Dienstag, 19. April 2022

Ab in den (Frühlings)Wald - Teil 1

Ich hoffe, ihr genießt die sonnigen Frühlingstage genauso wie ich. Bei uns ist es zwar noch etwas frisch, aber das ist kein Hinderungsgrund, sich an der erblühenden Natur zu erfreuen ...









Sonntag, 13. März 2022

Neues vom Pferdehof - Störenfried


Harry, Schatz, Resada und ich wollen hier arbeiten.


Harry, ich rede mit dir!


Würdest du bitte dein Sonnenbad beenden.


Also die Reaktion ist jetzt aber nicht nett!


Nein, ich komme dich jetzt nicht streicheln ...


Wir fangen dann einfach mal an.


Schließlich belebt die Sonne alle "Geister" ...


Freitag, 11. März 2022

Die Birken der Freiheit - Interview mit der Autorin


*Werbung*

Ich grüße dich, Christine, und freue mich, dass du anlässlich des Erscheinens deines neuen Buches "Die Birken der Freiheit" Zeit für ein Interview gefunden hast.

Danke! Und ich bin gespannt auf Deine Fragen

Zum zweiten Mal nimmst du uns nach Estland, wie wir es heute kennen. Was macht für dich die Faszination dieser baltischen Republik aus?

In den „Birken der Freiheit“ ist es – zumindest was die politische und gesellschaftliche Ordnung angeht – noch nicht das Estland, wie wir es heute kennen. Ich entführe die Leser ja in die Vergangenheit und lasse sie teilhaben an historischen Entwicklungen und Wendepunkten, die Voraussetzungen dafür waren, dass diese baltische Republik heute unabhängig ist und selbstbewusst ihre Traditionen, Kultur und Besonderheiten hochhält.

Dabei finde ich – insbesondere beim Strang, der 1914 einsetzt – die enge Verflechtung mit der deutschen Geschichte faszinierend. Vor allem aber hat es mich tief beeindruckt, wie unerschrocken dieses Volk sich immer wieder gegen übermächtige Gegner zur Wehr gesetzt hat und sich auch in finsteren Zeiten der Unterdrückung seine Identität nicht hat nehmen lassen.

Da Estland zu 50 Prozent bewaldet und der häufigste Laubbaum in den dortigen Wäldern die Birke ist, finde ich den Titel (erneut) passend gewählt. War es deine Idee, diesem Baum, der nicht nur viel besungenes Motiv vieler Lieder und Volksdichtungen und ein nationales Symbol des Landes ist, so ein kleines "Denkmal" zu widmen?

Ja, dass Birken eine Rolle spielen, war mir wichtig. Nicht zuletzt, weil ich diese Bäume liebe. Sie sind anmutig und zugleich zäh und widerstandsfähig.

Du schreibst mit enormer Detailverliebtheit, so dass es hervorragend möglich ist, sich in die Gegebenheiten vor Ort hineinzuversetzen. Stell dir vor, wir würden dieses wunderschöne Fleckchen Erde gemeinsam erkunden, welche Route würden wir nehmen?

Da Estland kein sehr großes Land ist, könnten wir in relativ überschaubarer Zeit eine schöne Rundreise machen und dabei einen umfassenden Eindruck der abwechslungsreichen Landschaft sowie der kulturellen Highlights und Baudenkmäler gewinnen.


Als Ausgangspunkt würde ich die Hauptstadt Tallinn wählen. Nach der Besichtigung der Stadt und einem Ausflug nach Kadriorg (Schloss Katharinental) und vielleicht noch nach Keila-Joa (Schloss Fall) mit seinen Wasserfällen, würden wir per Schiff zu den Inseln schippern (auf jeden Fall natürlich nach Hiiumaa (Dagö), wo ich den Birkenhof verortet habe). Anschließend würden wir auf dem Festland vom Seebad Pärnu aus eine große Runde drehen: über das im hügeligen Süden gelegene Otepää hinauf zur Universitätsstadt Tartu (Dorpat) und nach Osten zum Peipussee an der russischen Grenze und weiter gen Norden durch einsame Wälder und Moorlandschaften nach Narwa. Von dort würden wir an der Ostseeküste entlang zurück nach Tallinn fahren, vielleicht mit Abstechern nach Rakvere (Wesenberg) sowie zu einigen alten Gutshöfen und mindestens einem der Naturschutzgebiete.

Deine Romane sind stets auf zwei Zeitebenen angesiedelt. Dieses Mal begeben wir uns in die Jahre 1914 und 1989. Welches Jahr hast du bei der Recherche als intensiver für dich empfunden?

Emotional hat mich das Eintauchen in die späten 1980er Jahre mehr berührt, die ja auch für uns Deutsche (Stichwort Fall der Mauer) einen bedeutsamen Wandel brachten. Bei der Recherche bin ich oft über eigene Erinnerungen „gestolpert“ und tief in „meine“ Zeit damals abgetaucht.

Aber auch die Zeit vor und im 1. Weltkrieg fand ich spannend, vor allem die Geschehnisse im Osten, die ich zuvor nicht so auf dem Schirm hatte. Da habe ich viele interessante Zeitzeugenberichte gelesen, die mich sehr berührt haben.

Die Handlungsstränge und Personenführung bedürfen sicher eines klaren Konzepts. Wie gelingt es dir, dies einzuhalten? Gab es im Verlauf des Schaffungsprozesses von "Die Birken der Freiheit" Abweichungen?

Ja. Kleinere Änderungen sind eigentlich immer dabei und bei so komplexen und umfangreichen Manuskripten (zumindest bei mir) nicht zu vermeiden. Es kommt aber auch zu größeren Abweichungen, dieses Mal konkret bei Merikes Geschichte. Da hatte ich nämlich die kleine Enna und ihren Bruder Tarmo und auch die Punkerin Lenja im Konzept gar nicht vorgesehen, die tauchten „einfach“ auf und wollten mitspielen.

Außerdem hatte ich ursprünglich vor, die Jahre des Freiheitskampfes nach dem 1. Weltkrieg noch mehr zu thematisieren, das hätte dann aber doch den Rahmen gesprengt.

Wie wichtig ist dir die Gestaltung und Entwicklung deiner Figuren? Gibt es eine, die du im Roman besonders ins Herz geschlossen hast?

Mit den Figuren – allen voran natürlich den Protagonistinnen – steht und fällt für mich die Handlung, weil ich diese ja vor allem aus deren Perspektive verfolge. Beiden, also Merike und Luise, bin ich dabei sehr nahegekommen und kann nicht sagen, welche ich lieber habe.

 
Bei den Nebenfiguren war es bei diesem Buch vor allem die kleine Enna, die mir besonders ans Herz gewachsen ist.

In der Geschichte tauchen einige estnische Gerichte bei den Mahlzeiten auf. Mir ist das Brot sepik in Erinnerung geblieben. Hast du vielleicht das ein oder andere Rezept selbst ausprobiert, um ein persönliches Geschmackserlebnis zu haben, damit du es uns besser vermitteln kannst?

Ich habe kama ausprobiert, das sich in Estland beim Frühstück oder auch bei Desserts als wichtige Zutat großer Beliebtheit erfreut. Es ist ein Gemisch aus geröstetem Gersten-, Roggen-, Hafer- und Erbsenmehl, das z.B. mit Dickmilch, Quark verrührt oder als Creme mit Beeren gereicht wird.

Und estnische Milchkekse habe ich gebacken, die sind auch köstlich!

Als Pferdeliebhaberin freut es mich immer, wenn Pferde - wenn auch - kleine Rollen in Geschichten spielen. Wie ist deine Beziehung zu diesen wunderschönen Tieren, und dürfen wir im (hoffentlich) nächsten Buch ein wenig mehr über die Toris und ihre Freunde erfahren?

Pferde habe ich schon als Kind sehr geliebt und mir nichts sehnlicher gewünscht, als ein eigenes zu besitzen. Dieser Traum hat sich leider nie erfüllt, aber die Faszination ist geblieben.


Ich hätte gern ein drittes Buch geschrieben, in dem der Birkenhof und die Tori-Zucht eine größere Rolle spielen sollten. Der Verlag fand das zwar grundsätzlich interessant, hat jedoch andere Pläne; dort ist man nämlich der Ansicht, dass Estland den Lesern wohl zu unbekannt ist und nicht "zugkräftig" genug. Ich finde das sehr schade, denn ich hätte da noch einige interessante Ideen gehabt …

Das ist wirklich schade. Ich finde, dass es wichtig ist, den auch weniger bekannte Länder in den Mittelpunkt von Geschichten zu stellen.

Zu guter Letzt würde ich gern noch Folgendes wissen: Jeder kennt sie, die Tage, an denen nichts läuft. Gerade in dieser angespannten Zeit ... Wie motivierst du dich, wenn dich die Schreibunlust überfällt?

Von Schreibunlust würde ich weniger sprechen. Ich habe an Tagen, an denen „nichts geht“, eher das Gefühl, festzustecken. Manchmal hilft schon ein Spaziergang, um wieder klarer zu sehen und weiterschreiben zu können. In anderen Situationen bringt mich weitere Recherche auf die zündende Idee, die zuvor gefehlt hatte. Und manchmal brauche ich einfach eine kleine Auszeit, um Abstand zu gewinnen.


Aber natürlich lassen mich äußere Ereignisse wie jetzt der Krieg in der Ukraine und andere beunruhigende und bedrohliche Verwerfungen nicht kalt. Da fällt es mir dann schon zuweilen sehr schwer, das auszublenden und konzentriert zu arbeiten. Ich vermute jedoch, dass das derzeit leider vielen von uns so geht.

Da stimme ich dir auf jeden Fall zu und danke dir dafür, dass du dir Zeit für die Beantwortung meiner Fragen genommen hast.



Oldenburg, 1914: Luise reist nach Estland, wo die adelige Wilhelmine einen jungen deutschbaltischen Baron heiraten soll. Nicht wissend, dass es sich um den Zukünftigen ihrer Herrin handelt, trifft Luise auf Julius und verliebt sich in ihn. Die beiden Frauen fassen einen verwegenen Plan, aber ihr Glück steht auf Messers Schneide, denn schon bald bricht der Erste Weltkrieg aus.

Estland, 1989: Bislang hat sich Merike stets ihrem tyrannischen Großvater gefügt, doch jetzt schließt sie sich gegen seinen Willen nicht nur der Unabhängigkeitsbewegung an, sondern kommt auch hinter streng gehütete Geheimnisse der Familie – und entdeckt ihre deutschen Wurzeln. 

Vor der wildromantischen Kulisse Estlands beschreiten drei Frauen neue Wege auf der Suche nach Freiheit und Liebe (Quelle: Verlag)



*Werbung*
Erschienen ist der Roman im Aufbau Verlag. Dieser Beitrag ist Teil einer Aktion, die von prointernet bookmark organisiert wurde.

Mittwoch, 23. Februar 2022

Handbuch der angewandten Vampirpsychologie - Vorstellung

„Als Inanna von ihrem langjährigen Partner Janus verlassen wird, kann sie den Schlussstrich nicht akzeptieren und setzt alles daran, die Beziehung zu retten. Mit übersinnlichen Tricks und Hexenwerk findet sie einen Weg, die Zeit zurückzudrehen, doch neue ungeahnte Herausforderungen warten schon auf sie. Zwischen nebulösen Zeitsprüngen und erotischen Bisswunden ringt Inanna darum, die magische Welt in ihrer ungeheuren Alltäglichkeit zu meistern.

Der psychologische Roman mit fantastischen Elementen zieht den Lesenden in die Gefühlswelten und inneren Landschaften der Hauptfigur Inanna hinein und lässt ihn die Abenteuer einer jungen Frau mit übersinnlichen Fähigkeiten hautnah miterleben.“
 

Es ist ein bemerkenswertes Romandebüt, das Kristina Schippling vorlegt. Bereits der Titel „Handbuch der Angewandten Vampirpsychologie Band I“ und das außergewöhnliche Cover lassen darauf schließen.

Kristina Schippling, Jahrgang 1983, lebt in Berlin und ist als Filmregisseurin und Schriftstellerin aktiv. Sie hat ihr Rüstzeug für ihre Werke während ihres Studiums der Germanistik, Philosophie, Pädagogik, Psychologie und des Darstellendes Spiels, absolviert an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig und der Universität der Künste Berlin, und auch während ihrer Promotion erworben.

Vor dem „Handbuch der Angewandten Vampirpsychologie Band I“ publizierte sie Kurzgeschichten in Anthologien und Zeitschriften, die Novelle „Drei Gesichter“ und eine Sammlung von Kurztexten in „Meine Wut ist weiß und rein“. Im März 2022 wird ihre Regie- und Kameraarbeit für den ersten Dokumentarlangfilm „The Sound of Cologne“ gezeigt.

******

Zwei Fragen hat mir die Autorin dankenswerter Weise beantwortet:

Was war die besondere Herausforderung beim Schreiben einer Geschichte, die eine reale Thematik philosophisch hinterfragt und zugleich in einen "fantastischen" Rahmen setzt?

Wie die Frage schon impliziert, war die besondere Herausforderung für mich, philosophische und psychologische Aspekte mit dem Vampir-Thema zu verbinden. Ich habe vor allem versucht, das Vampirmotiv und die Psychologie wie zwei verschiedene Welten, die sich miteinander verbinden, zu behandeln. Dabei habe ich die psychologische Seite des Vampirs besonders in den Innenansichten und dem Erleben der Hauptfigur etabliert, aber auch in der äußeren Handlung versucht, einzubringen, indem vor allem die Bindungen und ihre Problematik im Vordergrund stehen. So habe ich drei verschiedene Bindungsmuster in der äußeren Handlung durchgespielt und diese wiederum durch die Hauptfigur tiefenpsychologisch erleben lassen. Ich wollte die Psychologie sowohl mit der inneren als auch mit der äußeren Handlung verknüpfen. Auch habe ich das Vampirmotiv psychologisch untersucht bezüglich des Herausfallens aus dem sozialen Netz, der damit verbundenen Einsamkeit, aber auch in der Handlung habe ich den Blutdurst psychologisch als Drogenrausch umgedeutet, die Unsterblichkeit des Vampirs mit Zeitreise, Zeitschleife, Spiel mit der Zeit und auch der Metapher des Zeitnebels stärker ausdifferenziert und auch mit den Bewusstseinsreisen/Rauschzuständen verknüpft. 

Ich denke, das Anspruchsvollste war, diese psychologischen Entsprechungen und Anknüpfungspunkte an das Vampirmotiv zu finden und inhaltlich detailliert auszuarbeiten, den Vampir psychologisch und möglichst aktuell auszudeuten.

Gegenwärtig haben die Menschen das Wort "Freiheit" wieder schnell im Mund, wobei es mir oft vorkommt, dass sie eigentliche Bedeutung nicht hinterfragen. Wie siehst du das?

Das sehe ich genauso. Diesen Freiheitsbegriff sollte man gründlich durchleuchten. Tatsächlich arbeite ich gerade noch an einem weiteren Buchprojekt gemeinsam mit einem Künstler Peter Kees, bei dem es ums freie Denken geht.

Freiheit ist in vielerlei Hinsicht zu interpretieren. Viele empfinden aktuell das Impfen als einen Eingriff in ihre Freiheitsrechte, fühlen sich ausgeschlossen, wenn sie nur mit Impfpass ein Restaurant betreten können. Sie bedenken dabei nicht die Gefahr einer Corona-Infektion für sich selbst, aber auch – und was ich moralisch diskutabel finde, für andere. Ist Freiheit also nur auf Impfpflicht und Urlaubsreisen zu beschränken? Auf keinen Fall. Das wäre eine viel zu verkürzte Sicht auf den Freiheitsbegriff. Und wenn jemand gern seine Freiheit zum möglichen gesundheitlichen Schaden eines anderen ausleben will, dann finde ich das wirklich bedenklich.
 

Dienstag, 8. Februar 2022

Es geht los ...

... mit Sonnenbegleitung ...

Pan: "Kommt ihr, ich warte auf euch!"


Norio: "Immer mit der Ruhe ... In meinem Alter brauche ich etwas länger ...


... Und außerdem: Der Wald läuft uns nicht weg."


Pia und Norio: "Jetzt sind wir bereit!"


"Da wollen wir aber nicht lang ..."


***

Zwei Stunden später ...


Zum Abschied noch etwas Sonne ...

Sonntag, 6. Februar 2022

Die Mission des Kreuzritters

Im Jahr 1129 regiert König Baudouin II. Jerusalem. Er ist Vater von vier Töchtern, muss also die Thronfolge ohne eigenen männlichen Nachkommen regeln. Als passenden Ehemann für seine Älteste – Melisende – hat er Foulques, den Comte d’Anjou, auserkohren, und in diesem Fall – wie zu jener Zeit üblich – nicht nach der Meinung seiner Tochter gefragt. Die selbstbewusste Melisende will dies nicht hinnehmen, ist sie nämlich keineswegs einverstanden mit der Wahl des Vaters. Sie teilt ihren Unmut/Groll zuerst mit deutlichen Worten mit, bis sie es nicht dabei belässt und in Begleitung ihrer Magd Maria und mit männlichem Schutz in Richtung Antichochia zu ihrer Schwester flieht. Die Reise wird indes nach einem Überfall jäh beendet, und Melisende sieht sich als Gefangene …

Als sie nach dem Abschluss eines Friedensvertrages und der Zahlung von Lösegeldes freikommt und sich in der Obhut von Raol Montalban auf dem Rückweg nach Jerusalem befindet, gerät sie in erneute Gefahr einer Geiselnahme und kann ihren Verfolgern nur in Begleitung des Kreuzritters entkommen.

Werden die beiden Jerusalem jemals erreichen?


Ulf Schiewe gehört zu jenen Autoren, deren Werke an seiner „Handschrift“ stilistisch zu erkennen sind. Auch „Die Mission des Kreuzritters“ fügt sich in die Reihe jener historischen Romane ein, die mit einer prägnanten, bildkräftigen Szenerie die Zeit des Orients atmosphärisch aufleben lassen. Hier bedient sich der Autor eingehender, maßvoll eingesetzter Landschaftsbeschreibungen, die in Verbindung mit Darstellung der andersartigen Gesellschaften, Kulturen und Religionen als wichtige und ebenfalls aufklärender Ergänzung einen würdigen Rahmen für die Geschichte bilden und die Lesesinne ansprechen. Sein durch umfassende Recherche erworbenes Wissen gepaart mit Können und Leidenschaft macht es möglich, dass nicht nur einst reale Ereignisse, sondern auch tatsächliche Personen im Einklang mit fiktiven geschildert werden und ein Agieren vor dieser Kulisse in bemerkenswerter Intensität erfolgt.

Die Handlung ist dynamisch erzählt und wechselt zwischen aufregenden Abenteuern mit dramatischen Kämpfen zu wiederum ruhigen Abschnitten.

Das Geschehen in „Die Mission des Kreuzritters“ wird von zahlreichen Figuren getragen. Dabei fällt auf, dass diese oft kein Blatt vor den Mund nehmen und eine direkte und offene Sprache benutzen. Das trifft auch auf Melisende und Raol zu. Mit ihnen befinden zwei vielschichtige Protagonisten im Fokus, die auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein können.

Auf der einen Seite die behütete Prinzessin, ungezügelt temperamentvoll, ungestüm zuweilen und mutig, ja sogar furchtlos, die sich nicht verbiegen möchte. Melisendes Möglichkeiten sind wegen der Zugehörigkeit zum (vermeintlich) schwächeren Geschlecht eingeschränkt, wodurch sie trotz ihres Willens und ihrer Entschlossenheit nicht frei in ihrer Entscheidung ist. Aber sie versucht, ihrer vorgezeichneten Rolle einiges entgegenzusetzen. Durch ihre unüberlegte „Flucht“ wirkt sie auch unreif und aufmüpfig, weil sie hiermit – zwar unbeabsichtigt – nicht allein sich selbst, sondern ebenso die ihr nahen Menschen in Gefahr bringt. Sie kann empathisch sein, vermag es allerdings zudem, mit unüberlegten Äußerungen andere Menschen zu verletzen.

Ihr gegenüber steht Raol, ein rauer Mann, der vor zehn Jahren die Schlacht von Sarmada überlebt und danach nach Kreuz genommen hat. Doch in seinem Inneren streiten die Emotionen. Raol zweifelt inzwischen, nicht nur an sich selbst, am Sinn des Lebens und vor allem an seinem Glauben, stellt ihn und seinen Gott in Frage. Er ist ohne Orientierung und Ziel.

Ulf Schiewe gelingt es lebensnahe Weise, die charakterlichen Stärken und Schwächen während der Entwicklung seiner Protagonisten zu gestalten. Melisende und Raol bleiben lediglich wenige Tage. Mit jedem Gespräch, das die beiden führen, entfalten sie mehr gegenseitiges Verständnis, auch wenn sie nicht immer die Meinung des anderen gleichermaßen teilen. Sie nähern sich behutsam an, und insbesondere Melisende beginnt, in Raol mehr als den Beschützer und Freund zu sehen.

Dank einer feinen Sensibilität in der Beschreibung vieler ergreifender Momente ist nachvollziehbar, wie sie einander lernen zu achten, wertzuschätzen und leidenschaftlich zu lieben und mit innerer Willenskraft ihren Weg gehen werden.