Dieses Jahr scheint ein gutes für die Schlehen zu werden. Die Sträucher in der freien Natur haben jedenfalls ordentlich Früchte angesetzt. Um sie wegen der enthaltenen Gerbstoffe besser verarbeiten zu können, braucht es etwas Frost. Idealerweise am Strauch...
Montag, 29. Oktober 2018
Sonntag, 28. Oktober 2018
Freitag, 26. Oktober 2018
Rezensionswoche 7. Tag: Ein gefährliches Abenteuer
Pero und Tomaž, zwei
Sechzehnjährige, die in Sloweniens Hauptstadt Ljubljana zu Hause sind,
verbringen ihre Freizeit nicht wie andere Teenager. Vielmehr sind sie Kletterer
und stellen sich immer wieder neuen Herausforderungen. An einem der letzten
Wochenende in den Ferien wollen sie die Loska-Stena-Wand in den Julischen Alpen
erklimmen und fahren deshalb gemeinsam mit Tina, Tomaž' Schwester, nach Kranjska Gora. Auf dem
Weg zu ihrem eigentlichen Ziel, Log pod Mangartom, der am Fuße der Wand gelegenen Siedlung, finden sie erst in
Franko und seinem klapprigen Gefährt die passende Mitfahrgelegenheit.
Bevor ihr
eigentliche Klettertour beginnt, hören sie im Gasthaus, wie ein alter Mann, der
sich als Großvater von Franko entpuppt, von einem riesigen Goldschatz erzählt.
Diesen hatten der ehemalige Bergmann und sein Freund Mlekuž einst in der Mine
gefunden und dann in einer Höhle, die sie auf der Jagd nach einer Gämse entdeckten,
versteckt. Die Tragik der Geschichte: Mlekuž blieb in der Höhle verschüttet
zurück, und der Großvater glaubt, ihn jeden Abend schreien zu hören, was erst enden
würde, wenn er ein Grab bekäme.
Nach einer Nacht im
Freien besteigen die Jungen die Wand und stellen fest, dass neben den bekannten
zwölf Höhlen tatsächlich eine versteckte dreizehnte existiert, in der sie einen
goldenen Schimmer bemerken. Haben sie den „Goldenen Zahn“ gesichtet? Doch noch
verschwenden die beiden keinen weiteren Gedanken daran. Erst als sie bei ihrer
Heimkehr in ihrem Verein erfahren, dass sie für eine Tour in den Himalaya 2000
Euro benötigen, wollen sie die Höhle mit dem Gold suchen. Sie ahnen nicht, dass
aus einem unbeschwerten Kletterausflug ein lebensbedrohliches Abenteuer wird. Denn
sie sind nicht allein hinter dem Gold her...
Tadej Golob dürfte in Deutschland eher unbekannt sein. Der
Slowene, Jahrgang 1967, arbeitete bereits während seines Journalistikstudiums
in Ljubljana bei der Sportredaktion des nationalen Fernsehens. Später war er Redakteur
und schrieb unter anderem Kolumnen für den Playboy. 2001 nahm Golob an einer
Expedition in den Himalaya teil und bestieg den Mount Everest. Sein Roman „Svinjske nogice“ erhielt
2010 den Preis für den besten slowenischen Roman des Jahres.
„Der goldene Zahn“ ist Tadej Golobs erstes Jugendbuch und offenbart
sich als facettenreiches Abenteuer, das nicht nur Jungen und Mädchen,
sondern auch Erwachsenen Lesefreude beschert. Der Autor überzeugt nämlich mit
einem anständigen Thriller, in dem der ausgeklügelte Plot durch glaubwürdig agierende
Protagonisten ergänzt wird.
Golob verwendet die ihm gegebenen Möglichkeiten geschickt, als Bergsteiger weiß er, wovon er schreibt. Der Autor konzentriert sich auf das
Wesentliche und ist dadurch in der Lage, langsam, aber kontinuierlich Spannung
aufzubauen. Mit detaillierten
Beschreibungen lässt er die slowenischen Berge vor dem Auge des Lesers erstehen
und bringt ihn mitten hinein ins Geschehen:
„Pero ließ seine
Augen über die Wand wandern. Der östliche Teil verbarg sich hinter einem Berg,
der wie ein Schiffsschnabel aus diesem auf den ersten Blick monolithischen
Massiv herausragte. Erst wenn man die Wand genauer betrachtete, konnte man
erkennen, dass sie aus einer Kette einzelner Felsen bestand, die aus dem Boden
schossen und sich von links und rechts symmetrisch um einen zentralen Pfeiler
wanden, der zu ihrem höchsten Gipfel strebte. In den steilen, hellen Platten
des oberen Teils zeichneten sich mehrere Höhlen ab. Diese schwarzen Löcher
verliehen der Wand ein lebendiges Aussehen. Sie sah aus wie ein Gesicht mit
einem von Zahnlücken durchsetzten Grinsen. Unterhalb des Gipfels verlor sich
der Pfeiler in offenbar feuchten, dunklen Nischen und Dächern."
Der Autor verschafft nicht
nur seinen Helden das eine oder andere Mal Angst und Schrecken, sondern auch
der Leser darf lebhaft daran teilhaben. Insgesamt
lotet Golob die Empfindungen seiner jugendlichen Protagonisten aus, er schont sie
nicht, thematisiert wichtige Begriffe wie den Sinn des Lebens, Loyalität und
Ehrlichkeit, Vertrauen und Freundschaft.
Einziges Manko: Es fehlt eine Karte zur Orientierung.
Ansonsten ist „Der
goldene Zahn“ ein Buch für Jungen und Mädchen jeglichen Alters, Kletterer und
Nichtkletterer, Freunde von intelligenten Gämsen und all jene, die endlich den
Unterschied zwischen Auerhahn und Birkhahn lernen wollen. Denn Humor findet sich
in der Geschichte ebenfalls...
4,5 Sterne
*Werbung*
Erschienen ist der Roman im Verlag Schruf & Stipetic, dem ich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares danke.
Dienstag, 9. Oktober 2018
Rezensionswoche 6. Tag: Honig aufs Herz
Evryn ist ein
Mädchen schneller Endscheidungen. Als ihr nicht unvermögender Freund
fremdanbandelt, verlässt sie seine Villa und zieht in ihre winzige New Yorker
Detektei, um unmittelbar darauf festzustellen, dass ihr Vermieter kurz zuvor
die über ihr liegende Wohnung an Nikolaj, einem unvergleichlich attraktiven Taxifahrer,
vergeben hat, dem Evy als Erstes versehentlich die Tür an die Nase schlägt.
Evy fügt sich in
ihr Los. Auch wenn sie begreift, wie sorglos sie bislang leben konnte – fünf Jahre
mit einem Playboy sind dann doch genug. Und mit dem lukrativen Auftrag einer reichen Russin sieht sie Licht am Ende des Tunnels. Leider bedeutet lukrativ
nicht gleichermaßen unbedenklich, denn es dauert nicht lange, und Evy steckt
mitten drin in Mord, Intrigen und jeder Menge Geheimnissen. Obwohl sie glaubt,
sich auf ihr Gespür als brillante Detektivin verlassen zu können, braucht sie
einen Partner, und als der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt erweist sich
Nicolaj.
Dabei ist der
Mann selbst ein einziges Rätsel. Selbst als sich Evy und Nic näher
kommen, kann sie nicht hinter seine Fassade blicken. Eins wird allerdings bald klar: Ein langweiliger oder gar harmloser
Taxifahrer ist der Mann auf keinen Fall…
Mit „Honig aufs
Herz“ hat Moni Kaspers eine leidenschaftliche Liebesgeschichte geschrieben, die
voller Leben steckt und in der Romantik und Thriller eine Symbiose
eingehen.
Die mit hinreißender
Emotionalität, aus der jeweiligen Sicht von Evy und Nic erzählte Geschichte hat
einen angenehmen Klang und überzeugt neben der Darstellung der intensiven
Gefühlswelt der Protagonisten mit einer stringenten Handlung und anschaulichen Bildern.
Lediglich die Transliteration der kyrillischen Buchstaben fällt dagegen ab,
hier wäre die Verwendung des russischen Originals einfach passender gewesen.
Ansonsten punktet das Geschehen mit stetig wachsendem Spannungstempo, erotischen und
zu Herzen gehenden Szenen sowie durchaus überraschenden und heiteren Momenten.
Ein starkes Plus sind die
beiden Hauptfiguren.
Evy
zeigt sich als ungeschickte und ein bisschen verrückte, zugleich liebenswerte
Person mit dem Herz am rechten Fleck. Sie handelt manchmal spontan und
unüberlegt, gibt hingegen nicht auf und hält trotz aller Enttäuschungen an ihren
Träumen fest. Während Schwester und Mutter sie überzeugen wollen, wie falsch es
gewesen ist, das Luxusleben an der Brians Seite zurückzulassen, steht sie zu
ihrem eingeschlagenen Weg und beweist Rückgrat, auch als ihr bewusst wird, dass
Durcheinander, Aufregung und Gefahren auf sie warten.
Während
Evy offenen Gemüts ist, bevorzugt Nic als hauptsächliche Art der Kommunikation Schweigen.
Es ist unschwer zu erkennen, dass er eine Bürde trägt, die ihn zu jenem
unnahbaren Mann mit Seelenpein macht, als den Evy ihn kennenlernt. Er will niemand
mehr sein, für niemanden, weil das
Leben, so wie er es einst hatte, ihm genommen wurde. Und sowieso würde die Zeit
keine Wunden heilen, seine zumindest nicht.
Es
bedarf des Anstoßes dieses quirligen Rotschopfes, damit sich nach und nach die
schockierenden Hintergründe, bitteren Erinnerungen, Alpträume und Ängste, die
Nic quälen, offenbaren. Hier beweisen sich Geduld, Verständnis, Mut und Kraft von Evy, die trotz aller erschütternden
Nachrichten an der Liebe zu Nic festhält, so dass er sich innerhalb kürzester Zeit einfach wohl, ja sogar zufrieden in
ihrer Gegenwart fühlt und sich „Honig aufs Herz“ legt...
4,5 Sterne
*Werbung*
Erschienen ist der Roman im FeuerWerke Verlag, dem ich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares danke.
Erschienen ist der Roman im FeuerWerke Verlag, dem ich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares danke.
Dienstag, 2. Oktober 2018
Rezensionswoche 5. Tag: Wenn wir wieder leben
„Es
gibt kein richtiges Leben im falschen. Wenn Menschenfeinde
aufmarschieren, müssen wir eine Zeit lang aufhören, Schneider,
Buchhalter und Musiker zu sein, und zusammen zur Mauer werden, an der
Verbrecher abprallen. Darum kämpfen, wieder zu leben. Unser
richtiges Leben.“
Berlin
1963. Die neunzehnjährige Wanda hat bisher ein unbeschwertes und
beständiges Leben geführt. Keines, in dem das Geld reichlich
fließt, aber es geht ihr und ihrer Familie, die aus Mutter, genannt
Matti, Tante Lore und den Schwestern Vera und Ariane besteht, gut.
Zudem ist sie privilegiert: sie darf studieren.
Mit ihrem offenen, den Menschen zugewandten Wesen findet sie schnell
Freunde.
Als
sie eines Tages Andras kennenlernt, ist die bisherige Gleichmut ihres Daseins vorbei, denn der streitbare junge Mann, der im Holocaust Mitglieder seiner jüdischen Familie verloren hat und sich
vehement für die Opfer des Naziregimes einsetzt, gibt ihr eine harte
Nuss zu knacken:
Warum
hat es sie eigentlich nie interessiert, wo sie herstammt, wo ihre
Wurzeln liegen? Warum wird in ihrer Familie nie darüber gesprochen?
Hat diese womöglich in den Zeiten des Krieges Schuld auf sich
geladen und versucht, wie viele andere einen Mantel des Schweigens
darüber zu legen? Wanda lässt nicht locker und akzeptiert die
wenigen, ausweichenden und vertröstenden Antworten nicht. Als sie ein
erschütternder Schicksalsschlag trifft, muss sie sich selbst auf die
Reise nach Polen an den Ort ihrer Geburt begeben, um die Schatten,
die über der Vergangenheit liegen, lüften zu können...
In
den Zwanziger Jahren genießen Gundi, Lore, Julius und Erik in Danzig
und dem angrenzenden Ostseebad Zoppot ihre Jugend und die
Sommerfrische und träumen von einer Karriere als Musiker. Sie wollen
anderen Menschen Freude bringen und mit beschwingten Melodien
unterhalten. Eine entsprechende Tanzkapelle haben sie bereits, indes
der Erfolg will sich für „Die Piroggen“ noch nicht richtig
einstellen. Danzig wird vom internationalen Völkerbund verwaltet,
die Nazis haben in der Stadt, in der Deutsche und Polen relativ
problemlos zusammenleben, bislang nichts zu melden. Doch ziehen bereits
erste dunkle Wolken auf.
Aber
das interessiert Gundi Sonnenschein – wie sie von allen genannt
wird – nicht. Sie ist das glücklichste Kind von der Ostsee.
Auch ohne Vater und Mutter, dafür verwöhnt vom heiß geliebten
Großvater Pop und Tante Karl, nimmt sie das Leben leicht, redet sich
die Welt schön, und keiner kann sich ihrem überschäumenden Gemüt
und ihrer schwingenden Sinnlichkeit entziehen und ihr lange böse
sein.
Als
Gundi und „Die Piroggen“ mit dem Lied „Morgen am Meer“ ihren
Durchbruch haben und zu einer bekannten Größe avancieren, dauert es
nicht lange und sie fallen auch der ortsansässigen erstarkenden
NSDAP ins Auge. Deren Gauleiter Forster ist in das Lied verliebt und
protegiert „Die vier aus Zoppot“, wie sie inzwischen heißen, bis
hin zu Auftritten auf der „Wilhelm Gustloff“, einem
Kreuzfahrtschiff des von den Nazis kreierten „Kraft durch
Freude“-Programms. Dort begegnet Gundi, zwischenzeitlich mit Julius
verheiratet und Mutter einer Tochter, dem Sänger Tadek und der wahren
Liebe, um die sie kämpfen muss, als Polen von Hitlers
Deutschland überfallen wird und Tadek sich dem Widerstand
anschließt. Zu welchen Opfern ist sie für die Erfüllung ihrer
Sehnsüchte bereit?
Charlotte Roth überzeugt mit „Wenn wir wieder leben“ mit einer meisterhaften Geschichte, die nicht nur kraftvoll, sondern auch mit Gedankentiefe, Emotionalität und einer Botschaft erzählt wird. Durch ihren respektvollen Umgang mit der Vergangenheit, gelingt es der Autorin, mit ihrem Werk dem sich breit machenden Vergessen ein Erinnern entgegenzusetzen, das neben innigen, ergreifenden, traurigen und wütend machenden Momenten auch ungemein viel Hoffnung Humanität und Liebe offenbart.
Wortkonstrukte
und Satzgesänge lassen unschwer die Autorin erkennen. Ihrem
herausragende, bilderreichen, manchmal auch larmoyanten Schreibstil,
der gleichermaßen zu Tränen rührt und einen lächeln lässt, wohnt
ein einzigartiger Zauber inne, der nur in ihren Romanen zu finden
ist. Erhöht wird der Lesegenuss dadurch, dass die Autorin es gekonnt
versteht, dem Geschehen durch die Verwendung von Begriffen und
Redewendungen des im Danziger Raum gesprochenen Missingsch
zusätzliche Atmosphäre zu verleihen.
In
den Figuren von Charlotte Roth steckt enormes Herzblut. Sie lotet
deren charakterliches Potential aus, erspart ihnen nichts, heischt kein Wohlwollen ein,
sondern lässt sie durchaus zum Unverständnis aller agieren. So
erzeugt sie eine markante Lebensnähe, die nichts beschönigt.
Deutlich wird dies insbesondere an Gundi, die mit ihrem Verhalten,
ihrer politischen Unwissenheit und dem damit einhergehenden
Desinteresse, ihrer Sorglosigkeit und starken, rücksichtslos
scheinenden Sehnsucht nach Liebe nicht immer Sympathiepunkte sammelt,
weil sie in der privaten kleinen Welt nicht über den Tellerrand
schaut und die Auswirkungen auf die Ereignisse um sie herum begreift.
Nicht rechtzeitig zumindest...
Es
ist Charlotte Roths persönlichstes Buch, wie sie im Nachwort
erklärt. Weil Danzig und seine Menschen Teil ihrer eigenen
Familiengeschichte sind. Und weil es wichtig ist, in dieser Zeit die
Stimme zu erheben. Gut, dass sie es geschrieben hat.
Sonntag, 30. September 2018
Rezensionswoche 4. Tag: Das Ende des Friedens
„Es ist fast tausend Jahre her, seit der Schleier herabgelassen wurde… Jetzt wird er schwächer. Die Roten Götter werden mächtiger, und das Licht nimmt ab. Blut wallt auf.“
In der Welt von Gilgoras herrscht seit fast tausend Jahren ein brüchiger Waffenstillstand zwischen dem Volk des fruchtbaren Rilpors und den Mirak in den unwirtlichen Bergregionen. Es sind hingegen nicht nur die Menschen, die sich gegenüberstehen, sondern auch unterschiedliche Götter: Während die Rilporer Anhänger der Götter des Lichts sind, huldigen die Mirak den Roten Göttern. Und Letztere sind es, die nach jahrelanger Verbannung nach Rilpor drängen, auf einem Weg aus Blut und Chaos. Denn nur wenn Blut fließt, können sie wieder zurück in ein physischen Dasein kehren und Wesen aus Fleisch werden.
Unter Führung von Lanta, die von ihrem Volk wegen ihrer Nähe zu den Göttern Gesegnete nennen, begeben sich die Mirak sich auf den Weg, ihre Verbannung zu beenden.
Die Aussichten sind denkbar günstig. Zwar hat die Sklavin Rillirin in ihrer Verzweiflung den König der Mirak getötet und ist danach geflohen. Doch Corvus, der neue König, beweist, wozu er er nach seiner Machtergreifung fähig ist.
Außerdem ist das Reich Rilpor geschwächt. Denn König Ratoth, einst angesehener Herrscher, vergräbt sich nach dem gewaltsamen Tod seiner Ehefrau in seiner Trauer und verfällt vor den Augen seiner Söhne Janis und Rivil zunehmend dem Wahnsinn.
Doch damit nicht genug. Während die Mirak sich sammeln und immer stärker werden und zudem Verräter in den eigenen Reihen agieren, sind die Rilporer völlig ahnungslos in Bezug auf die drohende Gefahr. Lediglich der Seher Dom erhält von den Göttern in Visionen einen nebulösen Blick in die Zukunft. Der Calestar ist es auch, der die Bedeutung von Rillirin, die Aufnahme bei den Beschützern der Grenze von Rilpor, den Wächtern und Wölfen gefunden hat und von einigen misstrauisch beäugt wird, erkennt. Allerdings kämpft Dom mit eigenen Dämonen...
In der Welt von Gilgoras herrscht seit fast tausend Jahren ein brüchiger Waffenstillstand zwischen dem Volk des fruchtbaren Rilpors und den Mirak in den unwirtlichen Bergregionen. Es sind hingegen nicht nur die Menschen, die sich gegenüberstehen, sondern auch unterschiedliche Götter: Während die Rilporer Anhänger der Götter des Lichts sind, huldigen die Mirak den Roten Göttern. Und Letztere sind es, die nach jahrelanger Verbannung nach Rilpor drängen, auf einem Weg aus Blut und Chaos. Denn nur wenn Blut fließt, können sie wieder zurück in ein physischen Dasein kehren und Wesen aus Fleisch werden.
Unter Führung von Lanta, die von ihrem Volk wegen ihrer Nähe zu den Göttern Gesegnete nennen, begeben sich die Mirak sich auf den Weg, ihre Verbannung zu beenden.
Die Aussichten sind denkbar günstig. Zwar hat die Sklavin Rillirin in ihrer Verzweiflung den König der Mirak getötet und ist danach geflohen. Doch Corvus, der neue König, beweist, wozu er er nach seiner Machtergreifung fähig ist.
Außerdem ist das Reich Rilpor geschwächt. Denn König Ratoth, einst angesehener Herrscher, vergräbt sich nach dem gewaltsamen Tod seiner Ehefrau in seiner Trauer und verfällt vor den Augen seiner Söhne Janis und Rivil zunehmend dem Wahnsinn.
Doch damit nicht genug. Während die Mirak sich sammeln und immer stärker werden und zudem Verräter in den eigenen Reihen agieren, sind die Rilporer völlig ahnungslos in Bezug auf die drohende Gefahr. Lediglich der Seher Dom erhält von den Göttern in Visionen einen nebulösen Blick in die Zukunft. Der Calestar ist es auch, der die Bedeutung von Rillirin, die Aufnahme bei den Beschützern der Grenze von Rilpor, den Wächtern und Wölfen gefunden hat und von einigen misstrauisch beäugt wird, erkennt. Allerdings kämpft Dom mit eigenen Dämonen...
Anna Stephens „Wächter und Wölfe. Das Ende des Friedens“ ist blutrünstig, brutal, düster und beginnt mit einer Opferung, einer versuchten Vergewaltigung und einem Mord. Eine zartbesaitete Seele mit schwachen Nerven mag sich dem möglicherweise nicht aussetzen.
Auch danach macht es die Autorin dem Leser zunächst nicht leicht, dem Geschehen zu folgen. Zwar ist dank der im Innenteil des Buches befindlichen Karten eine ausgezeichnete Orientierung möglich, und zudem beschränken sich die Handlungsorte auf Rilpor und das Gilgoras-Gebirge, wodurch die Welt ausschnitthaft klein und (noch) ohne Bezug zu den umgebenden Ländern und Völkern dargestellt wird. Zudem sind die einzelnen Kapitel in der Regel kurz und überschaubar. Doch wechseln von Anfang ständig die Protagonisten und folglich auch die Perspektiven. Und so scheint der Überblick verloren zu gehen.
Ist allerdings diese erste Hürde überwunden, bleibt eine pure Begeisterung, in das spannungsvolle und wendungsreiche Geschehen einzutauchen. Denn Anna Stephens offeriert in ihrem durchaus ambitioniert zu nennenden Debüt eine komplexe und funktionierende, wenngleich noch nicht in Gänze und epischer Breite ausgearbeitete Welt, die hauptsächlich von (Macht)Kämpfen geprägt ist. Kein neues Szenarium, und doch bringt die Autorin mit ihrem Konstrukt der miteinander rivalisierenden Götter, die sich in die Belange der sterblichen Menschen einmischen und diese zu lenken versuchen, einen interessanten Aspekt in ihr fantasievolles Handlungsgeflecht.
Im Verlauf der Ereignisse gelingt es, den vertraut werdenden Figuren zu folgen und ihre Wesen zu ergründen. Hier liegt die Stärke der Autorin.
Ihre Protagonisten präsentieren sich als faszinierende bunte Mischung, die sich in keine Schablonen passen lassen. Es dauert eine Weile, bis die Fronten, wer auf welcher Seite steht, geklärt sind. Nachdem diese Frage nicht mehr im Raum steht, treten beide Gruppen mit ausgereiften Charakteren beidseitigen Geschlechts auf und erweisen sich einander in der Wahl der Mittel als durchaus ebenbürtig.
Dabei wachsen einem einige schnell ans Herz. Zum Beispiel Rillirin, die ehemalige Sklavin, zunächst zurückhaltend und fragil, jedoch mit einem starken Entwicklungspotential. Crys Tailorson, der unbestreitbar ein talentierter Soldat, aber ebenso ein Filou mit losem Mundwerk ist, gern dem Glücksspiel frönt und immer wieder degradiert wird. Calestar Dom, der als Seher unerwünschte Botschaften von den Roten Göttern erhält, und unfreiwillig mit ihnen in Verbindung tritt. Andere wie die Gesegnete Lanta wiederum – zwar de facto als Böse angelegt – sind aber in ihrer Handlungsweise so ihrem Glauben verhaftet, dass diese aus deren Sicht nachvollziehbar erscheint.
Aber natürlich würde die die Geschichte nicht funktionieren, wenn sie nur grauslich und unappetitlich (wobei zugegebenermaßen schon ein paar diesbezügliche Szenen vorhanden sind, die im Gedächtnis bleiben) wäre und die handelnden Personen tumb und entsetzlich wären. Vielmehr stecken neben Verrat, Misstrauen, Verschwörung, Intrigen und politische Machenschaften, Verzweiflung und Tod auch Loyalität und ehrenvolles Verhalten, Vertrauen, Zuversicht, Freundschaft, Liebe und Zuneigung darin. Anna Stephens gönnt einigen ihrer Helden durchaus auch wenige, aber trotzdem schöne Momente, unerwartet, überraschend und zum Teil abseits der gängigen Muster.
Dies ist „Das Ende des Friedens“. Es ist intensiv und grausam zugleich. Und Anna Stephens beschert dem Leser einen fiesen Cliffhanger, so dass die Wartezeit bis zum zweiten Band der als Trilogie angelegen Reihe äußerst lang erscheint. Doch „Das Erwachen der Roten Götter“ kann nicht aufgehalten werden. Im Februar 2019 ist es soweit.
4,5 Sterne
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Erschienen ist der Roman im Blanvalet Verlag, dem ich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares danke.
Freitag, 21. September 2018
Rezensionswoche 3. Tag: Petunia
Die dumme Gans Petunia läuft über die Wiese und stößt auf einen Gegenstand, den sie noch nie gesehen hat. Es ist ein Buch, und wie es der Zufall so will, erinnert sie sich daran, dass der Bauer, auf dessen Hof sie lebt, seinem Sohn erzählt hat, dass so ein Buch sehr kostbar ist und dass diejenigen, die es besitzen und lieben, sehr weise sind. Daraus folgert Petunia, dass sie, wenn sie das Buch immer bei sich trägt, eine Gans voller Weisheit ist. So watschelt sie immerzu mit dem Buch unter ihrem Flügel umher und wird von Tag zu Tag stolzer, so sehr, dass ihr Hals lang und länger wird. Es dauert nicht lange, bis die anderen Tiere dies bemerken, und sie beginnen, die kluge Gans um Rat zu fragen. Und Petunia hilft gern. Tatsächlich sind deren Empfehlungen keinesfalls weise und hilfreich zudem auch nicht. Ja vielmehr erschreckend. Bis es zu einem wahrhaftigen Rums kommt und die ganze Weisheit auf einen Schlag verpufft...
Roger
Duvoisin Gans „Petunia“ ist bereits 68 Jahre alt und hat noch
nichts von ihrem Charme verloren.
Die Geschichte ist gut aufgebaut, und mit jedem Tier, dem Petunia einen wohlgemeinten Rat erteilt, der aber immer albern, nutzlos und sogar gefährlich ist, steigert sich das Tempo, bis zum Höhepunkt. Der ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Knall, und danach wird allen klar, wie peinlich Petunia und ihre Weisheit wirklich sind. Indes wendet sich alles zum Guten, und nicht nur Petunia zieht ihre Lehre aus dem Geschehen.
Die
Sprache ist im Grunde kindgerecht, könnte allerdings bei
Kindern ab dem empfohlenen Vorlesealter von drei Jahren ein paar
Fragen aufwerfen. Das
ist jedoch
das Wunderbare an
einem Bilderbuch. Die Zeichnungen, die eine klassische und natürliche
Linienführung aufweisen und mit fröhlich-bunten
und leuchtenden Farben sofort das Auge
ansprechen, ergänzen den durchaus mit
Augenzwinkern geschriebenen Text optimal,
so dass sich vieles selbstredend erklärt.
„Petunia“
ist ein lesenswerter Klassiker für Jung und Alt.
*Werbung*
Erschienen ist der Roman im Thienemann-Esslinger Verlag, dem ich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares danke.
Mittwoch, 19. September 2018
Rezensionswoche 2. Tag: Ein magisches Abenteuer
Bislang gab es für Carter kein Zuhause, keine Freunde, keinen Ort, an dem er sich sicher fühlte. An dem Tag, an dem seine geliebten Eltern verschwanden, hörte er auf, an wunderbare, glückliche, fantastische Dinge zu glauben. Seitdem geht er einer traurigen Weltsicht durchs Dasein. Denn er lebt bei seinem Onkel Sly, und eine Familie ist dieser nicht für ihn. Von einem Zuhause ganz zu schweigen. Während Carters Vater seinen Sohn einst Zaubertricks zur eigenen Freude beibrachte, nutzt Sly die Fähigkeiten seines Neffen skrupellos aus, um durch Manipulation das Publikum bei der Vorführungen um Geld und Wertsachen zu betrügen. Von Stadt zu Stadt ziehen die beiden, an guten Tagen haben sie einen Schlafplatz, an schlechten eher nicht.
Als Carter genug davon hat, rennt er davon, springt auf einen Zug auf und landet in der kleinen Stadt Mineral Wells. Er trifft Mr Vernon, den Besitzer eines Zauberladens, und dessen Tochter Leila, deren Freunde Theo und Ridley, die Zwillinge Olly und Izzy, und ehe er sichs versieht, ist er Teil dieser bunt zusammengewürftelten, irgendwie magischen Gemeinschaft von Außenseitern, die wegen ihrer Andersartigkeit auffallen. Hand in Hand arbeiten sie miteinander, um zu verhindern, dass der gierigen Rummelbesitzer B. B. Bosso und dessen böse Clowns und Kumpane, einen großen Coup landen...
Neil Patrick Harris
ist nicht der erste Schauspieler, Regisseur und Produzent, der zum
Stift greift und Geschichten aufs Papier bringt. Doch im Gegensatz zu
manchen seiner Kollegen hat er sich bei seinem erzählenden Debüt für
eine Kinderbuchreihe entschieden. Und er offeriert „Die Magischen 6“ auf
wirklich charmante Art und Weise. Er spricht den Leser direkt an und
hat spürbar Spaß daran, diesen das eine andere Mal zu verwirren, und sei
dies nur bei der Aufzählen der Kapitel.
„Mr Vernons Zauberladen“ enthält alles, was für eine unterhaltsame Lektüre notwendig ist: eine arme, aber talentierte Waise, unterschiedliche Freunde, ein herzerwärmendes Abenteuer mit Nervenkitzel und gewagten Aktionen, Slapstick, spritzige Dialoge und eine Botschaft.
Neil Patrick Harris erzählt über Vertrauen, Ehrlichkeit, Freundschaft und Individualität. Seine Helden sind zwar verschieden, was Hautfarbe, Herkunft und Hintergrund betrifft, und mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet, gleichwohl trotzdem auch normale Kinder mit Fehlern und Schwächen. Sie arbeiten gemeinsam daran, diese zu überwinden.
Und dann
gibt es da noch die Magie. Also echte pure Zauberei! Der Autor ist
tatsächlich Magier, und er hat ein paar Tricks eingefügt, die jedermann
mit viel Üben, Üben, Üben und Üben, nicht zu vergessen weiteres Üben,
ausführen kann.
Abgerundet wird
die Geschichte nicht nur von einem wunderschönen Cover, sondern auch
von in schwarz-weiß gehaltenen Illustrationen, mit der Lissy Marlin die
dem Buch inne wohnende Zauberkunst hervorragend wiedergibt.
Alles in allem: Ein magisches Abenteuer für jedes Alter.
Montag, 17. September 2018
Rezensionswoche 1. Tag: Das Alte war fort. Aber wie sah das Neue aus, das jetzt kam?
Es
ist der 9. November 1918. Der deutsche Kaiser hat gerade abgedankt.
Zwei Tage später wird der erste Weltkrieg enden, 17 Millionen
Menschen sind tot. In dieser Situation begegnen wir den Schwestern
Felice und Ille, die unterschiedlicher nicht sein können, und wir
erfahren, dass deren Bruder Willi das standrechtliche Erschießen
droht, weil er einen Befehl verweigert hat.
Damit
wir ergründen können, was mit den Geschwistern in den letzten
Jahren geschehen ist, führt uns die Autorin zurück in die
Vergangenheit, beginnend im Jahr 1912...
Michaela
Saalfeld erzählt mit „Was wir zu hoffen wagten“ eine
einzigartige Geschichte und meistert ihr Debüt sprachlich in
herausragender Art und Weise. Ich habe sofort den Schreibstil sehr
genossen. Er ist einerseits gefällig und liest sich gut, verfügt
jedoch andererseits über einen Grad an Anspruch, der sich im Text
durch das ohne Aufdringlichkeit angereicherte fundierte historische
Hintergrundwissen äußert, wenn die Autorin die Situation der
Frauen, technische Errungenschaften, geschichtliche Ereignisse und
die Geschehnisse des ersten Weltkrieges thematisiert. Sie schildert
vor allem die Kriegssituation in Belgien, insbesondere in Ypern
(Ieper) offensiv und unumwunden mit all den Gräuel und
Schreckenstaten und bereitet sie dabei für uns Leser so auf, dass
wir betroffen sind, bei uns ein wirksamer Nachhall erzeugt wird und
Emotionen freigesetzt werden.
Zudem
ist nicht nur die Szenerie komplett gelungen, auch die
Charaktere sind allesamt mit Sorgfalt entworfen. Michaela Saalfelds Figuren ziehen einen unweigerlich an. Es
sind nämlich keine heroischen, sondern allzu menschliche Wesen mit
Stärken, aber auch sehr vielen Schwächen. Manchmal – wie bei Ille
– fallen diese vornehmlich ins Gewicht. Denn auf den ersten Blick
erscheint die jüngste der drei Geschwister als schwach und
verträumt. Sie wünscht sich ein „normales“ sorgenfreies Leben
mit Ehemann und Kindern und strebt nicht nach Höherem, einen Beruf
oder gar Unabhängigkeit. Indes sehnt sie sich nach der Liebe und
Anerkennung ihrer von ihr verehrten Schwester.
Felice
hingegen macht es uns nicht leicht. Sie ist kein Typ, für den
das Herz auf Anhieb schlägt. Einerseits ist sie unwahrscheinlich
klug und sehr fokussiert. Andererseits zeigt sie sich streitbar, äußert,
was ihr auf der Seele und auf der Zunge brennt, absolut und
erbarmungslos. Gleichzeitig wirkt sie wegen ihrer geringen Empathie kalt und unnahbar. All ihre Fähigkeiten mögen sie zur Ausübung
ihres Berufes prädestinieren. Doch obwohl Felice ihr
Jurastudium erfolgreich abgeschlossen hat, wird ihr als Frau der
notwendige Vorbereitungsdienst und damit die Tätigkeit als Juristin
verwehrt. Eine verständliche und empörende Ungerechtigkeit, mit der
sich Felice nicht abfinden will. Sie lässt sich nicht verbiegen, und
das Wichtigste für sie ist, sie selbst zu sein. So nimmt sie keine
Rücksicht auf andere und stößt damit nicht nur ihre Familie vor
den Kopf. Im Gegenzug ist sie allein, und sie hat nicht viele
wirkliche Freunde, zu denen der in sie verliebte Moritz und Quintus, für den Felice mehr empfindet, gehören.
Willi
hingegen stehen alle Möglichkeiten offen. Der junge Mann – zu
Beginn noch recht oberflächlich – interessiert sich allerdings weder für die
Schule noch für die Bank, deren Leitung er eines Tages übernehmen
soll, vielmehr schlägt sein Herz für den Film und für Recha, eine
Schauspielerin. Als diese klarstellt, dass sie nicht frei ist und sich an den um einige Jahre älteren Regisseur Wolfgang Fanselow gebunden fühlt,
meldet sich Willi freiwillig und gerät mitten hinein in die
kriegerischen Auseinandersetzungen, die nicht nur ihm alles
abverlangen werden und sein Schicksal verändern.
Ohne die Entwicklung der Frauengestalten des Romans negieren zu wollen, sind es besonders die Männer wie Willi, Quintus und Moritz, die außerordentliches Reifepotential beweisen und der im Leben angekommene, sich durch Charakterfestigkeit auszeichnende Wolfgang, die zu einem beachtenswerten Leseerlebnis beitragen.
Ohne die Entwicklung der Frauengestalten des Romans negieren zu wollen, sind es besonders die Männer wie Willi, Quintus und Moritz, die außerordentliches Reifepotential beweisen und der im Leben angekommene, sich durch Charakterfestigkeit auszeichnende Wolfgang, die zu einem beachtenswerten Leseerlebnis beitragen.
Freitag, 14. September 2018
Neues vom Pferdehof - Entspannung
Was willst du denn? Auch eine Runde abhängen?
Aber für ein paar Leckerli würde ich schon aufstehen...
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