Montag, 21. September 2026

Blogger für HOMER 2026 - Der Fall des Eisernen Königs


Wir schreiben das Jahr 1275. Vor zwei Jahren ist Rudolf von Habsburg zum König gewählt worden. Mit ihrer Entscheidung haben die Kurfürsten den böhmischen König Ottokar II. Přemysl übergangen, um einen zu dominanten Herrscher zu verhindern. Der angeblich schwache und lenkbare “arme Graf” entpuppt sich indes als Mann mit außerordentlich diplomatischem Geschick und einem unbändigen Willen, seiner eigenen Familie den Weg zur dauerhaften Herrschaft zu ebnen. 

Er verlangt von Přemysl Ottokar die Freigabe des Herzogtums Österreich. Jedoch ist dieser nicht bereit, seine Pfründe ohne Widerstand aufzugeben.


Zwischen beiden entbrennt ein erbitterter Kampf um die Macht, der viele Menschen unterschiedlicher Herkunft in schwere und langwierige Auseinandersetzungen und damit zwischen die Fronten zieht. Hiervon sind auch die Menschen in Steyr und im Ennstal betroffen.


In den dortigen Wäldern sind Claus, einst Knecht auf dem Hof des brutalen Rudwin in Raming, und weitere Vogelfreie gerade dabei, sich mit dem Bau eines Gehöfts eine Lebensgrundlage zu schaffen.


Ännlin, die Geliebte von Claus, unterstützt das Vorhaben, hat aber mittlerweile auf der Burg Losenstein neben ihrem Auskommen auch ein Zuhause gefunden. Daraus ergeben sich Schwierigkeiten für die Liebe der beiden. Ännlin gerät nicht nur ins Blickfeld des Irenfried von Styra, in dessen Herrschaftsbereich Claus gelebt hat, sondern weckt darüber hinaus auch die Aufmerksamkeit von Dietmar von Losenstein. Das bringt sie und die Gemeinschaft im Wald in Gefahr.


Die Adligen stehen ebenfalls vor der großen Herausforderung, sich für eine Seite zu entscheiden. Dietmar von Losenstein und seine Freunde unterstützen Rudolf von Habsburg. Ihr Gegenspieler Irenfried von Styra ist - schon allein aus familiären Gründen - Přemysl Ottokar ergeben.



Die Shortlist des HOMER-Literaturpreises steht für hervorragende historische Romane. Mit “Der Fall des Eisernen Königs”, dem finalen dritten Band der Österreich-Saga, beweist Ana Pawlik eindrucksvoll, warum das Werk zu den Nominierten gehört.


Obwohl jedes einzelne Buch der Trilogie unabhängig voneinander gelesen werden kann, weil wesentliche Eckpunkte der Geschichte immer wieder aufgegriffen werden, empfehle ich interessierten Lesenden, die Reihe mit dem ersten Band zu starten, um sich das Vergnügen nicht zu versagen.


Schon auf den ersten Seiten entfaltet der Roman dank des Könnens der Autorin hinsichtlich Verarbeitung des historischen Stoffes ihrer Wahlheimat Österreich eine narrative Wucht, die uns unmittelbar in das späte 13. Jahrhundert hineinsaugt. 


Ana Pawlik verknüpft mehrere wechselnde Handlungsstränge, wobei zwei im Mittelpunkt stehen. Auf der einen Seite befinden sich mit Ännlin und Claus Menschen aus dem einfachen Volk, deren Wege das Schicksal auseinander geführt hat. Während Ännlin als Zofe von Euphemia von Losenstein auf der Burg lebt, hat sich Claus gezwungenermaßen für das Dasein als Vogelfreier entschieden.


Ihnen stellt die Autorin die Adligen und Mächtigen gegenüber, die sich in verschiedenen Lagern befinden. Irenfried, der mit einer Tochter von Přemysl Ottokar verheiratet ist, unterstützt selbstverständlich seinen Schwiegervater, auch in der Hoffnung, dass er bei einem Sieg des Herzogs von Österreich an dem verhassten Dietmar von Losenstein seine Rachegelüste befriedigen und dessen Burg übernehmen kann.


Ana Pawlik bringt uns nicht nur die mit Intensität recherchierten historischen Hintergründe näher, sondern schildert die Veränderungen der Gegebenheiten aus unterschiedlichen Blickwinkeln mit erheblichem Spannungspotential und ohne jedwede Idealisierung. Sie stellt sich und uns die Frage, wie das Geschehen die Gesellschaftsschichten berührt, wie der Kampf in einer sich stetig ändernden Welt aussieht.


Diese einzelnen Sichtweisen ermöglichen einen weitreichenden und ausführlichen Einblick in eine unbekannte Epoche mit komplexen politischen Verhältnissen und Allianzen. Neben den historisch belegbaren Ereignissen, zu denen eine anspruchsvolle und realistische Beschreibung der Schlacht auf dem Marchfeld gehört, füllt sie die Handlung mit fiktiven Entwicklungen, so dass sich ein detailliertes Bild von hoher Aussagekraft ergibt.


Ihre sprachliche Gestaltung und Ausdrucksweise ist dabei anschaulich, mitreißend und von großer Empathie und Dynamik. Auch das Zeitkolorit punktet mit solcher Lebendigkeit und Energie, dass der Leser fast den herannahenden Sturm über dem Herzogtum Österreich zu spüren glaubt.


Zwar stolpert der historisch versierte Leser direkt zu Beginn über einen winzigen architektonischen Anachronismus – eine “Balustrade” ist als Begriff und Bauelement eigentlich erst der italienischen Renaissance vorbehalten. Doch genau solche winzigen Details schmälern die atmosphärische Dichte nicht im Geringsten. Das Erzähltempo und die visuelle Kraft des Stils sind so grandios, dass man gern darüber hinwegsieht. Hier zeigt sich die eigentliche Brillanz des Romans.


Hinzu kommt die meisterhafte und akribische Figurenzeichnung unterschiedlicher Klassen, Geschlechteridentitäten, Beziehungsformen und Gefühlswelten gerade im Kontext des 13. Jahrhunderts. Auch in “Der Fall des Eisernen Königs” sind überzeugende Charaktere in Aktion, die nicht fehlerfrei und schöngefärbt agieren. Vielmehr begeistern sie mit Authentizität sowie wahrhaftigen und nachvollziehbaren Reaktionen, einerlei, ob sie eher dem “guten” oder “bösen” Lager zugeordnet werden.


Ein umfassendes Nachwort dient dazu, geschichtliche Realität und kreative Freiheit voneinander abzugrenzen. Des Weiteren bietet das Personenregister eine vollständige Übersicht.


“Der Fall des Eisernen Königs” fesselt von der ersten Szene an und hält das Niveau bis zum Schluss. Ana Pawlik ist mit diesem historischen Roman eine würdige Kandidatin für den GOLDENEN HOMER, weil sie zeigt, wie Geschichte zu einer packenden Literatur wird.


Donnerstag, 10. September 2026

Neues vom Pferdehof - Wind im Haar

Bei uns weht ja des Öfteren eine steife Brise. Hermann und ich haben uns trotzdem zu einem Spaziergang hinausgewagt, da die Temperaturen perfekt waren - nicht zu heiß und nicht zu kalt.


Wie ihr seht, sitzt die Frisur und hat sich der Windrichtung angepasst ;-) ...

Donnerstag, 3. September 2026

Blogger für HOMER 2026 - Ottokar II. Přemysl gegen Rudolf I. von Habsburg


Im späten 13. Jahrhundert steckt Mitteleuropa in einer tiefen Krise, als das sogenannte Interregnum - die kaiserlose und oft rechtlose Zeit - das Heilige Römische Reich zerreißt.

Bild: Wikipedia

1273 prallen zwei Männer aufeinander, deren erbitterte Rivalität die Landkarte Europas für die nächsten 650 Jahre grundlegend prägen wird:

Ottokar II. Přemysl und Rudolf I. von Habsburg

Es beginnt ein gigantisches politisches Kräftemessen, das schließlich in einer der größten Ritterschlachten des Mittelalters gipfelt und zwei völlig ungleiche Ausgangspositionen offenbart.

Auf der einen Seite steht mit Ottokar II. Přemysl, König von Böhmen, der maßgebliche Mann Mitteleuropas. Zeitgenossen nennen ihn den "Goldenen König" wegen seines unermesslichen Vermögens oder den "Eisernen König" auf Grund seiner militärischen Härte. Geschickt hat er sich das Erbe der Babenberger einverleibt und ist Herr über ein gewaltiges Territorium, das Böhmen bis zur Adria, Österreich, die Steiermark sowie Kärnten umfasst.

Bild: Wikipedia


Auf der Gegenseite befindet sich Rudolf von Habsburg, der aus Sicht des böhmischen Königs harmlos und ein "armer Graf" aus dem Südwesten des Reiches ist. Doch Rudolf besitzt zwei Eigenschaften, die Ottokar fatal unterschätzt: ein extremes diplomatisches Geschick und einen unbändigen Willen, seiner eigenen Familie den Weg zur Macht zu ebnen.


Bild: Wikipedia


Als 1273 die Kurfürsten zusammenkommen, um einen neuen König zu wählen, markiert dies den entscheidenden Wendepunkt. Da sie vor allem einen zu dominanten Herrscher verhindern wollen, wird Ottokar, der berechtigte Hoffnungen auf die Krone hegt, bewusst übergangen. Die Wahl fällt stattdessen auf den vermeintlich schwachen und lenkbaren Alternativkandidaten Rudolf von Habsburg.


Ein folgenschwerer Irrtum. Schnell ist klar, dass Ottokar dem neuen König die Anerkennung verweigert und Rudolf seinen Widersacher in die Schranken weisen muss, um seine eigene königliche Autorität überhaupt erst zu sichern.

In dem darauffolgenden Konflikt setzt Rudolf auf eine meisterhafte Strategie von Recht gegen Reichtum, indem er Ottokar nicht sofort militärisch angreift, sondern das Reichsrecht als Waffe nutzt.

Er fordert die Rückgabe aller Krongüter, die seit dem Ende der Staufer-Dynastie illegal angeeignet worden sind, was ein direkter Angriff auf Ottokars Herrschaft im Alpenraum ist.

Während Ottokar stur auf seine finanzielle Überlegenheit vertraut und den örtlichen Adel in den neu erworbenen Ländern durch eine strenge Zentralisierung gegen sich aufbringt, sammelt Rudolf geschickt Verbündete, verspricht den Edelleuten deren alte Privilegien und sichert sich nebenher die Unterstützung des Papstes sowie des ungarischen Königs.

Dieser massive politische und militärische Druck führt dazu, dass Ottokar im Jahr 1276 nach einem ersten, fast mühelosen Feldzug Rudolfs kapitulieren muss und vorerst auf Österreich verzichtet.

Der Frieden ist jedoch nur von kurzer Dauer, Ottokar will sein Lebenswerk nicht ohne Widerstand aufgeben. So kommt es am 26. August 1278 auf dem Marchfeld nordöstlich von Wien zur endgültigen Entscheidung, und zehntausende Krieger stehen sich in einer der größten Schlachten des Mittelalters gegenüber, die schließlich durch eine List entschieden wird. Entgegen dem damaligen ritterlichen Ehrenkodex hält Rudolf eine taktische Reserveeinheit im Hinterhalt versteckt, die den Böhmen in die Flanke fällt und eine Panik auslöst. Ottokar II. kämpft tapfer, wird jedoch vom Pferd gerissen und noch auf dem Schlachtfeld getötet.

Das historische Fazit dieses Duells zeigt, dass Ottokar II. Přemysl letztlich am eigenen Hochmut und mangelnder Kompromissbereitschaft gegenüber dem regionalen Adel scheitert, obwohl er als zukunftsorientierter Fürst bereits versucht hat, die Zentralverwaltung straff zu etablieren.

Rudolf von Habsburg hingegen erweist sich als pragmatischer Stratege für die politischen Zweckmäßigkeiten. Mit seinem Sieg auf dem Marchfeld sichert er seiner Familie die Herzogtümer Österreich und Steiermark und begründet damit jahrhundertelange Macht des Hauses Habsburg im Donauraum fest, eine Entwicklung, die ohne diesen Erfolg kaum denkbar gewesen wäre.

Wie sich dieser dramatische Kampf und der Untergang des böhmischen Königs bis hinab zu den einfachen Knechten und Bauern angefühlt haben, steht im Zentrum des historischen Romans "Der Fall des Eisernen Königs" von Ana Pawlik, der in diesem Jahr für den GOLDENEN HOMER nominiert wurde. Warum dies eine gute Entscheidung war, könnt ihr in meiner Rezension nachlesen, die im Rahmen der Vorstellung der Shortlist für den Literaturpreis am 21. September 2026 erscheint …

Mittwoch, 2. September 2026

Spätsommerlauf


Heute war das ideale Laufwetter ...


... und ich habe eine neue Strecke getestet.