Dienstag, 14. August 2018

Ahrenshoop von oben...

... habe ich auch noch nicht gesehen. Am Sonnabend war Premiere, und ich möchte euch gern daran teilhaben lassen. Ich finde, die Ansicht ist mit dem stimmungsvollen Himmel gleich noch einmal so schön.











Freitag, 10. August 2018

Neues vom Reiterhof - Durchatmen









Auch für Resada und ihren treuen Begleiter Lantan hielt der heutige Tag endlich ein paar angenehme Temperaturen bereit. Und nach der Frei- und Bodenarbeit, die die Zuckerschnute auch in ihrem stolzen Alter immer mit sichtbarer Freude absolviert, konnten beide im Anschluss noch ein wenig auf der Weide nach Leckereien suchen...







Montag, 6. August 2018

Meeresgold. Versprechen der See

Lucia, Tochter des Gouverneurs, soll nach dem Willen ihres Vaters, aber gegen ihren Wunsch einen Mann heiraten, den sie noch nie gesehen hat. Doch vor dem Altar in der Kirche wird die Brautgesellschaft von düsteren Männern überfallen, ihr Verlobter getötet und sie selbst entführt. Sie findet sich auf der „Black Treasure“, dem Schiff des berüchtigten Piraten Soledad, wieder. Kaum dem einen Brautbett entronnen, sieht sie der Forderung Soledads gegenüber, dessen Sohn Benjamin ehelichen zu sollen. Entgegen aller Erwartungen entspinnt sich zwischen den beiden im Angesicht einer tosenden See und von Rachegelüsten zarte Liebesschnüre.


Meeresgold. Versprechen der See“ von Katelyn Erikson ist eine Liebesgeschichte, die in ein historisches Gewand gekleidet ist, der es bedauerlicherweise jedoch an historischem Hintergrund mangelt. So wird keineswegs erkennbar, in welcher Zeit die Autorin ihre Handlung angesiedelt sehen will. Hüftpolster und Unterröcke sprechen für das 18. Jahrhundert. Und einige Male ist von der "britischen Königin" die Rede. Bis 1714 regierte Königin Anne, dann saß erst mit Königin Victoria ab 1837 erneut eine Frau auf dem englischen Thron.

Leider ist die Beschreibung der Örtlichkeiten außerhalb des Schiffes sehr gering und nicht gründlich genug, um ein stimmiges Bild zu ergeben.

Das mag entschuldbar sein, wenn im Gegenzug eine unwiderstehliche Geschichte geschildert würde. Tatsächlich enttäuscht und zieht sich die Handlung, und es geschieht nicht wirklich Aufregendes, Neues, nie Dagewesenes. Oder es ist nicht aufregend, neu, nie dagewesen präsentiert. Einmal davon abgesehen, dass Lucia bis zur Hälfte des Romans aufs Schiff entführt und mehrfach gleichwertigen Übergriffen von Piraten ausgesetzt wird, passiert nicht außerordentlich Erwähnenswertes. Oder es hat sich wegen Belanglosigkeit aus dem Gedächtnis geflüchtet.

Die eingefügten Kapitel, die deutlich in der Vergangenheit liegen und damit das Schicksal anderer Figuren beleuchten, bringen Abwechslung. Allerdings ist schnell klar, dass angedeutete Geheimnisse mit den überschaubar gehaltenen Protagonisten zu tun haben.

Lobend seien zudem die (zwar nicht immer textstimmigen) Zeichnungen von Kay Elzner erwähnt, die für Auflockerung sorgen. 

Die junge Autorin zeigt durchaus gute Fähigkeiten beim Ausarbeiten und Darstellen ihrer Geschichte, bedient sich indes ebenso der gängigen Klischees. Ihr Schreibstil liest sich ohne große Hürden, ist ab und an gespickt mit modernen Begriffen, dann wieder mit überzogen deftigen Ausdrücken, die während des Lesens eher negativ aufstoßen, als sich passend in den Text einfügen. Auch tragen diverse Wortwiederholungen nicht zur Unterhaltung bei. So sind ihre Piraten – bis auf die hehren Ausnahmen – natürlich wild und wüst und gieren ständig nach der Heldin und verfügen (allein viermal) über einen „fauligen Atem“.

Das Entfalten der Beziehung zwischen Lucia und Ben ist angenehm und nett, ragt hingegen nicht aus der Masse der Liebesgeschichten heraus und entwickelt sich in ihrem Hin und Her in einer üblichen Art und Weise. Bei der Beschreibung der Charaktere mangelt es des Öfteren an Ausdruckskraft. Und obwohl Lucia aus der Ich-Position heraus erzählt und ihre Gefühle offenlegt, kommt insgesamt nicht die erwartete herzzerreißende Emotionalität auf. Es fehlt das gewisse Esprit, dass einen mitfiebern lässt. Das ist schade, denn wenn es schon an der Historie mangelt, hätten es vielleicht spritzige Dialoge in einem abenteuerlichen und überraschenden Geschehen zum Lesevergnügen beigetragen. Hier wurde einfach das Potential verschenkt.


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Erschienen ist der Roman im Eisermann Verlag, dem ich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares über die Netzwerk Agentur Bookmark danke.

Sonntag, 5. August 2018

Abend am Ribnitzer Bodden

Mit einem Blick auf den Ribnitzer Bodden
wünsche ich euch einen guten Start in die neue Woche.





Freitag, 3. August 2018

Trockenheit

So schön der Sommer ist, erweist sich die Trockenheit jedoch als besonders tragisch für die Natur.


Heute habe ich auf der Terrasse diese Hornisse gefunden.


Viele fürchten sich ja vor diesen Insekten wegen ihrer Größe. Dabei fliegen sie Menschen nicht wie Wespen gezielt an und stechen auch nicht ohne Weiteres, sondern ausschließlich dann, wenn sich jemand ihrem Nest unvorsichtig nähert.


Deshalb war ich schon ein wenig traurig, als ich sie da liegen sah.


Ich finde sie mit ihren Flügeln nämlich richtig hübsch.
 

Dienstag, 31. Juli 2018

Zwei an einem Tag: Süße Freundschaft

Nadima ist neu an Josephines Schule und in ihrer 7. Klasse, und sie spricht sehr wenig Englisch. Doch Josie wäre nicht sie selbst, wenn sie sich davon abschrecken ließe. Deshalb geht sie in der ihr eigenen unkomplizierten Art auf Nadima zu und reicht ihr die Hand zur Freundschaft, einfach, indem sie ihre Schokolade mit ihr teilt.

„Da standen wir und futterten die Süßigkeiten, die wir uns gegenseitig geschenkt hatten, und in diesem Moment wusste ich, dass wir Freundinnen werden würden, auch wenn keine von uns ein Wort von dem verstand, was die andere sagte.“ (Seite 25)

Es dauert nicht lange, bis die beiden Mädchen einen Weg finden, miteinander zu kommunizieren, nämlich durch Textnachrichten mittels Emojis. Und dabei stellen sie viele Gemeinsamkeiten wie die Liebe zu Musik, Filmen, Pizza, Kuchen und natürlich Schokolade fest.

Für Josie ist Nadima die Gelegenheit, eine neue Freundin zu haben, hat sich doch ihre vermeintlich einstige beste Freundin Lily der allseits beliebten Kara, die Josie allerdings nicht mag, zugewandt. Zwischen Nadima und Josie entsteht eine besondere Verbindung, die am Anfang gut funktioniert. Dann wird sie indes einigen Bewährungsproben ausgesetzt, als Nadimas Vergangenheit offenbart wird. Das Verhalten von Josie, geprägt von fehlgeleiteten Bemühungen, Nadima zu helfen, und Missverständnisse belasten ihre Freundschaft, und Josie muss mit den Konsequenzen kämpfen.


„Sprichst du Schokolade?“ von Cas Lester ist eine ungewöhnliche Geschichte über Freundschaft, die sich auf unerwartete Weise entwickelt und es schafft, die Höhen und Tiefen einer Kameradschaft zwischen Teenagern mit Sensibilität und Einfühlsamkeit einzufangen.

Die Autorin trifft den Ton ihrer Protagonisten, und ihre mit sanftem Humor versehene Art zu schreiben zeugt von einem vorhandenen Verständnis vor allem für Mädchen dieses Alters und ihren Umgang miteinander. Ihre Befürchtungen, nicht dazu zu gehören. Entscheidungen zu treffen, die sich im Nachhinein als schwierig herausstellen. Dinge zu tun, die schief gehen. Sich manchmal wie ein Elefant im Porzellanladen zu benehmen, obwohl nur das Beste gewollt ist. Die Welt verstehen und begreifen zu lernen. Gefühle in die richtigen Bahnen zu lenken.

Cas Lester lässt ihre Heldin Josephine selbst erzählen. Josie ist ein sympathisches, Mädchen, mit der sich junge Leserinnen gut identifizieren können. Manchmal etwas temperamentvoll und ungestüm, verfügt sie über einen ausgeprägten Sinn für moralische Gerechtigkeit, gerät aber des Öfteren in der Schule in Schwierigkeiten. Damit verbirgt sie vor allem eine Unsicherheit. Josie ist nämlich „grässlich legasthenisch“ und kämpft mit den hiermit verbundenen Problemen. Peinlichkeiten in ihren Augen.

Nadimas Charakter ist von einnehmender Art, jedermann dürfte sie schnell in Herz schließen. Ansonsten unterscheidet sie sich in ihrem Verhalten nicht von Gleichaltrigen.

Und doch ist etwas anders, und es ist ihr Schicksal innerhalb der Geschichte über Freundschaft und Identität, das dieser eine größere Tiefe und Wirkung verleiht. Denn Nadima und ihre Familie kommen aus Syrien, und der Autorin gelingt es mit kraftvollen und bewegenden Worten der Thematik eine Brisanz zu verleihen, ohne den jugendlichen Leser zu verschrecken. Dabei vermeidet sie es nicht, von der Grausamkeit und der Angst zu erzählen, was realistisch und ehrlich wirkt, bleibt aber auf dem Niveau ihrer Leserschaft. Und während Josephine und ihre Mitschüler und Freundinnen sich vor Augen führen und erkennen, was Flucht und Verlassen der alten und Ankommen und Integration in der neuen Heimat bedeuten, können auch wir dies, ob nun jugendlicher und erwachsener Leser.

Cas Lester erzählt eine Geschichte über die Freundschaft, die trotz aller Unterschiede in der Herkunft, Kultur oder Glauben voller Herzlichkeit und Hoffnung und damit äußerst werthaltig ist.

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Erschienen ist das Buch bei arsEdition. Ich danke dem Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares über NetGalley.

Zwei an einem Tag: „Wunder können nur passieren… Man kann sie nicht erwarten.“

Anton ist Busfahrer. Täglich fährt er im ländlichen Österreich dieselbe Strecke und bringt vor allem Kinder zur Schule. Es ist nicht so, dass er seinen Job nicht gern macht, schließlich ist Busfahrer ein Kindheitstraum von ihm gewesen. Aber inzwischen hat sich Anton an die Monotonie und den Gleichklang seines Lebens gewöhnt.

Etwas hat sich allerdings verändert: Anton ist verliebt in seine Nachbarin Doris und ihr in letzter Zeit etwas näher gekommen. In der Nacht hat er jedoch auf ihrem Balkon einen Mann husten hören. Muss er jetzt seine Liebe ad acta legen? Anton zweifelt.

Und außerdem ist da die Sache mit dem böswilligen Jungen, den er aus seinem Bus geschmissen und der ihn wegen angeblicher Körperverletzung angezeigt hat. Nun droht Anton das Los, seinen Job zu verlieren. Es muss dringend etwas geschehen.

Als die krebskranke Carla in Begleitung ihrer Tochter in den Bus steigt, ahnt Anton noch nicht, dass dies ein Tag wird, der alles auf den Kopf stellt. Carla möchte ein letztes Mal das Meer sehen, und das nicht irgendwann, sondern auf der Stelle. Und Anton soll sie fahren. Dazu bräuchte es Mut, doch Mut ist nicht Antons Sache. Wiederum könnte er damit Doris bestimmt beeindrucken, denn die meint: Mutig ist ja nicht der, der keine Angst hat, sondern der, der seine Angst überwindet.“ (Seite 37)

Und so setzt Anton alles auf eine Karte und beschließt: „Wir fahren jetzt ans Meer!“- Das Ziel, San Marco an der Adria, ist fünf Stunden entfernt.

Mit an Bord des Busses befinden sich neben Anton Clara und ihre Tochter Annika, die Geschwister Helene und Ferdinand, letzterer zunächst mit viel Widerwillen, Eva, die sich um die nur zufällig anwesende und demente Frau Prenosil kümmert, nicht zu vergessen Totti, das Kaninchen. Ihnen auf den Fersen sind die Polizei und Doris, die alarmiert von Antons überfürsorglicher Mutter, die Verfolgung aufgenommen hat.

Und während der Fahrt bekommt nicht allein Anton Gelegenheit, über sein Leben nachzudenken…


René Freund hat mit „Ans Meer“ einen originellen und liebenswerten Roman geschrieben, der mit Schwung, Leichtigkeit und Charme erzählt wird und trotz seines grundsätzlich humorvollen Ansatzes auch den Tiefgang und die Emotionalität nicht vermissen lässt. Diese gelungene Mischung aus Lachen und Weinen, aus Vergnüglichkeit und Melancholie macht das turbulente und unterhaltsame Roadmovie zu einem wunderbaren Kleinod.

Freunds Protagonisten sind sympathische Zeitgenossen mit Stärken und Schwächen, die im Verlauf der Reise zu einer verbundenen Gemeinschaft werden. Besonders Anton, gut trainiert im Vermeiden von Konfrontationen, wächst über sich hinaus und einem dabei ans Herz. Und für Carla ist eine winzige Träne übrig und die Hoffnung, dass sich ihr Wunsch erfüllen möge.

„Ans Meer“ ist eine geradlinige Geschichte, die Zeit für traurige und fröhliche Momente hat und einfach glücklich macht.

Dienstag, 24. Juli 2018

Eine geballte Ladung...

... Phlox präsentiere ich euch heute. Wie ihr vielleicht erkennen könnt, mutiert die ursprünglich rosa-weiß gestreifte Blüte zur Einfarbigkeit und ist dabei ziemlich dominant. Vielleicht sollte ich die Staude, die diesen Platz zu lieben scheint, doch verkleinert. Aber ich trenne mich immer ungern von der Üppigkeit einer Pflanze...










Sonntag, 22. Juli 2018

Thriller-Sonntag, zum Zweiten: Die Gaben des Todes


Marie Winter lebt in Frankfurt am Main und ist alleinerziehende Mutter einer vierjährigen Tochter. Obwohl es auch in ihrem Leben bereits harte Einschnitte gegeben hat, geht sie in ihrem Beruf auf und übt ihren Dienst als Oberkommissarin der Mordkommission mit Engagement aus.

Als in einem Kaufhausfenster eine in Szene gesetzte Leiche und die mit roter Schrift gemalte Aufforderung „Holt Daniel Parkov“ gefunden wird, ahnt Marie Winter, dass etwas Großes, ja etwas Ungewöhnliches geschieht. Und die junge Frau sieht sich bald ihrer bisher größten Herausforderung gegenüber, die sie nicht allein meistern kann. Ihr zur Seite steht der BKA-Ermittler Daniel Parkov, der seit dem Mord an seiner Frau zurückgezogen lebt und sich erst von Marie überzeugen lässt, sich an der Aufklärung des Verbrechens zu beteiligen...


Mit „Die Gaben des Todes“ offeriert Martin Krüger eine gut durchdachte, in sich schlüssige Geschichte, die unvorhersehbar ist und über ein enormes Potential an Spannungsmomenten verfügt und nur im geringen Maße ein wenig über das Ziel hinausschießt. Sprachlich fordert sie keine Höchstleistung, wenngleich Martin Krüger keineswegs vor deutlichen Beschreibungen Halt macht, und einige Wortwiederholungen seien ebenfalls verziehen. Insgesamt gelingt es dem Autor durchaus, den Leser in das Geschehen und damit in den Bann zu ziehen. So stehen die ganze Zeit die Fragen im Raum, wer hinter dem rätselhaften „Dezembermann“ und den Morden steckt und was dieser damit bezweckt. Wie eigentlich zu erwarten, belässt es auch Martin Krüger nicht bei einem Todesfall, den Marie, Daniel & Co. aufzuklären haben.

Mit Marie Winter und Daniel Parkov hat Martin Krüger ein ungewöhnliches, gleichwohl bemerkenswertes Ermittlerteam erschaffen, das nach dem Tod ihrer Partner ihr Päckchen zu tragen hat und wegen der jeweiligen Charakterzüge realistisch ist. Während beiden eine gewisse Eigenwilligkeit zu eigen ist, wirkt Marie daneben äußerst geradlinig und emotional. Sie versucht, sowohl ihrer an Leukämie erkrankten Tochter als auch ihrem Job gerecht zu werden, nicht immer funktioniert dies zu ihrer Zufriedenheit. Daneben zeigt sich Daniel charismatisch, aber auch ein wenig exaltiert und ist vor allem tief in seinem Inneren mit einer Dunkelheit versehen, die leicht an den Abgrund führen kann.

Im Verlauf des Geschehens müssen die beiden lernen, einander blind zu vertrauen. Denn dieser Fall verlangt beiden Figuren einiges ab, sie werden mit den Dämonen ihrer Vergangenheit konfrontiert. „Der Dezembermann“ scheint es darauf angelegt zu haben, das Leben von Marie und Daniel zu beeinflussen, mit ihnen zu spielen, ohne sich selbst in die Karten schauen zu lassen oder nur in dem Rahmen, den er sich vorstellt.

Mit einer spürbaren Ungeduld des Täters nimmt zum Ende hin auch das Tempo zu, als könne er es gar nicht erwarten, enttarnt zu werden. Und die Auflösung überrascht, wenngleich ein paar Fragen offen bleiben und die Vorfreude auf den Folgeband steigern. Von daher: Alles richtig gemacht!

Thriller-Sonntag, zum Ersten: Böses Kind


Wer meinen Blog und meine Rezensionen verfolgt, weiß, dass meine Leseinteressen breit gefächert sind. Wenngleich inzwischen auch Krimis zu meiner Lektüre gehören, habe ich Thriller bislang gemieden. Das hat ein Ende. Denn in den letzten vierzehn Tagen habe ich drei Bücher dieses Genres gelesen, das vierte begonnen. Und was soll ich sagen? Es gefällt mir. Also werden wohl weitere folgen.

Schluss mit der Vorrede. In medias res...


Der Berliner Kriminalhauptkommissar Henry Frei ist speziell. Es existieren zwei Dinge, die er nicht ausstehen kann: Unpünktlichkeit und Unordnung. An seine Pedanterie muss sich der neue Kollege Charlie erst gewöhnen, wohingegen Kollegin Louisa Albers damit umzugehen weiß.

Seine personifizierte Korrektheit macht Frei keineswegs unsympathisch. Vielmehr zeichnen ihn seine kluge, geradlinige Denkweise aus. Die braucht er auch in seinem Job. Gerade nämlich wurde ein neues Mordopfer gefunden.

Zeitgleich vermisst Suse Pirnatt, eine von ihrem Mann verlassene Mutter dreier Kinder unterschiedlichen Alters ihre älteste Tochter. Die Vierzehnjährige ist ebenso verschwunden wie der Hund der Familie.

Es dauert nicht lange, und die Mordkommission erfährt von dem vermissten Mädchen. Denn bei einem weiteren aufgefundenen Toten befand sich deren Rucksack, so dass alles nach einem unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem Verschwinden und dem grausamen Mord aussieht. Und obwohl Henry Frei und seine Kollegen fieberhaft daran arbeiten, den Fall aufzulösen, scheint ihnen die Zeit davonzulaufen. Und dann geschieht ein weiteres Verbrechen...


Böses Kind“ von Martin Krist profitiert neben einer ausgeklügelten Geschichte vor allem von seinen Protagonisten und deren persönlichen Hintergründen. Da gibt es einerseits das funktionierende Familienleben von Henry Frei, das auch mit pubertärer (ebenfalls) 14-jähriger Tochter und einem Sohn mit Asperger Syndrom funktioniert. Seine Kollegin Louisa Albers kämpft ständig mit der Müdigkeit, weil sie vor einem halben Jahr Mutter geworden und vor zwei Monaten wieder in den Dienst getreten ist. Seitdem kümmert sich ihr Mann, ein Schriftsteller, um den Sohn, hält aber ständigen Kontakt zu ihr. Frei und Albers sind ein eingespieltes Team, die durch ihre Arbeitsweise, oft in Form von Schlagabtäuschen, Ermittlungen voranbringen. Neuzugang Phan Cha Lee, genannt Charlie, ist der Sohn einer Deutschen und eines Vietnamesen, zeigt sich eifrig und noch ein wenig ungezügelt, jedoch lernfähig.

Im krassen Gegensatz hierzu steht Suse Pirnatt. Sie lebt in der Platte im Berliner Bezirk Spandau, einer von vielen sozialen Brennpunkten der Hauptstadt. Hier bestimmen oft die Sorge ums Geld und damit eingehende innerfamiliäre Notsituationen und weitere daraus resultierende Probleme den Alltag der Menschen, Hoffnungslosigkeit und fehlende Perspektive lassen sie abstumpfen. Vom Berliner Glanz ist hier nichts zu spüren. Suses Mann zahlt keinen Unterhalt, und so muss sie einem ungeliebten Teilzeitjob in einer Drogerie nachgehen, um überhaupt über die Runden zu kommen. Sie schafft es kaum, den siebenjährigen Dennis und Baby Theo zu versorgen. Als ihre älteste Tochter Jacqueline verschwindet, vermutet sie, dass diese mit Typen abhängt, die nicht nur mit einem Suchtmittel zu tun haben, riskiert aber trotzdem ihren Job, weil sie sich auf die Suche begibt...

Martin Krist gelingt es schnell, seine glaubwürdigen Figuren innerhalb ihres Milieus ins Licht bzw. in den Schatten zu setzen und die Verhältnisses zu beleuchten. Er schreibt mit hohem Spannungsfaktor, und seine Erzählweise ist offensiv, energisch und schonungslos, spart nicht unangenehmer und detaillierter Darstellung. Kurze, knappe, auf den Punkt gebrachte Sätze und wechselnde Perspektiven treiben die gut durchdachte Handlung kontinuierlich voran. Diese erhält durch das Einstreuen der Uhrzeit immer wieder Echtzeitmomente, wirkt niemals konfus oder lässt gar den notwendigen Überblick vermissen. Die unterschiedlichen Sichtweisen bieten vielmehr Raum für eigene Spekulationen und ermöglichen ein Mitfiebern für ein rasantes Ende.

Und das ist es tatsächlich, das Ende kommt zügig und wegen der vielen ungeklärten Fragen einen Tick zu scharf. Der Cliffhanger kann sich allerdings sehen lassen. Wohl dem, der den Nachfolgeband „Stille Schwester“ schon „auf dem Schirm“ hat...

4,5 Sterne