Er verlangt von Přemysl Ottokar die Freigabe des Herzogtums Österreich. Jedoch ist dieser nicht bereit, seine Pfründe ohne Widerstand aufzugeben.
Zwischen beiden entbrennt ein erbitterter Kampf um die Macht, der viele Menschen unterschiedlicher Herkunft in schwere und langwierige Auseinandersetzungen und damit zwischen die Fronten zieht. Hiervon sind auch die Menschen in Steyr und im Ennstal betroffen.
In den dortigen Wäldern sind Claus, einst Knecht auf dem Hof des brutalen Rudwin in Raming, und weitere Vogelfreie gerade dabei, sich mit dem Bau eines Gehöfts eine Lebensgrundlage zu schaffen.
Ännlin, die Geliebte von Claus, unterstützt das Vorhaben, hat aber mittlerweile auf der Burg Losenstein neben ihrem Auskommen auch ein Zuhause gefunden. Daraus ergeben sich Schwierigkeiten für die Liebe der beiden. Ännlin gerät nicht nur ins Blickfeld des Irenfried von Styra, in dessen Herrschaftsbereich Claus gelebt hat, sondern weckt darüber hinaus auch die Aufmerksamkeit von Dietmar von Losenstein. Das bringt sie und die Gemeinschaft im Wald in Gefahr.
Die Adligen stehen ebenfalls vor der großen Herausforderung, sich für eine Seite zu entscheiden. Dietmar von Losenstein und seine Freunde unterstützen Rudolf von Habsburg. Ihr Gegenspieler Irenfried von Styra ist - schon allein aus familiären Gründen - Přemysl Ottokar ergeben.
Die Shortlist des HOMER-Literaturpreises steht für hervorragende historische Romane. Mit “Der Fall des Eisernen Königs”, dem finalen dritten Band der Österreich-Saga, beweist Ana Pawlik eindrucksvoll, warum das Werk zu den Nominierten gehört.
Obwohl jedes einzelne Buch der Trilogie unabhängig voneinander gelesen werden kann, weil wesentliche Eckpunkte der Geschichte immer wieder aufgegriffen werden, empfehle ich interessierten Lesenden, die Reihe mit dem ersten Band zu starten, um sich das Vergnügen nicht zu versagen.
Schon auf den ersten Seiten entfaltet der Roman dank des Könnens der Autorin hinsichtlich Verarbeitung des historischen Stoffes ihrer Wahlheimat Österreich eine narrative Wucht, die uns unmittelbar in das späte 13. Jahrhundert hineinsaugt.
Ana Pawlik verknüpft mehrere wechselnde Handlungsstränge, wobei zwei im Mittelpunkt stehen. Auf der einen Seite befinden sich mit Ännlin und Claus Menschen aus dem einfachen Volk, deren Wege das Schicksal auseinander geführt hat. Während Ännlin als Zofe von Euphemia von Losenstein auf der Burg lebt, hat sich Claus gezwungenermaßen für das Dasein als Vogelfreier entschieden.
Ihnen stellt die Autorin die Adligen und Mächtigen gegenüber, die sich in verschiedenen Lagern befinden. Irenfried, der mit einer Tochter von Přemysl Ottokar verheiratet ist, unterstützt selbstverständlich seinen Schwiegervater, auch in der Hoffnung, dass er bei einem Sieg des Herzogs von Österreich an dem verhassten Dietmar von Losenstein seine Rachegelüste befriedigen und dessen Burg übernehmen kann.
Ana Pawlik bringt uns nicht nur die mit Intensität recherchierten historischen Hintergründe näher, sondern schildert die Veränderungen der Gegebenheiten aus unterschiedlichen Blickwinkeln mit erheblichem Spannungspotential und ohne jedwede Idealisierung. Sie stellt sich und uns die Frage, wie das Geschehen die Gesellschaftsschichten berührt, wie der Kampf in einer sich stetig ändernden Welt aussieht.
Diese einzelnen Sichtweisen ermöglichen einen weitreichenden und ausführlichen Einblick in eine unbekannte Epoche mit komplexen politischen Verhältnissen und Allianzen. Neben den historisch belegbaren Ereignissen, zu denen eine anspruchsvolle und realistische Beschreibung der Schlacht auf dem Marchfeld gehört, füllt sie die Handlung mit fiktiven Entwicklungen, so dass sich ein detailliertes Bild von hoher Aussagekraft ergibt.
Ihre sprachliche Gestaltung und Ausdrucksweise ist dabei anschaulich, mitreißend und von großer Empathie und Dynamik. Auch das Zeitkolorit punktet mit solcher Lebendigkeit und Energie, dass der Leser fast den herannahenden Sturm über dem Herzogtum Österreich zu spüren glaubt.
Zwar stolpert der historisch versierte Leser direkt zu Beginn über einen winzigen architektonischen Anachronismus – eine “Balustrade” ist als Begriff und Bauelement eigentlich erst der italienischen Renaissance vorbehalten. Doch genau solche winzigen Details schmälern die atmosphärische Dichte nicht im Geringsten. Das Erzähltempo und die visuelle Kraft des Stils sind so grandios, dass man gern darüber hinwegsieht. Hier zeigt sich die eigentliche Brillanz des Romans.
Hinzu kommt die meisterhafte und akribische Figurenzeichnung unterschiedlicher Klassen, Geschlechteridentitäten, Beziehungsformen und Gefühlswelten gerade im Kontext des 13. Jahrhunderts. Auch in “Der Fall des Eisernen Königs” sind überzeugende Charaktere in Aktion, die nicht fehlerfrei und schöngefärbt agieren. Vielmehr begeistern sie mit Authentizität sowie wahrhaftigen und nachvollziehbaren Reaktionen, einerlei, ob sie eher dem “guten” oder “bösen” Lager zugeordnet werden.
Ein umfassendes Nachwort dient dazu, geschichtliche Realität und kreative Freiheit voneinander abzugrenzen. Des Weiteren bietet das Personenregister eine vollständige Übersicht.
“Der Fall des Eisernen Königs” fesselt von der ersten Szene an und hält das Niveau bis zum Schluss. Ana Pawlik ist mit diesem historischen Roman eine würdige Kandidatin für den GOLDENEN HOMER, weil sie zeigt, wie Geschichte zu einer packenden Literatur wird.



























