Montag, 12. Juni 2023

Ein Stunde an der Ostsee

Wasser und Wellen,
Sonne und Wind,
ein fast menschenleerer Stand ...
 





Montag, 5. Juni 2023

Nur noch bis morgen

Ewigkeiten, also seit ihrer Schulzeit, haben sich die ehemaligen Freundinnen Eva und Franka nicht gesehen.

Eva versucht nach ihrer Scheidung ihr Leben mit ihrer fast sechzehnjährigen Tochter neu zu organisieren und hat eine eigene Praxis für Anti-Ehe-Beratungen gegründet: eine sogenannte Trennungsbegleitung. Zu ihr sollen Menschen kommen, die sich vom Partner trennen möchten und dabei mentale Unterstützung benötigen, damit alles geordnet ablaufen kann. Bislang reichen die wenigen Hilfesuchenden, denen sie Ratschläge erteilt, allerdings nicht aus, um die Kosten zu decken, so dass die finanziellen Mittel an allen Ecken und Enden fehlen. Eva, die sich für die Praxis bei ihrem Ex-Mann Andreas verschuldet hat, möchte aber ihr Herzprojekt nicht aufgeben. Außerdem setzt Andreas sie permanent unter Druck und Evas Mutter erpresst sie mit dem Entzug ohnehin spärlicher Liebe. Das alles mündet in mangelndem Selbstwertgefühl, und Eva trinkt öfter einmal mehr als ein Glas Wein.

Franka hingegen scheint alle ihre Pläne verwirklicht zu haben und genau das Leben zu führen, was sie immer wollte. Und doch stellt gerade sie Überlegungen an, sich von ihrem Ehemann Bastian zu trennen, weil sie meint, den Mann, den sie als ihren allerbesten Freund bezeichnet, nicht mehr zu lieben.

Das sieht Sebastian völlig anders. Er will sich auf keinen Fall trennen, und Eva lässt sich auf ein Treffen mit ihm ein. Weil ihr an ihm etwas vertraut vorkommt. Weil sie neugierig ist. Und als sie ihn kennenlernt, weiß sie, dass sie als Jugendliche in ihn verliebt war und dass Franka denjenigen geheiratet hat, von dem sie damals träumte.

Eva wird erneut von Sebastians Begeisterung und Lebensfreude angesteckt. Es bleibt nicht aus, dass beide Gefühle füreinander entwickeln ...


In „Nur noch bis morgen“ erzählt Martha Simmat mit Verständnis und Empathie die Geschichte von Menschen, die sich unterschiedlichen Herausforderungen in ihrem Leben und in der Liebe stellen müssen und vor kleinen und großen Entscheidungen stehen. Das klingt dramatisch, und ist es zum Teil auch. Tatsächlich liegt zunächst eine gewisse Schwermut über dem Geschehen, die im Verlauf der Handlung unterbrochen, zurückgenommen und vom Druck befreit und letztlich auflöst wird. Martha Simmat würzt die Ereignisse indes auch mit humorvollen Momenten, so dass unbestreitbar tragischen Situationen die Schärfe genommen wird.

Heldin Eva steht überwiegend im Mittelpunkt. Sie hat es gewagt, sich aus der Beziehung mit Andreas, einem Tyrannen, zu lösen, sieht sich nun aber den Konsequenzen ausgesetzt.

Der Autorin gelingt es ohne Zweifel, den Zwiespalt ihrer Protagonistin glaubhaft darzustellen, ihre Traurigkeit, ihrer Tochter nun nicht mehr das angenehme Leben mit Reitunterricht, regelmäßigen Kinobesuchen, einem neuen Handy bieten zu können. Eva strahlt angesichts ihrer Lage anfänglich sehr viel negative Energie aus. Sie fühlt sich unendlich allein und vom Leben ungerecht behandelt. Ergeben sich positive Wendungen, passiert irgendetwas Unvorhergesehenes, das alles wieder zerstört. Deshalb traut Eva ihrem Glück nie.

Erst die Begegnung mit Franka und vor allem die Liebe zu Sebastian bewirken eine Veränderung. Dadurch kann sie Vertrauen zulassen. Vertrauen in ihre Empfindungen. Vertrauen in das Leben, das sie gewählt hat. Vertrauen in sich selbst.

Denn „das Leben (ist) ein Abenteuer ... Das Leben hat nicht irgendein Ziel am Ende vergeudeter Jahre. Das Leben ist das Ziel ... Der Sinn des Lebens ist, das Spiel zu spielen und gut zu spielen – und Spaß zu haben.“
 
 
*Werbung*
Erschienen ist der Roman in der  Verlagsgruppe Droemer Knaur, dem ich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares danke. Ebenso danke ich der Autorin für die Vermittlung.
 

Freitag, 26. Mai 2023

Blogger für HOMER 2023 - Die Shortlist

 
 
Jedes Jahr kürt der Verein HOMER Historische Literatur die besten historischen Romane. Aus der Fülle der 2022 erschienenen Werke hat die HOMER Jury nach fleißiger Lektüre die ihrer Meinung nach neun Besten herausgefiltert. Dieses Jahr sind es:

Ulf Schiewe - Der eiserne Herzog
Alexandra - Lesebuch
 Claudius Crönert - Das ewige Licht von Notre-Dame
Patricia -  NICHTOHNEBUCH
Ana Pawlik - Die Welt im Nebel
Anke - Svanvithe
Heidrun Hurst - Die Kräutersammlerin und der junge Flößer
Sabine - BUCHMOMENTE
Hendrik Lambertus - Der Zorn der Flut
Silke Elzner - Die letzte Fehde an der Havel
Eva Grübl - Botschafterin des Friedens
Tanja - NICHTOHNEBUCH 
Alex Beer - Felix Blom. Der Häftling aus Moabit
René Anour - Die Totenärztin. Donaunebel
Manuela - Das Bücherhaus


Eine Gemeinschaft von Bloggern wird euch in den nächsten Wochen die Nominierten der Shortlist für den HOMER Literaturpreis 2023 vorstellen.
 
Die Preisverleihung findet am 7. Oktober 2023 in Ingolstadt statt. Bis dahin werden wir für euch die Bücher und ihre Autoren auf unseren Blogs, bei Facebook, Instagram usw. noch näher "beleuchten".

Ich würde mich freuen, wenn ihr uns dabei begleitet 
und Freude an der Vielfältigkeit der historischen Romane habt.

„Literatur ist, was gelesen wird“

Montag, 15. Mai 2023

Blütenrausch die Zweite

Jedes Jahr blüht er wieder auf den Feldern: der Raps.


Jedes Jahr ist es eine Wonne,
in dem leuchtenden Gelb zu "versinken"
und den Duft zu riechen ...




Donnerstag, 20. April 2023

Leipziger Buchmesse

Vor drei Jahren wollte ich endlich zu meiner ersten Buchmesse nach Leipzig. Dann bahnte sich die Pandiemie an, und die Messe wurde abgesagt.
 
Nach Leipzig bin ich trotzdem gefahren, schließlich war ich zuletzt als Schülerin dort, also noch zu DDR-Zeiten und auf der Durchreise, aber mit spontanen Besuch im Gewandhaus.
 
Deshalb habe ich die Gelegenheit genutzt, ein paar liebe Büchersüchtigte aus meinem Lieblingsforum BücherTreff kennenzulernen.Außerdem bot sich so die Möglichkeit, die Stadt Leipzig im Zentrum ein wenig zu erkunden und auch den Leipziger Zoo zu besuchen, wo wir auch einen Blick auf den damals zwei Monate alten Elefantennachwuchs Kieran werfen konnten.

Es folgen ein paar Eindrücke aus dem Jahr 2020 ...

 

 

In einer Woche nun öffnet die Leipziger Buchmesse wieder ihre Pforten. Von der Stadt werde ich dieses Mal wohl eher weniger sehen. Doch ich freue mich auf ereignisreiche Tage und ebenso auf die vielen Treffen mit Menschen, die nicht ohne Bücher, Lesen und allem, was damit zusammenhängt, leben können.
 

Freitag, 14. April 2023

Blütenrausch die Erste

 

 Ohne viele Worte - einfach zum Genießen ...

 

 

 

Montag, 27. März 2023

Das gelbe Tuch - Teil 2: Rezension

Es herrscht ein ordentliches Getümmel in Nürnberg im April 1449. An diesem Tag der Heiltumsweisung strömen Hunderte aus dem ganzen Umland in die Stadt, um einen Blick auf Insignien und Reliquien wie die Heilige Lanze, die Reichskrone oder das Krönungszepter zu werfen.
 
Mitten unter den Menschen ist auch Anna, die als Dirne arbeiten muss. Vor drei Jahren wurde ihr Dasein vollständig auf den Kopf gestellt, als ihre Brüder sie aus der lieb gewonnenen, sicheren Geborgenheit eines Klosters gerissen und an ein Frauenhaus verkauft haben. Seitdem bietet sie dem Schicksal die Stirn und kämpft ums Überleben.
 
Endres ist zum ersten Mal nach sechs Jahren wieder in Nürnberg, und alles wirkt dort für ihn vertraut und zugleich fremd. Im geheimen Auftrag seines Herrn, dem Markgraf Albrecht von Ansbach, der im Streit mit der Reichsstadt liegt, führt sein Weg ihn in das Hurenhaus, in dem Anna arbeitet. Der jungen Frau wird schnell klar, dass Endres anders ist als die Männer, die sie sonst aufsuchen, denn er bedient sich ihrer nicht, sondern achtet sie als Person.
 
Zwischen beiden entstehen erste zarte Bande. Doch die Reichsstadt rüstet zum Krieg gegen den Ansbacher Markgraf, und Endres balanciert als dessen Spion auf schmalem Grat. Und Anna bleibt vom Unglück noch immer nicht verschont ...

 

„Das gelbe Tuch“ von Priska Lo Cascio ist ein historischer Roman nach meinem Geschmack. Die Autorin beweist bei der ausführlichen Schilderung der Ereignisse vor der Kulisse des mittelalterlichen Nürnberg nicht nur ein fundiertes Hintergrundwissen, sondern sie setzt ihre erdachte Geschichte hervorragend in den historischen Kontext.
 
In einem Nachwort bringt die Autorin Licht in Dunkel von Wahrheit und Erfindung. Ein Personenregister lässt einen die handelnden Figuren im Auge behalten, während das Glossar notwendige Begriffe erläutert.
 
Priska Lo Cascio greift auf ein ausgezeichnetes sprachliches Können zurück und stellt die in großen Teilen schweren und schwierigen Lebensverhältnisse der Menschen am Rande der Gesellschaft detailliert und in eindringlicher Intensität dar.
 
Mitreißend erzählt ziehen einen das Schicksal und die äußeren und inneren Kämpfe der Protagonisten in einem dramatischen und emotionalen Spannungsbogen in seinen Bann, wenn die Autorin das damalige tatsächliche Geschehen und die einst existierende Persönlichkeiten mit fiktiven Figuren verknüpft.
 
Gerade mit diesen von ihr entworfenen Charakteren überzeugt sie auf ganzer Linie.
 
Anna, die von vielen wegen ihrer zweifarbigen „Teufelsaugen“ – eines in dunklem Kohlebraun, das andere so hell wie das Kraut der Silberminze – abgelehnt oder sogar gefürchtet wird, hat mich gleich für sich eingenommen, und ich habe mehr als einmal mit ihr gelitten. Sie hat mich beeindruckt mit ihrem Willen und ihrer Kraft, die beide im Verlauf des Geschehens wachsen, aber auch mit ihrer Wissbegierde und Klugheit.
 
Endres, privilegierter Sohn aus gutem Hause, hat sich von seiner Familie abgewandt, nachdem er in Konflikt mit seinem Vater geraten ist. Lediglich mit seinem Bruder Ulman verbindet ihn Zuneigung. Er ist auf Grund seiner Vergangenheit kein einfacher Mann, jedoch einer, dessen unaufdringliche, manchmal sogar distanzierte Art bei Anna mehr Gutes bewirkt, als sie seit Langem von irgendjemandem erfahren hat.
 
„Das gelbe Tuch“ bietet einen Rahmen für eine Geschichte, in der Liebe und Freundschaft, Mut und Hoffnung, Vertrauen und Hilfsbereitschaft von großer Bedeutung und Wertigkeit sind.

Das gelbe Tuch - Teil 1: Drei Fragen

Den heutigen Tag möchten Patricia von Blog NICHTOHNEBUCH und ich diesem hervorragenden historischen Roman widmen.
 

Drei Fragen an Patricia:

Was macht für dich den besonderen Reiz der Geschichte aus?

Es ist eine dieser Geschichten, die mich von Anfang an fesseln, es mir beinahe unmöglich machen, zwischendurch Lesepausen einzulegen.  Die stimmungsvolle Atmosphäre des Buches sorgt dafür, dass ich mich gedanklich in die damalige Zeit zurückversetzt fühle. Ganz besonders mag ich die Verflechtung tatsächlicher historischer Fakten mit fiktionalem Geschehen.

Was hat dir an Anna am meisten imponiert?

Anna ist ein kluger Kopf, eine fleißige und liebenswerte junge Frau. Zunächst scheint es, als wolle sie sich ihrem Schicksal fügen Doch plötzlich erkennt sie ihre Stärke, wächst über sich hinaus und zeigt sich kämpferisch. Raus aus der Opferrolle.

In welcher Szene hast du besonders mitgefühlt (positiv oder negativ)?

Ehrlich gesagt, kann ich das nicht an bestimmte Szenen knüpfen. Anna ist mir von Anfang an sympathisch. Ich schließe sie schnell in mein Herz, fühle und leide mit ihr durch die ganze Handlung hindurch. Sicher könnte ich hier die eine oder andere Szene benennen, die besonders berührend ist, aber wir wollen doch nicht zu viel verraten.

 
Meine Antworten auf Patricias Fragen findet ihr auf ihrem Blog.
 
Teil 2 folgt heute Abend ...

Mittwoch, 8. März 2023

Quimby und sein Traum vom Fliegen


Quimby wird einmal ein großer Pinguin. Schließlich gehört er zu den Kaiserpinguinen, die als Erwachsene durchaus Körpermaße von über einen Meter erreichen. Indes sind auch Kaiserpinguine in einer Sache ganz klein: Sie können – wie alle ihre Artgenossen – nicht (mehr) fliegen. Was für ein Dilemma. Besonders für Quimby.

Das Wasser seiner Heimat, der Antarktis, in dem er sich blitzschnell schwimmend fortbewegen könnte, wenn er es denn gelernt hätte, ringt ihm wenig Begeisterung ab. Ihn zieht es nämlich in die Lüfte. Wie sein großes Vorbild: den Albatros Manu. Er ist wie ein Vater für ihn und er kann das, was sich Quimby sehnlichst wünscht: Fliegen. Das versteht Quimby nicht, sie sind doch beide Vögel. Trotz des Spottes der anderen Pinguine und ihrer Ratschläge, sich mit der Tatsache abzufinden, hält er an seinem Traum fest: Eines Tages möchte er auch fliegen können.

Der Weg dorthin ist gepflastert mit Abenteuern, Risiken, Gefahren und Rückschlägen. Aber Quimby verliert sein Ziel nicht aus den Augen.


Isabell Hatt und Romain Previti haben sich mit „Quimby und sein Traum vom Fliegen“ den Wunsch vom eigenen Kinderbuch erfüllt und eine Geschichte voller Inspiration geschrieben, die sich in ihrer einfachen und verständlichen Erzählweise gut zum Vorlesen eignet. Wegen des umfangreichen und ausführlichen Textes dürfte die Aufmerksamkeit von Dreijährigen auf Dauer nicht zu halten sein, jedoch das Interesse von Kinder ab Vier oder Fünf wecken.

Das liegt auf jeden Fall auch an den fröhlichen Illustrationen, deren Verhältnis zum Text zwar nicht optimal ausgewogen erscheinen, die allerdings die Handlung der Geschichte stimmig untermalen.

Von Isabell Hatt und Romain Previti werden einige Inhalte angesprochen, mit denen sich Kinder in diesem Alter bereits beschäftigen.

Quimby, dem Mutter und Ziehvater Manu viel Freiraum lassen, muss selbstsicher werden im Umgang mit Herausforderungen, seine Stärken ausloten, sich mit seinen Ängsten auseinandersetzen und lernen, seine Verzweiflung bei Niederlagen und Enttäuschungen in etwas Gutes zu verwandeln, sich dabei immer wieder neu motivieren, seinen Horizont zu erweitern und nach etwaigem Scheitern nicht aufzugeben.

Dazu gehören Hartnäckigkeit, Ehrgeiz, Zuversicht und die Bereitschaft, am eigenen Traum festzuhalten. Und es bedarf der Freundschaft und Hilfsbereitschaft vieler Tiere und Menschen. Wobei letztere in der Geschichte einen Stellenwert einnehmen, den ich mir persönlich in einem anderen Maß gewünscht hätte.


Was bleibt ist ein liebenswerter kleiner Pinguin, der seinen Weg geht, um seinen Platz in der Welt zu finden.

*Werbung*
Ich danke für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares, insbesondere Literaturtest für die Vermittlung.

Dienstag, 14. Februar 2023

Marigold. Gegen den Wind

 Die Welt war so viel größer als all das. Einen winzigen Augenblick lang hatte sie ihre Flügel ausstrecken dürfen, um sie zu erkunden, bevor ihr Vater sie erneut in einen goldenen Käfig gesperrt hatte. Würde sie je wieder Gelegenheit bekommen, daraus auszubrechen?“

Ihre Schönheit und ihr Temperament haben Marigold Clayton, Tochter aus wohlhabenden Hause, kein Glück beschert. Ein unbedachter Kuss, zu dem sie vom Verlobten ihrer Schwester verführt wird, verwickelt sie unverschuldet in einem Skandal und bringt ihr den Ruf als undamenhafter Tollkopf ein. Ein Unding in der Londoner Gesellschaft des Jahres 1769. Marigolds Vater zieht die Konsequenzen, zumal sie nicht nur ihrem Ansehen geschadet, sondern zugleich auch die Heiratsabsichten ihrer jüngeren Schwester Frances zunichte gemacht hat. Obwohl Marigold nicht viel auf das Geschwätz der Leute gibt, bleibt ihr nichts anderes übrig, als sich zu fügen.

An der Seite ihres Onkels Absalom, Handelsbeauftragter der Hudson’s Bay Company in der Provinz Québec reist sie nach Kanada. In Montreal soll sie nicht nur auf den Pfad der Tugend zurückgeführt werden, sondern auch einen passenden Ehemann finden.

Marigold öffnet sich eine völlig andere Welt und ihre Ansichten und ihr Gewissen werden auf eine harte Probe gestellt. Sie erhält leidvolle Einblicke hinter die Fassaden der sogenannten besseren Kolonialgesellschaft, in das Leben der Siedler und Ureinwohner. Letztlich gerät sie in dramatische Konflikte der sich gegenüberstehenden unterschiedlichen Parteien und sodann Gefahr, als sie entdeckt, dass ihr Onkel ein dunkles Geheimnis hütet. Sie muss folgenschwere Entscheidungen treffen und weiß nicht, wem sie vertrauen kann. Ist beispielsweise Kieran, ein Angestellten ihres Onkels, jemand, der es ehrlich mit ihr meint?


Marigold. Gegen den Wind“ ist ein historischer Roman, der sich neben der Geschichte einer jungen Frau im gesellschaftlichen Kontext einem interessanten Thema widmet: dem Pelzhandel in den britischen Kolonien des 18. Jahrhunderts und der damit einhergehenden begehrlichen Rücksichtlosigkeit gegenüber der ursprünglichen Einwohner – Menschen wie Tieren. Dabei gelingt Camilla Warno die Einbindung dieses eher unbekannten historischen Hintergrundes auf beachtenswerte Art und Weise, weil dies in Form teilweise bedrückender und vielfältiger kämpferischer Momente und mittels überraschender Ereignisse und unerwarteter Wendungen vorgenommen wird. Ab und an wirken diese Wechsel indes zu viel und haben einen unruhigen Verlauf.

Davon einmal abgesehen erzählt die Autorin mit Enthusiasmus und entwickelt eine glaubhafte Schilderung mit einer anschaulichen und lebhaften Beschreibung des Geschehens, in der auch heitere Augenblicke ihren Platz finden. Hierdurch visualisiert sich für uns ein reales Bild vergangener Zeit, das mit einer ans Herz rührende Liebesgeschichte ergänzt wird.

Camilla Warno bindet uns gut in das emotionale Auf und Ab ihrer Protagonisten ein. Sie hat eine recht ausgewogene Charakterzeichnung zwischen „Gut“ und „Böse“ geschaffen, in der Sympathien und Antipathien zwar überwiegend eindeutig verteilt werden, gleichwohl Nuancen in der Gestaltung vorhanden sind.

Marigold nimmt als titelgebende Figur die herausragende Stellung ein. Sie ist eine junge Frau mit kühnem Selbstvertrauen, die ihre Umwelt mit Offenheit und Neugier betrachtet, diese hinterfragt und sich mit ihr auseinandersetzt, großes Interesse an Büchern und der Anhäufung von mehr Wissen hat und liebend gern eigene Träume verwirklichen möchte. Marigold agiert mit Feingefühl, manchmal auch – will man es ihr verdenken – unerfahren, spontan und naiv. Und sie ist nicht frei von Vorurteilen, Skepsis und Misstrauen, wiederum sehr menschliche Eigenarten. Bemerkenswert ist ihr couragiertes Auftreten für andere, das sich im Verlauf der Handlung verstärkt. Und ihr Wille, sich einen Platz in der Welt zu erkämpfen ...

*Werbung*
Ich danke der Autorin für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.