Freitag, 25. August 2023

Blogger für HOMER 2023 - Die Welt im Nebel


1272 gerät das Heilige Römische Reich in eine prekäre Situation. Nach dem Tod Richards von Cornwall scheitert die Wahl des nächsten Königs durch die sogenannten Königswähler, einem engen Kreis von geistlichen und weltlichen Kurfürsten, daran, sich auf einen Kandidaten zu einigen.

Zu den Anwärtern gehört Přemysl Ottokar von Böhmen, der nicht nur das Herzogtum Österreich, sondern unter anderem auch die Steiermark, das Egerland und Kärnten beherrscht und über Besitzungen vom Erzgebirge bis zur Adria verfügt. Wegen dieser beeindruckenden Machtposition kann er bei der Königswahl nicht einfach übergangen werden. Přemysl Ottokar selbst mobilisiert alle Kräfte, um sich die begehrte Krone aufs Haupt setzen zu lassen. Dafür bedarf es nicht nur intensiver Verhandlungen, sondern ebenso der Unterstützung von Verbündeten.

In den vergangenen zwei Jahren hat das Herzogtum Österreich einiges miterlebt, unter anderem die zahlreichen Reibereien mit den Ungarn, die erst im Sommer zuvor mit einem Schluss eines Friedensvertrages zu einem Ende gekommen sind, zumindest vorläufig.

Přemysl Ottokar plagen zum einen Geldnöte und zum anderen die Schwierigkeiten bei der Versorgung seines Heeres. Das bekommen seine Vasallen zu spüren, weil er von ihnen höhere Abgaben fordert. Er wird immer verbissener und seine Vorgehensweise härter. Dietmar von Losenstein ist ob dieser Umstände frustriert, denn seine Treue zu Přemysl Ottokar sieht er noch nicht durch ein würdiges Amt – wie das des Grafen von Styra – belohnt.

Indes ist Dietmar nicht der einzige, der den Anspruch von Přemysl Ottokar in Frage stellt. Das Lager der Gegner des Herzogs wächst und bleibt nicht untätig. Es will einen Zeugen auftreiben, mit dessen Aussage eine mögliche Kandidatur des böhmischen Königs verhindert würde. Auserkoren für diese eindeutig gefährliche Suche ist unter anderem Arnulf von Steinbach, der als Freund Dietmars von Losenstein fest an seiner Seite steht.

Ihr größter Widersacher, Irenfried von Styra, hingegen sieht seine Stunde gekommen, sich im Dunstkreis von Přemysl Ottokar zu profilieren. Erweist er sich als treuer Vasall, hofft er auf die Chance, eine der Töchter des Herzogs zu ehelichen. Aber die ihm erteilte Aufgabe ist risikoreicher als gedacht. Der mitleidlose und zur Brutalität neigende Irenfried wäre allerdings nicht er selbst, wenn er nicht eine Lösung für sein Problem finden würde.

Auch das Dorf Raming wird von den Forderungen Přemysl Ottokars nicht verschont. Angetrieben vom rücksichtslosen Irenfried sollen die Männer Holz für die zahlreichen Waffenschmieden liefern. Als die Baumstämme auf der zu viel Wasser führenden Enns geflößt werden, geschieht ein großes Unglück.

Das bringt bei Claus, Knecht auf dem Hof des Meiers Rudwin, der letztlich ohne auf die Ratschläge erfahrener Männer hören wollte, die Anweisung zum Flößen der Stämme gegeben hatte, das Fass zum Überlaufen.

Rudin hasst Claus, weil dieser klüger ist als er. Zugleich hat er Angst, dass die anderen Bauern herausfinden, dass die Vorschläge zur Bearbeitung der Felder von Claus zwar besserwisserisch klingen, gleichwohl ehrlich und bedacht sind und Veränderungen zum Wohle der Bauern in Raming schaffen würden.

Ännlin, die fern von den Menschen groß geworden und völlig ahnungslos von der Welt außerhalb des Waldes gewesen ist, fühlt sich nach wie vor einsam und niemandem zugehörig, obwohl das Schicksal sie mit Euphemia von Eberstorf zusammengebracht hat, der sie bei einem Raumüberfall das Leben rettete und die sie als Zofe in ihre Dienste nahm. Die junge Frau hat so etwas wie eine Heimat gefunden. Euphemia ist freundlich zu ihr und einer der wichtigsten Menschen im Ännlins Leben. Sie bietet ihr Unterkunft und Schutz. Aber dann verliebt sich Ännlin, und sie fühlt sich hin und her gerissen.

Euphemia wiederum wollte Nonne werden, damit sie schreiben und lesen lernen kann, denn Bücher üben eine enorme Faszination auf sie aus. Doch im Gegensatz zu Ännlin ist Euphemia wesentlich unfreier, in ihren Entscheidungen oder gar in der Liebe. Nach ihrer Wut und Trauer über ihre überstürzte Hochzeit mit Dietmar von Losensteinhat sie ihr Los angenommen, ihre Aufgabe, eine anständige Ehefrau zu sein, Kinder zu gebären und sich um die Ordnung im Haushalt ihres Ehemannes zu kümmern, zu erfüllen. Und plötzlich stellt sich auch bei ihr unerwartet die Liebe ein.

Vor einem historischen Hintergrund, der viel Zündstoff bietet, liegt nicht allein „Die Welt im Nebel“. Viele der Beteiligten geraten in konfliktreiche Auseinandersetzungen und Verschwörungen.

Graue Wolken, so weit das Auge reichte. Die Welt liegt im Nebel, dachte Claus, hier in Raming ebenso wie im Rest des Römischen Reiches … Überhaupt schien ihm sein ganzes Dasein vernebelt. Nirgends konnte er einen Weg erkennen, der ihn zu einem zufriedenen Leben an der Seite einer Frau führte, die er liebte.“ (Seite 391)

Mit der Handlung in „Die Welt im Nebel“, dem zweiten Band ihrer Österreich-Saga, knüpft Ana Pawlik nahtlos an das Geschehen des ersten Bandes an. Dank immer wieder eingestreuter Rückblenden gelingt ein Einstieg in die Geschichte auch für Leser, die sich die Freude an der Lektüre von „In den Klauen der Macht“ versagt haben und darum keine Vorkenntnisse besitzen.

Ana Pawlik hat die Einarbeitung historischer Hintergründe und Begebenheiten intensiviert. Geschickt verbindet sie die von ihr hervorragend recherchierten geschichtlich nachweisbaren Ereignisse in einer politisch aufgeladenen Phase des Umbruchs im Herrschaftsgefüge des Heiligen Römischen Reichs mit einem fiktiven Geschehen. Dadurch wirkt die Handlung sehr authentisch.

Mittels prägnanter Veranschaulichung der Gegensätze zwischen den unterschiedlichen Gesellschaftsschichten, insbesondere der Lebensumstände der einfachen Bevölkerung, der Bauern, Knechte und Mägde, eröffnet sich uns eine intensive Sicht auf ein alltägliches Dasein, die zum Mitfiebern, Mitleiden und Mitfreuen einlädt. Hierbei fehlt es nicht an einer Schilderung des Umfeldes, in denen sich der niedere Adel bewegt. Die Autorin macht deutlich, dass auch diesbezüglich eine deutliche Art von Unfreiheit herrscht und Glück und Erfolg gleichermaßen erkämpft werden müssen.

Treu bleibt die Autorin auch den wechselnden Perspektiven, in denen sie die Ereignisse erzählt. Zu keiner Zeit verliert sie den Faden. Auch der zweite Band hält die Spannung wirklich hoch und ist in der Beschreibung der Schauplätze sehr visuell.

Stärken und Begeisterung zeigt Ana Pawlik ebenfalls in der Figurenentwicklung. Ihre Charaktere agieren kraftvoll, herausfordernd und emotional, wirken leidenschaftlich und glaubwürdig und wecken Gefühle in uns, demzufolge wir unsere Sympathie und Antipathie verteilen.

Im zweiten Band ist ein Personenregister vorangestellt, das den Überblick über die Protagonisten erleichtert. Daneben verschafft eine Landkarte die Möglichkeit der Orientierung. Zu guter Letzt klärt die Autorin im ausführlichen Nachwort, was Fiktion und was historische Wahrheit ist. Erwähnt werden soll außerdem das individuelle, von der Künstlerin Lenka Fiala entworfene Cover, das sich von der Masse abhebt und ausgezeichnet zu einem wesentlichen Inhalt der Geschichte passt.

Ana Palik beweist mit „Die Welt im Nebel“, dass sie ihre Fähigkeit nach ihrem Debüt „In den Klauen der Macht“ wiederholt: Sie hat einen eindrucksvollen historischen Roman verfasst, bei dem die hochwertige Erzählkunst in seiner Gesamtheit überzeugt und folglich anerkannt und bewundert werden muss. Aus diesem Grund steht die Autorin mit ihrem Werk unzweifelhaft zurecht um zweiten Mal in Folge auf der Shortlist für den Goldenen HOMER.


Donnerstag, 27. Juli 2023

Blogtour TOXIN: Milzbrand - heute Biowaffe

Obwohl 1925 zahlreiche Staaten in Genf ein Abkommen über den Verbot von chemischen und biologischen Kampfstoffen unterzeichneten – eine Reaktion auf den Einsatz von chemischen Waffen im Ersten Weltkrieg –, behielten sich die USA und die damalige Sowjetunion das Recht vor, in Ausnahmefällen diese Waffen herstellen, lagern und im Falle eines militärischen Angriffs auch nutzen zu dürfen.

Trotz dieses Abkommen wurden biologische Waffen auch in anderen Staaten gefertigt und getestet. Beispielsweise produzierten im Zweiten Weltkrieg amerikanische, britische und kanadische Labore sogenannte "Milzbrand-Bomben".

Die Verlockung der Verwendung biologischer Kampfstoffe ist groß, deren Produktion ist im Vergleich zu herkömmlichen Waffen nämlich äußerst günstig.

Faktisch könnte man Bacillus anthracis als das Urbild eines bakteriologischen Kampfstoffes bezeichnen. Der Einsatz zeigt sich hierbei nämlich dahingehend von Vorteil, dass die breite Bevölkerung keine Immunität gegen die Krankheit aufweist. Bei einer kurzen Inkubationszeit und niedrigen Infektionsschwelle verursacht der hoch virulente Erreger eine sehr schwere und im schlimmsten Fall tödliche Erkrankung und setzt folglich die Menschen schnell außer Gefecht.

Hinzu kommt, dass das die krankheitserregende Wirkungsfähigkeit des Erregers bei der Produktion, Lagerung sowie beim Transport asserviert werden kann. Die Sporen sind für Luftpartikel geeignet und bleiben lange gefährlich, weil sie – wie bereits erwähnt – Austrocknung, Temperaturwechsel und UV-Licht überstehen und dennoch ihre Keimfähigkeit und Virulenz erhalten wird. Außerdem lassen sich Stämme entwickeln, die gegen gebräuchliche Antibiotika resistent sind.

Letztlich erweisen sich die niedrigen Kosten bei der Herstellung und eine einfache Produktionsweise von massenhaft Bakterien und Sporen als aussichtsreich. Mit einem Gramm Sporen können zehn Millionen Menschen getötet werden. Die Weltgesundheitsorganisation hat geschätzt, dass durch den Einsatz von 50 Kilogramm von Bacillus anthracis bei günstigem Wind in einer Stadt mit 500.000 Einwohnern 95.000 Menschen getötet und 125.000 weitere außer Gefecht gesetzt werden könnten.

Für Angreifer selbst besteht dabei kaum ein Risiko einer Ansteckung. Aus diesem Grund sind Milzbrand-Bomben auch zur ihrer Bezeichnung: "Atombombe der Armen" gekommen.

Das im Jahr 1972 von 130 Staaten unterzeichnete B-Waffen-Abkommen, die Entwicklung, Herstellung, Lagerung und Transport biologischer und toxischer Waffen untersagt, erfährt auch nicht die gewünschte Umsetzung, denn viele Länder halten sich nicht daran, und viele Staaten stellen zudem heimlich Biowaffen her: Bulgarien, China, Nordkorea, Kuba, Ägypten, Indien, Iran, Israel, Laos, Libyen, Syrien, Taiwan und Vietnam.

Erschreckend ist auch die Tatsache, dass inzwischen Terrororganisationen biologische Kampfstoffe für ihre Ziele einsetzen. Ein Beispiel hierfür ist die japanische Aum-Sekte, die 1990 in Tokio vor einem Gebäude Milzbrand-Bazillen freigesetzt hatte.

Schlussendlich bleibt also Bacillus anthracis eine besonders heimtückische Bedrohung, nach der Entdeckung ist oft schon zu spät. Zwar werden Impfstoffe, Antibiotika und äußerlich anzuwendende Hilfsmittel entwickelt, doch all das muss andauernd dem Stand der Biowaffen, deren Hersteller von den Fortschritten in der Genetik und Molekularbiologie ebenfalls profitieren, angepasst und folglich parallel verbessert werden.

Ein Wettlauf, in dem es vielleicht nur einen Sieger geben könnte: Bacillus anthracis …

P. S. Oder gibt es eventuell noch Hoffnung für eine positive Entwicklung?


Was, wenn eine jahrhundertealte Seuche aus der Arktis zurückkehrt?

Als in Berlin Obdachlose an Milzbrand sterben, ist Wissenschaftsjournalistin Nina Falkenberg alarmiert. Die Fälle erinnern an ein Ereignis in Alaska vor 10 Jahren, als das Auftauen des Permafrostbodens einen tödlichen Erreger freisetzte. Ebenfalls in Alaska verschwindet Ninas Freund, der Milzbrand-Forscher Gereon Kirchner. Nina bittet ihren Bekannten Tom Morell, dorthin zu reisen und herauszufinden, was passiert ist. Schon kurz nach Toms Ankunft taucht in einem Eistunnel eine Frauenleiche auf. Ist Gereon schuld an ihrem Tod? Hat er gar mit dem qualvollen Tod der Obdachlosen in Berlin zu tun? Während Tom und Nina versuchen, Licht ins Dunkel zu bringen, müssen sie begreifen, dass sie gegen einen sehr viel mächtigeren Gegner kämpfen, als sie dachten ... (Quelle: Verlag)

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Erschienen ist der Roman bei Lübbe Belletristik. Die Blogtour wurde organisiert von den Autorinnen.

Blogtour TOXIN: Milzbrand - früher Geißel ...



Heute erscheint endlich "TOXIN" von Kathrin Lange und Susanne Thiele und die Blogtour, deren Verlauf ihr gerne an Hand obiger Auflistung rekapitulieren könnt, findet auf meinem Blog ihr Finale.
 
Wir gehen in medias res und begegnen einem in vielerlei Hinsicht gefährlichen Erreger öffentlichen Ärgernisses: Bacillus anthracis. 

Noch vor einem halben Jahrhundert war Milzbrand, auch Anthrax genannte, eine häufige Erkrankung. In der Gegenwart kennen die großen Industrieländer die Krankheit nicht mehr, wenngleich sie insbesondere in vielen Ländern um das Mittelmeer und in den ehemaligen Ostblockstaaten immer noch auftritt. 

Milzbrand ist eine Infektionskrankheit, die durch Bakterien, und zwar die Stäbchenbakterien Bacillus anthracis verursacht wird. Der Begriff Milzbrand geht dabei auf die vergrößerte und verbrannt aussehende Milz zurück. Die Bezeichnung „Anthrax“ leitet sich aus dem griechischen Wort für Kohle her, die im Deutschen als Anthrazit bekannt ist.

© Wikipedia

In der Regel sind Weidetiere wie Rinder, Pferde, Schafe und Ziegen betroffen. Allerdings kann die Krankheit bei engem Kontakt durchaus auch auf den Menschen übertragen werden.

Der Erreger ist weltweit, aber vor allem in warmen Regionen wie Lateinamerika, Asien und Afrika zu finden. Er kommt im Boden und vor, bildet giftige Sporen und reduziert auf diese Art und Weise seine Lebensfunktionen auf ein Minimum, wodurch es ihm möglich ist, über Jahre hinweg zu überleben. Übertragen wird er über das Futter. Eine spezielle Eiweißkapsel versetzt ihn in die Lage, den tierischen und menschlichen Abwehrmechanismen zu entgehen. Selbst im Fall seiner Vernichtung bildet das Bakterium noch Giftstoffe, welche an den Organismus weitergegeben werden und den Blutgefäßen Schaden zufügen, wodurch eine „Passage“ erfolgt. Die führt zu Entzündungen und Blutungen und mithin Schwellung des betroffenen Gewebes wie Haut, Lunge oder Darm. 

Die Infizierung des Menschen ist auf vier verschiedenen Wegen möglich, wobei eine Übertragung von Mensch zu Mensch bislang nicht dokumentiert wurde. 

Bei der häufigsten Form, dem Hautmilzbrand, dringen Sporen in kleinere Verletzungen der Haut in den Körper ein. Beim Lungenmilzbrand infiziert sich der Organismus über die Atemwege. Ein Darmmilzbrand entsteht über die Nahrungsaufnahme, beispielsweise durch rohes Fleisch und unbehandelte frische Milch. Schließlich kann der sogenannte Injektionsmilzbrand bei Heroinkonsumenten vorkommen, wenn die Drogen durch Milzbrandsporen verseucht sind. 

Im Krankheitsverlauf zeigt Milzbrand zunächst meist grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Dann folgen oft weitere schwerere Symptome, und die Krankheit kann trotz Behandlung zum Tod führen. 

Beim Hautmilzbrand entstehen kleine Hautknoten, Schwellungen und Blasen, die in schorfbedeckte Geschwüre übergehen. Während Lungenmilzbrand nach anfänglichen Atembeschwerden und trockenem Husten mit Lungen- und Herz-Kreislauf-Versagen einhergehen kann, leiden Betroffene beim Darmmilzbrand in der Regel unter Bauchschmerzen, Übelkeit und Fieber, wobei hier bei Verschlimmerung unter anderem Durchfall, blutiges Erbrechen und ebenfalls Herz-Kreislauf-Versagen folgen können. 

Injektionsmilzbrand ist dadurch gekennzeichnet, dass die Betroffenen starke Schwellungen an der Injektionsstelle bekommen. Weitergehende Entzündungen und andere schwere Verläufe führen hin zum Tod. 

Milzbrand ist eine schwerwiegende Infektionskrankheit, so dass in jedem Falle ein Arzt aufgesucht werden sollte. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung mit Antibiotika wirken sich sehr positiv auf den Verlauf der Erkrankung aus. 

Als einzige wirksame Vorbeugung kann allein Impfen in Betracht gezogen werden. Trotzdem ist Milzbrand – auch in Europa – nicht völlig besiegt. 

Außerdem droht eine andere Gefahr. Bacillus anthracis eignet sich hervorragend als biologische Waffe, die mit wenig Aufwand durch die Keime verheerende Wirkung erzielen kann …

--- Fortsetzung folgt ---




Was, wenn eine jahrhundertealte Seuche aus der Arktis zurückkehrt?
Als in Berlin Obdachlose an Milzbrand sterben, ist Wissenschaftsjournalistin Nina Falkenberg alarmiert. Die Fälle erinnern an ein Ereignis in Alaska vor 10 Jahren, als das Auftauen des Permafrostbodens einen tödlichen Erreger freisetzte. Ebenfalls in Alaska verschwindet Ninas Freund, der Milzbrand-Forscher Gereon Kirchner. Nina bittet ihren Bekannten Tom Morell, dorthin zu reisen und herauszufinden, was passiert ist. Schon kurz nach Toms Ankunft taucht in einem Eistunnel eine Frauenleiche auf. Ist Gereon schuld an ihrem Tod? Hat er gar mit dem qualvollen Tod der Obdachlosen in Berlin zu tun? Während Tom und Nina versuchen, Licht ins Dunkel zu bringen, müssen sie begreifen, dass sie gegen einen sehr viel mächtigeren Gegner kämpfen, als sie dachten ... (Quelle: Verlag)
 
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Erschienen ist der Roman bei Lübbe Belletristik. Die Blogtour wurde organisiert von den Autorinnen.

Samstag, 15. Juli 2023

Blogger für HOMER 2023 - Einladung

 

Endlich geht es los!

Alle Freunde und Interessierte des historischen Romans laden wir ein, unsere Bloggergemeinschaft ab 20. Juli 2023 bei der Vorstellung der Shortlistkandidaten, die in diesem Jahr im Rennen für den Literaturpreis HOMER in Gold, Silber und Bronze gehen, zu begleiten. Wir werden euch nicht nur die Bücher vorstellen, sondern auch informative Interviews und Einblicke in das Leben unserer Autorinnen und Autoren gewähren. Nicht zuletzt warten Gewinnspiele auf euch.

 20. Juli 2023 und 26. Juli 2023
René Anour - Die Totenärztin. Donaunebel
 Manuela - Das Bücherhaus
 
25. Juli 2023 und 31. Juli 2023
Alex Beer - Felix Blom. Der Häftling aus Moabit
 
30. Juli 2023 und 6. August 2023
Eva Grübl - Botschafterin des Friedens
Tanja - NICHTOHNEBUCH
   
 5. August 2023 und 11. August 2023
Heidrun Hurst - Die Kräutersammlerin und der junge Flößer
Sabine - BUCHMOMENTE
 
10. August 2023 und 16. August 2023
Hendrik Lambertus - Der Zorn der Flut
 
15. August 2023 und 21. August 2023
Silke Elzner - Die letzte Fehde an der Havel
 
 20. August 2023 und 26. August 2023
 Claudius Crönert - Das ewige Licht von Notre-Dame
Patricia -  NICHTOHNEBUCH
 
25. August 2023 und 31. August 2023
Ana Pawlik - Die Welt im Nebel
Anke - Svanvithe
 
30. August 2023 und 5. September 2023
Ulf Schiewe - Der eiserne Herzog
Alexandra - Lesebuch

Wir freuen uns auf euch und 
euer Interesse an der Vielfältigkeit der historischen Romane.

„Literatur ist, was gelesen wird“

Montag, 10. Juli 2023

Kleiner Fuchs im Lavendel

Hierfür bedarf es wohl keiner weiteren Erklärungen ...



Montag, 26. Juni 2023

Alles behalten für immer. Ruth Rilke

Ruth Rilke hat die Erinnerungen an ihren Vater, den Dichter Rainer Maria Rilke, immer hochgehalten, obwohl die Zeit, die sie – auch wegen der frühen Trennung der Eltern – gemeinsam mit ihm verbrachte, gering bemessen war.

Überhaupt wissen recht wenige, dass Rilke eine Tochter hatte. In der öffentlichen Betrachtung ist ihr Bild blass geblieben, und es ist der Literaturwissenschaftlerin Erika Schellenberger zu verdanken, dass dies in „Alles behalten für immer. Ruth Rilke“ mittels behutsamer und aufklärender Annäherung korrigiert und Ruth Rilke als Hüterin des Nachlasses ihres Vaters die ihr zustehende Aufmerksamkeit und Anerkennung verschafft wird.
 
Doch Ruth Rilke ist nicht nur die Tochter eines bedeutenden Vaters, sondern auch einer ebensolchen Mutter: die bekannte Bildhauerin und Malerin Clara Westhoff. Diese lernt Rilke 1900 in der Künstlerkolonie Worpswede kennen und lieben. 1901 wird geheiratet, und die Tochter kommt im Dezember desselben Jahres zur Welt.
 
Bereits im August 1902 begibt Rilke nach Paris, wohin ihm Clara nach Auflösung des Haushaltes in Westerwede folgt. Ruth bleibt bei den Großeltern Westhoff in Oberneuland, einem ländlich gelegenen idyllischen Stadtteil von Bremen.
 
Denkbar ist, dass Rilke einem (klein)bürgerlichen Familienleben nichts abgewinnen kann, so dass die Ehe zerbricht. Clara trennt sich von ihrem Mann, kehrt zur Tochter zurück und siedelt mit ihr nach Fischerhude über, wo sie bis zu ihrem Tode 1954 lebt.
 
Gleichwohl verbinden Clara Westhoff und Rainer Maria Rilke bis zum frühen Tod des Dichters 1926 freundschaftliche Bande, und ebenso die Beziehung zwischen Vater und Tochter bleibt einander zugewandt, vertrautvoll und herzlich, wenn „Väterchen" sich Zeit für Ruth nimmt. So erscheint er auch zur Hochzeit der Tochter 1922 mit dem Juristen Carl Sieber.

In Todesjahr der Mutter zieht Ruth dann zurück in das Dorf an der Wümme. Drei Jahre später erinnert sie sich an die verschiedenen Stationen in ihrem Leben.
 

 
Sieben Jahre lang hat sich Erika Schellenberger auf die Spurensuche begeben, in den Rilke-Archiven in Bern und Marbach recherchiert sowie Gespräche mit Ruth Rilkes Stieftochter Uta Addicks geführt, die ihr zudem das Familienarchiv in Fischerhude zugänglich machte. Dadurch erhielt sie für ihr Anliegen beachtenswerte neue Einblicke in bisher unveröffentlichtes Material.
 
„Alles behalten für immer. Ruth Rilke“ ist als autobiografischer Roman in auf Assoziationen beruhender Erzählweise konzipiert und mit vielen Originalzitaten versehen. Die Autorin rückt hierin einerseits persönliche Lebensstationen der Tochter eines berühmtes Dichters und einer Pionierin der Bildhauerei in Deutschland in den Mittelpunkt und  ermöglicht es außerdem, an sehr privaten Szenerien und aufschlussreichen Anekdoten teilzuhaben, die die Eltern nahbar illuminieren. Lediglich die gewählten Zeitsprünge aus der gewählten Rahmenhandlung heraus – Ruth sitzt 1957 hinter ihrem Haus, in dem ihr zweiter Ehemann und Stieftochter Uta am Werk sind, erinnert sich und führt Gespräche mit einem Radiojournalisten – hemmen manchmal eine stringente Lektüre.

Sind allerdings die kleinen Hürden solcher Wechsel genommen, gelingt ein Betrachten des Geschehens und der Ereignisse in durchdringender Weise und Intensität. Die Darstellung fängt die Stimmung ein, in der Ruth das Werk ihres Vater in lebenslanger Hingabe und tiefer Verbundenheit angemessen bewahrt hat. Dafür sei ihr zu danken und Erika Schellenberger, ohne die diese Würdigung nicht stattgefunden hätte.
 
4,5 Sterne
 
 
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Ich danke dem Verlag Ebersbach & Simon für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares und Kirchner Kommunikation für die Vermittlung.