Montag, 13. Mai 2024

Die Porzellanmanufaktur. Zerbrechliche Hoffnung


Keine acht Jahre nach einem verlorenen Krieg, zerstörten Städten, zerbombter Infrastruktur und Millionen von Toten normalisiert sich die Weltlage und Deutschland schickt sich an, zu neuem wirtschaftlichen Aufschwung zu gelangen. Die Kriegsgegner Großbritannien und Frankreich hat es längst hinter sich gelassen, und hinsichtlich der Exporte liegt es im Vergleich zu den USA auf der Überholspur. Die Aussichten sind goldig.

Wenn auch nicht alle Schrecken der Vergangenheit überwunden sind, so widmen sich die Menschen im Jahr 1952 der Gestaltung der Zukunft. Auch die Thalmeyers stellen sich in ihrer Porzellanmanufaktur in Selb wichtigen Herausforderungen.

Zunächst beginnt das Jahr gut, die Auftragsbücher sind voll. Dann jedoch droht Konkurrenz aus der DDR: Meißner Porzellan, das viele Jahre nicht in den Westen gelangte, darf wieder importiert werden und erobert mit günstigeren Preisen den westdeutschen Markt. Die Thalmeyers verlieren Kunden, und plötzlich sieht die Zukunft der Manufaktur nicht unbedingt rosig aus.

Zumal sie sich außerdem noch mit ihrem diebischen Buchhalter Willemsen auseinandersetzen müssen, der die letzten zwei Jahre fast zehntausend Mark in die eigene Tasche gesteckt hat.

Zumindest eine Sorge ist Marie Thalmeyer los: Sie konnte ihre Tochter Jana, deren Sorgerecht ihr auf Grund eines alten Gesetzes entzogen worden war, innerhalb kürzester Zeit zurück in ihre Obhut nehmen.

Während Marie die Geschicke der Manufaktur lenkt, bereist ihre Schwester Sophie mit Porzellankollektionen die Kaufhäuser in ganz Bayern und macht dabei äußerst erfolgreich Reklame für die Produkte. Ihre Ehe mit Harry Kruskopp funktioniert zuverlässig, allerdings zeigen sich diesbezüglich ein paar Gewitterwolken am Himmel.

Joachim Thalmeyer verbringt viel Zeit mit seinem Jugendfreund Bernhard. Die beiden musizieren nicht nur gemeinsam, sondern halten dort, wo sie es dürfen, Händchen. Ein offizielles Paar sind sie indes nicht, das ist dann doch viel zu gefährlich im Jahr 1952. Daneben konzentriert sich Joachim darauf, sich als Manager von zukünftigen Stars zu etablieren.

Eine alte Feindschaft erhält zusätzliches Feuer, und es werden auch von anderer Seite Intrigen gesponnen ...


Mit „Zerbrechliche Hoffnung“ kehren wir 1952 in „Die Porzellanmanufaktur“ nach Selb zurück. Der zweite Band knüpft wenige Monate später an das Geschehen des Vorgängers an und bringt uns nunmehr die Hoffnungen der Menschen nahe, die sie mittlerweile nach der Überwindung der entbehrungsreichen Nachkriegsjahre immer mehr hegen. Stefan Maiwald eigener Schreibstil ist mir inzwischen sehr vertraut, so dass ich mich dieses Mal von Anfang über den zwischen den Zeilen erkennbaren untrüglichen feinen Humor freuen konnte.

Außerdem gelingt es dem Autor erneut, den historischen Hintergrund akkurat zu verarbeiten, so dass ein atmosphärisches aktives Bild der Anfänge der Fünfzigerjahre entsteht, das den damals herrschenden Zeitgeist in seiner detaillierten Farbigkeit ausgezeichnet wiedergibt. Die Menschen schauen nach vorn und hoffen auf eine bessere Zukunft, die Dank „Wirtschaftswunder“ auch durchaus aussichtsreich ist.

Die Geschichte profitiert von den Wechseln der Perspektiven in kurzen schnittigen Kapiteln, die zum einen Vergangenes aufgreifen, zum anderen die Gegenwart reflektieren, was die ständige Neugier auf den weiteren Verlauf der Ereignisse anheizt.

Wenngleich manchmal die Verbindung zu den Figuren etwas ausgebremst und damit die emotionale Nähe eingeschränkt wird, so hat mich dies weniger gestört als im ersten Band, weil für mich die Zurückhaltung in der Darstellung von Empfindungen ein Merkmal der Art und Weise des Erzählens ist.

Stefan Maiwald baut in seinem zweiten Band abermals auf seine uns bereits vertraute Figurenmannschaft mit alten Freunden und Feinden auf, wobei mancher Weg und ebenso die Entwicklung der unterschiedlichen Charaktere etwas intensiver beleuchtet werden. Daneben ergänzt er die Stammbesetzung mit ein paar interessanten Persönlichkeiten, die in besonderer Weise agieren und die Handlung in ihrer Mischung aus Tragödie und Komödie auffrischen.

Das alles trägt zur erfolgreichen Fortführung der Reihe um „Die Porzellanmanufaktur“ bei. Zerbrechliche Hoffnungist kurzweilige Unterhaltung im Gewand der Fünfzigerjahre, die anregende Lesestunden bereitet und darum empfehlenswert ist.

4,5 Sterne


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Der Roman ist im Maximum Verlag erschienen, dem ich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares danke.

Mittwoch, 1. Mai 2024

Frühling in Gelb


 Der Frühling in Gelb -
Raps blüht auf den Feldern.
Was für ein Anblick.

Svanvithe





Dienstag, 23. April 2024

Venezianischer Fluch

Die Krähe legte ihren Kopf schief und starrte die verängstigte und unterkühlte junge Frau neugierig an. Sie beobachtete alles, was in den nächsten Minuten geschah.“


Eine junge Frau ist von einer Brücke gestürzt. Und während Luca Brassoni, Commissario Capo bei der venezianischen Polizei, seinen freien Tag hat, liegt bei seiner Ehefrau Carla Sorrenti, der federführenden Gerichtsmedizinerin der Stadt, ein neuer Fall auf den Tisch. Schnell stellt sich heraus, dass Antonella Carracci, so der Name der Toten, entgegen der ersten Annahmen nicht selbst gesprungen oder versehentlich gefallen ist, sondern ihr Körper Kampfspuren aufweist. Folglich ist klar, dass sie gestoßen und ermordet wurde.

Insofern stellt sich nicht nur die Frage nach dem Täter, sondern auch, ob der Zettel, den das Opfer bei sich hatte und der von einem Fluch spricht, von Bedeutung ist.

Die Sache wird persönlich, als Carla in ihrer Tasche eine Fetischpuppe findet. Obwohl sie im wahrsten Sinne des Worte eine realistische und rational denkende Person ist, ihr Flüche und Aberglauben ein Graus sind, bekommt sie plötzlich schreckliche Angst.

Will jemand die Arbeit der Polizei blockieren? Möglicherweise die Familie Perroni?

Antonella Carracci hat nämlich als Rezeptionistin im Hotel der Familie gearbeitet und war mit deren Sohn Carlo verlobt. Die Begeisterung von Patriarchin Magda Perroni hielt sich diesbezüglich in Grenzen, um nicht zu sagen, sie war nicht vorhanden. Das rückt die Familie ins Zentrum der polizeilichen Ermittlungen, zumal auch das Hotel mit einem angeblichen Fluch belastet sein soll, was für erhebliche Verunsicherung der Menschen sorgt.

Auffällig ist zudem das Verhalten der einzelnen Familienmitglieder, die mit Distanz und Abwehr reagieren und die Geduld der Polizei herausfordern. Die Perronis sind alteingesessene Venezianer, genießen einen angesehenen Ruf und pflegen einflussreiche Beziehungen. Darum dauert es nicht lange, bis Silvia Bertuzzi, die Leiterin der Dienststelle, vom Bürgermeister bedrängt wird und von ihrem Team zügig Ergebnisse erwartet werden.

Die Situation erweist sich als kompliziert, als sich im Hotelbereich ein weiterer Mord ereignet und außerdem Carlo Perroni verschwindet ...


"Venezianischer Fluch" ist mein erster Kriminalroman von Daniela Gesing, obwohl Luca Brassoni und seine Kollegen bereits das neunte Mal ermitteln. Die Geschichte bietet das, was ich von diesem Genre erwarte: ein differenziert konstruierter Plot mit Opfer(n), energischen Ermittlern, nachvollziehbarer Spurensuche, vielen Verdächtigen, falschen Fährten, interessanten Geheimnissen und nicht zu vergessen mit unterschiedlichen Emotionen.

Daniela Gesing hat eine angenehme Erzählweise, in der mich lediglich am Anfang die diversen italienischen Bezeichnungen irritiert und meinen Lesefluss beeinträchtigt haben. Ansonsten ist die Handlung nachvollziehbar dargestellt, und die Schilderung der Ereignisse und Ermittlungen erfolgt mit einen wirksamen Spannungsbogen. Daneben gelingt es der Autorin, die Neugier hinsichtlich einiger rätselhafter Wechsel in die Sichtweise des identitätslosen Täters hoch zu halten und ein paar Überraschungsmomente einzubauen.

Hervorzuheben ist außerdem die gekonnte Beschreibung die örtlichen Schauplätze. Hierdurch ist vor meinem geistigen Auge ein lebendiges Bild von Venedig entstanden, ohne dass ich die Lagunenstadt bislang in der Realität kennengelernt habe.

Der Roman punktet mit Figuren, die Daniela Gesing überzeugend gestaltet hat. Als besonders wohltuend empfinde ich es, dass sympathische Menschen mit einem normalen Familienleben, bei dem Organisationstalent gefragt ist, agieren sowie Kollegen ihre Arbeit ohne Konkurrenzdenken gemeinsam erledigen und auftretende Meinungsverschiedenheiten gleichberechtigt klären. Natürlich gibt es auch diejenigen Charaktere, bei denen auf eine Begegnung verzichtet werden könnte, weil ihre negativen Eigenschaften überwiegen. Doch in gewissen Maß habe ich auch bei diesen geringe positive Wesenszüge entdeckt, wenngleich das ohne Übertreibung sehr schwer gewesen ist.

Nach der Lektüre habe ich den Eindruck, dass neben dem Kriminalfall die Konflikte von Menschen, die in Verbrechen involviert werden, im Mittelpunkt stehen.

Luca Brassoni ist bald Vater von zwei Kindern. Meines Erachtens nach ist er aus diesem Grund darauf bedacht, dass die Ermittlungen seine Familie nicht beeinträchtigen, was allerdings nicht unbedingt funktioniert, weil seine Ehefrau Carla in den Fokus gerät.

Magda Perroni hingegen hält die Zügel straff in der Hand, von den Meinungen ihres Ehemannes Bernardo und ihrer Kinder Livia und Carlo lässt sie sich nicht beeinflussen. Sie gerät in den Strudel der Ereignisse, die alles verändern.

"Venezianischer Fluch" ist ein unterhaltsamer Kriminalroman, den ich gerne gelesen habe, so dass ich mich auf ein "Wiedersehen" mit der venezianischen Mannschaft samt Picco, dem tierischen Profiler, freue.


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Der Roman ist im Maximum Verlag erschienen, dem ich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares danke.
 

Montag, 8. April 2024

Blogtour ANIMARIS


Hey, liebe Leserinnen und Leser, ich grüße euch.

Ich bin Amalie-Evke (mit Bindestrich). Das vergesst ihr am besten gleich wieder. Meine Eltern haben mich in einem Anfall von echt fieser Anwandlung – ich weiß nicht, was sie geritten hat – so genannt. Tatsächlich kann ich damit nur leben, weil alle mich Mali nennen.

Abgesehen von meinem Namen bin ich ein fast normales Mädchen. Das „fast“ macht den kleinen, aber wichtigen Unterschied: Ich bin eine Magierin, genauer eine Seelenwandlerin. Klingt erst einmal hochtrabend, ist jedoch nichts, auf dem ich mich ausruhen kann, weil ich es selbst erreicht habe. Ich war wirklich schon so, als ich geboren wurde. Und zwar kann ich meine Seele von meinem Körper abspalten, um einen anderen Menschen zu übernehmen.

In dem Jahr, in dem ich mein dreizehntes Lebensjahr vollendet habe, verschwand ich am 28. September um 17:05 Uhr einfach von zu Hause und tauchte um 22:18 Uhr inmitten der Aula der Schule wieder auf, ohne zu wissen, was in der Zwischenzeit passiert ist.

Nun befinde ich mich quasi in der Ausbildung. Und mit mir drei verschiedene Arten von Magiern: Seelenwandler, Zaubertränkler und Jäger. Wir sind aufgeteilt in jeweiligen Magierklassen. Die meisten von uns besitzen zwei der Fähigkeiten, im Normalfall sind das Jäger und Zaubertränkler. Einige wenige sind in allen drei Dingen gut, und ein sehr geringer Teil ist nur zu einer Sache fähig. Zu denjenigen gehöre ich, was wohl eher uncool ist, mir allerdings nichts ausmacht.

Ich habe so schon Stress genug. Mein Zaubertränkler Piräus hat sich in der letzten Woche in die Luft gesprengt, und bis jetzt wurde mir noch kein neuer zugeteilt.

Das muss ich euch erklären: Üblicherweise bilden wir eine Gemeinschaft aus drei Mitgliedern der jeweiligen Magierklassen und teilen uns ein Zimmer. Der Zaubertränkler hält dabei dem Seelenwandler den Rücken frei, und der Jäger unterstützt den Zaubertränkler. Nun ist Piräus nicht mehr am Leben, und mein Ruf hat darunter noch mehr gelitten. Ich bin nämlich Einzelgängerin und habe keine Freunde.

Davon einmal abgesehen. Kommen wir nun zum wichtigsten Merkmal unserer Lehranstalt – ihr ahnt es sicher, es gibt meiner Geschichte den Namen:

Wir haben hier einen großen magischen Stein. Der Animaris, was so viel bedeutet wie Seelenstein, regelt gemeinsam mit anderen großen magischen Steinen den Energiefluss der gesamten Welt, nicht nur den der magischen, sondern auch der menschlichen. Stellt euch eine Art Gottheit vor, die aussieht wie eine gigantische, längliche Raute, teilweise gefüllt mit irgendeiner wabernden Flüssigkeit. Habe ich euch neugierig gemacht?

Momentan scheint leider einiges schief zu laufen. Da ist der Tod von Pireäus, und auch ich begegne bei einer meiner „Seelenreisen“ Furchteinflößendem und kann die Emotionen, die dabei auf mich einprasseln, nicht abwehren.

Was das alles nun mit dem Gimpel zu tun hat, verrate ich nicht. Lest einfach die Geschichte, ich lade euch ein, mit mir und meinen unerwarteten Gefährten ein paar Abenteuer zu erleben ...


Die fünfzehnjährige Mali ist kein gewöhnliches Mädchen.
Sie ist Magierin und besucht eine Schule für Zauberei. Als Seelenwandlerin ist es ihre Fähigkeit, ihre Seele mit der von anderen zu tauschen. Damit ist sie jedoch an ihrer Schule nicht wirklich etwas Besonderes. Vielmehr fällt sie dadurch auf, dass sie keine Freunde hat.
Als ein Mitschüler unter seltsamen Umständen verstirbt und eine ihrer Seelenwandlungen mächtig schiefgeht, gelangt ein uraltes und unheilvolles Wesen an ihre Schule, das die Existenz der gesamten magischen Welt bedroht.
Mali begibt sich mit drei unerwarteten Gefährten auf eine gefährliche Reise, um ihrer aller Leben zu retten. Dabei muss selbst sie einsehen, dass es sich lohnt, für den Erhalt dieser Welt auf andere zu vertrauen. (Quelle: Klappentext)



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Erschienen ist das Buch im Selfpublishing, vielen Dank an die Autorin für die Bereitstellung des Leseexemplars. Die Blogtour wurde organisiert von prointernet bookmark.

Donnerstag, 14. März 2024

HOMER Literaturpreis - Nachlese und Vorausschau

Blicken wir zurück auf den Herbst 2023.
 
Das waren sie, unsere gekürten Preisträger für die besten historischen Romane:
 
Goldene Homer
 
René Anour - Die Totenärztin. Donaunebel
 
Silberner Homer
 
Ulf Schiewe - Der eiserne Herzog
 Alex Beer - Felix Blom. Der Häftling aus Moabit
 
 Bronzener Homer
 
Eva Grübl - Botschafterin des Friedens
 Ana Pawlik - Die Welt im Nebel


Im vergangenen Jahr hat die Jury erneut eine Vielzahl von
 eingereichten Romanen gelesen und die zehn besten herausgefiltert.

Die Bekanntgabe der Kandidatinnen und Kandidaten, die es auf die Shortlist
für den
 
Literaturpreis Goldener HOMER 2024
 
geschafft haben, findet statt am
 
21. März 2024 um 14:00 Uhr
 
auf der Leipziger Buchmesse
beim Oeverbos Verlag
Halle 5, Stand B10.
 
 
Wir laden herzlich zur Verkündung der Shortlist 2024 ein.
 

Mittwoch, 13. März 2024

Abenteuer Buchmesse


Zugegeben: Menschenmengen sind mir ein Graus. Deshalb meide ich sie in der Regel. Einzige Ausnahme sind Buchmessen, auch wenn sich dort bekanntermaßen immer sehr viele Menschen aufhalten. Der Grund: Ich bin büchersüchtig. Dazu stehe ich.
 
Ich begann allerdings sehr spät damit, Buchmessen zu besuchen. 2020 wollte ich das erste Mal zur Leipziger Buchmesse und wurde vom Beginn der Corona-Pandemie ausgebremst. Die Stadt in Sachsen habe ich mit meinen Bücherfreunden von meiner Lieblingscommunity BücherTreff trotzdem kennengelernt und erkundet, und es war großartig.
 
Im Herbst 2021 ging es dann wirklich los. Für meinen Einstieg ins Messeleben war die BUCHBERLIN ideal. Obwohl sich alles in einer 6.500 Quadratmeter großen Halle der Arena Berlin abspielte, gab es alles in allem ein überschaubares Messeleben, das ich trotz Maske mit spürbarer Freude erlebt und deshalb im darauffolgenden Jahr wiederholt habe.

Damit war ich mental gerüstet für die Leipziger Buchmesse 2023.
 
Einen Plan hatte ich mir nicht gemacht, ich wollte das Geschehen auf mich zukommen lassen. Heute denke ich, dass das für eine Newcomerin wie mich die richtige Einstellung gewesen ist. Vieles hat sich von selbst ergeben, und auf meine "Reise" durch die Hallen der Messe konnte ich so viele vertraute und neue Verlage kennenlernen, kam mit den unterschiedlichsten Menschen ins Gespräch und habe diverse Veranstaltungen direkt auf dem Messegelände und zudem außerhalb besucht. Tatsächlich empfand ich die Lauferei überhaupt nicht als schlimm, die Joggerin in mir war hierfür bestens vorbereitet. Lediglich das Gedränge am Sonnabend und Sonntag war dann etwas anstrengender.
 
Mit vor allem positiven Eindrücke und dem Versprechen, wiederzukommen, bin ich nach Hause gefahren ...

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Die Leipziger Buchmesse ist eine "reine" Publikumsmesse, im Verbund mit der MANGA-COMIC-CON (herrlich all diese bunte Phantasie) und dem Lesefest LEIPZIG LIEST findet sie vom 21. bis 24. März 2024 statt.


Dienstag, 12. März 2024

DELIA Literaturpreis

Ein weiterer Buchpreis wird auf der Leipziger Buchmesse verliehen: der DELIA Literaturpreis der Vereinigung deutschsprachiger Liebesroman-Autorinnen und -Autoren.

Nominiert für den besten Liebesroman des Jahres sind:

Sophie Bichon - Wenn die Sonne glüht
Hannah Conrad - Ein Graf auf Abwegen
Leonie Lastella - Seaside Hideaway. Unsafe
Claudia Leyla - Wo die Störche fliegen
Angela Lund - Eismusik
Lia Scott - Sturmjahre. Ein Gefühl von Unendlichkeit
Anne Stern - Dunkel der Himmel, goldhell die Melodie
Jana Voosen - Im nächsten Jahr zur selben Zeit
MeikeWerkmeister - Am Horizont wartet die Sonne
Jennifer Wiley - In jedem Atemzug nur du


In der Rubrik "Junge Liebe" haben es auf die Shortlist geschafft: 

Gordon Ambos - Zu nah an die Sonne
Theresa Czerny - Die wilden Pferde von Rydall Hill. Leuchtende Hügel
Julia Dippel - A Song to Raise a Storm
Kristina Magdalena Henn - Ende Juli, Anfang August
Jana Hoch - The Ruby Circle – All unsere Geheimnisse
Chris Kaspar - Forget me someday
Kira Licht - Catching Feelings
Schoder - The Romeo And Juliet Society. Rosenfluch
Yasmin Schlaganfall - Tokioregen
Alicia Zett - Wie Wellen im Sturm


Die Preisträgerinnen oder Preisträger werden am 23. März 2024 im Rahmen der Leipziger Buchmesse feierlich verkündet.
 

Montag, 11. März 2024

Selfpublishing-Buchpreis

Viele Autorinnen und Autoren veröffentlichen ihre Bücher im Selfpublishing. Ich habe unter diesen Werken bereits sehr gute entdecken können.

Der Selfpublisher-Verband kürt jedes Jahr die besten von ihnen. Als Mitglied der Vorjury B habe ich einen Blick auf etwa 950 Bücher geworfen, um eine Rangliste meiner Favoriten in den verschiedenen Bereichen zu erstellen.

Nun befinden wir uns auf der Zielgeraden, und folgende Nominierte der Shortlist haben die Chance, mit dem Selfpublishing-Buchpreis ausgezeichnet zu werden.


Es sind im Bereich Belletristik:

📕Petra Teufl - LOUISENSTRASSE 13
📕April Wynter - UNDER FLOWING STARS
📕E.V. Ring - CYAN ZANE VEIL


Es sind im Bereich Kinder- und Jugendbuch:

📘Jane Jott - BAKTERIEN UND SO, DIE LEBEN WO?!
📘Jana Maris - SOMMER MIT YASHAR
📘Axel Fischer - DER HEISSBÄR


Es sind im Bereich Sachbuch/Ratgeber:

📙Cornelia Lotter - VOM FORTGEHEN UND ANKOMMEN
📙Florian Sturm und Christian Weigand - EIN LEBEN FÜR DEN OZEAN
📙Katja Seidel - KANUTOUREN BAND 1
 

Es sind in der Sonderkategorie Lyrik:

📗Sandra Rodenkirchen - BRUNOOO! EIN ADVENTDBOOKLET
📗Johanna Schließer - BRIEFE AN DER ZEIT
📗Katharina Lankers - VOLL ABGEDICHTET. NIEDER MIT DEN UNGEREIMTHEITEN

Am 22. März 2024 werden im Rahmen der Leipziger Buchmesse die Gewinnerinnen und Gewinner feierlich bekannt gegeben.
 

Freitag, 8. März 2024

Drei Tage Erste Nachkriegsjahre - Tag 3: Helle Tage, dunkle Schuld

Am heutigen internationalen Frauentag kehren wir nochmals literarisch in die ersten Nachkriegsjahre zurück ...


1948 leiden die Deutschen nach wie vor unter den drastischen Folgen, die ihr Weltkrieg über die Menschen gebracht hat. Die Entnazifizierung durch die Alliierten ist noch nicht abgeschlossen und erweist sich bereits jetzt als lückenhaft und inkonsequent. Ehemalige NS-Diener drängen zurück auf ihre alten Posten.

Damit muss sich auch Kriminalinspektor Carl Bruns auseinandersetzen, der wegen eines jüdischen Großvaters und des verbundenen (fehlenden) Arier-Nachweises für elf Jahre aus dem Polizeidienst entlassen worden war, stattdessen als Bergmann gearbeitet hat und erst nach Kriegsende wieder eingestellt wurde. In der Essener Polizeibehörde steht er tatsächlich eines Tages seinem ehemaligen Ausbilder gegenüber, der sich rehabilitieren möchte.

Doch nicht nur das beschäftigt Carl.

Er wird zu einem Tatort gerufen, dessen Opfer ihn mit der Vergangenheit verbindet. Bei der Toten handelt es sich um die Mutter eines gesuchten Naziverbrechers, der für eine Massenerschießung von Zwangsarbeitern verantwortlich zeichnet und sich auf der Flucht befindet. Außerdem ist der gesuchte Hoffmann mit Frieda, der Schwester von Carl erster großer Liebe Anna verheiratet. Die Frauen waren einst aus Angst vor den Grausamkeiten und Peinigungen des Mannes nach Köln geflohen. Nachdem das Testament der Toten ihren Enkel Emil als Haupterben bedenkt, kehrt die Familie nach Essen zurück.

Carl bezieht besonders Anna in die Ermittlungen mit ein. Zugleich flammen „alte“ Gefühle auf. Die verwitwete Krankenschwester scheint diese zu erwidern, so dass sowohl Carl als auch Anna Hoffnung schöpfen, dass ihnen nach all den Jahren etwas Glück zuteil werden wird. Wären da nicht weitere Tote und die Tatsache, dass sowohl Spuren zu den im Haus von Frau Hoffmann einquartierten Flüchtlingen und Ausgebombten sowie zu Frieda führen. Allesamt sind durchweg nicht gut auf die Ermordete zu sprechen und verhehlen ihre Abneigung nicht.

Wäre das nicht bereits schlimm genug, könnte Anna selbst in Gefahr sein ...


Eva Völler schreibt ohne Schnörkel und mit Intensität. Sie ist klar im Ausdruck der Schilderung der Verhältnisse und misslichen Lage in diesem Nachkriegsjahr und integriert in ihrem Roman „Helle Tage, dunkle Schuld“ gekonnt einen Kriminalfall mit dramatischen Handlungsablauf. In deutlicher Bildsprache beschreibt die Autorin eine Stadt, in der ganze Teile von Bomben zerstört wurden, so dass drei Jahre noch nicht genug Zeit waren, alle Trümmer und die gewaltige Menge des gesamten Schutts zu beseitigen. Aus diesem Grund sind die vorherrschenden Wohnsituationen mehr als beengt.

Deshalb leben die Bewohner des Mehrparteienhauses der toten Frau Hoffmann dicht an dicht zusammen, sie eint das jeweilige unterschiedliche Schicksal, jedoch auch die Antipathie gegenüber der Hausbesitzerin.

Die Deutschen befinden an einem Wendepunkt. Nach langen Jahren im Banne der Nazi-Herrschaft müssen sie erkennen, dass ihre Nation eine von Eva Völler betitelte „dunkle Schuld“ zu tragen und aufzuarbeiten hat, die für die meisten Menschen zwar unbegreiflich, hingegen unerlässlich im Verständnis ist, damit ein Wiederaufstehen möglich wird.

Es sind nicht ausschließlich die Vorgänge im Privaten, sondern daneben die gegenwärtigen politischen Gegebenheiten, beispielsweise in den Behörden wie der Polizei, die die Bemühungen erschweren, den Aufbau einer gerechten Gesellschaft voranzutreiben. Noch immer und bereits wieder gibt es all jene, die auf der Suche nach dem eigenen Vorteil sind und aus der Vergangenheit nichts gelernt haben und dies auch nicht wollen.

Hierdurch wirkt das Geschehen authentisch, in jeder Hinsicht nachvollziehbar und hat mir eine enge Teilhabe am Geschehen gestattet.

Eva Völler scheut sich nicht, Grautöne zu verwenden. Ihre Protagonisten sind nicht nur schwarz oder weiß gezeichnet. Sensibel beleuchtet die Autorin das Zusammensein der Menschen, die auf unterschiedliche Arten miteinander verbunden sind: Liebe, Freundschaft und Mitgefühl stehen Wut, Ablehnung und Hass gegenüber.

Carl wagt viel für seine erste Liebe Anna. Darüber hinaus muss er abwägen, wie er Wahrheit und Lüge voneinander abgrenzt, und vor allem, ob er das überhaupt will.

Anna stellt ihr Kraft völlig in den Dienst der Familie, zu der außer Frieda und Emil noch die jüngere Schwester Lotti gehört, und versucht, diese mit aller Macht zu schützen. Dabei trägt sie selbst schwer an vergangenen Ereignissen, geht indes mit ihrem Kummer nicht hausieren. Die echten Probleme behält sie für sich, sie funktioniert und will niemand anderen belasten.

Vorsichtig, aber stetig entwickeln Anna und Carl Empfindungen (neu), das selten gewordene Gefühl von Zusammengehörigkeit, so dass Sorgen und Ängste nebensächlich erscheinen – eine in meinen Augen sehr glaubwürdige Darstellung.

Eva Völler verdeutlicht, wie wichtig es ist, „aus der Vergangenheit zu lernen und es dann besser zu machen.“ Ihr Roman „Helle Tage, dunkle Schuld" ist ein hervorragendes Beispiel dafür.


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Der Roman ist bei Droemer Knaur erschienen, ich danke dem Verlag für die Bereitstellung und Julia Meyn für die Vermittlung des Rezensionsexemplares.