Dienstag, 14. Januar 2020

Das Einfangen...


... von Sonnenstrahlen gestaltet sich momentan etwas schwierig.


Der Wind will einfach nicht mitmachen und treibt immer wieder Regenwolken heran.


Montag, 13. Januar 2020

Neuschnee

Keep your friends close, but your enemies closer.“ / „Halte deine Freunde nah, aber deine Feinde noch näher.“ sagte schon Al Pacino als Don Michael Corleone in DER PATE 2. Doch was geschieht, wenn die Grenze zwischen Freund und Feind nicht (mehr) erkennbar ist? Wenn sich vermeintliche Freunde als Feinde herausstellen? Wenn Aufrichtigkeit, Vertrauen, Loyalität und Treue verloren gehen?

Ihr traditionelles Treffen während des Jahreswechsels verbringt eine Gruppe von Freunden, die die gemeinsame Studienzeit in Oxford verbindet, in den abgelegenen schottischen Highlands. Dieses Mal hat Emma, die Lebensgefährtin von Mark, die erst vor drei Jahren zur Gruppe gestoßen ist, den Aufenthalt auf dem exklusiven und idyllischen Landgut Loch Corrin in der winterlichen Wildnis organisiert. So atemberaubend die Landschaft auch ist. Es ist kalt. Und dunkel. Einsam obendrein.

Neben Mark und Emma sind Miranda und ihr Ehemann Julien, Nick und sein amerikanischer Partner Bo, Samira, ihr Ehemann Giles und ihr Baby Priya und Single Katie angereist. Die Managerin des Landguts, Heather, und Wildhüter Doug versorgen die Gäste, zu denen außerdem noch ein fremdes Pärchen zählt.

Einst standen sich die Freunde sehr nahe und hatten viel Spaß miteinander. Inzwischen gehören die damaligen Gemeinsamkeiten der Vergangenheit eines unkomplizierten Lebens an, weil familiäre und berufliche Verpflichtungen der Freundschaft in die Quere gekommen sind. So haben sich die Freunde im Lauf der Zeit auseinandergelebt und legen nicht mehr so viel Wert auf die Gesellschaft der anderen. Was allerdings auffällt: Sobald sie den Jagdsitz betreten, spielen sie ihre alten Rollen aus College-Zeiten. Es beginnt harmlos, dann erhöhen sich die Feindseligkeiten, nicht aufhaltbare Ressentiments und die Offenbarung von Geheimnisse. Bis das Geschehen im Tod eines Menschen gipfelt und klar ist, dass dieser keines natürlichen Todes gestorben ist.

Während ein Schneesturm die Gäste von der Außenwelt isoliert und verhindert, dass die Anwesenden das Lodge verlassen können und die Polizei ihre Ermittlungen aufnimmt, stellt sich die Frage, wer das Opfer und wer der Täter ist?



Lucy Foley zieht ihre Leser von Anfang an in die Geschichte hinein. Sie startet ihren Thriller „Neuschnee“ nämlich mit dem Auffinden einer Leiche, ohne aufzuklären, um wen es sich handelt. Danach wechselt sie ständig die Zeitebenen und verschiebt die Ereignisse zwischen der Entdeckung des Mordes und der Ankunft der Freunde in den Highlands drei Tage zuvor. Gleichzeitig jongliert die Autorin mit den Perspektiven einzelner Charaktere. So berichten Miranda, Katie, Emma und Heather aus ihrer jeweiligen Ich-Position heraus und ermöglichen einen Einblick in ihr Inneres, lediglich Dougs Part fällt aus diesem Rahmen.

Insgesamt ist dies stimmungsgeladen und mit Scharfsinn erzählt. Denn mittels der Cliffhanger innerhalb der Perspektiven und der Verwendung von nicht unbedingt neuen, gleichsam unheimlichen, ja durchaus gruseligen Momenten kreist Lucy Foley geschickt die Wahrheit ein und lässt die Leser nicht nur an der Motiv- und Tätersuche sowie der Auflösung teilhaben, ohne dass zu irgendeinem Zeitpunkt zu verwirren, sondern bietet außerdem einen Blick hinter die Kulissen von vermeintlich perfekten Beziehungen, das Dasein als Eltern oder als Single.

Obwohl sich Mark und Emma, Miranda und Julien, Nick und Bo, Samira und Giles sowie Katie seit Jahren kennen, und auch trotz der (aufgesetzten) Fröhlichkeit und der guten Laune ist es zum Beispiel für eine Außenstehende wie Heather unschwer festzustellen, dass etwas in diesem Freundschaftsgefüge nicht stimmt und sie sich und ihre Geheimnisse voreinander verstecken. Bis zur unausweichlichen Implosion.

Lucy Foley legt den Fokus auf ihre Figuren, und ihr Vermögen, diese präzise ins ins Licht oder auch Dunkel zu setzen, ist ausgesprochen anschaulich und detailliert, allerdings mit geringen Wiederholungen in der Beschreibung. In der Gruppe der Freunde gibt es die attraktiven, eleganten, erfolgreichen, stillen, langweiligen, harmlosen Personen, indes können nur wenige Sympathieträger ausgemacht werden. Es geht um Macht und Kontrolle, im der Großteil zeigt sich egozentrisch und unberechenbar. Dadurch stimmen sie wahrscheinlich mit gängigen Stereotypen überein, was aber nicht gravierend ins Gewicht fällt, spricht es doch für ein realistisches, durchaus fehlerhaftes menschliches Bild.

Im Gegensatz dazu hat Lucy Foley zwei Protagonisten erdacht, die in ihrem Leben große Verluste erleiden mussten und versuchen, eine traumatische Vergangenheit zu bewältigen. Heather und Doug schätzen die Einsamkeit der Highlands und die Abgeschiedenheit des Landguts, weil sie hier nicht jeden Tag mit dem konfrontiert werden, was sie verloren haben. Ihre Schicksale erhöhen die Dramatik der Geschichte genauso wie die Tatsache, dass ein Serienmörder in der Gegend gesichtet wurde...

„Neuschnee“ von Lucy Foley erweist sich als ausgezeichnete Charakterstudie, die zudem auch inhaltlich mit einem klugen Plot und niveauvoller Schilderung überzeugt.

4,5 Sterne


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Erschienen ist der Roman im Penguin Verlag, dem ich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares danke.

Donnerstag, 9. Januar 2020

Alleinkämpfer

Einige Primeln sind Alleinkämpfer und trotzen den Jahreszeiten.


Aber besonders wenn es draußen ungemütlich und nass ist,
sorgen sie für einen schönen Ausblick auf den Frühling.

Montag, 6. Januar 2020

Verliebt in Texas

Vor zehn Jahren wurde Molly Hart bei einem Überfall auf die Ranch ihres Vaters entführt, lebte danach bei den Kwahadi Comanchen und einem weißen Trapper. Jetzt, im Jahr 1877, ist sie endlich frei, kehrt in ihre texanische Heimat zurück, steht vor den Gräbern ihrer Eltern und ihrem eigenen und vor einem verlassenen und zerfallenen Haus. Neben dem Schmerz über den Verlust stößt Molly auf Erstaunen und Freude, aber ebenso auf Ablehnung. Und dann ist da noch der Mann, den sie niemals wiederzusehen glaubte.

Auch Matthew Ryan ist heimgekehrt. Seine Jahre als Ranger und harte Erlebnisse aus einer mit Folter verbundenen Gefangenschaft bei einem mexikanischen Bandit haben ihn verändert. Er ist schweigsam geworden und hängt seinen Gedanken nach. Und außerdem lastet der Tod der kleinen Molly schwer wie ein Felsblock auf ihm, weil er sie einst allein gelassen hat. In jenem Sommer der schrecklichen Ereignisse hatte Matt auf Wunsch seines Vaters auf der Hart-Ranch ausgeholfen und sich mit der damals neunjährigen Molly angefreundet. Für ihn, den immerhin acht Jahre Älteren war dieses wilde und begeisterungsfähige Mädchen die Schwester, die er nie hatte, und sie eroberte sein Herz im Sturm. Matt hatte sich als ihr Freund und Beschützer gefühlt. Deshalb quält sein vermeintliches Versagen sein Gewissen.

Nach langer Zeit treibt es ihn wieder zur alten Hart-Ranch, und er traut seinen Augen kaum, als er in der abgelegene Gegend der texanischen Prärie einer einsamen Reiterin begegnet und feststellt, dass es die totgeglaubte Molly Hart ist...


Kristy McCaffrey “Verliebt in Texas” ist ein Western, der klassische Elemente darbietet und einen Teil US-amerikanischer Geschichte thematisiert, in der es unter anderem um die Gefangenschaft weißer Kinder bei Indianern geht. Hierbei nimmt die Autorin keinerlei Wertung vor, sondern schildert auf neutrale und authentische Art und Weise die positiven und negativen Gegebenheiten. Allerdings steht das Leben bei den Indianern weniger im Vordergrund. Vielmehr beschäftigt sich Kristy McCaffrey mit der Situation derjenigen, die zurückkehren. Sie schildert an Hand ihrer Heldin Molly beispielsweise, wie viel Abscheu, Verachtung, Feindseligkeit und Ignoranz sich gerade Mädchen und Frauen gegenübersahen.

Daneben sorgen die Frage, wer für den Tod der Eltern der jungen Frau verantwortlich ist, und ein Familiengeheimnis für Aufregung im Verlauf des Geschehens. Natürlich würzt die Autorin ihre Geschichte mit Liebe und Romantik, und so sind auch entsprechende Szenen vorhanden. Im Großen und Ganzen hat “Verliebt in Texas” ein angenehmes Erzähltempo, in dem lediglich ab und an wiederholende Überlegungen auftreten. So erscheinen besonders die Zweifel und Schuldgefühle, denen sich Matt unterwirft, doch zu häufig erwähnt. Dadurch verharrt die Handlung für einen kurzen Moment, gewinnt dann andererseits durch einfließenden Humor.

Die von Kristy McCaffrey entwickelten Figuren sind mit vielfältigen Charakterzügen versehen. Sie passen in die Zeit und wirken trotzdem nicht veraltet. Das Schicksal hat Molly und Matt geprägt, sie haben in ihrem bisherigen Leben einiges meistern müssen und tragen bereits manche Lasten mit sich herum. Beide spüren immer noch die innere Verbundenheit von vor zehn Jahren, zu der eine gegenseitige intensive Anziehungskraft kommt. Während Mollys Herz schnell für Matt entflammt, will dieser keine weitere Annäherung, weil er meint, dass er nicht gut genug für die junge Frau sei. Bei seinem Bemühen, Molly einen Ehemann zu suchen, sie zugleich jedoch vor den Männern verstecken zu wollen, entstehen durchaus vergnügliche Augenblicke. Es dauert eine Weile, bis Matt merkt, dass sich die eigenen Gefühle nicht beeinflussen lassen.

Molly zeichnet aus, dass sie sich nicht vor Veränderungen fürchtet und für ihre Vergangenheit schämt. Auch bei den Kwahadi Comanchen traf sie auf Menschen, die ihr zugetan waren. Indes möchte sie Matt und seine Familie nicht in Verruf bringen.

Die Nebenfiguren, Familie und Freunde und weniger Wohlgesonnene haben eine differenzierte Ausarbeitung erfahren, fügen sich in das Gesamtbild ein. Sie ergänzen die Handlung, ohne zu viel Platz zu beanspruchen.

“Verliebt in Texas” sorgt mit einer ansprechenden Geschichte und treffsicher porträtierten Figuren trotz kleiner Schwächen für eine mitreißende Lektüre.

Donnerstag, 2. Januar 2020

Die Ewigkeit des Augenblicks

Das Schicksal hat Ava Hochstein in der Vergangenheit geprüft. Doch es bietet ihr einen Neuanfang in Paris und damit neue Eindrücke, neue Menschen, ein neues Leben. Vor einem Jahr hätte Ava die Chance voller Freude die Chance ergriffen, ihren Mann Dirk zu begleiten, jetzt fühlt sie nur Angst. Und Trauer. Denn sie müsste in Hamburg Murielle zurücklassen. Ihre Tochter, die das Leben nie kennenlernen durfte. Die Fehlgeburt traumatisiert Ava noch immer. Während für Avas Mann Dirk stets alles einfach ist und er Hindernisse scheinbar mühelos überwindet, ist für Ava das Überwinden selbst ein Hindernis. Hinzu kommen eine mysteriöse Augenkrankheit, so dass die junge Frau nicht mehr ihren Beruf als Lehrerin ausüben kann, und die Zweifel, ob sich Ava in der Liebe und folglich in ihrer Ehe von Anfang an geirrt hat.

Eine spontane Reise nach Paris, bei der Ava ihr neues Haus im Vorort Meudon in der Rue des Illusionistes aussucht, bringt die Wendung. Zwar gelingt es der jungen Frau nicht, sich mit den Extremen einer hektischen Großstadt zu arrangieren, aber vor allem die Besuche des nahegelegenen Museums umgeben von den Skulpturen von Rodin bescheren ihr eine innere Ruhe, die sie indes ihre Gefühle für ihren Mann mehr und mehr hinterfragen lässt. Außerdem sind da noch ihr Vermieter, der Kunsthändler Sebastian Duroc, der ihr mehr als aufdringlich wirkt, und die Villa auf dem Nachbargrundstück. Von dieser fühlt sich Ava angezogen, und während alle anderen Menschen nur eine verfallene leerstehende Ruine vor Augen haben, hört Ava des Nachts Klopfgeräusche, so dass sie nicht schlafen kann. Spielen ihr die Sinne einen Streich? Sie will der Sache auf den Grund gehen und entwickelt bald eine besondere Beziehung zum Haus und seinem Bewohner…


Stefanie Hohn hat – so schreibt sie selbst – mit „Die Ewigkeit des Augenblicks die „ausgetretenen Pfade des realistischen Erzählens... verlassen“ und sich „auf das unsichere Terrain des magisch-realistischen... begeben, um dort nach der tieferen Wahrheit zu suchen, die dem Kern dieser Geschichte innewohnt“. Darauf sollte sich jeder, der das Buch liest, einstellen und für diese Zeit den Verstand abstellen und nur auf das Herz hören. Dann wird er mit einer magischen und zugleich romantischen Geschichte belohnt, in der es der Autorin mit ihrer feinsinnigen Ausdruckskraft gelingt, schwierige Thematiken unbelastet zu vermitteln. Hierbei ist es das Können von Stefanie Hohn, die Empfindungen ihrer Protagonistin Ava auf eine Weise darzustellen, die deren Verlust, die Trauer, den Schmerz, die Zerrissenheit, die Sehnsucht, allerdings auch den Versuch, den Stolz zu wahren, sowie ihre Freude, ihren liebevollen Glücksmomente erleb- und fühlbar zu machen.

Sie glaubte, der Boden vibrierte, aber es war wohl nur ein innerliches Beben, eine Erschütterung der Sinne, die überfordert waren mit seiner Nähe, seiner Kraft und ihrer eigenen Willenlosigkeit, mit der sie all dies geschehen ließ.“

Für die Geschichte hat sich die Autorin umfassend mit der Bildhauerei auseinandergesetzt und ihre eigene Leidenschaft für diese Kunst entdeckt. So fließt ihr erworbenes Wissen darüber in den geheimnisvollen und überraschenden Handlungsrahmen ein, ohne diesen zu sprengen. Stefanie Hohn erschafft eine atmosphärische und lebendige Grundstimmung, in der im Übrigen auch die äußerst anschaulichen Beschreibungen der örtlichen Gegebenheiten einen hohen Stellwert einnehmen.

Auf seine besondere Art ist Stefanie Hohns Roman "Die Ewigkeit des Augenblicks eine Geschichte der Liebe, die die gewohnten Pfade verlässt, weil die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verschwimmen, von der Autorin aber in wortkünstlerisch hohem Maße miteinander verwoben werden.

4,5 Sterne


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Ich danke der Autorin für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Willkommen 2020!


Ich wünsche euch allen ein großartiges Jahr 2020.

Möge es ein gesundes, harmonisches, glückliches 
und ja auch ein abenteuerliches werden.

Und wenn es einmal traurige Momente gibt,
seid gewiss,
ein Lichtstrahl am Horizont wird immer zu sehen sein...

Freitag, 27. Dezember 2019

Neues vom Pferdehof - Toto hat Spaß!

 

Den Strick kenne ich ja noch gar nicht.


Darf ich damit spielen?


Oh, Mensch, das macht Spaß!


Den würde ich jetzt gern behalten.


Aber bewegen muss er sich schon.


Eh, wohin will er denn nun?


Na gut, bis zum nächsten Mal...

Mittwoch, 25. Dezember 2019

Frohe Weihnachten

 
Ihr Lieben,

ich wünsche euch
wundervolle, entspannte und harmonische Feiertage
mit vielen Momenten zum Innehalten.

Sonntag, 22. Dezember 2019

Die Schuld jenes Sommers


Ein Augusttag vor 24 Jahre ist der Wendepunkt in Fances' Leben gewesen. Er beendet abrupt die Freundschaft der achtjährigen Mädchen Frances und Wyn, als letztere spurlos verschwindet. Doch eine Nacht des Jahres 1942 ändert alles: Die Deutschen bombardieren Bath, und am Morgen danach vermisst Frances den kleinen Davy, auf den sie aufpassen sollte. Sie hatte ihn in die Obhut eines Ehepaares gegeben, weil sie am Geburtstag von Wyn einen Moment ihrer Freundin gedenken wollte.

Ist auch Davy im Bombenhagel umgekommen? Die Spuren sprechen dagegen, und die junge Frau ist sicher, dass Davy überlebt hat. Belastet von massiven Schuldgefühlen, die noch von Davys Mutter Carys verstärkt werden, begibt sie sich auf die Suche. Hierbei wird sie scheinbar von der Vergangenheit eingeholt. Denn außerdem werden in den Trümmern die sterblichen Überreste von Wyn gefunden. Immer mehr Hinweise offenbaren, dass die Wahrheit über deren Tod erschreckender ist als bisher gedacht. Und mit jeder tiefer gehenden Erinnerung verstärkt sich Frances' Überzeugung, dass für das damalige Verbrechen nicht die richtige Person zur Rechenschaft gezogen wurde und wie wichtig es ist, endlich zu wissen, was 1918 tatsächlich passiert ist?
 

Katherine Webb siedelt ihren Roman „Die Schuld jenes Sommers“ in zwei Zeitebenen an: Es sind zum einen die letzten Monate des ersten Weltkrieges von 1918 und zum anderen das Jahr 1942, und sie verknüpft beide auf nahtlose Art und Weise. Sie schildert in stimmigen und detaillierten Bildern den Alltag der Menschen im von Traditionen geprägten Bath mit jenen Ereignissen, die eine solche Gemeinschaft ausmachen, und packt das Schicksal ihrer Figuren in eine fesselnde und teilweise mysteriöse Handlung, die tiefe Einblicke in die Seele besonders ihrer Heldin Frances ermöglicht.

Dabei ist die Grundstimmung nicht nur in den Rückblenden des Jahres 1918 düster und oft sehr drückend. Während Frances in einer liebevollen Familie und ohne massive Entbehrungen aufwächst, sind Wyn und ihre Geschwister den Launen und Schlägen des Vaters ausgesetzt. Davon gibt es reichlich, die Mahlzeiten sind hingegen eher spärlich.

Die lichten Momente der Freundschaft der beiden Mädchen verschaffen dem Geschehen für Augenblicke Frohsinn, der Frances auch Jahre später noch mit Wyn verbindet. Allerdings ist Frances' Erinnerung lückenhaft, ja ihr Geist wehrt sich sogar, einzelne Begebenheiten abzurufen. Lediglich unklare Bilder, oft in Albträumen, zeigen sich. Erst nach und nach kristallisiert sich heraus, dass nicht jener geflohene Kriegsgefangene Wyn getötet  haben kann, mit dem sich die kleinen Schwestern“ anfreundeten und mit Nahrung versorgten.

Indes sind die Menschen nicht gewillt, dem Drängen von Frances nachzugeben, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen. Sie klammern sich an das Offensichtliche, Greifbare. Daher stößt Frances auf Unverständnis und Widerwillen und findet wenig Unterstützung in ihrem Bestreben, das Dunkel zu erhellen. Zudem muss sie sich mit ihren verschütteten und verdrängten Kindheitserinnerungen auseinandersetzen und diese in einen entsprechenden Kontext bringen.

Frances leidet unter dem Tod von Wyn, ebenso belasten sie Carys Vorwürfe. Das Fatale: Carys ist nicht nur Davys Mutter, sondern auch die ältere Schwester von Wyn. Seit Jahren trinkt sie und vernachlässigt ihre Kinder. Im Gegensatz zu Frances gibt es für sie keine ungeklärte Wahrheit über den Tod ihrer Schwester. Die Vergangenheit ist abgeschlossen, und die Fragen und Nachforschungen von Frances sind ihr mehr als unangenehm.

Katherine Webb meistert die emotionale Herausforderung ihrer Protagonistin mit hoher Ausdruckskraft und vermag es ausgezeichnet, die Verlustängste, die Verzweiflung, die Selbstbezichtigungen sowie den einhergehenden geistigen und körperlichen Schmerz spürbar werden zu lassen.


Auch dadurch wird „Die Schuld jenes Sommers“ zu einem komplexen historischen Roman, der mit einer durchdachten und tiefgreifenden Handlung aufwartet, die einen bewegt und mitempfinden lässt.

4,5 Sterne


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Erschienen ist der Roman im Diana Verlag, dem ich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares danke.

Dienstag, 17. Dezember 2019

Die Fütterung der Raubtiere...

... erfolgt hier, könnte man meinen, wenn man unseren Spatzentrupp beobachtet, nachdem das Vogelhäuschen aufgefüllt wurde. Tatsächlich aber ist die Gemeinschaft der Spatzen sehr sozial und wechselt sich ab mit dem "Futter fassen".