf Grund der niedrigen Temperaturen und geringen Niederschläge nur sehr langsam. Lediglich in den feuchteren Küstengebieten verändern die Gletscher ihre Lage um zehn bis dreißig Meter pro Jahr. In der Regel sind die Kolosse strahlend weiß. Manchmal gibt es jedoch auch blaue Eisberge. Ihre Farbe beruht ganz simpel auf Physik, nämlich den optischen Eigenschaften des Eises. Tiefblau schimmert ein Eisberg nur, wenn er sehr wenige Luftbläschen enthält.

Oder er lässt mit Hanna gern den "Blick über den Fjord zum gegenüberliegenden Ufer schweifen, in dessen schwarzen Felsen hunderte Seevögel" (Seite 316) nisten, in deren Rufe sich das leise Rauschen des Windes mischt, wo blaue von einem Gletscher abgebrochene Eisstücke über das Wasser und an den Strand treiben. Wenn sie wie Diamanten zwischen bunten Steinen glitzern, mag man nur an die traumhafte Kulisse und die friedliche Atmosphäre denken und nicht daran, dass der Mensch selbst die größte Bedrohung für das alles ist. Es ist wunderbar, wie die Autorin das beschreibt. Dadurch entstehen lebhafte Bilder, gemalte Momente: "Der Himmel wölbte sich tiefblau über ihnen, die Sonne stand über den Hügeln und ließ das rötliche Gestein leuchten. Vom gegenüberliegenden Steilufer trug eine sanfte Brise die Rufe der Vogelkolonie herüber." (Seite 334)

Dazu passt das wunderschöne Cover mit dem hellen Licht der aufsteigenden Sonne über den blauen Gletschern hervorragend.



Christine Kabus hat ihre Figuren, allen voran Emilie und Hanna mit viel Feingefühl entwickelt.

Emilie ist warmherzig und mutig. Die Abenteuerlust lockt sie. Sie verfügt über einen messerscharfen Verstand. So schnell haut sie nichts um. Keine stürmische Fahrt übers Meer, schießwütige Kerle, die Aussicht, vielleicht riesigen Eisbären zu begegnen.

Sie möchte selbst ihren Weg suchen und nicht ausnahms- und meinungslos tun, was von ihr erwartet wird, sich nicht all den Regeln, Vorschriften und Zwängen ohne Aussicht auf persönliches Glück unterwerfen. Im Verlaufe der Reise entwickelt sie sich, verinnerlicht die Rolle ihres Bruders mehr und mehr, auch wenn es zwischendurch ein paar Momente gibt, in denen sie alten Gewohnheiten folgt. Tatsächlich stellt sie fest, dass es nicht leicht ist, Verhaltensmuster, die einen jahrelang geprägt haben, durch neue zu ersetzen, in erster Linie, wenn es unbekannte männliche Gebaren sind. Aber Emilie kommt immer besser zurecht und schätzt die damit verbundenen Freiheiten. Unter anderem, nicht mehr das abhängige und fremdbestimmte sich Leben einer Frau zu führen, die Möglichkeit zu haben, einen anderes Stück der Welt kennen zu lernen. Sie macht die Erfahrung, Teil einer Gruppe zu sein, die Hand in Hand miteinander arbeitet und gemeinsam den Gefahren die Stirn bietet, dass dies ein befriedigendes Gefühl ist. Gebraucht zu werden. Ein sinnvolle Tätigkeit auszuüben.

Hanna dagegen scheint mit 45 Jahren schon auf Grund ihrer Lebenserfahrung gefestigter. Doch der Eindruck täuscht. Denn auch Hanna hat ihr Päckchen zu tragen. Sie ist eine Frau mit einem großem Einfühlungsvermögen. Allerdings drängt sie ihre eigenen Gefühle zurück, sobald jemand, der ihr nahesteht, emotional ihre Unterstützung benötigt.

Am Beginn ihrer Reise steht sie vor den Trümmern ihrer Ehe. Weil sie viel zu lange nicht wahrhaben wollte, dass sie und Thorsten schon seit Jahren nebeneinander her leben und sie aus Bequemlichkeit oder auch aus Furcht vor den Konsequenzen ihre Unzufriedenheit verdrängt und meine Wünsche und Vorstellungen von einem erfüllten Leben unterdrückt hat. Doch schlussendlich bietet sich ihr nun eine Chance, an der Reihe zu sein. Sie muss kein schlechtes Gewissen mehr haben und Rücksicht nehmen, kann das tun, was sie möchte.

Neben Emilie und Hanna hat die Autorin den Nebenfiguren viel Raum und Charakter gegeben.

Da ist zum Beispiel Kare, gutaussehender Einzelgänger, der bislang nirgendwo Wurzeln geschlagen hat und feste Bindungen einging, gleichwohl jedoch einfühlsam, umgänglich, bescheiden ist, bleibt in Erinnerung als einer der seltenen Menschen, die lieber zuhören, weder fordernd noch besitzergreifend sind, sondern aufmerksam und zugewandt. Es macht Spaß zu lesen, dass er an Hannas Seite wie ausgetauscht wirkt. Sie tut ihm sichtlich gut. Und das beruht auf Gegenseitigkeit.

Emilies Tante Fanny, die mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht, das sie keinesfalls streng und steif sieht, schließt der Leser ins Herz, weil sie ihre Nichte in ihrem Bestreben auf Selbstbestimmung unterstützt.

In der Gegenwart des sympathischen Engländers William fühlt sich jeder unbeschwert. Nicht nur Emilie. Er hat Humor und interessiert sich aufrichtig für andere Menschen. 

Dann sei noch Arne erwähnt, die „Inkarnation eines Wikingerhäuptlings", dem wenige Worte ausreichen und der nicht so zugänglich, sondern eher ungehobelt und mürrisch erscheint.

Natürlich bekommen außer den vorgenannten weitere interessante, freundliche oder gar unleidliche Protagonisten ihren Auftritt. Sie alle beleben den Roman, und wer ihnen, vor allem aber Emilie und Hanna und der großartigen Natur Spitzbergens begegnen möchte, dem sei die Lektüre des Romans an Herz gelegt.

Diese Reise lohnt sich auf jeden Fall! 

Montag, 31. August 2015

Auf Wiedersehen, August!

Er war ein richtiger Sommermonat.


Zum Abschied zeige ich euch ein paar Ostseebilder...



... von meinem Ahrenshooper Lieblingsstrand...




... und wünsche euch einen guten Start in den September.



Sonntag, 30. August 2015

Azurblauer Hingucker

Herr Schwanenweiß hatte im Frühjahr spontan eine Kübelpflanze geordert.


Noch war und sie recht zart im Wuchs, aber in der letzten Woche hat sie ihre Blüten geöffnet.


Ist das nicht ein fantastischer Farbton.


Ein herrlich leuchtendes Azurblau (mit einem Hauch Flieder).


Plumbago auriculata (Kap-Bleiwurz) heißt die Schönheit,
die ursprünglich aus Südafrika stammt.


Bis sie noch üppiger blüht, dauert es wahrscheinlich noch ein paar Jahre. Doch darauf werden Herr Schwanenweiß und ich uns sicher freuen und sind bis dahin mit diesen Blüten sehr zufrieden.

Freitag, 28. August 2015

Sommerpost 2015 - Sommerfrüchten II

Hier präsentiere ich euch die nächsten zwei Karten der Sommerpost und widme mit damit der Frage, welche Früchtchen auf jeden Fall noch in den Sommer gehören.


Na klar, die Johannisbeere, hier kreiert von Jennifer.


Und selbstverständlich geht nichts ohne die Erdbeere.


 Man möchte in die von Kreszentia gehäkelte doch gleich hineinbeißen...

Vielen Dank euch beiden!

Und hier sind all die anderen Sommerfrüchtchen zu finden.

Donnerstag, 27. August 2015

Meeresbuch

"Stramm und wie frisch gewaschen spannte sich der Himmel über die Insel; nur in der Ferne waren ein paar weiße Wolken zu sehen, schaumig wie aufgeschlagene Sahne."


Meeresbuch nennt Nicole C. Vosseler ihren Roman "Zeit der wilden Orchideen" und führt den Leser in das Singapur des 19. Jahrhunderts. Vor der Kulisse des Südchinesischen Meeres am Rande des Pazifischen Ozeans erzählt die Autorin eine Geschichte von Liebe und Verlust...

1819 gründet Sir Thomas Stamford Raffles, seines Zeichens Handelsagent der Britischen Ostindien-Kompanie in Singapur die erste britische Niederlassung und weckt damit das sumpfige Dschungelland aus dem Dornröschenschlaf, in dem es jahrzehntelang gelegen hat. Denn zuvor lebten auf der Insel lediglich zwanzig malaiischen Fischerfamilien und ab und an ein paar Seeräuber. Bis 1824 vereinnahmt die Kompanie die gesamte Insel, nachdem sie dem Sultan von Johor abgekauft hat. Singapur dient als Handelsstützpunkt und entwickelt sich zu einem wichtigen Warenumschlagplatz. Da es zunächst kein kultiviertes Hinterland gibt, das Produkte und Lebensmittel liefern kann und zudem der Boden, die Topografie und Verteilung des Regenfalls für den Reisanbau ungünstig sind, eine Siedlung also andere Feldfrüchte anbauen oder das Meer als Nahrungsquelle nutzen müsste, wird die schwierige Ausgangssituation der Insel entschärft, indem viele Lebensmittel importiert werden. Sir Raffles führt stadtplanerische Maßnahmen durch, um einen optimalen Erfolg der Siedlung zu gewährleisten. Und 1867 wird Singapur zur britischen Kronkolonie. Bald wächst die Bedeutung von Singapur als Umschlaghafen wegen seiner geographischen Lage entlang der verkehrsträchtigen Schifffahrtswege zwischen China und Europa, nachdem 1869  der Suezkanal gebaut wird, der schnellere Überfahrten nach Europa ermöglicht. Dadurch steigen das Handelsvolumen und die Zahl der Einwohner beständig an.

Hier lebt Georgina mit ihrem Vater in einem Haus direkt am Meer. Das kleine Mädchen ist seit dem Tod der Mutter sich selbst überlassen, der Vater, ein Kaufmann, verhält sich ihr gegenüber aus unerklärlichen Gründen gleichgültig. Georgina ist sensibel und hat sich eine eigene Traumwelt geschaffen, die anderen verschlossen bleibt. Erst in dem Jungen Raharjo, einem Angehörigen der Orang Laut, der verletzt Zuflucht in ihrem Pavillon sucht, findet das kleine Mädchen einen Menschen, der sie zu verstehen scheint. An seiner Seite wird sie zu Nilam und Jahre später zur Frau...

Allerdings ist Raharjo ein Meeresmensch und wird vom Meer angezogen. Immer wieder hört er den Ruf und lässt Georgina für Wochen und Monate allein. Als sie feststellt, dass sie ein Kind erwartet, fühlt sie sich völlig hilflos. So nimmt sie das Angebot von Paul, einem Angestellten ihres Vaters, an und heiratet ihn. Am Tag der Hochzeit kehrt Raharjo zurück. Als er erkennt, dass er Nilam verloren hat, schwört er Rache...

Nicole C. Vosseler erzählt eine bewegende Geschichte vor exotischer Kulisse, die mit exakt recherchiertem Hintergrund aufwartet. Die Autorin versteht ihr Handwerk und fügt gekonnt den historischen Kontext ein, ohne den Leser zu strapazieren.

Überdies zeigt die Autorin, was sie aus der wunderbaren Sprache Deutsch komponieren kann. Denn oft liest sich der Text wie Musik.

"Eine Ahnung von Wasser lag in der Luft, wusch sie klar, füllte sie mit einem Wellenklang, der nicht zu hören, nur zu spüren war, ein Flüstern auf der Haut."

Ihre Schreibkunst ist von einer Üppigkeit und Sinnlichkeit, die insbesondere hinsichtlich der poetischen und Naturbeschreibungen hervorzuheben ist. Diese sind in ihrer bemerkenswerten Art und Weise geeignet, atmosphärische Stimmungen wiederzugeben und ein berauschendes Bild einer fremden Welt zu zeichnen.

"Die ersten Wolkenbänke fingen Feuer, und unter der Glut, die von ihren Säumen hinabtroff, färbte sich das Meer rot... Die über Nacht frisch gewaschenen Wolken... waren inzwischen verrußt. Schwerfällig drückten sie sich gegen die Insel, und der vorhin noch lichtblaue Himmel schwitzte milchiggrau."

"Wolkenschlieren maserten einen Himmel aus duftiger puderblauer Seide. Behäbig schmiegten sich ihre üppigen Schwestern an die Hügel, die sich wie weiche Moospolster an der Küste ausbreiteten."

"Das Indigo der Nacht blutete zu einem fahlen Blau aus, verlor weiter an Kraft und wich schließlich dem zarten Gold, das das Aufgehen der Sonne verkündet."

Der bildschönen Lyrik der Geschichte ist das Cover ausgezeichnet angepasst.

Doch der Autorin gelingt es daneben auch, die Schattenseiten im Paradies aufzuzeigen.

Die wachsende Wirtschaft in der Inselstadt benötigt Arbeitskräfte, zumeist sind es männliche Junggesellen, die einreisen, wodurch sich ein Ungleichgewicht von Männern und Frauen entwickelt. Wegen des geringen Frauenanteils in Singapur entstehen viele Bordelle. Prostitution ist ein florierendes Geschäft mit einem verzweigten Netzwerk nach China und Japan. Besonders bei den Chinesinnen handelt es sich in der Regel um gekaufte Frauen, die ohne Familie oder Freunde in Zeiten der Not ohne Hilfe ihr Dasein fristen müssen und kaum Geld für ihre oft erzwungenen Dienste erhalten.

Durch die facettenreiche Darstellung der historischen Örtlichkeiten und Gegebenheiten bekommt das Geschehen eine Tiefe, die sich ebenfalls in der Ausarbeitung der Protagonisten widerspiegelt. Denn die Autorin hat Figuren mit außergewöhnlicher Präsens geschaffen. Sie sind voller Leben und empfinden neben Liebe, Zuneigung und Glück, Begehren, Mitleid, Bedauern auch Schmerz, Hass, Stolz, Rache, Wut, Schuld, Reue, Trauer... Ihre Gestaltung ist im höchsten Maße überzeugend.

Im Mittelpunkt steht vor allem Georgina. Sie ist wie ein Diamant, hart und unbeugsam und so scharfkantig, dass man sich daran bis auf die Knochen hinunter blutig ritzen kann. Frauen wie sie sind selten, und sie sind kostbar. Man ist ein reicher Mann, wenn man das Glück einer solchen Frau erleben darf. Da lohnt es sich, Geduld zu haben. Zu kämpfen. Und doch ist dies nicht leicht, wie Paul erfahren muss. Denn irgendetwas im Wesen von Georgina trübt ihre Sicht auf das Naheliegende, Greifbare. Oftmals ist sie blind für die Wirklichkeit, lebt in einer Traumwelt, wie sie sie als Kind gesehen hat.

Paul dagegen ist ein stiller Held. Einer, der zur Stelle ist, als er gebraucht wird und die Chance ergreift, die Frau, die er begehrt, zu heiraten. Einer, der nicht frei von Fehlern durchaus auch die eine oder andere falsche Entscheidungen trifft. Einer, der sich in seiner weitherzigen Art aufrichtig, beständig und beharrlich um die Liebe von Georgina bemüht.

Im Gegensatz dazu ist Raharjo zwiegespalten. Bereits bei der ersten Begegnung knüpfen er und Nilam ein inneres Band, das lange, vielleicht sogar das ganze Leben halten wird. Ein Band, das nicht immer von Liebe geprägt ist. Denn obwohl die beiden sich behutsam einander nähern, ihre Gefühle füreinander vertiefen und dann sehr vertraut miteinander umgehen und ihre Wesen zu ergründen versuchen, ändert sich alles, als Raharjo Nilam verloren glaubt. Es kommt für eine lange Zeit Raharjos dunkle Seite zum Vorschein, die hart und ungerecht ist und hassen und verletzen und positive Gefühle nicht mehr zulassen will. Diese Wandlung ist nachvollziehbar geschildert.

Mit beeindruckender Sicherheit ist der Autorin außerdem die Charakterisierung sämtlicher Nebenfiguren gelungen. Sie alle beleben den Roman in einer Weise, die die Geschichte zu einem einzigartigen Leseerlebnis macht.

Mittwoch, 26. August 2015

Pflaumenstrudel

Mitte August wurde im schwanenweißen Haus und Garten Schwiegermutters Geburtstag gefeiert. Anlass für mich, ein neues Rezept auszuprobieren. Und zwar habe ich einen Pflaumenstrudel gebacken. Den Teig dafür habe ich selbst hergestellt, auch wenn das ein wenig Aufwand bedeutete.


Doch seht einmal, wie glatt er geworden ist. Ich konnte ihn wirklich hauchdünn ausrollen.


Auf den "ausgezogenen" Teig kommen in Margarine angebräunte Semmelbrösel...


... und Pflaumenmus.


Dann eine Mischung aus frischen Pflaumen, Mandelsplittern und Zucker.


Aufrollen, mit flüssiger Butter-Margarine-Mischung bestreichen und ab in den Ofen.


Ein kleines Probestück nebenbei gebacken.


Den Strudel mit Puderzucker bestäuben...


... anschneiden...


... und essen.


Mmmm, köstlich!

Edit: Der Strudelteig ist kein Hefeteig, weil keine Hefe, sondern saure Sahne verwandt wird. Allerdings ist er auch kein Blätterteig, wie ich angenommen habe, obwohl er diesem ähnlich und auch etwas aufwendiger in der Herstellung ist.