Dienstag, 28. Juli 2026

Drei Tage im Havelland - Tag 1: Der Ort des Geschehens

Habt ihr schon einmal vom Havelland gehört oder gelesen? Vielleicht kann ich euch heute mit ein paar wissenswerten Informationen neugierig machen.


Von Devil m25, CC BY-SA 3.0
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7038652

Das südlich von Prignitz und Ruppiner Land in Brandenburg gelegene Havelland ist geografisch gesehen das U-förmig von der Havel umflossene Gebiet zwischen Oranienburg im Nordosten und Rhinow im Nordwesten. Den nördlichen Abschluss des Havellandes bilden der Fluss Rhin und der Rhinkanal.

Das Havelland gilt als historische Landschaft. Hierbei handelt es sich um einen Fachbegriff aus der Geschichtswissenschaft, der eine natürliche Region, deren menschliche Besiedlung untersucht wird, bezeichnet. Das Besondere daran ist, dass sich die Menschen in diesem Gebiet historisch eng miteinander verbunden fühlen. Dieses Gemeinschaftsgefühl bleibt auch dann bestehen, wenn sich politische Grenzen oder die Wirtschaft im Laufe der Zeit verändern.

Ein wunderbares Beispiel für dieses Identitätsgefühl ist die literarische Prägung der Region. Theodor Fontane setzte dem Havelland – wie auch vielen anderen brandenburgischen Gebieten – ein bleibendes Denkmal. Besonders seine berühmte Ballade HERR VON RIBBECK AUF RIBBECK IM HAVELLAND machte die Gegend weltbekannt. Zudem ließ er seine Romanfigur Effi Briest dort aufwachsen und widmete der Region einen eigenen Band seiner WANDERUNGEN DURCH DIE MARK BRANDENBURG.


Foto: Pixabay

Das Bild des Havellandes wird vor allem durch seine ausgedehnten Urstromtäler geprägt. Aus diesen tiefen Niederungen ragen inselartig riesige Hochflächen empor. Diese sogenannten Platten tragen meist Grundmoränen aus den eiszeitlichen Epochen, doch auch markante Endmoränen der Saale- und Weichseleiszeit formen die Region. Auf den sandigen, trockenen Platten erstrecken sich heute neben weiten Äckern auch dichte Wälder. Die größte von ihnen ist die Nauener Platte, nördlich gefolgt von kleineren Erhebungen, den “Ländchen”. Westlich des großen Havelbogens schließt sich zudem das Land Schollene an.

Foto: Pixabay
Abseits der Havel breiten sich in den Tälern spektakuläre Moorlandschaften aus. Nördlich der Nauener Platte liegen das Havelländische Luch und das Rhinluch – landschaftlich getrennt durch die Ländchen. Südlich davon erstreckt sich die Osthavelniederung. Sie ist durchzogen von kleineren Moränenhügeln und einer traumhaften Kette aus zahlreichen Havelseen. Dass diese Regionen heute so gut nutzbar sind, verdanken sie menschlicher Hand. Vom frühen 18. Jahrhundert bis in die 1950er-Jahre wurde vor allem der Norden des Havellandes durch ein riesiges Kanalnetz aufwändig entwässert.
Heute findet allerdings ein Umdenken statt. Das Land Brandenburg verabschiedete 2023 zur Stabilität des Wasserhaushaltes und der Bindung von Kohlendioxid ein Moorschutzprogramm, um trockengelegte Moore gezielt wieder zu bewässern. 
Der westliche Teil der Region zwischen Rhinow und Pritzerbe gehört zum Naturpark Westhavelland. Hier liegt mit der Unteren Havelniederung das größte zusammenhängende Feuchtgebiet im westeuropäischen Binnenland.
Das Havelland ist recht dünn besiedelt, wobei sich größere Städte wie Potsdam, Brandenburg an der Havel und Rathenow sowie das historische Spandau an den Havelübergängen entwickelten. Als wichtiges Zentrum im Berliner Umland verzeichnet zudem Falkensee ein starkes Wachstum.

Fotos: Britta Orlowski
Wirtschaftlich prägen weitläufiger Ackerbau und die Viehhaltung das Bild, während die Region um Werder für ihren intensiven Obst- und Gemüseanbau samt Weiterverarbeitung bekannt ist. Auch die traditionelle Fischerei auf den Havelseen sichert bis heute Arbeitsplätze.
Als Naherholungsgebiet für die Metropole Berlin gewinnt der Tourismus zunehmend an Bedeutung.
Eine zentrale Herausforderung bleibt jedoch die Verkehrserschließung. Die Havel ist zwar eine wichtige Wasserstraße, die weiten Seen und Feuchtgebiete erschweren allerdings den Ausbau von Straßen- und Eisenbahnnetzen.
Für Radbegeisterte ist das Havelland wegen seiner flachen Strecken und der gut ausgebauten Infrastruktur absolut empfehlenswert. Die Region lässt sich ideal auf dem Havelland-Radweg von Osten nach Westen oder auf dem naturnahen Havelradweg direkt am Wasser erkunden. Die Themenroute Fontane.Rad sei hingegen Kultur- und Geschichtsliebhaber empfohlen.
Wer sich für den naturnahen Havelradweg entscheidet, rollt direkt in eine kleine Oase der Ruhe, die nicht nur Ausflügler, sondern auch Literaten inspiriert: die Gemeinde Bützer. In dieser malerischen Kulisse und ihrer Umgebung sind auch die Romane der beliebten Havelland-Reihe von Britta Orlowski angesiedelt, die das Lebensgefühl der Region wunderbar einfangen.



Fotos: Britta Orlowski

Dieses alte slawische Fischer- und Bauerndorf blickt auf eine beeindruckende Geschichte zurück. Wahrscheinlich wurde der Ort, dessen Feldmark als “Krietz” bezeichnet wird, schon im Jahr 946 von Otto dem Großen unter dem Namen “Podesal” dem Bistum Havelberg übereignet. Die erste gesicherte urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1368.

Heute schätzen sowohl die Einwohner als auch die bereits erwähnten Radtouristen die idyllische Lage direkt an der Havel. Entlang des Ufers laden gemütliche Bänke und Sonnenliegen dazu ein, das Fahrrad kurz beiseitezustellen, die Beine auszustrecken und den Blick über das glitzernde Wasser schweifen zu lassen.


Foto: Britta Orlowski

Auch Kulturliebhaber kommen bei diesem Zwischenstopp auf ihre Kosten. Die spätromanische Dorfkirche wurde bereits Mitte des 13. Jahrhunderts erbaut. Im 19. Jahrhundert kamen der Vorraum und der markante dreigeschossige Turm hinzu, bevor das historische Bauwerk 1982 unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Neben der sakralen Architektur hat Bützer zudem das Antlitz großer Metropolen geprägt. Bis nach Berlin und Hamburg ist der Ort für seine roten Backsteinziegel bekannt. Anfang des 19. Jahrhunderts produzierten hier gleich vier Ziegeleien das begehrte Baumaterial, die letzte von ihnen stellte erst im Jahr 1966 ihren Betrieb ein.

Als stolzes Denkmal dieser industriellen Vergangenheit ragt noch heute ein weithin sichtbarer Schornstein in den Himmel und weist schon von Weitem den Weg.


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Wie schafft man sich ein Zuhause – und eine Familie?

Schon lange träumt Tina von einem Mehrgenerationenhof auf dem Land. Wie schön es wäre, den Lärm der Stadt hinter sich zu lassen und sich als Alleinerziehende von drei Kindern nicht ständig Sorgen machen zu müssen! Bei einem Ausflug nach Bützer, einem hübschen kleinen Ort an der Havel, entdeckt sie einen alten Bauernhof, der zum Verkauf angeboten wird. Doch allein kann sie den Preis nicht stemmen – Mitbewohner müssen her, die genauso viel Lust auf Landleben haben wie sie. Auch ihre Kinder sind noch lange nicht überzeugt. Und dann ist da noch der Vorbesitzer Jakob, der nicht wegziehen möchte und Tina mit seinem finsteren Blick und seiner Art wahnsinnig macht … Kann sie trotz aller Hindernisse ihr Glück finden? (Quelle: Verlag)

Erschienen ist der Roman bei dotbooks.


Samstag, 25. Juli 2026

Blogtour - Aus der Asche: Thriller

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Eine  Botschaft aus dem Jenseits? Svenja Paulus zweifelt an ihrem Verstand, als ihr ehemaliger Freund sich bei ihr meldet. Als Polizistin weiß sie, was sie mit ihren eigenen Augen sah: der Mann ist seit Jahren tot! Er verlor sein Leben in einem Inferno, dem Svenja selbst nur knapp entkam. Deshalb beginnt sie das zu tun, wovor der Tote sie eindringlich warnt: sie forscht nach.

Je tiefer sie jedoch in die Vergangenheit eintaucht, desto mehr zerbricht Svenjas Wirklichkeit. Menschen schneiden sie, Erinnerungen verschwimmen und unerklärliches Unheil geschieht. Treibt jemand ein grausames Spiel mit ihr, oder hat sie die Wahrheit über ihre Vergangenheit schlicht verdrängt? War sie bei dem Brand mehr als eine Zeugin? 


Arne M. Boehler hat einen psychologischen Thriller über Manipulation und Schuld, Wahrheit und Selbsttäuschung, Trauma und Erinnerung geschrieben. Ich erzähle euch heute im Rahmen der Blogtour ein paar wissenswerte Fakten über das literarische Genre THRILLER.

Das Wort “Thriller” stammt vom englischen Begriff thrill ab, was übersetzt so viel wie Schauer, Nervenkitzel oder Erregung bedeutet. Und genau darum geht es, denn diese Gattung lebt von einer permanenten Achterbahnfahrt der Gefühle, wobei die Spannung hier fast nie pausiert – oder dies zumindest nicht sollte.

Ein Thriller, der seinen Namen verdient, ist ein konstantes, psychologisches Spiel zwischen extremem Druck und kurzer Erleichterung, das sich durch die gesamte Handlung zieht. Um diesen Zustand zu erreichen, schöpfen Autoren aus dem Vollen und nutzen weite Spannungsbögen, fiese Cliffhanger und falsche Fährten (sogenannte Red Herrings), die uns bewusst in die Irre führen.

Obwohl sich Thriller, Mystery und klassische Krimis oft überschneiden, wird der ausschlaggebende Unterschied durch die Dynamik bestimmt.

Im typischen Kriminalroman steht die logische Ermittlung im Vordergrund. Höhepunkt ist die Aufklärung des Falls. Ein Thriller hingegen zielt direkt auf das Überleben ab. Die Helden müssen sich permanent gegen massive psychische oder physische Gewalt ihres Gegenspielers wehren. Das Finale ist kein klassisches Verhör, sondern in der Regel der meist haarscharf erreichte, finale Sieg über den Schurken, um sich selbst oder gar die ganze Welt zu retten.

Während Standard-Thriller stark auf Action und äußere Handlung setzen, dringt der Psychothriller tief in den Verstand der Figuren ein. Dabei steht nicht die Verfolgungsjagd im Fokus, sondern ein emotionaler, vielfach toxischer Konflikt zwischen den Charakteren oder der Kampf einer Figur mit den eigenen inneren Dämonen und Traumata.

Um diesen psychologischen Schrecken spürbar zu machen, nutzen Autoren bestimmte Techniken wie den Bewusstseinsstrom, bei dem wir ungefiltert die häufig wirren Gedanken einer Figur miterleben. Wiederholt kommen auch unzuverlässige Erzähler oder eine tiefgehende Aufarbeitung der Vorgeschichte zum Einsatz. Anders als beim klassischen Suspense, bei dem das Publikum einen Wissensvorsprung vor den Figuren hat, wissen wir im Psychothriller genauso wenig wie die Protagonisten. Dadurch entsteht eine extrem starke Identifikation, und wir tappen gemeinsam mit ihnen im Dunkeln.

Ganz andere Saiten zieht der Politthriller auf. Er bricht aus dem persönlichen Überlebenskampf aus und hebt die Bedrohung auf die staatliche Ebene. So bestimmen Spionage, Terroranschläge und kriminelle Verschwörungen in den oberen Machtetagen das Geschehen. Autoren jagen ihre Figuren durch ein Netz aus Korruption und Staatsaffären, das sich in realen oder fiktiven Ländern entfaltet. Die Storys gewinnen ihre erschütternde Intensität dadurch, dass sie fiktive Szenarien mit echten historischen Ereignissen verweben, wodurch die Grenze zwischen Fiktion und Realität gefährlich verschwimmt.

Technothriller bewegen sich oft im Grenzbereich zur Science-Fiction. Kennzeichnend sind die tragende Rolle technischer Innovationen sowie ein von Fachjargon geprägter Stil. Die Abgrenzung zur Science-Fiction erfolgt dadurch, dass die Handlung in der Gegenwart spielt und die gesellschaftlichen Auswirkungen der Technologie ausgeblendet werden. Steht bei einer solchen technologischen Bedrohung direkt das globale Schicksal auf dem Spiel, wird auch von einem epischen Thriller gesprochen.

Ökothriller etablierten sich in den 1980er Jahren. Im Zentrum der Handlung steht hierbei der dramatische Konflikt zwischen ökologischen Interessen und ökonomischen Profitgelüsten.

Ein weiterer Bereich sind Erotikthriller, die die klassische Hochspannung mit expliziten erotischen Elementen und psychologischen Machtspielen verknüpfen. Kippt die Bedrohung hingegen ins Übernatürliche oder Monströse, ist die Rede von Horrorthrillern, die den Nervenkitzel des Genres mit purem Grauen und Schockmomenten anreichern.

Dienstag, 12. Mai 2026

Selfpublishing Buchpreis 2025/26 - Die Siegertitel

Nun liegt die Leipziger Buchmesse bereits geraume Zeit hinter mir, ich möchte aber noch gern die Siegertitel des Selfpublishing Buchpreises bekanntgeben.

In der Kategorie Belletristik hat Susanne Mesterharm für VOGEL MIT LICHT das Goldtreppchen erklommen.


Berit wacht eines Morgens auf – und vier Monate ihres Lebens sind spurlos verschwunden. Fremde Möbel. Unbekannte Kleidung. Stimmen im Kopf.

Was wie ein Albtraum klingt, ist ihre Realität. Langsam fügt sich das Bild: In ihrem Körper leben viele. Jeder Teil trägt Erinnerungen, Schmerz, Überlebensstrategien – und gemeinsam erzählen sie Berits wahre Geschichte.

Zwischen innerem Chaos und äußeren Herausforderungen kämpft sie um Selbstbestimmung. Und um Liebe – zu sich selbst, und zu Martha. „Vogel mit Licht“ ist ein eindrucksvoller Roman über Identität, Trauma und Heilung. Mit literarischer Tiefe und psychologischem Feingefühl eröffnet er Einblicke in eine zersplitterte Seele, die sich neu zusammensetzt. Eine Geschichte über das Unsichtbare in uns – und die Kraft, daraus etwas Ganzes zu machen ...

In der Kategorie Kinder- und Jugendbuch erhielten Judith Spörl (Text) und Arabell Watzlawik (Illustrationen) für EINE TÜR FÜR DEN POMPS die begehrte Auszeichnung.


In der Kinderbuchwerkstatt gibt es Schreiblinge, Farbklecksis und jede Menge Kinderbuchfiguren. Pompsi gehört weder zu den einen noch zu den anderen. Er wurde von Marie aus einem Plakat gemalt.
Um sich nicht aufzulösen, braucht er dringend eine eigene Geschichte. Denn wie alle wissen: Kinderbuchfiguren sind unvergänglich!
Aber keiner hat Zeit, Pompsi eine Geschichte zu schreiben.
Und Marie traut sich nicht. Sie hat nämlich ein Geheimnis.
Nicht einmal Kater Kapitän Krümel, Küchendrache Schmauchi und Bücherschnurm Schnorbert wissen davon. Ob Pompsi ihr helfen kann – und Marie ihm?

In der Kategorie Sachbuch/Essayistik konnte sich Marc A. Hoffmann für SCHOTTLANDS MALT-WHISKYS. EINE REISE ZU DEN DESTILLERIEN über den 1. Preis freuen.


Erlebe Schottland wie nie zuvor! Tauche ein in die faszinierende Welt der aktiven Whisky-Brennereien und entdecke die Vielfalt der exquisiten Single-Malt-Whiskys.

Dieser Bildband zieht dich mit atemberaubenden Fotos, packenden Geschichten und einem Blick hinter die Kulissen der Whisky-Herstellung in seinen Bann.

Marc A. Hoffmann, begeistert von Schottland und seinen herzlichen Menschen, nimmt dich mit auf eine unvergessliche Entdeckungsreise. Hier wird das Kultgetränk Whisky seit Generationen gefeiert, und die Geschichten der Brennereien sowie die Gastfreundschaft der Bewohner lassen jeden Besuch zu einem besonderen Erlebnis werden ...

Meine herzliche Gratulation!

Freitag, 10. April 2026

DELIA Literaturpreis 2026 - Die Siegertitel


Auf der Leipziger Buchmesse wurden Mitte März die DELIA Literaturpreise verliehen.
Den DELIA Literaturpreis 2026 in der Kategorie ROMAN erhielt die Autorin Charlotte Roth für ihren Roman "Die Liebe der Mascha Kaléko".
Die Jury begründet dies:
„Es gibt Liebesromane. Und dann gibt es diese eine Geschichte, die dich mit der ersten Zeile packt, dir das Herz öffnet und es dir auf den letzten Seiten völlig neu zusammensetzt. Dieser Roman ist kein leises Flüstern. Er ist ein Puls. Ein Beben. Eine Erinnerung daran, dass Liebe nicht nett ist, sondern notwendig. Dass sie weh tut, rettet, zerstört und heilt. Jede Szene trägt dieses Knistern in sich, dieses ‚Jetzt passiert etwas, das alles verändert‘. Dieser meisterhaft komponierte, eindrucksvolle Liebesroman berührt nicht nur durch die fein ausgearbeitete, sprachliche Finesse, sondern auch durch seine besondere Emotionalität und eine fast schmerzhafte Nähe zu den Figuren. Man liest nicht, man erlebt mit. Und wenn man das Buch schließt, hat man nicht einfach eine Geschichte gelesen. Man hat eine große Liebe erlebt.“


Der DELIA-Literaturpreis 2026 in der Kategorie JUNGE LIEBE ging an Adriana Popescu für ihr Werk "Der Sommer mit dir".
Die Jury schreibt dazu:
„Ein mitreißender Roman, der die verschiedenen Stimmungen der Liebe zeigt, vom verheißungsvollen Sommerwind über dunkle Wolken bis hin zur Erkenntnis, welche Kraft in der Liebe liegt, wenn man sich ihr in all ihren Facetten öffnet. Dieser Liebesroman erinnert daran, wie überraschend und zugleich intensiv Nähe wachsen kann. Dabei lebt die Liebesgeschichte von jener besonderen Kraft, die entsteht, wenn zwei Menschen einander im genau richtigen Moment begegnen. Schmerz und Hoffnung, Zweifel und Zuversicht liegen dicht beieinander, während die Liebe bereits Wurzeln schlägt und sich auch in widrigsten Gegebenheiten nicht wieder vertreiben lässt. Genau diese Mischung erschafft einen Liebesroman, der die Herzen der Lesenden im Sturm erobert und sie so schnell nicht wieder loslässt.
Aufwühlend, romantisch und intensiv, ohne dabei die Leichtigkeit zu verlieren: Ein Kleinod und Meisterwerk zugleich.“

Herzlichen Glückwunsch!

Dienstag, 7. April 2026

Je tiefer der Wald

Vor zehn Jahren beginnt ein Albtraum für die Eltern der dreijährigen Leni, als das Mädchen während eines Ausflugs im oberbergischen Wald verschwindet. Seitdem befinden sich Julia und Sebastian in einer Spirale zwischen hoffnungsvoller Verzweiflung und Schuld.

Sie reagieren unterschiedlich auf den Verlust, die Ungewissheit und den seelischen Schmerz. Hieran scheitert ihre Beziehung. Denn während Sebastian die Suche nicht aufgibt, spürt Julia Erleichterung von dem Druck, der als Mutter auf ihr lastete.


Unverhofft taucht jedoch ein unbekanntes Mädchen auf und sagt nur ein Wort: Leni.


Ist sie Julias und Sebastians kleine Tochter? Die Ähnlichkeit ist verblüffend. Aber Leni zeigt sich unzugänglich und ängstlich.


Deshalb widmet sich Dr. Vinzenz Reker, ein erfahrener Kinder- und Jugendpsychologe, dem Kind. Er versucht behutsam und immer im Interesse des Mädchens, Licht ins Dunkel der Identität und Ereignisse zu bringen.


Für Julia und Sebastian werden hingegen alte Dämonen wachgerüttelt, der damalige Albtraum scheint wieder gegenwärtig zu sein. Wäre da nicht einerseits ihre Hoffnung, dass Leni ihre vermisste Tochter ist, auch wenn dieser die klar wahrnehmbaren gravierenden Veränderungen und Geheimnisse, die das Mädchen umgeben, gegenüberstehen …



In “Je tiefer der Wald” geht Daniel Kohlhaas vordergründig einem rätselhaften und ungeklärten Vermisstenfall auf den Grund und verwendet hierbei einen intensiven und empathischen Schreibstil, der den Handlungsverlauf dank kurzer Kapitellänge dynamisch vorantreibt, einen durchgängig kontinuierlichen Spannungsbogen beibehält, eine in Teilen bedrückende Stimmung vermittelt und uns als Leser unweigerlich in das Geschehen hineinzieht.


Doch die im elegischen Grundton erzählte Geschichte bietet noch einiges mehr. Sie fokussiert weniger das Verbrechen an sich, sondern befasst sich akribisch mit der psychologischen Seite der Vorfälle inmitten von Halbwahrheiten, Lügen und Geheimnissen, insbesondere den Empfindungen eines Elternpaares, die sich auf verschiedene Weise äußern.


Außerdem sind wir Zeugen von behutsamen Gesprächen des Psychologen mit einem traumatisierten Kind, in denen der Schmerz fast greifbar wird und die diesem emotional zusetzen. Auch aus diesem Grund legt er alles daran, das Schicksal von Leni zu ergründen und dem schweigsamen Mädchen dauerhaft helfen zu können.

Dabei wagt sich Daniel Kohlhaas auch an ein sozial eher tabuisiertes Thema: das Bedauern der Mutterschaft (“Regretting Motherhood”), einem anhaltenden Zustand, in dem eine Frau bereut, Mutter geworden zu sein, und zudem die Rolle als Mutter negativ erlebt.


Das lässt Julia zu einer Figur werden, bei der Annäherung schwierig ist, die allerdings im Verlauf der Handlung immer deutlicher Verständnis hervorruft.


Möglich wird dies durch die vom Autor gewählte Struktur aus zwei Erzählperspektiven. Neben den Szenen, die wir mit Vinzenz Reker bei den behutsamen Begegnungen mit Leni begleiten, sind wir an Julias Seite und werden in ihre Gedankengänge eingebunden.


Julia und Sebastian sind zwei vom Autor geschaffene Charaktere, die durch die zurückliegenden Ereignisse unter seelischer Erschütterung leiden, verunsichert und überfordert sind, die Erfahrungen der Vergangenheit zu bewältigen.


Erleichternd für die Schwere des Romans ist es, dass es seinem Verfasser in einigen Momenten gelingt, die düstere Grundstimmung etwas aufzuhellen, wozu die Dialoge mit Abir,  der Taxifahrerin von Dr. Reker, beitragen.


Mit “Je tiefer der Wald” hat Daniel Kohlhaas einen außergewöhnlichen und ambitionierten Thriller geschrieben, der den Leser auf Grund eines klugen Plots, des psychologisch fesselnden Geschehens sowie den komplex ausgearbeiteten Figuren in den Bann zieht und auch nach der Lektüre beschäftigt.


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Der Roman ist bei Niemeyer Buchverlage erschienen, ich danke dotbooks für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.


Mittwoch, 25. Februar 2026

Preis der Leipziger Buchmesse - Die Nominierten

Heute wurden die Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse veröffentlicht, mit dem seit über 20 Jahren herausragende Werk der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur gewürdigt werden. Dabei stehen die Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und literarische Übersetzung gleichwertig im Mittelpunkt.

Aus 485 Einreichungen von 177 Verlagen haben folgende 15 Titel eine Chance auf den Preis.


Helene Bukowski - Wer möchte nicht im Leben bleiben
Norbert Gstrein - Im ersten Licht
Anja Kampmann - Die Wut ist ein heller Stern 
Katerina Poladjan - Goldstrand
Elli Unruh - Fische im Trüben


Marie-Janine Calic - 
Balkan-Odyssee, 1933–1941. Auf der Flucht vor Hitler durch Südosteuropa
Ines Geipel - 
Landschaft ohne Zeugen. Buchenwald und der Riss der Erinnerung
Jan Jekal - 
Paranoia in Hollywood. Wie die USA exilierte Künstler erst retteten und dann verfolgten.
Ulli Lust - 
Die Frau als Mensch: Schamaninnen
Manfred Pfister - 
Englische Renaissance


Ulrich Faure für die Übersetzung aus dem Niederländischen -
Das Lied von Storch und Dromedar von Anjet Daanje
Tina Flecken für die Übersetzung aus dem Isländischen - 
Eden von Auður Ava Ólafsdóttir 
Manfred Gmeiner für die Übersetzung aus dem Spanischen - 
Unten leben von Gustavo Faverón Patriau
Timea Tankó für die Übersetzung aus dem Ungarischen - 
Die Aussiedlung von András Visky
Petra Zickmann für die Übersetzung aus dem Katalanischen - 
Ich gab dir Augen, und du blicktest in die Finsternis von Irene Solà

Die Preisverleihung findet am 19. März 2026 um 16:00 Uhr in der Glashalle der Leipziger Buchmesse statt.

Montag, 16. Februar 2026

SelfPublishing Buchpreis 2025/26 - Shortlist

Endlich ist es auch für den SelfPublishing Buchpreis soweit, am 14. Februar 2026 wurde die Shortlist verkündet.

In der Kategorie Belletristik sind nominiert:

Vogel mit Licht von Susanne Mesterharm
Das Erbe des Totenwäschers von Maria Nouria
Der Tengu von Tokio von Nicolas Müller


In der Kategorie Kinder- und Jugendbuch sind nominiert:

Ziso und das wilde Internet-Rambazamba von Christina Bäck
Igitt! Ich esse keine Bäumchen von Franziska Frey
Eine Tür für den Pomps von Judith Spörl


In der Kategorie Sachbuch/Ratgeber sind nominiert:

Schottlands Malt-Whiskys von Marc A. Hoffmann
Faszination Bosnien und Herzegowina von Melanie Thelen und Ricardo Helass
Hilfe bei Fehlgeburt von Dr. med. Caroline Lehman


Die Preisverleihung findet am 22. März 2026 um 14:30 Uhr auf der großen Bühne der Leipziger Buchmesse in Halle 5 statt.

Samstag, 14. Februar 2026

DELIA Literaturpreis 2026


Heute wurden die Nominierten für den DELIA Literaturpreis der Vereinigung deutschsprachiger Liebesroman-Autorinnen und -Autoren veröffentlicht.
 
Die Chance auf den Preis für besten Liebesroman des Jahres haben:

Corina Bomann - Die Frauen vom Rosenhag. Traum vom Neubeginn
Anne Handorf - Es könnte so einfach sein
Ozan Zakariya Keskinkılıç - Hundesohn
Mareike Klee - erzähl ich morgen
Astrid Lehmann - Nur ein kurzer Sommer
Kira Mohn - Note to myself: Liebe ist keine Option
Charlotte Roth - Die Liebe der Mascha Kaléko
Mina Teichert - Der Sonne entgegen
Charlotte von Feyerabend - Liebesrausch
Peter Wawerzinek - Rom sehen und nicht sterben



Audrey Fraser - I'll always choose you
Sophie Herbst - Wenn heute unser Morgen wäre
Saskia Louis - How to fight fate
Noarts & Falcons. Im Herzen wild und frei
Kristin MacIver - Limerick Love. Break the Rules
Adriana Popescu - Der Sommer mit dir
Leandra Seyfried - Under the same stars
Bianca Wege - Today I’ll fall for him
Marie Wowes - Anatomy of a Broken Heart
Alicia Zett - Camp Rainbow. Zwischen uns die Wolken
Die Preisverleihung findet im Rahmen der Leipziger Buchmesse am Sonnabend, den 21. März 2025 um 13:00 Uhr in Halle 5 im Forum Lesereise statt.

Donnerstag, 29. Januar 2026

Mord im Wattenmeer

Femke Janssen wäre gern wie ihr Ex-Freund Lasse, der im gehobenen Polizeivollzugsdienst als Kommissar arbeitet, Polizistin geworden. Doch eine nicht bestandene Prüfung verhinderte die Ausbildung, und deshalb studiert die 28-Jährige inzwischen - wenn auch mit wenig Begeisterung - Pädagogik und Englisch im zehnten Semester. Vielmehr möchte sie eine eigene Detektei eröffnen.

Femke ist in Dangast an der Nordsee aufgewachsen, liebt die Gegend und will nirgendwo anders leben. Schließlich kann sie in ein paar Minuten am Meer sein. Darum nimmt sie die Fahrten zu ihrem Studienort Oldenburg in Kauf und putzt nebenher zur Finanzierung ihres Lebensunterhaltes Ferienhäuser.

Als die junge Frau während jener Tätigkeit im Ferienhaus “Wattenmeer” eine Frauenleiche findet, ist nicht nur ihre Neugier geweckt. Femke sieht ihre Chance, mit der Unterstützung ihrer Nachbarin und Vermieterin Grete Flottbeek durch eigene Ermittlungen den Ursachen des Todesfalls auf die Spur zu kommen, obwohl Lasse ihr klarzumachen versucht, dass dies Aufgabe der Vareler Kriminalpolizei ist …


Daniela Gesing lädt uns mit “Mord im Wattenmeer” ins beschauliche Nordseebad Dangast ein und präsentiert den Entwurf eines Kriminalfall, der im Ansatz durchaus solide erdacht ist, im Verlauf des Geschehens einige Spannungsmomente bereithält und mit ein paar Überraschungen und Richtungsänderungen aufwartet, allerdings auch mit unglaublichen Zufällen.

Bei der Schilderung der örtlichen Gegebenheiten beschränkt sich die Autorin größtenteils auf die bekannten Sehenswürdigkeiten, so dass es schwierig ist, der eigentlich vorhandenen Atmosphäre des Küstenortes nachzuspüren. Hier hätte ich mir weniger steife Bilder fernab der Urlaubsprospekte mit Touristenattraktionen gewünscht.

“Der erste Fall für Reinigungskraft Femke Janssen” hat mich hinsichtlich der Protagonisten enttäuscht. Zwar punkten diese zunächst und überwiegend mit sympathischen Wesenszügen. Sie sind hingegen nicht konstant entwickelt.

Im Mittelpunkt steht Femke. Auf der Suche nach dem Sinn ihres Lebens sind für sie bereits ein paar Träume geplatzt. Sie wird als hübsch, ein bisschen chaotisch, lebensfroh und klug beschrieben. Daneben ist sie bodenständig, mag englische Krimis und möchte ihre Ambitionen, eine eigene Detektei zu eröffnen oder ein Buch zu schreiben, verwirklichen. Hierfür würde sie ohne zu zögern ein zukünftiges Dasein als Lehrerin in einer festen Beamtenstellung opfern.

Ob ihre in Teilen überschäumende Impulsivität sowie ihr im Grunde gutgläubiges und naives Wesen die besten Voraussetzungen sind, ihr Ziel zu erreichen, mag dahingestellt bleiben. Zudem stößt ihre Erwartungshaltung gegenüber ihrem Ex-Freund Lasse, in jeder Hinsicht unterstützt und wertgeschätzt zu werden, bei mir auf Irritation.

Nach meinem Empfinden mangelt es Lasse nämlich nicht an Wertschätzung. Er sorgt sich um ihr Wohlergehen, was die 28-Jährige mit Bevormundung verwechselt, und es ist logisch, dass er sich offiziell nicht mit einer Einmischung durch Femke einverstanden erklären kann, im Gegenzug jedoch akzeptiert, dass ihre Beobachtungen die Ermittlung weiterführen und vorantreiben.

An Femkes Seite agiert ihre Vermieterin Grete, deren verstorbener Ehemann einst Leiter der Spurensicherung war und einen Juwelenraub nicht restlos aufklären konnte. Ihr wird von der Autorin der Part einer “Miss Marple" zugedacht. Leider erfüllt sie das Bild der Agatha-Christie-Persönlichkeit nicht. Mir fehlen hier die Kompetenz, die Vorausschau, ja ein adäquates Denken und Handeln. Grete wirkt eher zögerlich und ängstlich und zögerlich. Ihre Versuche, Ordnung in das Leben ihrer Mieterin zu bringen, mögen amüsant gedacht sein, sind indes im Angesicht der Kuppelversuche unpassend.

Auch wenn der kauzige Fiete Pannkok Fiktion ist und für unfreiwillige Komik sorgt, gelingt mir nicht die Vorstellung, dass solcherart bequeme Kripobeamten existieren. Es sei denn, er ist als Karikatur für diejenigen gedacht, die mit Mitte vierzig versuchen, nach einer Scheidung “eine ruhige Kugel zu schieben”, aber an Erfolgen partizipieren wollen. Ihm gegenüber befindet sich sein Partner Lasse: jung, ehrgeizig, vermeintlich überkorrekt. Was für ein Klischee. 

Im Ergebnis ist “Mord im Wattenmeer” eine Geschichte, mit der Daniela Gesing meine Vorstellungen bezüglich einer unterhaltsamen und fesselnden Lektüre nur in geringem Maße erfüllt hat.

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Der Roman ist im Maximum Verlag erschienen, dem ich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares danke.