Mittwoch, 8. Juli 2020

Drei Tage (Mörderisches) Mallorca - Tag 3: Die Bewertung

Toni Morales und die Töchter des Zorns“ von Elena Bellmar ist ein solider Kriminalroman, der sich auf Grund seiner angenehmen Erzählweise sehr gut lesen lässt. Vordergründig beschäftigt er natürlich mit den Todesfällen, zudem spricht er allerdings auch einen erschreckenden Abschnitt der spanischen Vergangenheit an. Diesbezüglich gelingt es der Autorin ausgezeichnet, reale Fakten in ein fiktives Geschehen einzubinden. Mit Fingerspitzengefühl und Anteilnahme greift sie den furchtbaren, von der katholischen Kirche gedeckten und betriebenen Kindesraub in den Jahren von 1939 bis 1975 und sogar bis 2001 auf und bewegt damit nicht nur die Gemüter ihrer Protagonisten. Der vorgenommenen Wertung kann auf jeden Fall gefolgt werden, denn etwas anderes als Ablehnung der dargestellten Praktiken und abstrusen Ereignisse während der Franco-Diktatur kann es in diesem Fall auch nicht geben. So entsteht Verständnis, wenn Betroffene illegale Wege beschreiten, um die Geheimnisse ihrer Existenz aufklären zu können.

Weiterhin beschreibt die auf Mallorca lebende Autorin einige Details der kontrastreichen Gegenden der Insel: Raue Berglandschaft im ungewohnten Kontrast zur flachen Ebene, die atemberaubende Bilder und Blicke in die  Täler bieten. Andererseits hätte es im Verlauf der Handlung durchaus noch ein wenig mehr von diesem Flair sein können.

Die Figuren sind indes vielfältig, besitzen Individualität und unterschiedliche Charaktereigenschaften, die insbesondere in Tonis neuem Team bislang lediglich vereinzelt in den Mittelpunkt gerückt werden.

Antonio Morales selbst präsentiert sich als sympathische, zugängliche Persönlichkeit. Er möchte wirklich ein ansprechbarer Vorgesetzter sein, zu dem seine Mitarbeiter bei Problemen kommen können. Für ihn zählen Leistungen und der Zusammenhalt im Team. Darauf legt er auch bei den neuen Kollegen, Catarina Pérez, seine rechte Hand, den manchmal etwas übereifrigen David Zapatero, den werdenden Vater Pedro Sanchez, den ältesten Bruno Martín sowie den jüngsten Manuel Sastre, Wert.

Imponiergehabe und der Rang eines Beamten sind ihm gleichgültig. Als Chef hält Toni zwar nichts von der klassischen Rollenverteilung, achtet jedoch trotzdem darauf, dass Hierarchien zumindest zur Erhaltung der Autorität gewahrt werden, zumal außerhalb der eigenen vier Wände. Gleichberechtigtes Verhalten ist (leider) vom spanischen Machismo nicht gern gesehen wird, so würde die Achtung darunter leiden.

Erfreulich ist Tonis Bemühen um seine Ehefrau und ihr Wohlwollen. Sie begegnen sich auf Augenhöhe. Er liebt sie und ihre kleinen Wortgefechte. Und weil er mehr Zeit mit ihr verbringen und seine Ehe trotz ihrer Großzügigkeit und Nachsicht nicht dem Polizeidienst opfern will, hat er seine stressige Tätigkeit bei Europol in Madrid und Deutschland aufgegeben und Melanie überredet, nach Mallorca zu ziehen.

Mit auf die Baleareninsel ausgewandert ist Schwiegermutter Adelheid, eine Hippiebraut der Siebzigerjahre, die ab und an heimlich Gras raucht und auch sonst nicht auf den Kopf gefallen ist. Vielleicht ein wenig schrullig, hält sie sich nicht immer an die Regeln oder befolgt gar stur die Gesetze. Und dann knallt es gewaltig. Aber Toni schätzt ihre eigenwillige Art insgeheim, und Adelheid ist mit ihrem klugen Kopf und ihrer Empathie eine Bereicherung der Geschichte.

Nicht nur aus diesem Grund steht einer baldigen Reise nach Mallorca nichts im Wege. Denn immerhin will Toni Morales noch den Mord an seinem Bruder aufklären...




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Der Roman ist bei Pendo im Piper Verlag erschienen. Ich danke der Autorin für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares im Zuge der Vorbereitung.


Dienstag, 7. Juli 2020

Drei Tage (Mörderisches) Mallorca - Tag 2: Die Geschichte

Commandante Antonio Morales, der viele Jahre bei Europol gearbeitet hat, ist auf seine Heimatinsel Mallorca zurückgekehrt. Zum einen möchte er den seit zwei Jahren ungelösten Mord an seinem Halbbruder aufklären, zum anderen verspricht er sich von dieser Entscheidung endlich einen ruhigen Arbeitsplatz im Morddezernat und mehr Zeit für seine Frau Melanie, die als Anwältin tätig ist. Dafür nimmt in Kauf, dass seine ehemalige Geliebte Anabel García als seine Chefin bei der Jefatura des Policía Judicial das Sagen hat.

Aber von wegen entspannte Arbeitsbedingungen, Toni Morales täuscht sich gewaltig!

Einen Tag vor seinem offiziellen Dienstantritt wird an der Stadtmauer von Palma eine Frau tot aufgefunden. Die alte, fast neunzigjährige Nonne ist ermordet worden. Dieser Fall entpuppt sich von Anfang an als rätselhaft und mysteriös, stellt sich doch die Frage, wer einen Grund haben sollte, eine katholische Schwester zu töten? Schwester Clara lebte noch nicht lange im Konvent auf Mallorca, hatte kurz vor ihrem Tod gebeichtet und eine falsche Identität angenommen und ist beileibe kein Unschuldslamm gewesen. Zudem scheint ihre Personalakte in Madrid verschwunden. Genauso wie jene Frau, mit der die Nonne kurz vor ihrem Tod eine heftige Auseinandersetzung hatte.

Erst durch ein zweites Mordopfer kristallisieren sich erste Zusammenhänge heraus, und Toni Morales und seine Teamkollegen schlagen ein düsteres und undurchsichtiges Kapital der spanischen Geschichte auf, mit der sich zeitgleich auch seine Frau Mel beschäftigt.


Über Jahrzehnte kam es während der Diktatur von Francisco Franco von 1939 bis 1975 zur Entführung zehntausender Säuglinge und Kinder, zum Teil direkt nach der Geburt. Diese Verschleppungen wurden von einem kriminellen Netzwerk aus Ärzten und Krankenschwestern, Priestern und Nonnen sowie Beamten und Beerdigungsunternehmern gedeckt. Die sogenannten „Niños Robados“ – die geraubten Kinder – wurden vor allem politisch unbequemen republikanischen Regimegegnern weggenommen und an kinderlose, meist regimetreue Paare verkauft. Das Vorgehen zunächst hatte politisch-ideologische Gründe, war ungeachtet dessen ein für die Beteiligten einträgliches Unterfangen. Das staatliche Umerziehungsprogramm stützte sich auf die These, nach der republikanische Frauen eine angeborene Neigung zur Perversion hätten, die mit ihrem demokratisch Engagement ausbrechen würde. Dies rechtfertigte den dauerhaften Entzug der Kinder.

Das „Geschäft“ boomte, so dass es auch nach dem Ende der Franco-Ära bis 2001 weitere zahlreiche Fälle gab.

Ein Interesse an der Aufdeckung ist kaum vorhanden. Die Betroffenen – Eltern und Kinder – stehen vielfach ohne Unterstützung da. Eine Kooperation mit den spanischen Behörden gestaltet sich schwierig, vor allem nach dem Erlass des Amnestiegesetzes von 1977, der als ein Beitrag zum friedlichen Übergang von der Diktatur zur Demokratie gesehen wird. Damit droht den Tätern der Franco-Diktatur keine juristische Verantwortung mehr.

Menschen, die sich aufrichtig um Aufklärung bemühen, werden mundtot gemacht. Für die Opfer ist es gleichwohl tragisch und ungewiss, dass sie jemals die Wahrheit erfahren und ihre biologischen Verwandten finden werden...


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Der Roman ist bei Pendo im Piper Verlag erschienen.

Montag, 6. Juli 2020

Drei Tage Mörderisches Mallorca - Tag 1: Die Insel

Heute lade ich euch ein, mich drei Tage lang zu begleiten.

Dabei gehe ich davon aus, dass jeder jenes spanische Eiland im westlichen Mittelmeer, das zur Inselgruppe der Balearen gehört und eines der beliebtesten Urlaubsziele der Deutschen ist, kennt: Mallorca.


Mit 3.680 Quadratkilometern ist sie die größte Insel der Balearen und liegt etwa 180 Kilometer südöstlich von Barcelona und hat neben einer aufregenden Geschichte einige Sehenswürdigkeiten zu bieten.



Mallorcas geographische Regionen sind sehr vielfältig. Hier gibt es eine Mischung aus Gebirgszügen, Stränden und Ebenen, die sechs verschiedene Landschaften formen:


Serra de Tramuntana, das „Gebirge des Westens“ ist ein 15 Kilometer breiter Gebirgszug entlang der Nordwestküste. Das Hügelland Raiguer mit reichlich Wasser, aber wenig flachem, kultivierbarem Land befindet sich zwischen Gebirge und Ebene im nördlichen Zentrum. Als Plà de Mallorca wird die Ebene von Mallorca im Zentrum und Norden bezeichnet, wo landwirtschaftliche Produkte der Insel wie Kartoffeln, Reis, Mais und Gemüse sowie Wein angebaut werden und sich eine außerordentliche Anzahl von Mandelbaumplantagen den Anblick prägen. Den vorläufigen Abschluss bilden die Südküste Migjorn, wo ebenfalls die Landwirtschaft eine große Rolle spielt, und die Ostküste Llevant, wo sich kleine Naturhäfen und Sandstrände aneinanderreihen und in früher Vorzeit drei Naturhöhlen sowie die nicht öffentlich zugängliche längste Unterwasserhöhe Europas entstanden sind.


Unsere Reise führt uns in die sechste, die Hauptstadtregion Palma de Mallorca. Denn die Mittelmeerinsel hat ihre eigene Hauptstadt, die zugleich Sitz der Regierung der autonomen Gemeinschaft der Balearen ist.


Die Stadt ist jedoch nicht nur Regierungssitz und ein wesentliches Zentrums des Tourismus, sondern zudem das Versorgungsmetropole der Balearen mit dem größten Hafen, Flughafen und wesentlichen Infrastruktureinrichtungen.

Palma liegt im Westen der Insel in der Bucht von Palma und erstreckt sich über ein Gebiet von etwa 30 Kilometern. Mehr die Hälfte der Inselbewohner – etwa 500.000 - lebt hier. Dadurch ist sie zwar flächenmäßig die kleinste Region, allerdings die mit der höchsten Bevölkerungsdichte.


Da bleiben kriminelle Handlung nicht aus. Kaum zu glauben: 2018 standen Mallorca und ihre Schwesterinseln ganz oben auf der Liste der Kriminalitätsrate. In keiner anderen Autonomieregion Spaniens hat es so viele Straftaten gegeben wie dort. Besonders zugenommen haben Tötungsdelikte und Gewaltdelikte im häuslichen Bereich.

Deshalb haben die Kriminalisten der Insel sicher einiges zu tun, um das "Mörderische Mallorca" in Griff zu bekommen. Ein (fiktives) Beispiel präsentiert Elena Bellmar mit dem ersten Band der neuen Reihe:

„Toni Morales und die Töchter des Zorns“ ist heute als Taschenbuch im bei Pendo im Piper Verlag erschienen.


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Noch vor seinem offiziellen Antritt beim mallorquinischen Morddezernat wird Comandante Antonio Morales zu seinem ersten Fall gerufen: Eine Nonne wurde am Fuße von Palmas Stadtmauer ermordet aufgefunden. Doch wer würde einer gottesfürchtigen Neunzigjährigen den Tod bringen? Alles deutet auf eine unbekannte Frau hin, die zuletzt mit der Nonne im Gespräch gesehen wurde und jetzt unauffindbar ist. Als es zu einem zweiten grausamen Mord kommt, verdichten sich die Hinweise, dass beide Fälle zusammenhängen. Und Toni Morales stößt bei seinen Ermittlungen auf ein unfassbares Geheimnis, das in eine Zeit zurückreicht, die manch einer lieber vergessen würde. (Quelle Verlag)

Ich danke der Autorin für die Bereitstellung der Fotos.

Freitag, 3. Juli 2020

Neues vom Pferdehof - Spaziergang mit der Zuckerschnute

Ich nehme mir freitags immer Zeit für Resada, auch wenn ich mal nicht reiten möchte. Das passte es heute, dass die Zuckerschnute etwas stolprig war und es deshalb auch etwas ruhiger angehen lassen sollte.

Zeit für einen Spaziergang, den die alte Dame angesichts des saftigen Grüns am Weg und der zusätzlichen Möhrenstückchen sehr genossen hat...









Mittwoch, 1. Juli 2020

Am Wegesrand entdeckt...

... ein paar Wiesen-Margeriten.




Es sind auch diese Anblicke, die das Leben schön machen...

Dienstag, 30. Juni 2020

IMPRESS Challenge 2020 - Juni: Sommerflüstern


Seit fünf Monaten wohnt Taylor mit ihrer Familie in der neuen Stadt. Während ihre ein Jahr jüngere Schwester Lucy sich schnell eingelebt und einen kleinen Freundeskreis gefunden hat, ist die siebzehnjährige Taylor nicht unbedingt für ihre Kontaktfreudigkeit bekannt. Und sie mag es überhaupt nicht, dass Schulrückkehrer Hunter Reeves sich nicht von ihr abweisen lässt. Und zudem noch ihren Spind als den seinen beansprucht, weil er die älteren Rechte hat.

Dann erinnert sich Taylor, dass sie an ihrem ersten Schultag in eben jenem Spind einen Zettel gefunden hatte: „Fange an deinen Lieblingssong zu hassen.“ Sie zählt eins und eins zusammen und vermutet, dass die Nachricht eigentlich für Hunter bestimmt ist. Tatsächlich weiß Hunter damit etwas anzufangen. Was folgt, ist eine gemeinsame Schnitzeljagd. Und Taylor – so sehr sie sich auch bemüht – wird Hunter irgendwie nicht mehr los.


Sommerflüstern“ von Tanja Voosen hat mich positiv überrascht. Meine Erwartung, eine jener üblichen leichten Liebesgeschichten zwischen Jugendlichen an der Schwelle zum Erwachsensein zu lesen, wurde mit um einige ernstzunehmende Facetten in dem zeitgenössischen Plot ergänzt.

Da die Autorin das Geschehen aus der Ich-Position von Taylor beschreibt, hat sie sich mit ihrem Erzählton dem Alter ihrer Protagonistin angepasst, und der ist erfrischend locker, ohne all zu flapsig zu sein. Daneben gibt es nachdenkliche Momente, die den durch die Ereignisse gewonnenen Eindruck vertiefen. 

Ganz offensichtlich profitiert „Sommerflüstern“ von seinen außergewöhnlichen Hauptfiguren Taylor und Hunter, deren Interaktion und den vielen Wortgefechten. Beide sind nicht auf den Mund gefallen, die „Bälle“, die sie sich zuwerfen, sind vordergründig amüsant und witzig, oft ironisch, manchmal auch sarkastisch, haben Biss und Charme gleichermaßen. Sie offenbaren Intelligenz und Geschick beim Einsatz von Sprache und eine gewisse Reife.

Jedoch haben Taylor und Hunter trotz ihres jugendlichen Alters in der Vergangenheit nicht nur positive Erfahrungen gemacht, sondern Dinge erlebt, die sie in ihrer Wesensbildung beeinflussten.

Es fällt Taylor unsagbar schwer, Hunters Zuneigung zu akzeptieren. Sie ist eine Einzelkämpferin, etwas kantig und jähzornig und im Grunde immer in Verteidigungshaltung. Ihre starke Persönlichkeit nimmt sie selbst gar nicht wahr, genauso wenig wie ihre Wirkung auf Hunter. So stellt sie für diesen eine Nuss mit harter Schale, aber weichem Kern dar. Und er arbeitet mit Geduld und vielleicht auch ein bisschen Verbissenheit daran, sie zu knacken, weil er erkennt, dass sie niemand in ihr Inneres schauen soll.

Kennst du das Gefühl, wenn du einem Menschen begegnest und ihn auf den ersten Blick nicht ausstehen kannst? Von solchen Menschen sollte man sich fernhalten, weil sonst etwas ganz Schreckliches passieren könnte.“ „Nein“, antwortete er. „Kennst du das Gefühl, wenn du einem Menschen begegnest und ihn auf den ersten Blick furchtbar sympathisch findest, weil er dich zum Lachen bringt? Von solchen Menschen sollte man sich nicht fernhalten, weil einem sonst etwas ganz Wunderbares entgeht.“ (Seite 29)

Hunter kontert mit Schlagfertigkeit und motiviert Taylor, ihre selbstgewählte Isolation zu verlassen. Seine eigenen Sorgen hingegen versteckt er hinter einer heiteren Fassade und reagiert anfangs stur, wenn die Rede darauf kommt. Einmal Vertrauen gefasst, ist er hingegen aufgeschlossen und geradlinig.

Nicht nur hier zeigt Tanja Voosen Geschick bei der Schilderung, sondern ebenso bei der Entwicklung der Helden und ihrer Emotionen, die ich als einfühlsam und überzeugend einschätze.

Der im letzten Drittel der Geschichte gewählte Handlungsverlauf hat mich indes ein wenig überrollt, weil er teilweise konstruiert wirkt. Obgleich sie einen gewissen Kick in das Geschehen bringen, hätte es solcherart dramatische Szenen meines Erachtens nicht gebraucht.

Davon abgesehen, ist "Sommerflüstern“ eine hinreißende Liebesgeschichte, die vor allem wegen ihres bemerkenswerten Protagonistenpaares Taylor und Hunter fasziniert.

IMPRESS CHALLENGE 2020 - Juni Extra


In diesem Monat war zusätzlich zur Hauptaufgabe (die später noch folgt) Kreativität gefragt, nämlich die Nachstellung eines IMPRESS Covers. Da ich das ja bereits im Mai getestet und inzwischen Übung im Zeichnen habe, ist meine Entscheidung erneut auf diese Art der Gestaltung gefallen.

Ich präsentiere meine Interpretation des Covers für "Sammlerin der Seelen" von Cornelia Zogg...


Zum Vergleich zeige ich euch natürlich auch das Originalcover.



Montag, 29. Juni 2020

Lucas und der Zauberschatten

Lucas steht vor der Meisterung einer Mutprobe. An sich völlig in Ordnung für ihn, sofern diese „Challenge“ tatsächlich ein Spaß wäre. Doch Lucas soll die Boombastic 4.0, eine neue Musikbox, aus dem Laden stehlen. Und das kann er überhaupt nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, denn in seinem ganzen Leben hat er noch nie gestohlen.

Wie kommt er aus dieser Situation nur wieder raus, ohne dass seine kleine Schwester darunter leiden muss, wenn Lucas sich vor der Wette drückt?

Die Musikbox rückt in den Hintergrund, als ein alter Mann auftaucht, der ziemlich seltsam erscheint. Ob Lucas ihm glauben kann, dass dieser Nathanael ein Magier ist und vor Jahrhunderten beim berühmten Zauberer Merlin gelernt hat? Irgendetwas Wahres muss daran sein, weil die folgenden Ereignisse so unglaublich und verrückt sind, als dass sie nicht stimmen können. Und so begibt Lucas gemeinsam mit seinen neuen, gleichaltrigen Gefährten Li-Feng und Ole auf Zeitreise, um Nathanael zu helfen, die Teile des zerschnittenen Tuches der Tafelrunde zu finden, wieder zusammenzufügen und letztlich Nathanaels Gegenspieler, Zauberer Shalamar, Paroli zu bieten, der den Erfolg ihrer Mission unbedingt verhindern und den Menschen schaden will


Mit „Lucas und der Zauberschatten“ hat Stefan Gemmel eine abenteuerliche Geschichte für Kinder ab zehn Jahren verfasst, die ergänzt durch die in schwarz-weiß gehaltenen Illustrationen von Timo Grubing, die sich leider manchmal wiederholen, für eine kurzweilige Lesezeit sorgt, während der auf Grund des Erzähltempos keine Langeweile aufkommt. Geschickt integriert der Autor die Sage um König Artus und seine Tafelrunde, verknüpft fantasievolle Vergangenheit und authentische Gegenwart mittels Zeitreise und beschreibt ein energiegeladenes und aufregendes Geschehen, das die jungen Leser mitfiebern lässt, durchaus einige bedrohliche Momente beinhaltet, aber ebenso lustige Szenen, vor allem mit Knubbelgeist Kracks. Daneben wendet er sich aktuellen Themen zu, die Kinder beschäftigen: Mobbing und Mitläufer in der Schule, Zusammenhalt und Freundschaft sowie Mut, von der Menge abweichende, eigene Entscheidungen zu treffen und damit gegen den Strom zu schwimmen.

Stefan Gemmel legt besonderes Augenmerk auf seine kleinen Darsteller und stattet sie mit unterschiedlichen Charakteren aus. Ihre Handlungen und Empfindungen schildert der Autor verständlich und nachvollziehbar. Die Kinder ermöglichen eine Identifikation, sind vielfältig, jedoch nicht überfordernd in ihrem Wesen mit jeweiligen für sie typischen Eigenschaften. So verfügt Lucas beispielsweise über eine rasche Auffassungsgabe, kann mit seinem Verstand zügig Situationen erfassen und dann entsprechend reagieren. Nicht zu vergessen löst er Rätsel wie kein Zweiter. Überhaupt sind Rätsel sehr wichtig in der Geschichte, und deshalb hält das Buch am Ende auch einige bereit.

Wer also gerne Abenteuer erlebt, sollte Lucas und seine Freunde unbedingt begleiten, um herauszufinden, was es mit den Zauberschatten auf sich hat. Bereits im August geht es nämlich weiter...

4,5 Sterne

Sonntag, 28. Juni 2020

Hummelburg

Ein Insektenhotel bauen müssen wir hier nicht.


Auch so bietet unser Garten viele Unterschlupfmöglichkeiten.


Gut, dass wir die "Steinburg" nicht fortgeräumt haben.


Schaut mal genau hin:


Es herrscht reger Betrieb...


... denn die Burg hat neue Bewohner...


Und sie sind emsig bei der Arbeit.


Samstag, 27. Juni 2020

Aktion - Die Reise des Elefantengottes


Wie ist es, das erste Mal in ein Land zu reisen, in dem man noch nie gewesen ist, obwohl ein Elternteil daher stammt?

Mit dieser Frage muss sich Priyanka, die Hauptfigur des Romans „Die Reise des Elefantengottes“, auseinandersetzen. Die neununddreißigjährige Tochter eines Deutschen und einer Inderin lebt in Berlin. Doch bis auf ihren Namen weiß sie im Grunde nur so viel wie die meisten ihrer Mitmenschen über die einstige Heimat ihrer Mutter. Denn leider hat Asha nie mit ihr über das Land, das sie nach dem Verlust ihrer Familie 1968 verließ und nie wiedersah, gesprochen.

Als Priyankas Mann ihr zum Geburtstag eine Reise nach Delhi schenkt, tritt sie diese nach erster Unentschlossenheit an, und ihre einzige Vorbereitung besteht darin, sich einen Reiseführer zu kaufen. Aber ansonsten ist es für Priyanka eine Reise ins Unbekannte.

Was erwartet sie?

Als Priyanka in Delhi ankommt, schlägt ihr zunächst einmal heiße Luft entgegen, und hochsommerlicher Wind begrüßt sie. Im Mai herrschen über dreißig Grad. Am Straßenrand stehen riesige Palmen, hier liegen obdachlose Frauen, Männer und Kinder und schlafen. Priyanka ist nicht darauf vorbereitet, dass die Armut, über die sie schon so viel gelesen hat, sie trotzdem derart schockiert.

Delhi ist nach Mumbai die zweitgrößte Stadt Indiens, sogenanntes Nationales Hauptstadtterritorium und schließt Neu-Delhi mit ein. Die Metropole gehört zu den Megastädten der Welt. Im Jahr 2009 – zum Zeitpunkt der Handlung – dürfte die Einwohnerzahl knapp unter 11 Millionen liegen. Dagegen wirkt die deutsche Hauptstadt Berlin, in der Priyanka zu Hause ist, mit ihren ungefähr  3,4 Millionen Menschen überschaubar.

Indien weist eine nahezu unzählige Vielfalt an Sprachen und Völkern auf. 80 Prozent der Einwohner Delhis sprechen Hindi. Priyanka indes nicht, sie hat sich nie für die Muttersprache von Asha interessiert und nur Deutsch und Englisch gelernt. Auch mit der indischen Kultur hatte Priyanka bisher kaum Berührungspunkte. Dabei ist diese faszinierend, bunt und facettenreich und stammt von den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen und Religionen. Malerei, Architektur, Tanz und Theater sind geprägt von zum Teil tausend Jahre alten Traditionen. Ebenso hinterließ die britische Kolonialzeit ihre Spuren.

Die junge Frau weiß, dass ihre Mutter zu den Hindus gehört, wie die Mehrheit der Bevölkerung Delhis. Daneben leben in der Stadt 13 Prozent Muslime, und zu den kleineren Minderheiten gehören unter anderem Sikhs und Christen.

In Berlin fällt Priyanka wegen ihres exotischen Aussehens, das ihre Herkunft nicht verbirgt, auf und wird deshalb oft angesprochen. An Bewusstsein dafür mangelte es ihr indes bisher. Sie hat es sogar hingenommen, dass eine Lehrerin ihren Namen in Bianca umwandelte und viele Freunde sie immer noch so nennen. Hingegen scheinen sie in Indien alle für eine ganz normale Inderin zu halten. Priyanka gibt das Sicherheit, und sie fühlt sich gut.

Allerdings hält Delhi weitere Überraschungen für sie bereit: Das Hotel in der Altstadt, das sie wegen ihrer Vorstellung einer besonderen fernab der vielspurigen Straßen herrschenden Atmosphäre gebucht hat, entpuppt sich als Absteige, in der ein kaputter Ventilator für Temperaturen wie in der Sauna sorgt. Wegen der dauerhaften Nutzung von Klimaanlagen fällt oft der Strom aus. Im wohltemperierten Wohnzimmer in Berlin würde es sich stattdessen aushalten lassen.

Und doch. Irgendwann, nachdem Priyanka frische Samosas gekauft hat und mit dem Geknatter und Geklingel der Motorräder und Fahrradfahrer, die sich an den im Stau steckenden, wild hupenden Autos und Rickshaws vorbeidrängeln, im Ohr in einer schattigen Ecke, etwas benommen von Abgasen, Curry-Gerüchten und Räucherstäbchen ihre Teigtaschen isst und jungen Männern nachsieht, die um die Aufmerksamkeit einer kichernden Mädchengruppe buhlen, und sie alle wunderschön findet, weckt das Beobachten des lauten Treibens das Gefühl in ihr, ein Teil davon zu sein. Und mehr und mehr kann sie sich auf das Abenteuer Indien einlassen...


Der Geschmack von rotem Curry

Bis heute weiß die 39-jährige Priyanka nicht, weshalb ihr Mutter Asha als junge Frau aus Indin nach Berlin fliehen musste. Fast hat sie sich damit abgefunden, dass ihr Ashas Vergangenheit für immer verschlossen beibt, bis sie von ihrem Mann eine Reise nach Delhi geschenkt bekommt. Priyanka reist allein, nur der kleine Elefantengott, das einzige Andenken ihrer Mutter an die Heimat, begleitet sie. In Neu-Delhi taucht sie in eine farbenprächtige Welt ein und stößt auf ein dunkles Geheimnis. Doch weshalb stoßen auch hier ihre Fragen stets gegen eine Wand aus Schweigen? (Quelle: Verlag)


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Erschienen ist der Roman im Aufbau Verlag. Die Aktion wurde organisiert von der Netzwerk Agentur Bookmark. Weitere lesenswerte Artikel findet ihr hier.