Samstag, 29. Dezember 2018

Die Festung am Rhein


Im Vertrauen auf Gott und auf die Treue und den Mut meines Volkes habe ich die Rheinländer in Besitz genommen und mit der preußischen Krone vereinigt. Und so, Ihr Einwohner dieser Länder, trete ich jetzt mit Vertrauen unter Euch, gebe Euch Eurem deutschen Vaterlande wieder und nenne Euch Preußen! Kommt mir mit redlicher, treuer und beharrlicher Anhänglichkeit entgegen! Ihr werdet gerechten und milden Gesetzen gehorchen.“

Nicht alle Rheinländer fühlen sich durch diese Worte, mit denen König Friedrich Wilhelm III. von Preußen nach den Befreiungskriegen seine neuen Untertanen begrüßt, in Feierstimmung. 20 Jahre französische Besatzung und auch die französische Revolution haben ihre Spuren hinterlassen. Vor allem was die moderate französische Gesetzgebung betrifft, die sich deutlich vom konservativen Allgemeine Preußischen Landrecht unterscheidet.

Einer, der die Härte der nun geltenden Gesetze zu spüren bekommen soll, ist Christian, junger Soldat in der preußischen Armee. Als 1822 beim Bau der neuen Festung Ehrenbreitstein, die hoch über der Stadt Coblenz errichtet wird, Baupläne gestohlen werden, gerät er in Verdacht, diese militärisch wichtigen Unterlagen entwendet zu haben. Für die Preußen liegt der Fall klar auf der Hand: als Sohn eines französischen Offiziers kann nur Christian zum Verräter geworden sein und die Papiere dem Feind zugespielt haben.

Verzweifelt kämpft Christians Schwester Franziska darum, die Unschuld ihres Bruders zu beweisen und zu verhindern, dass ihn das Schicksal der Todesstrafe ereilt. Hierbei ist sie auf die Hilfe von Christians unmittelbaren Vorgesetzten angewiesen: Leutnant Rudolph Harten. Der strenge Offizier entpuppt sich zwar als äußerst misstrauisch, gleichwohl nicht unempfänglich für mögliche Ungereimtheiten. Und wider Erwarten blühen zwischen Franziska und Rudolph Gefühle auf, die keinesfalls von jedermann mit Gefallen betrachtet werden...


Maria W. Peter führt uns in „Die Festung am Rhein“ nach Coblenz, das inmitten des einst heiß umkämpften Rheinlandes nach den Befreiungskriegen nunmehr zu Preußen gehört. Die Autorin kleidet ihre Geschichte in ein historisches Gewand, das einerseits außerordentliche Sachkenntnis erkennen lässt, andererseits den Leser in seiner Fülle nicht überfordert. Sie schafft ein authentisches Bild von einer mit diversen Spannungen aufgeladenen, problematischen Zeit, in dem sich die angestammten Rheinländer und die Preußen – Soldaten und Zugezogene – nicht allesamt mit Wohlwollen gegenüberstehen, und beleuchtet mit viel Realitätsnähe die Verhaltensweisen, Handlungen, Unterschiede und Empfindungen der Menschen im gesellschaftlichen Wandel. Zudem ergänzt die Autorin den Roman durch ein umfangreiches Nachwort, ein ebensolches Glossar und diverses Kartenmaterial, welche eigene Recherchen überflüssig machen.

Allerdings lebt die Geschichte nicht allein von der Historie. Vielmehr finden sich in der Handlung jede Menge Geheimnisse und Verwicklungen, Spionage und Abenteuer, Freundschaft und Liebe, und Maria W. Peters erzählt in gewohnt ansprechender und lebendiger Sprachkunst mit viel Bildkraft, Atmosphäre und Empathie.

Die Autorin hat ihr Protagonisten mit Bedacht ausgewählt und sowohl die Haupt-, als auch die Nebenrollen mit Charakteren besetzt, die aufgeschlossen und unvoreingenommen, jedoch auch skeptisch oder gar feindselig sind, und somit das Geschehen komplettieren.

Nicht nur ihre beiden Helden Franziska und Rudolph sind von ihrer Herkunft und Vergangenheit beeinflusst und damit einigen Beschränkungen unterworfen. Es gelingt Maria W. Peter exzellent, die gegensätzlichen Ansichten der beiden darzustellen.

Franziska steht als Beispiel für die mit Beharrlichkeit zu Werke gehenden Rheinländer, gepaart mit einer von ihren Eltern vermittelten liberalen Grundeinstellung sowie einer einfühlsamen Erziehung. Die liebenswürdige junge Frau ist durchflutet vom französischen Freiheitsgedanken und betrachtet deshalb die Preußen als herrschsüchtige Tyrannen, die über ein rückschrittiges Volk gebieten. Dabei handelt sie das eine oder andere Mal unüberlegt und achtet nicht darauf, was sie sagt. Aber sie hält zu ihrem Bruder Christian und glaubt unerschütterlich daran, dass er die ihm vorgeworfenen Taten nicht begangen hat.

Rudolph ist eine ambivalente Persönlichkeit. Einerseits pedantisch korrekt und distanziert, andererseits besessen von seiner Arbeit und ausgestattet mit Visionen. Als Mann aus dem Volk, Sohn einer Wäscherin und eines Feldarbeiters, hat er sich auf einem schwierigen und anstrengenden Weg aus eigener Kraft und mit etwas Glück zum Offizier hochgearbeitet und eine Laufbahn eingeschlagen, die eine Generation zuvor lediglich dem Adel vorbehalten gewesen ist. Er demonstriert, dass er trotz seiner einfachen Herkunft über Fähigkeiten verfügt, die über das erwartete Maß hinausgehen. Und da es Neider und Vorgesetzte gibt, die in ihm immer noch einen Emporkömmling sehen, muss er sich jeden Tag aufs Neue beweisen, was Verständnis und Respekt abnötigt.

Vor allem aber ist seine Entwicklung im Verlauf der Ereignisse bemerkenswert. Rudolph verändert sich nicht plötzlich und beginnt nur langsam, den seinem Wesen inne liegenden Argwohn und Zweifel abzulegen sowie seine Geradlinigkeit, Klarheit und Ehrlichkeit zu offenbaren. Er weiß die Loyalität, die Franziska ihrem Bruder als Mitglied ihrer Familie entgegenbringt und die er selbst nicht kennengelernt hat, zu schätzen und zeigt seine hinter Härte und Disziplin verborgenen anderen Seiten: Verständnis und Güte.

Überhaupt ist es der Autorin hoch anzurechnen, dass sie mit Franziska und Rudolph ein Paar geschaffen hat, das sich trotz vorhandener Sympathie und aufkeimender tieferer Gefühle sehr bedächtig annähert und nicht vorurteilsfrei miteinander agiert. Sie reiben sich aneinander, schenken sich nichts und fallen immer wieder in ihre alten gegensätzlichen Ansichten zurück. Nach und nach erarbeiten sie sich das Verständnis füreinander und setzen sich für den anderen ein. Sie begreifen, wofür der andere (ein)steht und dass es sich lohnt, über den eigenen Schatten zu springen, sich von starren Vorurteilen zu lösen, die Wertungen und Meinungen anderer zu akzeptieren und gegebenenfalls zu hinterfragen, um sich so frei zu machen für einen anderen Blick auf die Welt. Davon könnte so mancher auch heute noch lernen...

Freitag, 28. Dezember 2018

Neues vom Pferdehof - Alte Dame in jungem Sand

In der kleinen Reithalle unseres Reiterhofes haben wir vor ein paar Wochen frischen Sand bekommen. Die Pferde mögen ihn, obwohl sie vergleichbar mit Strandsand tiefer einsinken und es durchaus anspruchsvoller ist, darin zu laufen. Aber er ist sehr fein, und wie ihr seht, genießt Resada ihr "Bad", und zwar jeden Freitag vor der "Arbeit". Erstaunlich, wie beweglich und motiviert die alte Dame immer noch ist.












P. S. Verzeiht die etwas düsteren Bilder, ich verzichte bei den Tieren gerne auf das Blitzlicht...

Donnerstag, 27. Dezember 2018

Ein Earl im Unterrock


Der Weihnachtsabend des Jahres 1900 naht, und die alte Lady Harriet ist betrübt. Es drücken sie der Kummer über den viel zu frühen Tod ihres Gatten und die Sorge um die Zukunft des Hauses Winfield. Nachdem ihr ältester Sohn William kinderlos und viel zu früh durch einen Reitunfall ums Leben gekommen ist, stehen Titel und Erbe dem geliebten Sohn Charles zu, der allerdings wegen eines bedauerlichen Familienstreits nicht nur das Haus, sondern auch das Land verlassen hat und inzwischen in New York lebt. Nun will sich Lady Harriets jüngster Sohn Edgar auf dem jährlichen Weihnachtsball zum neuen Earl erklären, obwohl er nach Meinung von Lady Harriet wegen seiner Überheblichkeit und Machtgier nicht nur eine Enttäuschung für die Eltern gewesen, sondern damit auch nicht geeignet für den Titel ist.

Charles begibt sich zwar mit seinem Sohn Louis auf die Reise nach England, aber wäre es nicht Unglück genug, stirbt er während der Überfahrt. Damit steht nun Louis der Titel zu. Edgar hat jedoch in weiser Voraussicht (und aus lauter Boshaftigkeit natürlich) in der Zwischenzeit alle Beweise für Louis' Anrechte auf das Erbe an sich gebracht und versteckt.

Unterstützt von seiner liebenden Großmutter bleibt Louis nichts anderes übrig, als kurzerhand in Frauenkleider zu schlüpfen, um als Gesellschafterin Edna unerkannt auf dem Landsitz nach eben jenen „verschwundenen“ Papiere zu suchen. Dabei tritt mehr als ein Problem auf: Louis verliebt sich in die hübsche zarte Charlotte, die eigentlich für Cousin George bestimmt ist. Dieser wird selbst in Unruhe versetzt: Er entbrennt seinerseits lichterloh in Zuneigung zu „Edna“.

Wird es noch ein Weihnachtswunder geben?


Viele Köche verderben den Brei, heißt es. Das mag vielleicht bei der Zubereitung von Speisen so sein. Wenn sich allerdings fünf Autorinnen in die Schreibküche begeben, kann sich das Ergebnis durchaus sehen lassen. Marie Caroline Bonnet, Katherine Collins, Ester D. Jones, Dolores Mey und Dorothea Stiller haben mit „Ein Earl im Unterrock“ eine kurzweilige Geschichte im klassischen englischen Stil gemeinsam zum Leben erweckt. In 24 Kapiteln und einem Epilog hat jede Autorin einer Figur die Stimme verliehen und im eigenen Stil geprägt, ohne die Gesamtheit der Adventskalender-Geschichte außer Kraft zu setzen. Vielmehr lässt sich das Gemeinschaftswerk mit Schwung lesen, unterhält auf ungezwungene und humorvolle Weise und verbreitet insgesamt ein entspanntes Gefühl.

Die Protagonisten sind mit wenigen, aber treffenden Eigenschaften charakterisiert und lassen eine zielsichere Verteilung von Sympathie und Antipathie zu. Dolores Mey hat Lady Harriet als gewitzte alte Dame kreiert, die den eigenen Sohn hinters Licht führt. Katherine Collins kann mit Edgar, dem so sehr nach dem Titel gelüstet, endlich ihrem Drang nach einem Fiesling nachgeben. Ester D. Jones ist beim Schreiben von Louis' Kapitel gar sehr in Verzückung geraten und deshalb möglicherweise auch ein wenig neidisch auf Charlotte, der Dorothea Stiller ein zauberhaftes Gesicht und einen feinen Charakter, aber kein Talent für die Handarbeit verpasst hat und die trotzdem das Herz von Louis erobert. Zu guter Letzt entspricht George aus der Feder von Marie Caroline Bonnet ihrer Neigung zu den Tollpatschen des Lebens, mit denen wir indes jederzeit gern mitfühlen.

Als Leser amüsieren die Verstrickungen und Verwicklungen. Und obwohl von Anfang an zu ahnen ist, wie das Ganze endet, ist bis zur wohlmeinenden Auflösung unbekümmertes Lesevergnügen mit ein, zwei Überraschungen garantiert.


*Werbung*
Erschienen ist der Roman bei dp DIGITAL PUBLISHERS, ich bedanke mich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Dienstag, 25. Dezember 2018

Frohe Weihnachten


Ihr Lieben,

ich wünsche euch
wunderbare und harmonische Feiertage
mit vielen Momenten zum Innehalten.







Donnerstag, 20. Dezember 2018

Bücherzeit im Dezember II

Weiter geht es mit einigen Eindrücken vom Bücherhotel, das mit seinen Haupt- und Nebengebäuden mitten im Grünen liegt (wenn es denn wieder so weit ist).


Aber auch so lohnt sich der Blick in die Natur...


... begleitet von brauchbaren Tipps.






Wer im Hotel keine passende Lektüre findet, kann sich in die Bücherscheune begeben. Er muss aber  Zeit mitbringen und Durchhaltevermögen beweisen, wenn er all die Regale und Kartons durchforsten will.








Ich meine, schlappe 500.000 Bücher müssen ja irgendwo gelagert werden.


Vielleicht gibt es demnächst einen Lesewagon. Wie ich erfahren habe, ist der ausrangierte Eisenbahnwagen die neueste Errungenschaft des Bücherhotels.

Sonntag, 16. Dezember 2018

Bücherzeit im Dezember I

In der letzten Woche war ich für knappe drei Tage im Gutshotel Groß Breesen (Nähe Güstrow) und habe eine intensive Lesezeit genossen.


Denn das Hotel ist auch bekannt als Bücherhotel, das erste seiner Art, das in Deutschland gegründet wurde.


Schon im Eingangsbereich finden sich jede Menge Bücher, die hier gelesen und auch getauscht werden können. Dabei ist allerdings etwas Geduld gefragt, denn sämtliche Büchersammlungen sind unsortiert.


Mir hat es nichts ausgemacht, alleiniger Gast zu sein...


... konnte ich doch ungestört und ohne zeitliches Limit frühstücken...


... und nebenbei lesen.


Im Gewölbe gibt es ein Restaurant, in dem mir an einem Abend ein wirklich schmackhaftes Drei-Gänge-Menü serviert wurde. Besonders die Lebkuchencreme hat mich überrascht, weil sie entgegen meiner Erwartung nicht zu süß war und ausgezeichnet mit dem Pflaumenkompott harmonierte.


Im Eingangsbereich zum Restaurant hingen ein paar amüsante Bilder und Schilder...


... von denen dieses hier zum Ende des ersten Teils meines Berichts hervorgehoben soll.



Fortsetzung folgt...

*(unbezahlte) Werbung*
Wer mag und Lust hat, eine paar geruhsame Tage zu verleben, findet hier alle Informationen.

Freitag, 14. Dezember 2018

Ein Diwan für zwei

Nina, dreiunddreißig Jahre alt und geschieden, lebt in Paris und hat schon diverse schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht. Darum sind Arbeit und Tapetenwechsel für sie die beste Medizin, um Liebeskummer zu überwinden. Trotzdem hat sie die Suche nach einem Mann fürs Leben noch nicht aufgegeben und lernt – forciert durch Denise, Leiterin der Partnervermittlung Serenity, – mehrere Männer kennen, die sich jedoch nicht unbedingt als passend erweisen.

Erst Julien Delavigne, einem Psychoanalytiker, könnte der richtige sein. Er ist erfrischend anders als die Männer, mit denen sich Nina zuvor getroffen hat, stellt alles infrage, hält gleichzeitig alles für möglich und kennt keine Oberflächlichkeit. Schon bald verliebt sie sich, und auch Julien ist von ihr angetan. Allerdings gibt er ihr Rätsel auf…


Es dauert eine Weile, bis Sabine Strick in „Ein Diwan für zwei“ zur Liebesgeschichte von Nina und Julien vordringt. Bis dahin schildert sie umfangreich einige berufliche Erlebnisse, wobei sich der Sinn nicht so recht erschließt, und amouröse Abenteuer ihrer Protagonistin.

Die Autorin lässt Nina in einem leicht zu lesenden Plauderton persönlich erzählen und beleuchtet deren Liebesleben detailliert und umfangreich. Das wirkt zwar unkompliziert, gleichwohl in der Häufigkeit auch wiederholend. Die junge Frau ist mit sympathischen Zügen und einem offenen Herzen ausgestattet und scheint auf den ersten Blick ein klares Ziel vor Augen zu haben. Erst nach und nach stellt sich heraus, dass ihr Bild von sich selbst doch verwackelt und sie mit etlichen Zweifeln behaftet ist. Eine gewisse Blauäugigkeit ist ihr nicht abzusprechen, was besonders darin deutlich wird, dass Nina die ständigen Angebote, die Denise ihr offeriert, nicht ablehnt und sich das eine oder andere Mal in einem Gewirr von Empfindungen verstrickt. Teilweise entsteht so das Gefühl, dass Nina mehr einen Escortservice erledigt, als eine erfolgreiche Suche nach einem dauerhaften Partner absolviert. Das ist auf Dauer sehr anstrengend und strapazierend.

Erst im Verlauf des Geschehens erhält Nina mehr Rückgrat, löst sich von Denise und der Männervermittlung und konzentriert sich und ihre emotionale Selbstfindung. Anstoß dafür ist Julien, der Nina in intensiven Gesprächen zum Nachdenken anregt. Denn sein Leben wirkt authentisch und aufregend, und nur zu gern wird Nina in diesen Strudel hineingerissen. Allerdings weist Julien in eigenen Angelegenheiten ein paar Defizite auf, die es zu ergründen gilt.

„Ein Diwan für zwei“ ist eine harmlose (Liebes)Geschichte, die durchaus einige Höhepunkte in der Entwicklung der Protagonisten zeigt, indes nicht lange in Erinnerung bleibt.

Sonntag, 9. Dezember 2018

2. Advent


Letzte Woche habe ich es nicht geschafft...


Darum wünsche ich euch heute weiterhin eine gute Adventszeit.


Sonntag, 2. Dezember 2018

Die Melodie der Schatten

Schottland, 1837

Fiona Hemington ist eine scheue und unsichere junge Frau, die nicht auffallen und im Hintergrund bleiben will. Doch gibt es einen Grund für ihre Furchtsamkeit: Sie leidet unter plötzlichen Attacken, die sie zuckend und ohnmächtig zu Boden stürzen lassen. Noch viel verstörender sind die häufigen Albträume und zudem die Melodien, die sie schon ihr ganzes Leben verfolgen und im Grunde ihre Gefühle und Gedanken widerspiegeln. Sprechen kann sie darüber mit niemanden, vor allem nicht mit ihrem Vater, Earl Hemington, Richter seiner Majestät des Königs, ohne befürchten zu müssen, in einer Anstalt zu landen.

Auf dem Weg zu ihrer Tante in den schottischen Highlands ist sie nach dem Überfall auf die Kutsche, bei dem sie als einzige mit dem Leben davonkommt, gezwungen, Zuflucht auf Thirstane Manor zu erbitten. Ein Herrensitz, der mit düsterem Laird und wenigem Personal mehr als uneinladend erscheint. Schon bald verstärken sich Fionas Traumbilder. Dunkel sind sie und werden von seltsamen Geräuschen und Stimmen begleitet. Und auch die Töne nehmen zu, besonders eine Melodie kehrt immer wieder...


Maria W. Peter führt mit „Die Melodie der Schatten“ in das Jahr 1837 nach Schottland und spricht in ihrer Geschichte einen Teil der wechselhaften Historie dieses Landstrichs und seiner Bewohner an. Daneben bindet sie Mythen, Legenden und Gebräuche ein und ergänzt sie mit authentisch wirkenden Beschreibungen einer Kulisse, die außerdem eine dichte und rätselvolle und undurchsichtige Atmosphäre entfaltet. Über dem ganzen Geschehen liegen viele Geheimnisse, so dass die Lektüre zu einem wahren Ereignis wird, während der Lesers beim Rätseln und Überlegen ständig auf der Suche nach einem der wenigen Hinweise ist.

Bei der Findung und Entwicklung ihrer beiden Hauptfiguren hat die Autorin hervorragende Arbeit geleistet. In Fiona und Aidan entdeckt der Leser keine zwei strahlenden Helden, sondern Persönlichkeiten, die bereits einiges in ihrem Leben durchgemacht haben und davon geprägt wurden.

Maria W. Peter gelingt es, die sich aufblühenden Gefühle von Fiona und Aidan ohne Pathos zu vermitteln. Zu Beginn empfindet Fiona Aidan als unheimlich und sieht sich von seinen ständig wechselnden Stimmungsschwankungen herausgefordert. Während sie eine neue Seite an ihm bemerkt, bleibt eine andere verborgen. Aber trotzdem wird es offenkundig, dass sie ihn mehr als nur mag, und so unglaublich es auch klingt, zum ersten Mal in ihrem Leben verspürt Fiona so etwas wie Freiheit in ihrer Entscheidung.

Aidan ist ein äußerst komplexer Charakter, dessen Verhalten ihn am Anfang nicht unbedingt zum Sympathieträger macht. Erst nach und nach werden bei ihm Schicht für Schicht seines Wesens freigelegt. Er ist ein Mann, der jahrelang gegen die Dunkelheit ankämpfen musste, die ihn zu überwältigen drohte, und es auf eine gewisse Art und Weise geschafft hat, sich seinen Dämonen zu stellen. Mit der Anwesenheit von Fiona beginnt eine Verwandlung, es treten lange verloren geglaubte Empfindungen zutage. Und doch vermag er diesen nicht nachzugeben, zu sehr schmerzen die Vergangenheit und drückt die Last einer vermeintlichen Schuld.

Daneben kann sich Fiona durchaus behaupten. Zunächst lassen sich ihre versteckten Stärken lediglich erahnen, da sie augenscheinlich beeinflusst von der ihr bislang entgegen gebrachten Ablehnung und Ausgrenzung ist. Ihre Art und Weise auf Menschen zuzugehen, ihre positive Einstellung, Hochsensibilität und Feinsinnigkeit, die nur wenigen Menschen inne wohnt, sprechen von Anfang an für sie. Erst recht, als sie ihren eigenen Bedürfnissen mehr Wert beimisst und ihr Leben mit Sinn ausstatten und frei von Zwängen sehen will.

Die Melodie der Schatten“ ist ein akribisch recherchierter historischer Roman, der nicht allein wegen seiner umfangreichen Zusatzinformationen wissenserweiternd und überzeugend ist, sondern daneben eine ergreifende Handlung sowie außergewöhnliche und vielschichtige Protagonisten präsentiert, denen mit Begeisterung Lesezeit gewidmet werden kann.

Samstag, 1. Dezember 2018

1. Dezember 2018


Nachdem sich gestern der November mit einem wunderschönen Abendrot verabschiedet hat, starten wir gemeinsam in den letzten Monat des Jahres.


Bei mir ist pünktlich der Kalender der Adventskalender-Kooperation eingetroffen, mit dem wir Kooperationsfrauen uns seit Jahren gegenseitig Freude bereiten. Er hat seinen Platz auf dem ehemaligen alten Nähschränkchen meiner Schwiegermutter gefunden, und ich freue mich auf das tägliche Öffnen eines Päckchens...