Samstag, 23. April 2016

Majestätisch...

... schauen sie aus, weswegen ihr Name ja auch passend ist:


Kaiserkrone Fritillaria imperialis


Im schwanenweißen Garten blühen dieses Jahr drei orangefarbene...


... und...


... drei gelbe Kaiserkronen, als ob sie sich abgesprochen hätten.


Auf jeden Fall ist es ein majestätischer Anblick.

Mittwoch, 20. April 2016

Ein elfenhaftes Abenteuer

Sira ist Waise und lebt bei ihrer Tante Juna und ihrem Onkel Jan. Ihr Vater starb, als Sira erst zwei Jahre alt war, und ihre Mutter Lena nahm sich nach Siras dreizehntem Geburtstag das Leben.

Die 17-Jährige hat blasse Haut, eine schmale Nase, blondes schulterlanges Haar, dichte Wimpern, die verwaschen schimmernde hellblaue Augen umrahmen. Sie ist einsam, auch unter vielen Menschen fühlt sie sich allein und schuldig für etwas, das sie nicht benennen kann. Bisher ist Sira mit dieser Situation klargekommen, denn sie hat gelernt, sich zu verstellen und anzupassen, vor allem um an der Schule beliebt zu sein.

Doch von einem Tag auf den anderen verändert sie sich. Nicht nur, dass sie ihren Farbstil wechselt: nach schrillem Bordeauxrot und grellem Giftgrün trägt sie nun unauffälliges Schwarz. Und tritt dadurch erst recht in Erscheinung.

Daneben macht sie auch körperlich eine Verwandlung durch. Plötzlich schauen sie aus dem Spiegel zwei dunkelbraun glänzende, fast schwarz wirkende Augen an, die sich in einem markanten, ausdrucksstarken Gesicht befinden und mit denen sie gestochen scharf sieht. Ihre Haare werden länger und dunkler, als ob sie sich ihrem Kleiderstil anpassen wollen. Zu guter Letzt verliert ihr Blut seine ursprüngliche rote Farbe und nimmt einen matt schimmernden Silberton an.

Ob diese Verwandlung mit dem Fremden zu tun hat, dessen Gesicht sie im Eis entdeckte und der sie im Traum ruft? Was hat sie zu verlieren, wenn sie seinem Ruf folgt? Zumal ein Blick dieses unverschämt gut aussehenden Typen genügt, damit Sira die lang ersehnte Geborgenheit, Zuversicht, Hoffnung und Vollständigkeit fühlt.

Die Überraschung folgt auf dem Fuße, als Sira den Schritt tatsächlich wagt. Der Fremde ist ein Elf, genauer ein Schneeelf. Und nicht nur das. Ein Prinz ist er obendrein noch. Als wäre das nicht schon genug für ein großartiges Abenteuer, offenbaren sich die Gründe für die Veränderung der 17-Jährigen. Und so beginnt für Sira ein eigenes elfenhaftes Märchen, obwohl dies auch nicht frei von Auseinandersetzungen ist und durchaus sehr menschliche Seiten aufweist...


Sanja Schwarz legt mit ihrem Debüt "Schnee Elfen Herz" eine ausdrucksstarke, ja durchaus poetische Geschichte in einem bemerkenswert frischen Stil vor. Sie verwendet modernes, jugendliches Vokabular, entwickelt das Geschehen rasch und ohne Längen und kommt so zügig ans Ziel. Leider etwas zu schnell. Hier wären eine umfassendere und tiefer gehende Schilderung der Elfenwelt und intensivere Beschäftigung mit den Figuren - angesichts der wenigen Protagonisten - von Vorteil gewesen. Manche bleiben in Gänze auf der Strecke.

Ansonsten sind die Charaktere der Hauptfiguren Sira und Turak gut gelungen, und der jungen Autorin gelingt es in ansprechender Weise, deren Gefühle bis zum Leser zu transportieren. Auch wenn Sira mit so vielen hervorstechenden Fähigkeiten ausgestattet wurde, dass sie im Ergebnis ein wenig aufgesetzt wirken, um glaubhaft zu sein, verhindert dies keineswegs die Freude beim Lesen der fantastischen Geschichte. Wer hat schließlich nicht bereits davon geträumt, Superheld(in) zu sein?

Montag, 11. April 2016

Dändorf in der Sonne

Ich bin euch ja noch eine Fortsetzung schuldig. Während Ahrenshoop hier im Nebel lag, herrschte in Dändorf, einer kleiner Gemeinde am Saaler Bodden, eitel Sonnenschein.












Der Hafen ist vor ein paar Jahren "modernisiert" worden, und dort findet sich auch eine Tafel mit der Geschichte des Dorfes.


Übrigens habe ich etwas dazu gelernt:


Im 18. Jahrhundert führte ein wichtiger Weg über Dändorf: Die Salzstraße. Das weiße Gold wurde Bad Sülze im Landesinneren gefördert, auf die Recknitz verschifft und über den Saaler Bodden transportiert. In Dändorf warteten Karren und Fuhrwerke auf die wertvolle Ladung. Von hier aus ging es weiter ins benachbarte Dierhagen und von dort über die Ostsee nach Wismar. Die Route ist auf der Karte gut zu verfolgen.

Sonntag, 10. April 2016

Ein Leben voller Möglichkeiten


Der dreiundzwanzigjährigen Harriet Heron schnürt es im nebligen giftigen Dunst des viktorianischen Londons im wahrsten Worte die Luft ab. Sie leidet an Asthma und rechnet jeden Tag damit, den nächsten nicht mehr zu erleben. Sie wird behütet und geschützt, ist gleichwohl aber auch gefangen in diesem Kokon der Fürsorge und getrennt von den Dingen, die eine junge Frau ihres Alters kennenlernen sollte. Lediglich ihre seit ihrer Kindheit bestehende Faszination für Ägypten, besonders ihre Leidenschaft für Hieroglyphen geben ihr Halt.

Da sie vor ihrem Tod das ägyptische Theben sehen möchte, kann sie erst ihren Arzt und dann ihre Mutter Louisa davon überzeugen, dass ihr das Klima in Ägypten besser bekommt. Mit auf die Reise geht als Dritte im Bunde der Damen die unverheiratete, gottesfürchtige (Tante) Yael, Louisas Schwägerin, nicht minder naiv in ihrem Glauben und ohne Kenntnis, was sie im unbekannten Land erwartet.

Schon auf dem Schiff begegnen sie unterschiedlichen Menschen: dem Ehepaar Cox, das seine Hochzeitsreise macht, dem Maler Eyre Soane, den eine längst begraben geglaubte Vergangenheit mit Louisa zu verbinden scheint, dem deutschen Professor Eberhardt Wolf, der einen Flügel nach Ägypten transportiert.

Endlich in Alexandria angekommen, kann Harriet angesichts der sauberen Luft zunächst aufatmen. Yael, die bislang ihren Vater gepflegt oder „gefallene“ Mädchen betreut hat, findet einen neuen Lebenssinn. Sie eröffnet eine Klinik, in der die Augen der ägyptischen Kinder behandelt werden.

Doch Louisa will zurück nach London, auch um Soane und den Erinnerungen und Geistern ihrer Jugend, die er weckt, auszuweichen. Als in Alexandria die Stürme beginnen, verschlechtert sich Harriets Gesundheitszustand. Erneut kann sie die Mutter überreden, Ägypten nicht zu verlassen, sondern vielmehr nach Luxor weiterzureisen. Yael hingegen will ihre Kinderklinik nicht aufgeben und bleibt in Alexandria zurück.

In Luxor begegnet Harriet dem mit Ausgrabungen beschäftigten Eberhardt Wolf wieder und entdeckt in dem Ägyptologen eine verwandte Seele, nachdem dieser begreift, dass Harriets Interesse echt und nicht bloß das einer Touristin ist. Sie fertigt Kopien der von ihm ausgegrabenen Hieroglyphen an und hilft, deren Bedeutung zu entschlüsseln. Auch Soane taucht in Luxor wieder auf und interessiert sich für Harriet.

Unterdessen wächst angesichts der sozialen Verhältnisse im Land die Unruhe in der Bevölkerung, so dass eine Rückkehr nach England zunehmend unmöglich wird...

The Street and Mosque of the Ghoreeyah, Cairo by John Frederick Lewis

Wendy Wallace überrascht mit einer lebendigen, atmosphärisch dichten Geschichte, die von einer intensiven und sorgfältigen Beschäftigung mit dem historischen Hintergrund zeugt. Sie vermag es, dem Leser die herbe, gleichwohl mystische Schönheit Ägyptens ins üppigen Farben, die von Wind und Sand erfüllte Luft und die starke Hitze zu vermitteln. Während das neblige London die dunkle Seite darstellt, scheint Ägypten hell und voller Licht zu sein. Doch diese Schönheit täuscht.

Denn Ägypten ist im 19. Jahrhundert eine brutal unterdrückte Nation unter osmanischer Herrschaft, ein Land, das sich am Rande der Revolte befindet, es entwickelt sich eine wachsende nationalistische Bewegung wider die horrenden Steuern, die Sklavenarbeit und Unterdrückung, im Grunde entsteht der hier der erste „arabischen Frühling“.

In dieser Zeit gehen die drei Frauen, ohne es zu ahnen, auf eine Reise, die eine jede von ihnen verändert. Zunächst tragen sie das starre Korsett ihrer Herkunft und sind geprägt vom Anstand und der Moral ihrer Zeit. Eindrucksvoll schildert die Autorin, wie sie sich von den Zwängen befreien, die die viktorianischen Gesellschaft vor allem den Frauen auferlegt.

Alle Figuren wirken echt und aus dem Leben gegriffen. Ihre Gedanken, Gefühle und Motivation sind nachvollziehbar durch Handlungen und Aussagen dargestellt. Dabei ist der Erzählstil der Autorin sehr ausgewogen und nie übertrieben, klar und sensibel und durchaus poetisch.

"Der Himmel war gigantisch. Eine silbrige Riesenschale über ihrem Kopf, an deren Rändern sich perlmuttfarbene Wolkenfinger bis an den Horizont zogen. Um sie herum glitzerte und wogte das Meer. Es wirkte gewaltig. Rein und lebendig." (Seite 50)

Die drei im Mittelpunkt stehenden weiblichen Protagonisten Harriet, Lousia und Yael sind von ungleichem Charakter, und so reagieren sie auch völlig unterschiedlich auf das für sie fremde exotische Land.

Yael und Louisa haben nichts gemein. Während Louisa von dunkler Aufsehen erregender Schönheit ist, die noch immer jedem ins Aug fällt, allerdings weder Zeit für Wohltätigkeitsarbeiten noch für Bibelstudien hat, legt Yael weder auf ihr äußeres Erscheinungsbild größeren Wert noch ist sie an der Welt des Spirituellen interessiert. Hingegen Louisa lässt sich von Stimmen ihrer bereits verstorbenen Mutter leiten, misst diesen große Bedeutung zu. Außerdem ist nicht nur in ihrem Wunsch, ihre Tochter zu schützen, gefangen, sondern auch in der eigenen Vergangenheit und der Pflicht, den guten Ruf zu wahren. Aber sie verändert sich, und dies geschieht in einer für den Leser greifbaren Art und Weise.

Gleiches gilt für Yael. Allerdings ist sie, die die meisten Vorbehalte gegen die Reise hat, es, die letzten Endes über sich hinauswächst, als sie der Armut und Unterdrückung der ägyptischen Bevölkerung begegnet. Sie handelt, entdeckt ihre eigenen, beträchtlichen Fähigkeiten und emanzipiert sich, breitet die Flügel aus, bekommt Ausstrahlung und Souveränität und lebt eine Toleranz im Glauben, die bewundernswert ist.

Nachvollziehbar wird auch der Wandel von Harriet geschildert. Anfangs ist sie in London eine sterbenskranke, schwache junge Frau. In Ägypten lernt sie mit der Zeit das Atmen, gewinnt Kraft, Zuversicht und Unabhängigkeit. Dabei ist die Entwicklung langsam, kommt nicht als Wunder einer plötzlichen Heilung daher und weist zudem Rückschläge auf.

Harriet und damit auch dem Leser wird bewusst, dass die Welt ungeheuer schön und voller Möglichkeiten und Abenteuer sein kann. Dass sich die Leben der Menschen nicht nur in ihrer Länge unterscheiden, sondern vor allem in ihrer Intensität, im ungleichen Grad an Schönheit, Freude und Genuss. Dass es wichtig ist, sich nicht einfach nur ein langes Leben zu wünschen, sondern eines, das Belang hat, ein Leben (und eines Tages auch einen Tod) nach eigenen Vorstellungen...

Sonntag, 27. März 2016

Mein Osternest...

... hat mir dieses Jahr meine Osterwichtelpartnerin Lucie reichlich gefüllt:


Früchtetee, eine Kerze, etwas zum Baden, Süßigkeiten und
Designpapier habe ich unter anderem "gefunden".


Gehäkelt hat meine sie auch für mich, und zwar dieses entzückende Bärchen.


Mit allem hat sie mir Freude bereitet.
Und darum sage ich gerne:

Vielen Dank für diese gelungene Osterüberraschung.


Donnerstag, 17. März 2016

Mach mal Masche


"Häkle dein Zuhause bunt", empfiehlt die 1979 geborene Häklerin und Designerin Molla Mills, die aus Südösterbotten in Finnland stammt. Wie viele andere Frauen (und selbstverständlich auch Männer) erbte sie ihre Liebe zum Handarbeiten von ihrer Mutter und Großmutter.

Seit einigen Jahren hat sie die Häkelleidenschaft gepackt, ihre Arbeiten werden in Zeitschriften und Blogs besprochen, und auf Workshops trifft sie sich mit Gleichgesinnten. Dort lernen beide Seiten voneinander und finden jede Menge Bereicherung für die gemeinsame Leidenschaft. Ebenso erhielt sie dort Inspirationen für ihr erstes Häkelbuch "Mach mal Masche", das bei in der Sparte TOPP LAB im frechverlag erschienen ist.

Das gebundene Hardcover mit praktischem Lesebändchen ist optisch sehr ansprechend und mit vielen hochwertigen Fotos gestaltet. Es kann aufgeschlagen werden, ohne wieder zuzuklappen, eine hilfreiche Eigenschaft beim Lesen und Häkeln.


Molla Mills beschreibt in den Grundlagen neben der Verwendung der Werkzeuge die Garnauswahl...


... die Häkeltechniken und Schwierigkeitsgrade. Um ihre Entwürfe häkeln zu können, ist das Beherrschen von Luftmaschen, festen Maschen, Stäbchen und Kettmaschen unerlässlich. Die Autorin beschreibt daneben die Farbwechsel innerhalb einer Reihe, unsichtbare Garnwechsel, das Einfügen von Knopflöchern und Griffschlitzen. 

So vorbereitet, kann das Nacharbeiten starten. Hier bieten sich Modelle aus dem Bereich Wohnaccessoires an: Neben Teppichen und Kissen können auch Textilgarnkörbe...


... oder ein Kabelüberzug gehäkelt werden.


Bei den Accessoires finden sich unter anderem Taschen...


... und Handy-Hüllen.


Molla Mills zeigt zudem, wie Pixelhäkelei...


... und das Aufpeppen der eigenen Häkelarbeit - beispielsweise durch Labels - funktioniert.


Die frischen Modelle lassen sich unter Berücksichtigung der Schwierigkeitsgrade von
  • Einfach, passend für Anfänger
  • Erfordert Konzentration
  • Zeitaufwendig, anspruchsvoll
gut nacharbeiten. Die Anleitungen sind übersichtlich, verständlich und logisch nachzuvollziehen. Sie werden mittels Bild- und Textabfolge dargestellt und enthalten jeweils die Angaben zur Art des verwendeten Garns und der benötigen Menge in Gramm.

Insgesamt zeigt das Buch zwar keine überraschenden neuen Kreationen, diese punkten jedoch mit Geradlinigkeit und klaren Strukturen und Mustern. Interessant für mich persönlich ist die Verwendung von Textilgarn, hingegen weniger Modelle wie Lampenschirme und Garnketten, wenngleich diese durchaus anspruchsvoll in der Fertigung sind. Auch Schmuckketten und Halsreifen werden nicht meine erste Wahl beim Nachhäkeln sein. Bei Schmuckschleifen wiederum kann ich mir vorstellen, dass dadurch das ein oder andere Kleidungsstück, eine Frisur oder ein Geschenk eine individuelle und hübsche Note bekommt. Darum ist ein vielfältiges Einsetzen denkbar.

Die ergänzenden Hinweise zur Verwendung von Labels passen zum Inhalt des Buches. Und zu guter Letzt gibt es noch ein paar Tipps für das Wohlbefinden beim Häkeln, ein netter Abschluss.

Nach allem ist es ein gelungenes Buch, das keine großen innovativen Überraschungen, dafür aber solide Modelle bietet.

Deshalb danke ich dem frechverlag für für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars...

Halt, da fehlt doch etwas. Natürlich habe ich selbst die Häkelnadel geschwungen und ein Stück zur Anschauung für euch gearbeitet:

Ich präsentiere die Handy-Hülle "Svanvithe".


Sie ist aus Anchor Style Bamboolo mit Nadel 4,5 gehäkelt und kann Mobiltelefone mit den Maßen elf mal siebzehn Zentimeter einen sicheren Schutz bieten.

Und das Beste: Ich verschenke sie.

Also, wer möchte "Svanvithe" gern besitzen? Bei mehreren Interessenten entscheidet das Los.

Bis Karfreitag, dem 25. März 2016, 24.00 Uhr, habt ihr Zeit,
euch mit dem Kommentar "Ich will!" zu melden.
 Am 26. März 2016 wird ausgelost.

 Das Kleingedruckte:
Teilnehmen dürfen alle Leser (unter 18 Jahren jedoch nur mit Erlaubnis der Eltern).
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Montag, 14. März 2016

Ahrenshoop im Nebel

Vor zwei oder drei Wochen meinte Herr Schwanenweiß, dass der Wetterbericht Sonne angesagt hätte, und das wäre die Gelegenheit, einen Strandspaziergang zu machen. Wo? Natürlich in Ahrenshoop.


Doch schon auf dem Weg dorthin zog Nebel auf. Denn es ist tatsächlich so, dass auf dem Fischland, gelegen zwischen Ostsee und Bodden und nur wenige Kilometer entfernt, durchaus ein anderes Wetter herrschen kann als bei uns in der Stadt


Natürlich haben wir trotzdem ein paar Schritte gewagt, wenngleich einen die Feuchtigkeit frösteln ließ. Ein paar Wagemutigen waren mit uns unterwegs.





Hier könnt ihr erkennen, wie blickdicht die Aussicht war.




Aber so ohne Hoffnung verließen wir den Strand nicht.


Frau Sonne kämpfte um ihr Recht.


Fortsetzung folgt...

Sonntag, 13. März 2016

Erster Fall für Wolf: Mörderseele


Bei einer Explosion eines Mehrfamilienhauses im oberösterreichischen Steyr werden zehn Frauen und Männer erdrückt, erstickt und verbrannt. Unter ihnen befinden sich der Taxifahrer Mario Heuberger und seine Frau Gerlinde. Obwohl Heuberger kurz zuvor auf der Suche nach einer ganz bestimmten Person das Haus umrundet hatte, konnte er das Unglück nicht mehr verhindert.

Noch zwei Kilometer entfernt ist die Erschütterung zu spüren, so dass auch Christian Wolf, seines Zeichens Journalist, davon etwas mitbekommt und auf das Geschehen aufmerksam wird.

Hat der junge Peter Reich vielleicht etwas mit der Detonation zu tun? Er ist psychisch krank, leidet am Savant-Syndrom und hatte zuvor eine Zahlenreihe an die Wand des betroffenen Hauses gesprüht und dieses Vorgehen später an anderer Stelle wiederholt. Sind diese Ziffern eventuell ein Schlüssel zur Identität des Täters?

Dieser scheint sein Ziel jedoch nicht erreicht zu haben, denn es gibt weitere Tote: eine Frau verstirbt an einem vermeintlichen Insektenstich, eine andere Frau wird Opfer eines Brandanschlags, zudem nimmt sich Wolfs Hausarzt Dr. Schuller ganz unerwartet das Leben. Aber noch immer sind es nicht die letzten Toten...

J. J. Preyer legt mit „Mörderseele“ einen „musikalisch-literarischen Psychothriller“ vor, der in seiner Heimatstadt angesiedelt ist. Von Anfang an wird deutlich, dass sich der Autor in Steyr bestens auskennt. Seine detaillierten Beschreibungen machen es dem Leser möglich, sich die Örtlichkeiten vorzustellen und den Wegen der Protagonisten zu folgen.

Preyer hat einen bedächtigen und entschleunigten Erzählstil. Zwar explodiert es gleich zu Beginn gewaltig, und mehrere Tote folgen im weiteren Verlauf der Handlung. Doch verlässt der Autor nicht den eingeschlagenen Weg, baut verhalten und behutsam Spannung auf und legt vor allem Augenmerk auf die Gestaltung und das (Seelen)Leben seiner Figuren. Er bietet dem Leser nicht nur Einblicke in die Gedankenwelt von Christian Wolf, sondern außerdem in die des Täters. Warum er allerdings TÄTER und FALL immer in Großbuchstaben schreibt, erschließt sich nicht in Gänze. Es ist nur zu vermuten, dass dies eine besondere Bedeutung für Wolf darstellen soll. Denn den Journalisten Christian Wolf rückt der Autor in den Mittelpunkt der Geschichte und schildert ausführlich dessen Überlegungen und Empfindungen.

Der 58-Jährige folgt einem hohen Berufsethos: Danach muss man zwar wissen, wie man an Informationen herankommt, muss diese dann wie ein Arzt seine Patienten sorgfältig behandelt. Er steht kurz vor seiner (ungewollten) Pensionierung, ein potentieller Nachfolger wurde ihm bereits an die Seite gestellt. Es fällt auf, dass Wolf – wenn er sich einmal eine Meinung über einen Menschen gebildet hat – nur schwer von dieser abrücken kann. So ist Joachim Waidinger für ihn anfänglich der Typ „smarter“ Journalist, zwar gutaussehend, aber wendig und mit zwei großen Fehlern ausgestattet: Er hat keinen Charakter, und er leidet an einer Art Hautkrankheit, kratzt er sich doch ständig an seinen entzündeten Unterarmen und Handrücken. Wolf kann Waidinger gar nicht leiden, und als er miterlebt, wie dieser Kontakte zu seiner Tochter Lotte knüpft, ist es für ihn wahrscheinlich auch ein Grund dafür, ihn in den Kreis der Tatverdächtigen aufzunehmen und über die Vorgeschichte seines Kollegen zu recherchieren.

Der Schlüssel zu allem liegt in der Vergangenheit.“ (Seite 111)

Nicht nur mit der Tatsache, beruflich aufs Abstellgleis geschoben zu werden, hat Wolf zu kämpfen. Ihn plagen zudem private Probleme: Vor zwei Jahren verschwand sein Vater spurlos, seine Mutter – eine bekannte Schriftstellerin – starb ein halbes Jahr später. Nun findet Wolf unter ihren Werken ein bislang unveröffentlichtes Manuskript. Beim Lesen stellt Wolf fest, dass dieses autobiografische Szenen aus seiner Kindheit und seinem Leben enthält. Er begreift, dass sich alles veränderte, als sein Bruder Klaus geboren wurde. Nicht nur seine Eltern hatten von diesem Tag an Schwierigkeiten im Umgang miteinander. Auch die Beziehung der Brüder ist bis in die Gegenwart problematisch, Wolf selbst stört die bloße Existenz von Klaus.

Nun drängt sich mit Macht die Vergangenheit in sein Leben, und Wolf will unter anderem endlich herausfinden, was mit seinem verschwundenen Vater geschah.

"Zwillinge im Geiste" (Seite 155)

Wirklich wichtig ist Wolf die seit den Kindertagen bestehende Freundschaft zu Viktor Grimm, der bei der Steyrer Polizei arbeitet.

Die beiden unterscheidet einiges. Grimm scheint kein Mann für Frauen zu sein, sein Freund hat ihn jedenfalls noch nie in weiblicher Begleitung gesehen.

Wolf ist Witwer und pflegt eine lockere Beziehung zu Lena Konrad, einer Freundin von Wolfs verstorbener Frau, mit der er sich wöchentlich trifft, für die er jedoch keine tieferen Gefühle entwickelt, weil sie im Grunde nicht zusammenpassen. Und hier findet sich endlich das musikalische Element des Romans. Lena spielt Cello und verwendet einen sogenannten „Wolfstöter“ als Dämpfer, um unerwünschte Töne, die Wolfstöne, zu unterdrücken, wenn sie mit ihrem Instrument Stücke spielt, die eigentlich für das Arpeggione (eine Mischung aus Gitarre und Streichinstrument) geschrieben wurden.

Chefinspektor Grimm hat ein Desorganisationsproblem und hortet – in seinem Haus in der Regel unbrauchbares  Material. Wolf hat von seinem Vater dagegen gelernt, dass Ordnung hilft, im Chaos des Lebens zu bestehen. Ein Grund für Grimm, ihn immer wieder um Mithilfe bei der Lösung von Fällen zu bitten. Denn Grimm sammelt nicht nur Müll in seinem vier Wänden, sondern auch Informationen, die ihn irgendwann überwältigen, so dass er nicht mehr zwischen Wichtig und Unwichtig unterscheiden kann. Dafür benötigt er seinen Freund Wolf. Von Vorteil ist außerdem, dass Wolf, wenn er einmal eine Spur aufgenommen hat, nicht lockerlässt. Schlussendlich bilden die beiden so ein hervorragendes Team bei der Aufklärung von Fällen.

Obwohl sich die beiden also gar nicht ähnlich sind, weder im Aussehen noch im Wesen, wirken sie wie Zwillingsbrüder, die einander ergänzen. Hier hat der Autor den Zusammenhalt seiner Protagonisten auch namentlich manifestiert: Wolf und (Ise)Grim(m).

"Wenn man meint, jemanden zu durchschauen, schaut man tatsächlich durch ihn hindurch." (Seite 182)

Wolf dringt immer tiefer in den Fall ein. Er verdächtigt viele Personen, bis er sich ziemlich klar ist, wer der Täter ist, weil er ihn bis in den Kern seiner Persönlichkeit zu kennen glaubt, ihm nahe ist. Dem Leser ist es dank seiner zum Teil philosophischen Überlegungen, die manchmal unnötig in die Tiefe gehen, und mit Hilfe der Gedankensplitter des Täters möglich, auf eine angenehme und kluge Art und Weise Schlussfolgerungen zu ziehen und selbst ein Täterbild zu schaffen.

Mittwoch, 17. Februar 2016

Zuckerschnutentag

Heute war ein herrlicher Tag und die Sonne lachte.


Perfekt für den 28. Geburtstag(!) von Zuckerschnute Resada.


Deshalb gab es nur für sie eine große Portion der leckeren Dinge, die sie besonders gern mag: Brot, Möhren, Banane (in der Reihenfolge frisst sie dann auch).


Noch ein Spaziergang mit der Probe, ob das Gras schmeckt,
Resada lässt nichts umkommen.


Da sie ja eine alte Dame ist, tut ihr die Decke gut, um die Körperwärme zu halten.


Denn auch mit Sonnenschein kletterte das Thermometer nur auf zwei Grad.


Aber wir beide hatten trotzdem einen wundervollen Nachmittag...