Donnerstag, 21. März 2019

Internationaler Tag des Waldes und Welttag der Poesie

Der Wald


Nimm mich in kühligen, schattigen Arm,
Säuselnder Hain!
Fern von rauschender Freuden Schwarm,
Ungestört vom nagenden Harm,
Will ich deiner mich freu'n.


Lieblich strömt von den Gipfeln herab
Wallender Duft;
Langsam ans moosige Ufer hinab,
Rollen die murmelnden Wellen ins Grab,
Spiegelschimmernder Luft.


O Natur! wie bist du so schön;
Lieblich und hehr
Deine verjüngende Schönheit zu sehn,
So durch's Leben lächelnd zu gehn,
Mit der Unschuld daher!


Unschuld nur, und du, o Natur!
Seliges Band!
Ihr versüßet das Leben uns nur;
Stets will ich folgen der blumigen Spur
Mit der Lieb' an der Hand!

Friederike Brun (1765-1835)

Dienstag, 19. März 2019

Wer hätte das gedacht...


... der Garten hat sich fein gemacht.








Eine große Freude für mich "Winter"kind...


Freitag, 15. März 2019

Blogtour - Reiseziel Toskana


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Die Sonne versank langsam hinter den Hügeln und tauchte die Rebstöcke und Zypressen in weiches goldenes Licht. Zikaden und Vögel stimmten ihr abendliches Konzert an, und die Gerüche der Erde und Pflanzen hingen in der Luft. Thymian und Lavendel standen in den Begrünungsstreifen und verströmten ihr Aroma. Wenn der Tag sich verabschiedete und das Leben zur Ruhe bettete, übernahm die Nacht mit ihrem Rhythmus das Zepter...“ (Die Frauen der Villa Fiore, Seite 66)

Ist das nicht wundervoll einladend? Ich finde das jedenfalls sehr verführerisch und möchte am liebsten gleich losfahren. Ab in die Toskana, in der Vorstellung vieler eine der schönsten Regionen Italiens.

Ich kenne den Landstrich noch nicht, darum lasst uns gemeinsam einen Sommerurlaub planen. Und hierzu benötigen wir natürlich ein paar Hintergrundinformationen, wir wollen schließlich vorbereitet sein.

Foto: Constanze Wilken

Mit 23.000 Quadratkilometern ist die Toskana flächenmäßig in etwa so groß wie Hessen und bietet eine Mischung aus Bergen, Ebenen, Wäldern und Meer. Das passt schon einmal perfekt. Im Westen wird das Gebiet vom Ligurischen Meer, im Norden vom Tyrrhenischen Meer begrenzt. Wir könnten also einen Urlaub an der eindrucksvollen Küste mit einplanen. Ein Gebirgszug des Apennins, die Apuanischen Alpen, befindet sich außerdem im Norden, durchzogen von Wäldern und mehren Flusstälern.

Das Herzstück aber bilden die mittig gelegenen Hügellandschaften mit den so charakteristischen Zypressenalleen. Und dort wollen wir hin, stimmt ihr mir zu? Hier zwischen Florenz, der Hauptstadt, und Siena, liegt das Chianti, dessen kalkhaltiger Boden ideal für das Gedeihen des gleichnamigen Rotweines ist. Doch Oliven fühlen sich in dieser landwirtschaftlich geprägten Umgebung frei von gewaltiger Industrie gleichermaßen wohl.

Foto: Constanze Wilken

Genau an diesen Ort, hat Constanze Wilken ihren Roman „Die Frauen der Villa Fiore“ angesiedelt. Ihr erinnert euch an die Massinellis, die mit Hingabe auf ihrem Gut biologischen Weinbau betreiben? Im Grunde reicht das Lesen der Geschichte, um gut vorbereitet zu sein für eine Reise. Mag auch der Ort des Geschehens im Roman fiktiv sein, gibt es sicher ein paar Vorbilder, die sich in der Toskana finden lassen.

Daneben lohnt sich ein Abstecher in das für seine Geschichte berühmte Florenz. Jene Stadt, die die mächtige Dynastie der Familie Medicis in der Renaissance zu einer der erfolgreichsten Metropolen Europas machte, in der Leonardo da Vinci und Michelangelo lebten, die unter anderem viele prachtvolle Paläste, Plätze, Straßen und Kirchen zu bieten hat. Wir dürfen Siena nicht vergessen, die mit ihrem mittelalterlichen Charakter der italienischen Gotik als eine der attraktivsten Städte der Toskana, ja ganz Italiens gilt, und die immer ein wenig mit Florenz konkurriert. Dabei haben sie das nicht nötig, beide Städte sind Weltkulturerbe des UNESCO und touristische Magnete. Ebenso wie Pisa, einstige Seefahrerrepublik mit eigener Stadtsprache, Geburtsstätte von Galileo Galilei. Und wer hat noch nicht von deren Wahrzeichen, dem Schiefen Turm, gehört?

Foto: Constanze Wilken

Sicher treffen wir überall dort auf begeisterte Touristen. Das wird anstrengend, lohnt sich aber trotzdem.

Foto: Constanze Wilken

Wenn wir nämlich später dann am Abend irgendwo auf dem Land, nach einem langen, gleichwohl erlebnisreichen und mit neuen Eindrücken versehenen Tag, mit einem Glas Chianti in die Zeit des Zwielichts schauen, genießen wir die besondere Stille, die diese mit sich bringt und fragen uns, warum eine Gegend – verdammt noch mal – allein so viel Schönheit abbekommen konnte...


Die Frauen der Villa Fiore 1: Giulias Geschichte - Roman (Die Villa-Fiore-Saga, Band 1)

Seit Generationen ist das toskanische Weingut Villa Fiore im Besitz der Familie Massinelli. Nach Jahren der Misswirtschaft leiten nun die Brüder Lorenzo und Salvatore die Geschäfte. Sie sind jedoch heillos zerstritten und der Ruf des Gutes angeschlagen. Als Lorenzos älteste Tochter Giulia nach langer Abwesenheit nach Hause zurückkehrt, erfährt sie, dass ein Unbekannter Sabotage betreibt, um die Massinellis zu ruinieren. Gemeinsam mit dem kalifornischen Weinexperten Paul Reed versucht sie verzweifelt, das Familiengut zu retten. Paul ist von der unnahbaren Frau fasziniert. Doch Giulia zweifelt und steht bald nicht nur vor der größten Aufgabe, sondern auch vor der schwersten Entscheidung ihres Lebens… (Quelle: Verlag)

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Erschienen ist der Roman im Goldmann Verlag. Die Blogtour wurde organisiert von der Netzwerkagentur Bookmark. Weitere lesenswerte Artikel findet ihr hier.

Donnerstag, 14. März 2019

Neues vom Pferdehof - Wir warten auf dich!


Ach was, gebt zu, ihr wartet vielmehr auf die Leckerli.



Morgen sehen wir uns, ihr Süßen.


(Natürlich mit Leckerli...)

Mittwoch, 13. März 2019

Blogtour - Soziale Störung



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In „Das Ambrosia-Experiment“, dem Thriller, den ich euch vor ein paar Tagen vorgestellt habe, lernt ihr Jule Rahn kennen. Die junge Frau musste als Sechsjährige den kollektiven Selbstmord der Mitglieder der Sekte Jünger des Lichts miterleben und leidet seitdem unter einer sozialen und emotionalen Störung mit großen Schuldgefühlen. Ihre Phobie äußert sich darin, dass Jule an einer gewissen Ordnung festhält, Abweichungen von der Regel ihr sehr schwer fallen und nur mit erheblicher Überwindung vorgenommen werden können. Panikattacken vermeidet sie, indem sie beispielsweise ihre Schritte zählt.

Das Gebiet der sozialen Verhaltensstörungen ist äußerst umfassend und reicht von der Störung mit sozialer Ängstlichkeit, einer generalisierten Angststörung, Panikstörung bis hin zu sozialen Phobien.

Nicht jeder Betroffene weist dabei alle maßgebenden Symptome auf. Ursachen können belastende Erlebnisse in Kindheit und Jugend sein, und häufig beginnen die Auffälligkeiten bereits, wenn

·         es problematisch ist, Gefühle und Wünsche auszudrücken,
·         auf Kritik und Anforderungen unangemessen oder mit Verweigerungshaltung reagiert wird,
·         geringes Selbstvertrauen und eine extreme Unsicherheit vorliegen, sich bei Lob geschämt wird,
·         Aggressivität oder Insichgekehrtsein vorhanden sind,
·         Konflikte mit Autoritätspersonen nicht vermieden werden können,
·         keine Freundschaften geschlossen werden,
·         große Ängste und Mutlosigkeit auftreten.

Soziale Angststörungen gehen über das Maß an „Lampenfieber“ und Schüchternheit hinaus. Es sind jene Situationen angstauslösend, bei denen von den Menschen erwartet wird, etwas zu sagen oder zu tun, was peinlich sein könnte, weil andere sie als inkompetent, schwach oder gar „gestört“ beurteilen und beispielsweise eine zitternde Stimme, Schwitzen und Nervosität bemerken und negativ bewerten. Erröten, Zittern, Übelkeit, Panikattacken sind das Ergebnis. Schon der Gedanke an die gefürchtete Situation provoziert extreme Ängste. Durch das Vermeiden solcher Situationen werden die betroffenen Personen sowohl im privaten als auch beruflichen Bereich mehr und mehr gehemmt und sozial isoliert.

Die Beeinträchtigung ist enorm. Zwar kann in der Regel eine einwandfreie Beziehung zu vertrauten Personen aufgebaut werden, aber ein Mensch mit dieser Störung nimmt andere soziale Reize als übermäßig und bedrohlich und damit verzehrt wahr, meidet folglich soziale Interaktion mit Fremden. Nicht nur das eigene Wohlbefinden und die Autonomie sind eingeschränkt. Die persönlichen Leistungen mindern sich, was die berufliche Entwicklung behindert, da die Betroffenen von der Norm abweichen und nicht mehr im üblichen Rahmen „funktionieren“. Alkohol- und Drogenmissbrauch, Depression, Suizidalität und Beziehungsprobleme können Folgen sein.

Menschen mit sozialen Störungen versuchen, ihre Probleme vor anderen zu verbergen. So gelten sie bei jenen, die ihnen begegnen, schnell als sonderbar. Dabei ist es von außerordentlichem Wert, sie – neben einer psychotherapeutischen Behandlung – mit Zuspruch zu unterstützen, um Ängste zu reduzieren und ihnen ein „normales“ soziales Leben zu ermöglichen.



Auf der einen Seite: ein Mord in Koblenz. Eine Schönheitsklinik in den Alpen. Und eine Gruppe sehr reicher, sehr mächtiger Männer, die bereit ist, andere sterben zu lassen, um selbst am Leben zu bleiben. Auf der anderen Seite: die junge Laborantin Jule Rahn und der zwangsversetzte Kommissar Lucas Prinz. Beide fest entschlossen herauszufinden, was sich hinter den Machenschaften dieser Männer verbirgt. Gemeinsam kommen die beiden einem Verbrechen auf die Spur, dessen Ausmaß sie fassungslos macht. Und dessen Drahtzieher haben nicht vor, die beiden am Leben zu lassen… (Quelle: Verlag)

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Erschienen ist der Roman bei beTHRILLED. Die Blogtour wurde organisiert von der Netzwerkagentur Bookmark. Weitere lesenswerte Artikel findet ihr hier

Dienstag, 12. März 2019

Die Frauen der Villa Fiore. Giulias Geschichte


Die Italienerin Giulia Massinelli kehrt aus dem kalten, nassen und beklemmenden New York, das all seinen Reiz für sie verloren hat, zurück in ihre Heimat. Jahre hat sie das Weingut ihrer Eltern in der Toskana nicht besucht, weil sie dieses im Zwist mit ihrem Vater verlassen hatte und entgegen der Wünsche des Vaters, im Familienbetrieb zu arbeiten, eigene berufliche Wege gegangen und Wirtschaftsprüferin geworden ist.

Nach dem Scheitern ihrer Beziehung und dem drohenden Verlust ihres beruflichen Ansehens, steckt Giulia in finanziellen Schwierigkeiten und ist gezwungen, bei ihrer Familie unterzukommen, um sich über ihren weiteren Weg klarzuwerden.

Giulias Vater Lorenzo hadert immer noch mit der zurückliegenden Entscheidung seiner Tochter, und schnell wird deutlich, dass er es Giulia nicht einfach macht, seine Anerkennung zu erlangen.

Lorenzo Massinelli hat seinen Betrieb vor einigen Jahren auf biologischen Weinbau umgestellt. Mit Hilfe des kalifornischen Flying Winemakers Paul, der mit Hingabe seinen Beruf ausübt, ist es gelungen, einen ausgezeichneten Chianti heranzuziehen. Ein Durchbruch ist auch dringend nötig, damit das Weingut wirtschaftlich besser dasteht. Nach anfänglicher Skepsis erkennt Giulia, welch wertvoller Mensch Paul ist, und mit ihm gemeinsam entwickelt sie Strategien zur Vermarktung und zum Vertrieb des vielversprechenden Weines.

Alles könnte so perfekt sein. Dann verunfallt der Kellermeister, Wein wird verunreinigt, die Vorfälle häufen sich. Wer neidet den Massinellis einen möglichen Erfolg? Und können weiteres Unglück verhindert und die Verursacher enttarnt werden?


Constanze Wilken ist als Autorin für mich eine Entdeckung. Ihre Geschichte, oder vielmehr "Giulias Geschichte", erzählt sie mit sehr viel Atmosphäre, einprägsamen Bildern, Wärme und einem hohen Wohlfühlfaktor.

In Die Frauen der Villa Fiore“ spielt die Liebe eine große Rolle. Allerdings nicht nur die zwischenmenschliche Liebe. Es ist die Liebe zum Land, zur Heimat, zum Wein, zu dem, was man tut. Und dabei beschränkt Constanze Wilken sich nicht allein auf das Leben in der Toskana. Nein, auf das Weingut von Pauls Großvater Noah im Napa Valley in Kalifornien habe ich mich ebenfalls gern einladen lassen und in Gedanken den Zinfadel „gekostet“.

Auch wenn die Autorin die Grazie und Anmut der Toskana mit ihrer bezaubernden Landschaft in schönsten Farben schildert, vergisst sie nicht, auf das Widersprüchliche hinzuweisen: Armut und Reichtum, Leidenschaft und Gleichmut, Brutalität und Charme liegen dicht beieinander.

Darum gefällt es mir, dass in den Roman Hintergrundinformationen einfließen. Hier hat Constanze Wilken umfangreiche Recherchearbeit geleistet, und sie versteht es meisterhaft, Wissenswertes - beispielsweise über den Weinanbau - so zu vermitteln, dass dies nicht zu einer langweiligen Lehrstunde wird.

Ihr Schauplatz ist ein toskanisches Weingut, das auf den biologischen Anbau der Früchte setzt. Dabei thematisiert die Autorin, dass sich die Weinlandschaft verändert und inzwischen Klasse statt Masse gefragt ist. Der Markt ist hart umkämpft, und viele Menschen sind abhängig vom Erfolg des Weines. Und für einen guten, einen hervorragenden Wein braucht es neben Geduld, Leidenschaft und besten Zutaten, viel Arbeit, sorgfältige Planung, das Abwägen zahlreicher Risiken und Glück mit dem Wetter.

Mitzuerleben, wie die Menschen gemeinsam etwas schaffen, hat mich begeistert. Dafür tragen die Figuren dieser Geschichte einen erheblichen Teil bei, denn ich habe in kurzer Zeit (fast) alle ins Herz geschlossen.

An erster Stelle Giulia und Paul. Dann Manuela und Lorenzo. Und Milena und Bianca und Dario. Ja, auch Nonna Teresa. Die gesamte schwierige, liebenswerte, sture, vereinnahmende, herzliche Familie.

Guilia lernt, nicht mehr davonzulaufen, wenn es heikel wird. Ihr liegt mit jedem Tag, den sie auf dem Land der Massinellis verbringt, mehr daran, dass sich Erfolg einstellt. Ihre Verbundenheit zu ihrer Familie, zur Villa, den Menschen, die hier tätig sind, wächst, und sie begreift die große Bedeutung des Ganzen.

Paul mag ich einfach, seine offene Natur, ohne oberflächlich zu sein, die direkte und gelassene Art, die Dinge zu betrachten. Sein Humor und die Tatsache, dass er sich nicht so leicht etwas vormachen lässt, zeichnen seine Persönlichkeit aus. Er ist von Giulias schroffem Gehabe wenig beeindruckt und geht immer wieder auf sie zu, und er verliebt sich in die schöne, starke, eigensinnige, ja auf ihre faszinierende Art komplizierte Italienerin.

Und auch Giulia entdeckt ihre Gefühle für Paul. Aber gibt es für beide eine Zukunft? Denn Paul wird in Kalifornien bei seinem kranken Großvater dringend erwartet...

Und so belasse ich es bei einem Schlusswort von Manuela, Giulias Mutter, und freue mich auf ein "Wiedersehen": „Man kann sich nicht aussuchen, wann man dem richtigen Menschen begegnet. Doch wenn man überhaupt das Glück hat, ihn zu finden, muss man den Mut für die richtige Entscheidung aufbringen.“ (Seite 381)

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Erschienen ist der Roman im Goldmann Verlag, dem ich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares danke.

Montag, 11. März 2019

Sonniger Abstecher


Das musste am Freitag einfach sein:


Ein erster Besuch an der Saaler Kieskuhle.


Die Sonne im Rücken (wie ihr wohl unschwer sehen könnt).


Die großartige Aussicht vor mir.


Da war der kalte Wind völlig einerlei.

Sonntag, 10. März 2019

Das Ambrosia-Experiment


Für Jule Rahn ist dieser 2. November kein gewöhnlicher Tag. Zwar beginnt er wie jeder andere, und wie immer setzt sie auf dem Weg von der Bushaltestelle zu ihrem Arbeitsplatz in einem Koblenzer Labor den linken Fuß 923-mal vor den rechten. Zum ersten Mal möchte sie allerdings von ihrer exakt berechneten Route abweichen. Jule liebt die Ordnung, und das Flüstern der Zahlen sieht sie als Hilfe für das Vermeiden von Panikattacken an. Bereits ein Umweg von fünfhundert Metern bedeutet für sie ein Abenteuer. 

Unmittelbar darauf bereut sie, dem eigenen Verlangen nach Herausforderung nachgegeben zu haben. Denn sie erlebt mit, wie ein schwerer Gegenstand neben ihr in den Rhein fällt, es ist ein Mensch, der von der Horchheimer Brücke geworfen wurde. Sie ahnt, dass sie etwas gesehen hat, das nicht für ihre Augen bestimmt ist, und flüchtet, verfolgt von einem Mann mit einer feuerroten, dünnen Narbe im Gesicht.

Zur gleichen Zeit beginnt Lucas Prinz seinen ersten Arbeitstag in Koblenz. Die alte Stadt, die den Menschen, die hier aufgewachsen sind, vertraut ist, vermittelt dem Polizist, der aus der Großstadtmetropole Frankfurt am Main versetzt wurde, überhaupt kein Wohlgefühl. Hinzu kommt, dass er an seinem letzten Arbeitsplatz vorurteilsfrei auch gegen die eigenen Kollegen ermittelt hat und bei einigen deshalb als „Netzbeschmutzer“ gilt. Nun will Prinz das Beste aus seiner Situation machen und sich zukünftig trotz der Aussicht auf Langeweile ausschließlich an die Devise „Dienst nach Vorschrift“ halten, statt alles bis zur eigenen Zufriedenheit ins Detail aufzuklären.

Von dem Plan bleibt schnell nichts mehr übrig. Als ein toter alter Mann am Rheinufer gefunden wird und der Hinweis einer aufmerksamen Passantin zu Jule Rahn als Zeugin führt, stellt sich bei Prinz im Nacken ein Prickeln ein, das ihn zu einer Spurensuche zwingt. Aber ist der Aussage von Jule Rahn, die sich seit Jahren in psychiatrischer Behandlung befindet, auch eine Bedeutung zuzumessen, oder ist sie lediglich eine sonderbare, mit Zwangsneurosen behaftete junge Frau?

Der Fall erhält eine verzwickte Seite, als Jule Rahn außerdem von dem „Verschwinden“ zweier Nachbarn berichtet. Und die alten Leute sind nicht die einzigen, die plötzlich ins Pflegeheim übersiedeln, ohne eine Spur zu hinterlassen. Hat eine Schönheitsklinik in den Alpen damit zu tun?

Jule Rahn und Lucas Prinz schlittern gemeinsam in eine Sache hinein, die ihnen alles abverlangt. Denn ihre Gegenspieler wollen sich nicht nur nicht in die Karten schauen lassen, sondern auch verhindern, dass ihre Machenschaften aufgedeckt werden. Dabei setzten sie alle Mittel ein, über die sie verfügen, und sie schrecken auch nicht davor zurück, unleidige Mitwisser aus dem Weg zu räumen...


Mit „Das Ambrosia-Experiment“ hat Volker Dützer einen stimmungsvollen Thriller geschrieben, der unterschiedliche Themen anspricht: Korruption und Machtmissbrauch, Manipulation und Beeinflussung sowie die daraus resultierende Abhängigkeit von Menschen in sogenannten religiösen Glaubensgemeinschaften (Sekten), die Sehnsucht nach Alterslosigkeit und Unsterblichkeit, soziale und emotionale Zwänge und Störungen.

Volker Dützer folgt mit seiner gut aufgebauten Geschichte einem stringenten Ablauf, der bis auf wenige wiederholende und langmütige Momente stetig an Tempo und Brisanz zunimmt.

Er entwirft einen bemerkenswerten Plot, in dem er die Frage aufwirft, ob ein Mittel wie Ambrosia, die Nahrung der unsterblichen Götter des Olymp, tatsächlich existieren könnte, und stellt die damit verbundenen Risiken dar. Es sind wieder einmal Menschen, die ihren eigenen Interessen folgen und zu Lasten anderer agieren. Ein erschreckend realistische Zukunftsvision, von der im Grunde zu hoffen ist, dass sie niemals wirklich eintritt.

Auf die Ausarbeitung seiner Hauptfiguren hat Volker Dützer augenscheinlich viel Wert gelegt. Lucas Prinz und Jule Rahn könnten nicht unterschiedlicher sein. Trotzdem schafft es der Autor, ihre Persönlichkeiten und die Annäherung der beiden auf einleuchtende Art und Weise zu schildern. Dabei versteht er es, Emotionen verständlich und nachvollziehbar zu gestalten und zu transportieren, so dass sie beim Leser ankommen.

Lucas Prinz ist eher der Typ Mann, der keine Freundschaften pflegt und Gefühle zeigt. In seinen fünfzehn Jahren als Polizist hat er einen Sinn darin gesehen, mit Energie und Enthusiasmus Verbrechen aufzuklären und Täter vor Gericht zu bringen. Mit Ergebnis, das seine Ermittlungen in den eigenen Reihen zu Tage brachte, ist er nicht unbedingt glücklich.

Die Begegnung mit Jule bewegt etwas in Prinz und seiner stumpf gewordenen Seele. Er spürt ihre Beklemmung, Verzweiflung, Misstrauen und Unsicherheit. Alles soll so bleiben, wie ist und sich nicht verändern. Dadurch kann Jule die Kontrolle behalten, auch wenn dies Einsamkeit und verpasste Chancen bedeutet. Im Grunde möchte Jule nicht vor der Wirklichkeit fliehen, sondern am Leben draußen teilhaben. Als Sechsjährige gehörte sie zur Sekte der Jünger des Lichts und überlebte als einzige den Massenselbstmord von 158 Mitgliedern, unter denen sich auch Jules Eltern befanden, und sie leidet unter Schuldgefühlen.

Im Verlauf der Ereignisse lässt Jule eine herausragende Entwicklung erkennen. Nicht nur, dass sie die sie umgebende spröde Schale durchbrechen kann. Jedoch wird das Erreichen einer ihr bislang unbekannten Freiheit von dauerhaftem Erfolg gekrönt sein?

4,5 Sterne

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Erschienen ist der Roman bei beTHRILLED, ich danke für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Donnerstag, 7. März 2019

Mahlzeit!



Die Spatzen im schwanenweißen Garten sind da sehr genau.


Pünktlich zur Mittagszeit muss der "Tisch" gedeckt sein...



Mittwoch, 6. März 2019

Moses und das Schiff der Toten

Stefan Moses sticht aus der Masse hervor, und sein Erscheinen sorgt für Irritationen. Hieran hat sich in fast fünfzehn Dienstjahren bei der Kriminalpolizei Hamburgs nichts geändert. Denn der elegant gekleidete Mann wurde in Afrika geboren, und nicht wenige begegnen ihm mit einer Mischung aus Anspannung und Misstrauen. Moses reagiert darauf mit einer gewissen Seelenruhe und Nonchalance.

Für einen neuen Fall werden er und seine Kollegen auf einen Spielplatz gerufen. Dort sitzt ein nackter Mann auf einer Bank, als würde er zur Schau gestellt werden. Auch die Todesursache gibt Rätsel auf. Offensichtlich ist der Mann im Meer ertrunken und dann nach Hamburg transportiert worden. Warum macht sich jemand die Mühe? Und was sind das für durchsichtige Kreaturen, die sich aus seinen Körperöffnungen herauswinden?

Moses ist ein akribischer Ermittler. Je schwieriger eine Nuss zu knacken ist, je raffinierter der Täter zu Werke geht, desto mehr genießt er die Jagd. Doch bei diesem Fall passt irgendwie nichts zusammen, und trotz einiger Spuren erweist sich deren Verfolgung als Sackgasse. Wenn es nur das wäre. Zurechtkommen muss Moses auch damit, dass sein Chef ihm höchstpersönlich eine neue Mitarbeiterin aufs Auge drückt.

Und noch etwas beunruhigt Moses: Eine innere Stimme sagt ihm, dass ihn dieser Fall an seine persönlichen Grenzen führt…


„Moses und das Schiff der Toten“ ist eine klassische Kriminalgeschichte, die von einem Zusammenspiel aus Ermittlungsarbeit und privaten Gegebenheiten der agierenden Personen lebt.

Ortwin Ramadan baut den Fall gekonnt auf, bietet eine durchdachte Handlung an realen Hamburger Schauplätzen und unter anderem einen wirklichkeitsnahen Einblick in die tägliche Routine der Kriminalkommissare, die oft von einer eintönigen Spurensuche geprägt ist. Der Autor schlägt einen wohltuend ruhigen Ton an, der zur Hansestadt und ebenso zum Ermittlerteam passt. Ferner wird der Roman sprachlich in annehmbar menschlicher Weise  erzählt, mit wenigen Abstrichen wegen einiger Wiederholungen und grammatikalischer Fehler.

Moses und seine Kollegen sind trotz mancher Reibungen untereinander ein eingespieltes Team. Frischen Wind erhält das Ganze durch die Neue, Katja Helwig, die sich nach drei Jahren beim Mobilen Einsatzkommando (MEK) versetzen ließ und auffällt, nicht nur weil sie sich das eine oder andere Mal im Ton vergreift oder mit schnellen Urteilen reagiert.

Mit fortschreitenden Ereignissen erhöht Ortwin Ramadan den Spannungsfaktor und setzt auch in Puncto Emotionalität eine Schippe drauf. Das kommt genauso gut an wie das Ringen von Moses um Bekenntnisse in seiner Beziehung zu Juliane und die Auseinandersetzung mit einer Vergangenheit, von der er Albträume hat.

„Nichts war grausamer als die Stille davor. Wenn die Welt in einem einzigen stummen Schrei erstarrte und die Angst seine Seele fraß, bis allein das rasende Tier in ihm übrig blieb.“

Der Autor offeriert insbesondere mit Stefan Moses und Katja Heil interessante und ungewöhnliche Ermittler. Es ist die dunkle Hautfarbe von Moses, die bei einigen unverhohlene Abneigung hervorruft. Damit hat er gelernt umzugehen, und es gibt wenig, was ihn in Rage versetzt. Fehlende Loyalität beispielsweise.

Nach dem Unfalltod seiner Adoptiveltern ist er über Nacht zu einem wohlhabenden Mann geworden, der sich im Grunde nichts aus materiellen Dingen macht, lediglich das in den 1920er-Jahren erbaute Mietshaus am Ende der Forsmannstraße in Winterhude kaufte. Keiner der Mieter ahnt allerdings, dass dem schwarzen Polizist aus der Dachwohnung das Haus gehört.

Auch Katja Helwig entspricht so gar nicht dem Bild einer herkömmlichen Kriminalbeamtin, trägt sie doch Piercings und rappelkurze Haare. Zudem ist ihr familiärer Hintergrund – das Aufwachsen im Plattenbau bei alkoholkranken Eltern – äußerst prekär. Sie neigt in Fällen, in denen sie das subjektive Gefühl hat, ungerecht behandelt zu werden, zu diffusen Aggressionsschüben, etwas, das Moses überhaupt nicht gebrauchen kann. Entsprechend lässt sich die Zusammenarbeit zunächst nicht optimal an.

Die Nebenfiguren haben Potential, allein beim Polizeidirektor überzieht der Autor. Als Mann, der sich überaus wichtig nimmt, großspurig verhält und vor allem am eigenen Erfolg interessiert ist, wird er in ein stereotypes Bild gepresst, auf das eher verzichtet werden kann.

Insgesamt aber legt Ortwin Ramadan einen lesenswerten, traditionellen Kriminalroman vor, der mit Lokalkolorit und unkonventionellen Protagonisten punktet, die sich für den nächsten Fall noch ein paar ungelöste Geheimnisse bewahren.

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Erschienen ist der Roman im Atrium Verlag, dem ich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares danke.