Mittwoch, 17. Januar 2018

Zwei an einem Tag: Ein Platz in deinem Herzen

Die sechsunddreißige Grace McAllister hat sich für ein Leben ohne Kinder entschieden. Dann jedoch lernt begegnet sie dem gutaussehenden charismatischen Gastronomen Victor kennen, und sie fühlt, dass die Beziehung anders ist als ihre vorherigen. Diese Annahme ist berechtigt, denn dieser Mann ist etwas Besonderes: Victor hat zwei Kinder - Ava und Max. Aber da die Kinder bei ihrer Mutter Kelli leben, entscheidet sich Grace, das Wagnis einzugehen. Trotzdem gestaltet sich das Dasein als Teilzeiteltern nicht einfach, da Grace als Freundin des Vaters nicht unbedingt akzeptiert wird.

Als Kelli unter mysteriösen Umständen stirbt, sieht sich Grace von einem Tag auf den anderen damit konfrontiert, dass die Kinder nunmehr bei ihrem Vater wohnen und sie sich in der Rolle der „Stiefmutter“ zweier trauernder Kinder befindet.



„Ein Platz in deinem Herzen“ ist ein leiser Roman. Amy Hatvany gibt darin drei sehr unterschiedlichen Frauen eine Stimme: Grace, Kelli und der dreizehnjährigen Ava.

Da ist zunächst Grace, eine selbstbewusste Frau, die einfach nicht den Wunsch nach eigenen Kindern verspürt. Als sie Victor kennenlernt, muss sie auch seine zwei Kinder akzeptieren, wenn sie mit ihm zusammen sein will.

Amy Hatvany stellt Grace erfreulicherweise nicht als klassische kinderlose Karrierefrau dar. Vielmehr ist Grace ohne prägende Mutterfigur mit einem jüngeren Bruder aufgewachsen, weshalb sie auf eigene Kinder verzichtet. Sie ist weder herzlos noch auf sich bezogen, sondern auch in schwierigen Zeiten offen und ehrlich zu sich selbst, engagiert sich für misshandelte Frauen und hilft diesen, ihre zerstörten Leben aufzubauen.

Die neue Situation verunsichert und überfordert Grace. Es ist schwer für sie, sich in die Rolle einer Stiefmutter hineinzufinden, weil sie nicht weiß, ob es ihr gelingt. Zudem ist Victor so beschäftigt mit seiner Arbeit, dass er nicht in der Lage ist, zwischen seiner neuen Partnerin und den Kindern zu vermitteln. Von Anfang an lässt er es an der notwendigen Unterstützung mangeln, Grace an die für sie schwierigen Gegebenheiten heranzuführen. Denn Victor hat seinerseits Angst, Ava und Max kein guter Vater zu sein, zu schwach, um ihnen beizustehen und ihnen über ihren Kummer hinwegzuhelfen.

Doch Grace ist niemand, der einfach wegläuft und Menschen im Stich lässt, nur weil dies leichter wäre. Vielmehr stellt sie sich der Aufgabe.

„Vielleicht war Muttersein ja längst nicht so beängstigend, wie ich immer geglaubt hatte.“ (Seite 204)

Leider werden ihre Bemühungen nicht anerkannt. Trotzdem sie sich sehr zurücknimmt und Victor als Vater alle Entscheidungen überlässt, bekommt sie vor allem zu Amy sehr schwer Zugang.

Die Dreizehnjährige ist ein komplizierter Charakter und offenbart viele Schichten. Reif für ihr Alter musste sie nicht nur mit ansehen, wie die Ehe ihrer Eltern in die Brüche ging, sondern außerdem, wie ihre emotional instabile Mutter immer öfter in Depressionen versank. 

Amy wurde so in die Rolle der Verantwortlichen gedrängt, die sich um den Bruder und um die täglich anfallenden Dinge kümmerte. Und um die Mutter, die sie über alles liebte und um derentwillen sie all das tut. Weil sie im tiefsten Inneren niemals die Hoffnung aufgegeben hat, dass der Vater zurückkehrt und die Familie wieder zusammen ist.

Eine Menge, ein Zuviel für ein junges Mädchen. Sie verliert ihre Mutter und hat das Gefühl, mutterseelenallein zu sein. „Meine Mama war fort. Nie wieder würde sie mich in den Arm nehmen, mir nie wieder sagen, wie klug ich wäre und wie hübsch.“ (Seite 147) - Dann ist da noch die Angst, dass auch der Vater sterben könnte.

Während Grace und Ava in der Gegenwart erzählen, erfährt der Leser von Kellis Schicksal durch Rückblenden in die Vergangenheit. Dieses, geprägt von Lügen und Verdrängung, ruft unweigerlich Beklemmung und Bedauern hervor.

Denn Kelli ist die schwächste und traurigste Person in der Geschichte. Niemand kennt ihr Inneres wirklich, ihr Leben ist voller Geheimnisse. Geprägt von einer schwierigen Kindheit in einem strengen Elternhaus hat sie bereits in frühster Jugend gelernt, sich in zwei verschiedene Personen aufzuspalten – die, als die die anderen sehen wollen, und die andere, die sie wirklich ist.

An das Glück mit Victor hängt sie sich mit Hingabe, in ihrer Mutterschaft geht sie auf. „Erst als Mutter weißt du, was Liebe wirklich bedeutet. Es ist ein überwältigendes Gefühl, das man nur verstehen kann, wenn man selbst ein Kind hat. Es wiegt alle Schwierigkeiten auf und ist jede Minute wert.“ (Seite 143) - Doch sie klammert, und unweigerlich führt das zum Scheitern der Ehe.

Amy Hatvany hat emotional starke Charaktere geschaffen, die sich mit den Höhen und Tiefen des Lebens befassen müssen. Es gelingt ihr, durch die unterschiedlichen Sichtweisen die Empfindungen der Beteiligten offenzulegen. Diese sind nicht perfekt, sondern fehlbar, und sie müssen lernen, sich gegenseitig zu vertrauen und gemeinsam daran zu arbeiten, das Geschehene zu verarbeiten. Die Autorin macht es ihren Protagonisten nicht leicht und bietet keine einfache Lösung an. Dadurch wird ihre Schilderung realistisch.

„Ein Platz in deinem Herzen“ ist ein ergreifendes und hoffnungsvolles Porträt über ganz normale Menschen, die nach dem Verlust eines nahe stehenden Familienmitglieds versuchen, das Richtige zu tun, und die sich auf der Suche nach Liebe und Akzeptanz den Herausforderungen stellen.

4,5 Sterne


Erschienen ist der Roman im Blanvalet Verlag, dem ich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares danke.

Zwei an einem Tag: Frauen, Rosen und Schokolade

Anna ist ein Dresdner Schokoladenmädchen. Sie liebt Schokolade, und mit ihren zweiunddreißig Jahren hat sie sich etwas flirrend Mädchenhaftes bewahrt. Als Erbin einer alteingesessenen Dresdner Schokoladendynastie tritt sie in die Fußstapfen ihres Großvaters und kreiert feinste Schokoladenprodukte. Denn Anna besitzt den erlesenen Geschmackssinn ihres Großvaters.

Gleichzeitig schlägt ihr Herz für Rosen. Und sie träumt von einer Familie, einem Mann, Kindern, doch noch ist ihr das Glück nicht hold gewesen. Bis auf die letztgenannten Dinge könnte es ansonsten nicht besser laufen. In der Altstadt ihrer sächsischen Heimat hat sie ihr zweites Geschäft eröffnet und zugleich die ehemalige Familienvilla zurückgekauft. Deren Garten soll wieder das werden, was er einst war. Ein Paradies für Rosen. Anna will, dass die Rosenvilla im alten Glanz erstrahlt.

„Ich möchte… das Gestern in das Heute einladen und sehen, wie die beiden sich vertragen.“ (Seite 25)

Während der ersten Arbeiten wird im Garten eine vergrabene Schatulle gefunden, die neben einer zerrissenen Perlenschnur, Babyhärchen und einer Spiegelscherbe unter anderem ein Bündel verblasster Briefe, die Fotografie einer Frau, die Anna wie aus dem Gesicht geschnitten, ihr aber völlig unbekannt ist, und unzählige lose, wie aus einem Tagebuch herausgerissene Blätter offenbart. Anna lässt sich in die Vergangenheit entführen und entdeckt bei ihren Recherchen mit Hilfe ihrer Freundin Hanka bislang achtsam gehütete Geheimnisse ihrer Familie, die bis ins Jahr 1892 zurückreichen und deren vorhandenen Verbindungen erst nach und nach sichtbar werden und damit selbst Einfluss auf Anna und ihr Leben nehmen.


Teresa Simon schreibt in „Die Frauen der Rosenvilla“ mit Leidenschaft über Schokolade und Rosen und verlockt einen, das Buch nicht ohne eine süße Nascherei zu lesen, um danach im Garten den Duft der Rosen zu genießen. Eine zauberhafte sinnenfreudige Kombination, die gelungen und glaubhaft ist, weil nicht nur die Begeisterung der Autorin für Rosen deutlich wird, sondern sie ebenfalls besondere Mühe bei der Beschreibung der Pralinenherstellung gegeben hat. Als Bonbon wartet das Buch am Ende mit sechs Pralinenrezepten und der Anleitung für einen selbst gemachten Eierlikör auf.

„Anna schloss die Augen und schmeckte nach. Ja, so konnte Schokolade eben sein, wenn sie mit Wissen und Liebe zubereitet wurde: mild und sinnlich, dunkel und üppig, seidig und glatt, himmlisch und luxuriös. Ruin oder Glück, Vergnügen oder Ekstase – und vor allem Trost. Und sie half beim Denken.“ (Seite 88)

Die Autorin schildert die Geschichten der Frauen der Rosenvilla in Zeitsprüngen. Neben Anna im Jahre 2013 sind es drei Frauen, die ihre „Gefühle und Gedanken in freudigen und schlimmen Zeiten“ von 1892, 1919 und 1938 zu Papier bringen – Helene, Emma und Charlotte. Und obwohl – dank unterschiedlicher Schriftarten – immer zu erkennen ist, welche Frau erzählt, ist der ständige und oft unvorhergesehene Wechsel eine Herausforderung, weil so die gerade aufgebaute emotionale Verbindung zur jeweiligen Protagonistin unweigerlich unterbrochen wird und dann erst einige Seiten weiter wieder eine Verknüpfung erfährt. Zwar folgen die Zeitsprünge keinem nachvollziehbaren konsequenten Rhythmus, so dass sich erst nach einer Weile Zusammenhänge erschließen, doch das Geschehen zieht einen letztlich trotzdem in den Bann.

Daneben schafft es die Autorin nicht nur, die jeweiligen historischen Hintergründe – sei es die Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts oder die Situation beider Weltkriege  detailliert darzustellen und mit dem Schicksal der Schokoladenfabrik und ihrer Besitzer sowie der Menschen zu verbinden, sondern auch die Stadt Dresden in die Handlung einzufügen, so dass die Lust auf einen Besuch der sächsischen Hauptstadt wächst. Hierin zeigen sich Teresa Simons Stärken.

„Manchmal hasse ich diese Rosen beinahe, weil sie so schön und unberührbar sind. Sie blühen und vergehen. Nichts kümmert sie. Auch nicht, was mit uns Menschen geschieht.“ (Charlotte 1938, Seite 107)

Ebenso untermauert die Autorin hinsichtlich ihrer Protagonisten ihre Fähigkeit, dass sie deren Charaktere mit Einfühlungsvermögen in Szene setzen kann. So weisen ihre Heldinnen Formate auf, die einen deren vergangenes und gegenwärtiges Schicksal und den Reigen aus Liebe und Hass, Leidenschaft und Verlangen, Freundschaft und Respekt, Neid und Missgunst, Hoffnung und Vergebung mitempfinden lassen.


Erschienen ist der Roman im Heyne Verlag, dem ich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares danke.

Freitag, 12. Januar 2018

Frühling im Winter

Ich hatte euch ja bereits hier den Frühling im Herbst präsentiert.


Aber Frühling gibt es auch im Winter.


Denn die Aurikelchen geben sich alle Mühe, den Temperaturen zu trotzen.







Ich habe manchmal den Eindruck,
dass die Natur ziemlich durcheinander ist.

Donnerstag, 11. Januar 2018

Wiedersehen in Dorset

1939 wird die dreizehnjährige Poppy Brown aus London evakuiert und aufs Land nach Dorset geschickt. Sie ist eine von drei Millionen Menschen, die während des zweiten Weltkrieges die Hauptstadt und anderen Großstädten verlassen, um den Bombardierungen zu entgehen, und findet Aufnahme auf Squire's Knapp, dem großen Anwesen der wohlhabenden Familie Caroll.

Poppy teilt nun das Los vieler anderer Kinder: Allein und weit weg von ihren Eltern, mit nur wenig Hab und Gut, leidet sie unter der Trennung und weiß nicht, ob sie ihre Familie im Londoner Stadtteil West Ham jemals wieder sieht. Sie ist verängstigt, und die Bewohner des Hauses, insbesondere die unterkühlte Mrs. Carroll, machen das Leben nicht unbedingt leichter für sie.

Einer der Lichtblicke ist jedoch Guy Carroll. Poppy schwärmt von Anfang an hingebungsvoll für ihn, wenngleich er für sie unerreichbar scheint. Denn da ist zum einen seine Herkunft, zum anderen Amy, Guys Verlobte. Ungeachtet der Umstände nimmt diese Poppy unter ihre Fittiche und wird zu ihrer Verbündeten. Poppy hängt an ihr und hebt sie auf ein Podest. Umso größer ist ihre Enttäuschung, als Amy, die Person, die sie immer für einen Engel gehalten hat, vor der drohenden Gefahr außer Landes flieht und damit Guy ebenfalls im Stich lässt, der in den Krieg zieht.

Auch Poppy muss nach London zurückkehren, weil sie dort gebraucht wird. Während die Jahre vergehen, der Krieg kein Ende zu nehmen scheint, wächst sie zu einer hübschen jungen Frau heran, die sich neuen Herausforderungen stellt und an ihrem Ziel arbeitet, Krankenschwester zu werden.

Was hält das Schicksal noch für sie bereit, und wird sie Guy eines Tages wiedersehen?


Wiedersehen in Dorset von [Baxter, Lily]

Lily Baxter hat sich bei Poppys Geschichte in "Wiedersehen in Dorset" von den Erlebnissen ihrer eigenen Mutter inspirieren lassen, die das Los jener Kinder teilte, die wegen der Bombardierungen fernab ihrer Familie aufs Land geschickt wurden. Es ist zu spüren, dass die Autorin daneben zudem eigene Kindheitserinnerungen in die Handlung einfließen lassen hat. Diese liest sich mit Leichtigkeit, der Schreibstil fordert den Leser aber auch nicht. Das eine oder andere Mal fehlt es zudem an Ausdruckskraft, und mit Hinweis auf die Übersetzung ist es eher fraglich, ob ein Wort wie „schnieke“ im Englischen Verwendung findet.

Zwar wartet das Geschehen mit ein paar Wendungen auf, ist hingegen im Ganzen nicht überraschend. Vielmehr überfrachtet Lily Baxter das Schicksal von Poppy und driftet dadurch - wenn auch nur im geringen Maße - ins Sentimentale ab. Etwas weniger Dramatik wäre hier von Vorteil gewesen. 

Auflockernd für den Erzählfluss ist das Auftauchen bestimmter Produkte der damaligen Zeit. So gibt es unter anderem Pralinen von Rowntree's und Cadbury's Nussschokolade, Brylcreem-Pomade und Gibbs-Zahnpasta, es werden Woodbines und Kensitas-Zigaretten geraucht und „Run, Rabbit, Run“, „Any Old Iron“ und „Knees up Mother Brown“ gehört.

Hinsichtlich der Figuren hat die Autorin ein Augenmerk auf ihre Hauptfigur gelegt. Im Wesentlichen gelingt es der Autorin gut und in einem soliden Rahmen, Poppys Entwicklung vom unsicheren und zurückhaltenden 13-jährigen Mädchen aus der Arbeiterklasse zur selbstbewussten jungen Krankenschwester im historischen Kontext der Kriegsjahre darzustellen sowie ihre charakterlichen Eigenschaften deutlich zu machen. Gleichfalls überzeugt sie mit der Beschreibung der Empfindungen ihrer Protagonistin.

Poppy hat das Herz am rechten Fleck. Da sie aus ihrem vertrauten Umfeld herausgerissen wird, ist sie zunächst verunsichert, zumal sie, die eigentlich immer viel Trubel um sich hatte, nunmehr allein und sowohl ohne Familie als auch Freunde dasteht und sich behaupten muss. Dies ist von Erfolg gekrönt, so dass Poppy mehr und mehr Verantwortung übernimmt, ihre positiven Züge wie Großherzigkeit und Hilfsbereitschaft verstärken sich. Auch verliert sie nie die Freude an den einfachen Dingen.

Die Liebesgeschichte wird angenehm zurückgenommen erzählt. So spielt auch der Part von Guy eine kleinere Rolle, füllt diese aber entsprechend den Vorgaben aus. Gleichwohl entspricht das Bild von Guy dem eines britisch unaufgeregten jungen Mannes seiner Kreise, der geradlinig und ehrenhaft handelt, seine Pflicht gegenüber dem Vaterland erfüllt.

Daneben fügen sich die Nebenfiguren mehr oder weniger intensiv ein und beleben das Geschehen.

Die Geschichte unterhält mit einem manierlichen Plot, der im Ansatz, das Schicksal einer jungen Frau in Kriegszeiten zu schildern, durchaus positiv zu werten ist. Allerdings vermag  sie es letzten Endes nicht, den Leser durchgängig zu begeistern und so nachdrücklich in Erinnerung zu bleiben.


Erschienen ist das Buch bei beHeartbeat. Ich danke dem Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares über NetGalley.

Dienstag, 9. Januar 2018

Wasser marsch!


Der heimische Klosterbach ist - wie es der Name schon sagt - eher ein kleines Gewässer.




Nun hat der viele Regen auch hier für einen reichlichen Wasserlauf gesorgt.




Man fühlt sich wie in einer Flusslandschaft...


Donnerstag, 4. Januar 2018

Glück aus einem Topf - Zweierlei-Bohnen-Topf mit Hack

Das Buch ist ein Weihnachtsgeschenk.


Der Große hat es durchgesehen und 22 Rezepte auf einer Karteikarte notiert, die nachgekocht werden können, wenn er zu Hause ist.


Das erste Gericht gab es noch am letzten Tag des Jahres: sehr tomatenlastig und wegen des Kreuzkümmels etwas ungewohnt


Aber selbst Herrn Schwanenweiß, der sich sonst mit "fremden" Gewürzen etwas schwer tut, hat es gut geschmeckt.

Samstag, 30. Dezember 2017

Abendrot


Wenn ein Tag so endet, lässt man sich das gefallen.


Und jetzt kommt Farbe ins Spiel...







Ich wünsche euch einen
entspannten Jahreswechsel.


Freitag, 29. Dezember 2017

Der gefährlichste Ort der Welt

Wo befindet sich „Der Gefährlichste Ort der Welt“?

Auf der Suche nach einer Antwort auf diese Frage, führt uns Lindsey Lee Johnson mit ihrem Debütroman an eine Mittelschule in Mill Valley im sonnigen Kalifornien, an der ganz normale Schüler lernen. Oder etwa nicht?

Schauen wir auf die Achtklässler. Einer ragt auf jeden Fall heraus aus diesem Verbund der 13-Jährigen: Tristan Bloch – unbeholfen und seltsam, blass und allein durch seine übergroßen Jogginghosen außergewöhnlich – macht den schwerwiegenden Fehler, „sein Herz in die Welt hinauszuschicken“ und seiner Klassenkameradin Cally Broderick einen von Grund auf ehrlichen Liebesbrief zu schreiben. „Liebe Calista, du denkst wahrscheinlich nicht, dass dich hier in der Schule jemand sieht, aber ich sehe dich. Dich richtig sieht, meine ich… Calista, ich liebe dich, glaubst du, du könntest mich auch lieben?" (Seite 30)

Calista, unsicher und unangenehm berührt ob dieser unerwarteten Zurschaustellung von Gefühlen setzt eine Maschinerie in Gang, von der sie letzten Ende mitgeschleift wird. Sie zeigt den Brief ihrer Freundin Abigail Cress, die ihn an Ryan Harbinger weiterreicht. Der veröffentlicht ihn im Netz auf Facebook, und eine bösartige Anti-Tristan-Kampagne beginnt. Die Folgen sind verheerend: Tristan, der sich am liebsten in seinem Zimmer verkriechen möchte, weil er sich dort vor den Anfeindungen und Gehässigkeiten seiner Mitschüler sicher glaubt, hält dem Druck nicht stand und springt von der Golden Gade Brigde in den Tod.

Und nun müssen Cally und ihre (vermeintlichen) Freunde im Verlauf der Zeit mit dem Geschehen zurechtkommen. Die Autorin belässt es nicht dabei, das Dasein einiger Teenager in der achten Klasse zu beleuchten. Vielmehr spannt sie den Bogen weiter über die elfte bis hin zur zwölften Klasse und beschreibt aus der jeweiligen Perspektive des Einzelnen die Auswirkungen, die Tristans Tod auf denjenigen und alle anderen hat. Hierbei bleibt die bedrückende Erinnerung allgegenwärtig, wenn die Jugendlichen versuchen, einen Weg, einen Sinn, eine Zukunft zu finden, während sie sich an ihren Platz in der sozialen Ordnung klammern und alles tun, was sie können, um zu überleben.

Doch wenn man aus einen Ort wie Mill Valley stammt, ist das Entkommen (fast) unmöglich.

"Dieser Ort war so speziell, in seiner Schönheit und seinen Beschränkungen, dass kein anderer Ort ihnen wirklich stimmig erscheinen würde. Sie konnten nicht vergessen, dass diese Welt für sie geschaffen worden war, dass sie in dieses perfekte Nest hineingeboren worden waren, und trotzdem hatten sie darauf bestanden, unglücklich zu sein. Hatten auf dem Dunkel beharrt." (Seite 295)



Lindsey Lee Johnson fängt überzeugend das Innenleben ihrer Protagonisten ein. Ihre Charaktere sind sorgfältig und tiefgründig gezeichnet, widersprüchlich in dem, was sie tun, unberechenbar und gleichzeitig auch berechenbar. Denn sie wollen zwar anerkannt und verstanden werden, dem Alltag entfliehen, allerdings auch unauffällig sein, nicht aus der Masse herausragen.

Es sind Jugendliche, denen es gut geht, die sich alles leisten können, deren soziales Umfeld stimmt. Im noblen Mill Valley herrscht eine Welt des Überflusses und materiellen Wohlstandes, es fehlt an nichts. Und doch hat diese Pracht einen Haken: Zumindest einigen Jugendlichen mangelt es an Ethik und Moral, weil sie ihnen nicht vermittelt wird. Denn von ihnen wird zwar einiges erwartet, was mitunter schon an Überforderung grenzt, jedoch Hilfestellungen und Unterstützung durch die Eltern erfahren sie nur im geringen Maße, gar nicht, oder sie lehnen sie ab. Weil die Eltern in vielen Fällen entweder abwesend oder von ihrer Arbeit vereinnahmt und abgelenkt sind, entsteht zur körperlichen auch eine emotionale Trennung. Und das Schlimmste, dies ist den Jugendlichen bewusst.

Glück sieht jedenfalls anders aus.

Zum Beispiel für Ryan, dessen Mutter all das überwacht, was er tut, einschließlich seiner Hausaufgaben, die zudem ständig mit den Lehrern redet und ihm keinerlei Freiräume zu lassen scheint, darüber hinaus aber überhaupt keine Ahnung von dem hat, was ihm durch den Kopf schwirrt, von der Wut in seinem Herzen, von der Sehnsucht nach weiß der Himmel was. Im Grunde also ist er einsam, sensibel, was seine Handlung – er setzt den Brief von Tristan ins Netz – umso schockierend erscheinen lässt.

Oder Abigail, mit Selbstzweifeln behaftete und verschlossene Einser-Schülerin, sie lässt sich auf eine Affaire mit ihrem Englischlehrer ein, weil er sie durch Fragen dazu bringt, sich zu öffnen, und sich so sanft Zugang zu ihr verschafft.

Nick, der einerseits dealt, andererseits auf Grund seiner Intelligenz in der Lage ist, anstelle seiner Mitschüler Tests für die Zulassung zum College zu absolvieren, die er sich teuer bezahlen lässt. Unter anderem von Dave, der selbst unter dem Gewicht der elterlichen Erwartung zusammenzubrechen droht und trotz Verbot, seine Ersparnisse für die „Hilfe“ von Nick aufwendet.

Elisabeth, von erlesener Schönheit, aber gemieden, weil sie als eingebildet und unerreichbar gilt und sich außerhalb des komplexen sozialen Gefüges befindet und keinerlei Drang verspürt, sich darin einen Platz zu verschaffen, lässt sich von Nick überreden, im Haus ihrer Eltern eine Party zu feiern, die letztlich aus dem Ruder läuft und in einem Desaster endet.

Im Besonderen für Emma, beliebt, hinreißend, bezaubernd, amüsant. Durch einen Autounfall dermaßen verletzt wird ihr Traum vom Tanzen zerstört. Allerdings endet ihr Schmerz damit nicht. 
Und letzten Endes Calista, voller Schuldgefühle wendet sie sich den schulischen Hippies zu und hängt mit diesen ab.

Lindsey Lee Johnson schreibt ungezwungen, leicht verständlich, offensiv und fließend. Sie findet den passenden Ton, um (nicht nur) den jugendlichen Leser zu unterhalten und zu fordern, bleibt beim Wesentlichen und findet geschickt die Mischung, eine deutliche Stellung gegen die Handlungen ihrer Protagonisten einzunehmen, sich hierbei zugleich einer eigenen Wertung zu enthalten. Sie erlaubt einen Blick hinter die Kulissen, überlässt es aber dem Leser, das Geschehen einzuschätzen und zu beurteilen.

Eines wird wieder einmal deutlich: „Der gefährlichste Ort der Welt“ ist weniger ein wahrnehmbarer Raum wie die Mittelschule in Mill Valley, sondern vielmehr der virtuelle Raum des Internets, in dem das öffentliche Beschämen, Demütigen, Beschimpfen, Verleumden eine für die Jugendlichen akzeptable Art und Weise der Kommunikation ist, während sie sich scheinbar zur Ehrlichkeit und aufrichtigen Freundschaft nicht in der Lage sehen, um von den eigenen individuellen Ängsten, Hoffnungen und Wünsche abzulenken. Wie gleichermaßen traurig und erschütternd!

Nur Tristan hat dies nicht begriffen: Einen Brief zu schreiben, von Liebe zu sprechen, aufrichtig, ohne zu beschönigen. Wie konnte er nur so blind, ja so furchtlos sein?

Montag, 25. Dezember 2017

Fröhliche Weihnachten




Ihr Lieben,

ich wünsche euch wundervolle Feiertage
voller Harmonie und 
mit vielen Momenten zum Innehalten.








Dienstag, 19. Dezember 2017

Per Anhalter...

... wollte dieser Schwan sicher nicht mit, als ich ihn am Freitag auf dem Weg zum Pferdehof passierte. Zunächst saß das wunderschöne Tier nahe der schmalen Straße (die allerdings sehr wenig befahren wird), so dass ich mir schon Sorgen machte, es wäre etwas passiert.


Aber meine Neugier hatte ihn gleichfalls aufgescheucht.


Und auch wenn ihr das nicht erkennen könnt...


... er (bzw. ich vermute ja eher eine SIE) machte sich mit Zischen Luft.


Ich bin dann in angemessener Entfernung geblieben...


... und war froh, als ich auf dem Heimweg keine Spur mehr entdecken konnte.