Dienstag, 27. Juli 2021

Von Sonntag zu Sonntag - Bücherwoche: HEUTE - Schau, wie niedlich Tiere schlafen gehen

Schau, wie niedlich Tiere schlafen gehen“ dürfte nicht nur den Kleinen gefallen, sondern trifft mit seiner liebevollen Gestaltung auch den Nerv der Großen. Das Pappbilderbuch von Frauke Weldin (Illustrationen) Katja Reider (Text), das als Gute-Nacht-Geschichte für Zweijährige empfohlen wird, bietet auf gemütliche Weise Einblicke in die Einschlafgewohnheiten verschiedener Tiere. Auf jeweiligen Doppelseiten besuchen die Kinder Otter, Panda, Hamster, Störche, Erdmännchen, Elefanten, Delfine und Schimpansen kurz vor dem Zu-Bett-Gehen und erleben am Ende außerdem bei einem menschlichen Jungen mit, welch behutsame Fürsorge und Zuwendung, Liebe und Geborgenheit alle Eltern ihrem Nachwuchs bieten.


Es sind vor allem die sanften, weich gezeichneten Illustrationen von Frauke Weldin, die schnuffige Kuschelmomente schaffen. Ergänzt wird der herzensschöne Gesamteindruck von Katja Reiders Reimen in harmonischer Sprachmelodie, bei der lediglich wenige Worte unbekannt für die Jüngsten, aber nach Erklärung verständlich sein dürften. Wissenswerte Informationen werden so auf ansprechende, jedoch immer possierliche Art vermittelt.


Schau, wie niedlich Tiere schlafen gehen“ ist ein Gute-Nacht-Gruß, der jeden zum Träumen einlädt.

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Erschienen ist das Buch im Carlsen Verlag, dem ich genauso wie prointernet bookmark für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares danke.

Montag, 26. Juli 2021

Von Sonntag zu Sonntag - Bücherwoche: HEUTE - Die Frauen von Gut Falkensee

In ihrer Familiensaga „Die Frauen von Gut Falkensee“ greift Luisa von Kamecke auf die Geschichte ihrer eigenen westpreußischen Familie zurück. Sie füllt das Geschehen mit Hintergrundwissen der örtlichen und gesellschaftlichen Gegebenheiten, so dass Gut Falkensee und seine Bewohner schnell vor dem geistigen Auge entstehen. Hier ist es von besonderem Reiz, dass sie Angehörige der unterschiedlichen Klassen gegenüberstellt und zugleich bewusst macht, dass auch die privilegierte Klasse wie der westpreußische Landadel trotz pflichtbewusster Sparsamkeit durchaus in finanzielle Schwierigkeiten geraten kann und daraus folgend Zwängen unterworfen ist.

Wie kann also etwas, das eine Lebensgrundlage bildet, von der nicht nur eine Familie, sondern auch die Dienstboten abhängig sind, gerettet werden?

Im Falle von Gut Falkensee und der von Bargelows verhindert im Jahre 1905 nur eine Heirat der ältesten Tochter mit einem wohlhabenden Mann den Ruin. Es ist vor allem das Bewusstsein, das Erbe der Familie zu erhalten und der Verantwortung genüge zu tun, die Charlotte zustimmen lassen, diesen Schritt zu gehen, obwohl es die impulsive und wissbegierige junge Frau vielmehr danach drängt, ihre Studien, von denen die Eltern nichts ahnen, in Paris fortzusetzen, um noch mehr über Landwirtschaft, Chemie und andere Wissenschaften zu lernen. Charlottes Traum ist es nämlich, das Landgut selbst führen zu können, auch wenn dieser Wunsch wegen ihres Geschlechts nahezu unerfüllbar bleiben wird.

Und so entscheidet sich die kluge Charlotte, die trotzdem den Ernst der Lage erkennt. Sie tut letztlich das, was nötig ist, um Falkensee zu retten: Sie heiratet Baldur von Krammbach. Womit sie bei allem jedoch nicht gerechnet hat, sind ihre Empfindungen für den Polen Karol...

Luisa von Kamecke gelingt es, die Ereignisse in einem lebhaften Rahmen zu setzen, in dem ihre Protagonisten mehr oder weniger erfolgreich handeln und einige Entscheidungen treffen. Sie bezieht die politische Situation ein und berücksichtigt hierbei das Verhältnis von Polen und Deutschen. Daneben stellt sie unterschiedliche Lebensmodelle und -wege dar.

Trotz einiger freudiger Ereignisse und vieler berührender Momente überwiegt ein schicksalsträchtiges Geschehen, und es herrscht insgesamt eine traurige Grundstimmung, das von verlorenen Möglichkeiten geprägt ist. Und obwohl die Autorin nicht alles bis in die Tiefe auslotet, entwickeln sich durchaus nachvollziehbare Gefühle, wenngleich sie nicht immer Wohlwollen hervorrufen. Luisa von Kamecke positioniert ihre zahlreichen Figuren gut in der Geschichte und verleiht ihnen gemischte Charakterzüge. Sie stellt sie nicht auf einen Sockel, sondern zeigt auch ihre Schwächen auf, die zu fehlbaren Menschen machen, die scheitern können.

Die Frage ist, ob aus diesen Niederlagen etwas Neues erwachsen kann...


Sonntag, 25. Juli 2021

Von Sonntag zu Sonntag - Bücherwoche: HEUTE - Palais Heiligendamm. Ein neuer Anfang

Es ist das Jahr 1912. Eigentlich ist Elisabeth Kuhlmann von Kindesbeinen an die Geräusche der Großstadt gewohnt. Allerdings lebt sie nun mit ihrer Familie nicht mehr in der hektischen Reichshauptstadt Berlin, sondern im von hellen Buchenwäldern und Moor umgebenen, nur sechs Kilometer von der Ostsee entfernten Doberan. Hier hat ihr Vater ein Jahr zuvor das luxuriöse Hotel Palais Heiligendamm eröffnet. Indes erweist sich die Idylle ohne hupende Automobile und laute Straßenhändler als trügerisch, denn die neidvolle Konkurrenz des Grand Hotels im benachbarten Heiligendamm offenbart sich nicht als einzige Bedrohung für den Erfolg. Ebenso zeichnen sich Umbrüche und gesellschaftliche Veränderungen ab, die ein Umdenken erforderlich machen. Ob sie auch Elisabeth die Chance bietet, ihren Traum von einer Arbeit im Hotel zu erfüllen?


Michaela Grünig hat mit „Palais Heiligendamm. Ein neuer Anfang“ einen Roman geschrieben, der in einer atmosphärischen Dichte hervorragend die Jahre am Anfang des 20. Jahrhunderts einfängt und die agierenden Figuren mit sprachlichTer Sicherheit in einen historisch ansprechenden Fokus setzt. Hierbei schildert sie gut die örtlichen Gegebenheiten, beschreibt detailliert den Alltag eines Luxushotels und die Stellung der Menschen unterschiedlicher Gesellschaftsschichten und füllt ihre Geschichte mit stimmungsvollen Ereignissen und Emotionen, die auch kleingeistiges und borniertes Verhalten, die geschlechtliche Orientierung sowie antisemitische und andere menschenverachtende Ansichten umfassen.

Während zunächst in erster Linie im beschaulichen Doberan die Segel gesetzt und einige Hürden genommen werden, nimmt die Handlung im weiteren Verlauf ordentlich Fahrt auf und lässt uns an den verschiedenen Schauplätzen nicht nur stille Brisen, sondern ebenfalls Stürme erleben. Gekonnt werden dabei die Klippen umschifft, die mit Kitsch und Klischees für einen Schiffbruch oder gar Untergang hätten sorgen können.

Vor allem ist Michaela Grünig die Gewichtung geglückt, mit der sie in einem fassbaren Maß intensive Einblicke in das Geschehen des ersten Weltkrieges ermöglicht und die Gräuel eindringlich beleuchtet. Am Beispiel des jungen Paul Kuhlmann wird deutlich, mit welcher Euphorie die jungen Männer voller Patriotismus freiwillig und siegessicher in den Krieg zogen, der bald die Ernüchterung, das Elend – nicht allein der Soldaten – und große Hoffnungslosigkeit folgten. Die Auswirkungen, von denen das gesamte Land und die Menschen betroffen sind, erfahren eine ausführliche Darstellungen, die von unserem Mitleid begleitet werden.

Die Ausführung der Charaktere in ihrer Vielfalt und mit den Ecken und Kanten ist meisterhaft. Mit außerordentlich wahrnehmbarer Empathie schaut Michaela ihren Protagonisten ins Herz und bringt uns ihr Innerstes näher, auch wenn dies nicht immer vergnüglich ist und unsere Zustimmung erfährt.

Gerade die neunzehnjährige Elisabeth Kuhlmann zeigt ein ein vielschichtiges Wesen. Sie verfügt über einen scharfen Verstand und will ihre Zeit nicht mit langweiligen Stickarbeiten und Musikstunden verschwenden, stattdessen etwas Sinnvolles tun, womit sich ihre standesbewusste Mutter keineswegs anfreunden kann. Vielmehr soll Elisabeth mit dem Schicksal der anderen Frauen arrangieren, das Ehe und Mutterschaft vorsieht, aber keineswegs den Besuch einer Hotelfachschule und die Arbeit im Hotel des Vaters. Das macht sie sympathisch, ebenso wie ihre Art, offen für die Nöte der Untergebenen zu sein und ihr Glaube, dass der Charakter eines Menschen unabhängig von seiner Herkunft beurteilt werden sollte. Doch sie ist zugleich eigen und hat ihren Kopf für sich.

Trotz aller Hindernisse versucht sie, ihren Weg in der Gesellschaft zu gehen, auch wenn dieser nicht unbedingt konform mit den herrschenden Ansichten ist. Insofern ist ihre Reaktion auf einen Mann wie Julius Falkenhayn interessant. Dieser bietet ihr Kontra, und Elisabeth muss erst lernen, mit den daraus resultierenden Irritationen – auch auf der Gefühlsebene – klarzukommen. Dabei könnte sie in ihm den richtigen Unterstützer ihres eigenen Bestrebens finden.

Denn Julius Falkenhayn ist offen, er sieht Frauen nicht als dummen Schäfchen, die sich kampflos in ihr Schicksal fügen sollten. Seine Vergangenheit als Waise hat ihn für das Leben geprägt, ohne ihm Zynismus zu verleihen. Er beurteilt die Dinge mit wachen Augen, ist ein intelligenter und mitfühlender Mensch, der seine Meinung konkret formuliert.

Beeindruckend ist die Entwicklung des Stubenmädchens Minna, einer liebevollen, behutsamen Persönlichkeit, die es im Laufe der Jahre erreicht, ihre Schüchternheit und Angst weitgehend abzulegen und selbstbewusster zu sein.

Ein neuer Anfang“ - Michaela Grünig hat für ihre Helden noch einiges vorgesehen. „Stürmische Zeiten“ warten auf sie, im „Palais Heiligendamm“. Wir werden ihnen also wiederbegegnen...


Samstag, 24. Juli 2021

Friedliches Miteinander

So eine Distelblüte bietet Platz für alle.

Sonntag, 27. Juni 2021

IMPRESS CHALLENGE 2021 - Juni


Spätestens wenn meine Queen Elizabeth blüht,
ist der Sommer in meinem Garten angekommen.


Darum habe ich ein paar Rosenblüten "regnen" lassen,
um "Sternschnuppenzauber" von Ann-Kathrin Wolf in Szene zu setzen.


Mittwoch, 9. Juni 2021

Kraftvoll ...

 ... blüht in diesem Jahr der weiße Flieder.




Dienstag, 8. Juni 2021

Truly, Madly, Whiskey. Für immer und ganz

Wenn ein Mann monatelang auf eine Frau wartet, obwohl sie ihn auf Distanz hält, bedarf es eines starken Charakters. Den hat Bear Whiskey zweifellos, und er ist bemerkenswert beharrlich. Weil Crystal Moon keine unbedeutende Frau für ihn ist. Eigentlich gehört sie zu seinen engsten Freunden, aber seit acht Monaten beherrscht sie seine nächtlichen Phantasien. Ihre faszinierend herausforderndes Wesen zieht ihn magisch an. Doch er will sie nicht verschrecken und behutsam vorgehen.

Denn Crystal ist nicht so sicher wie alle glauben. Gerade läuft das Leben der attraktiven jungen Frau in kontrollierten Bahnen. Da sieht sie sich den Avancen des besitzergreifenden und – zugegeben brandheißen – Mannes ausgesetzt. Seine Ausdauer und Hartnäckigkeit nötigen ihr nicht nur Respekt ab, auch seiner Anziehungskraft und Großzügigkeit, Treue und Verlässlichkeit hat sie kaum etwas entgegenzusetzen. Bear verfolgt konsequent sein Ziel, der EINE Mann im Leben von Crystal zu werden, dem sie für immer ihr Herz schenkt.

Die aufkommende Nähe und Leidenschaft sowie erstarkenden Gefühle zwischen ihnen fördern indes Erinnerungen zutage, die Crystal unbedingt tief in ihrem Inneren vergessen wollte. So prallen Vergangenheit und Gegenwart aufeinander, und es ist an den beiden, sich den Problemen gemeinsam zu stellen.

Melissa Fosters zweiter Band der Reihe „Die Whiskeys: Dark Knights aus Peaceful Harbor“ ist wie gewohnt romantisch und sexy und beweist wieder einmal, dass Liebe alles überwinden kann. „ Truly, Madly, Whiskey. Für immer und ganz“ wird mit leichter Hand in unverwechselbarer Art erzählt. Nicht allein Emotionen spielen eine entscheidende Rolle, sondern ebenso Freundschaft, Familie, Vertrauen, Verständnis und Zusammenhalt sowie die Unterstützung der Schwachen nehmen einen hohen Stellenwert ein. Zudem werden durchaus auch ernste Themen und Konflikte angesprochen, allerdings stets mit der Hoffnung versehen, dass es eine glückliche Auflösung gibt.

Die Autorin bleibt ihrem mit dem ersten Band der Reihe eingeschlagenen Weg treu, zwei konträr wirkende Charaktere aufeinandertreffen zu lassen und stellt mit Bear und Crystal ein erstaunliches Paar in den Mittelpunkt, das trotz aller Gegensätzlichkeit eine besondere Dynamik entfaltet. Ihre Interaktionen sind nach anfänglicher Zurückhaltung intensiv genauso wie ihre Dialoge vergnüglichen Wortwitz enthalten, während Bear mit sanfter Entschlossenheit sein Ziel verfolgt und Crystal ihre sich entwickelnden Gefühle für Bear zu ignorieren versucht.

Den dreiunddreißigjährige eins neunzig große, tätowierte Bar- und Autowerkstattbesitzer zeigt sich als geduldiger, warmherzig, wundervoll einfühlsamer Mann, der es vielleicht manchmal mit seiner Fürsorge und und dem Beschützen übertreibt. In seinem Engagement und der Verantwortung, für die Familie und Freunde einzutreten, hat er nach einem Schlaganfall des Vaters seine Träume mehr oder weniger aufgegeben und im Laufe der Zeit viele Aufgaben übernommen und dabei seine eigenen Bedürfnisse bislang übersehen. Erst als Crystal in sein Leben tritt, ändert sich seine Einstellung.

Crystal hatte keine einfache Kindheit und es trotzdem geschafft, aufs College zu gehen. Sie hat sich etwas Neues aufgebaut und arbeitet zusammen mit ihrer besten Freundin Gemma in deren Prinzessinnen-Boutique „Princess for a Day“. Seit einem traumatischen Ereignis versteckt sich die empfindsame junge Frau jedoch hinter einer Maske. Sie hofft, dass andere nicht erkennen, wie es tatsächlich um sie bestellt ist, und mimt das selbstsichere „Bad Girl“, das One-Night-Stands sammelt und keine feste Bindung eingeht. Als sie Bear kennenlernt, bröckelt die errichtete Fassade. An seiner Seite lernt Crystal, die Bear mit ihrer Klugheit und Dickköpfigkeit gleichermaßen beansprucht, sich zu öffnen und ihre Seele freizulegen.

Wird sie mit mit Vergangenem abschließen können und Frieden finden?


Sonntag, 30. Mai 2021

Unterwegs in Mecklenburg - Weiden am Wegesrand



Alt, aber sie sind unverwüstlich und erlauben so manche Ein- und Durchblicke.




Sonntag, 23. Mai 2021

Welt-Schildkröten-Tag

Unsere drei Damen Anton, Manni und Lotti (ja, zwei haben einen männlichen Vornamen und behalten ihn auch) hatten heute an ihrem Tag Ausgang auf dem Rasen. Man glaubt gar nicht, wie flink eine Schildkröte flitzen kann, wenn sie die große Freiheit spürt...




 

Dienstag, 18. Mai 2021

Sehnsucht in Aquamarin

Als kleine Kinder waren die Schwestern Jette und Polly an einem regnerischen Aprilmorgen von ihrer Mutter verlassen und vom Vater und der Stiefmutter aufgezogen worden. Polly – damals zweieinhalbjährig – hat zwar keinerlei Erinnerungen an das Zusammensein, aber Jette – zu der Zeit fünf Jahre alt – erinnert sich lebhaft und gut an die Mutter, weswegen sie deren Verschwinden nach wie vor sehr bedrückt und sie Nachforschungen über deren Verbleib anstellt.

 Jetzt hat Jette ihre Mutter auf einem Foto entdeckt und sie in Bar Harbor an der Ostküste in Maine aufgespürt. Sie überredet ihre jüngere Schwester, mit ihr dorthin zu reisen. Polly arbeitet als Übersetzerin und gibt neben Bedienungsanleitungen Erotikromanen den letzten Schliff. Während die Einunddreißigjährige eine geregelte kleinbürgerliche Einsiedlerexistenz in einer Dachgeschosswohnung in Stuttgart lebt, ist Jette in der ganzen Welt zu Hause und nimmt einen Job nach dem nächsten an. Obwohl sie schon unzählige Male die große Liebe gefunden zu haben glaubt und wieder verloren hat, ist sie immer noch auf der Suche danach. Polly hingegen will keinerlei Gefühle in eine Beziehung investieren, so sehr leidet sie darunter, von der Mutter nicht gewollt und geliebt worden zu sein.

In Maine angekommen, lernt Polly Liam und dessen Tochter Izyy kennen, die wie sie ohne ihre leibliche Mutter aufwächst. Und nicht nur diese beiden bringen sie dazu, ihr Dasein mit anderen Augen zu betrachten und ihre Ansichten zu hinterfragen. Doch wird sie sich je von ihren Ängsten lösen können und Liam gegenüber öffnen können?


Miriam Covis „Sehnsucht in Aquamarin“ ist ein Liebesroman, der trotz Vorhersehbarkeit hinsichtlich des erwarteten Ausgangs von seinen mit Stärken und Schwächen versehenen Figuren, wortgewandten Dialogen, einer mit Überraschungsmomenten bestückten Handlung und der detaillierten Darstellung des Geschehens profitiert. Einzelbilder von der einprägsamen Landschaft fügen sich zu einem ansprechenden Gemälde, das im „Betrachter“ selbst Sehnsucht entstehen lässt, an den Ort der Ereignisse reisen zu wollen.

Dabei beweist die Autorin, dass eine Geschichte mit durchaus ernsten Themen auch mit Witz, Humor und Augenzwinkern erzählt werden kann, weil sie Tiefen und Höhen mit feinspürigem Geschick ausbalanciert.

Miriam Covi bringt einem ihre Protagonisten sehr nahe und ermöglicht so  die intensive Teilnahme an deren Schicksal. Ihr gelingt es, die Vielschichtigkeit ihrer Charaktere auszuloten, die ihnen innewohnenden Emotionen nachvollziehbar zu formulieren. Dies betrifft nicht allein die aus ihrer Sicht federführende Hauptfigur Polly, sondern ebenso die anderen mehr oder weniger im Mittelpunkt befindlichen Personen.

Polly hat sich in ihrem Leben eingerichtet, hängt sehr an ihren Ritualen. Spontan in ein fremdes Land zu fliegen, um eine Person zu suchen, die sie seit fast drei Jahrzehnten nicht gesehen hat, sieht ihr nicht ähnlich, diese Vorstellung macht ihr sogar Angst. Sie fährt eigentlich gar nicht gern in den Urlaub und bleibt lieber in ihrem Zuhause und ihrem vertrauten, sicheren Umfeld.

Die junge Frau lässt sich lediglich auf kurze Affären ein, möchte keine richtige Beziehung oder sich – im schlimmsten Fall – verlieben. Seit Jahren praktiziert sie dies so, ohne darüber nachzudenken warum das so ist. Zugleich versteckt sie ihr Innerstes vor ihrer Umgebung, schottet ihre Empfindungen ab. Niemand soll sehen, wie verletzbar, traurig und ratlos sie manchmal ist. Denn wie sollte sie jemals von jemandem geliebt werden, wenn die eigene Mutter dies nicht konnte? Jedenfalls nicht genug, um zu bleiben.

Bis sie am fast dunklen Atlantikufer einen Wildfremden küsst und Schmetterlinge im Bauch hat. Auch wenn sie die dummen Viecher gar nicht spüren will. Schließlich mag sie keine Insekten.

Aber die Schmetterlinge bleiben, denn Polly trifft Liam, jenen Fremden, wieder. Er ist Ranger im Acadia National Park und arbeitet gemeinsam mit der Mutter von Jette und Polly, Eve Moore. Außerdem erzieht er allein die achtjährige Izzy, die einfach zauberhaft ist und mit ihren oft scharfsinnigen Aussagen, Argumenten und ihrem niedlichen Charme alle um den Finger wickelt und für sich einnimmt. Ein heimlicher kleiner Star der Geschichte.

Liam ist ein attraktiver Mann mit Sex-Appeal. Er ruht in sich, ist verantwortungsbewusst und fürsorglich gleichermaßen. Mit Rücksicht auf seine Tochter will er allerdings keine flüchtigen Bettgeschichte, sondern eine feste Beziehung mit allem Drum und Dran. Ein Dilemma. Für Polly. Oder vielleicht doch nicht. Weil „wenn man sich so ansieht, kann man auch heiraten.“ Ob Izzy Recht hat?

4,5 Sterne