Dienstag, 8. Mai 2018

Die Königin von Lankwitz

Mit Mitte Fünfzig ist es schwer, einen Job zu finden. Vor allem, wenn in der Biografie ein Aufenthalt im Gefängnis vermerkt ist. So geht es Irene und Bea. Doch die beiden Damen lassen sich davon nicht beirren und gründen kurzerhand eine Ich-AG. Denn etwas haben sie mitbekommen: Andere Frauen werden ebenfalls von ihren Männern oder Chefs drangsaliert oder betrogen und wollen ihre Rachegelüste ausleben. Was liegt näher, als all denen zu helfen, sich von solchen „Unannehmlichkeiten“ zu befreien? Und wer hätte das gedacht. Sie sind tatsächlich erfolgreich. Solange bis Konkurrenz auftaucht, und die scheint mit allen Wassern gewaschen zu sein…


Max Urlacher ist in seinem Hauptberuf unter anderem Schauspieler und entwickelt Drehbücher und Hörspiele. Das ist sofort zu spüren. Und in „Die Königin von Lankwitz“ geht er gleich in die Vollen. Eine kurze Vorstellung seiner Figuren, ein überschaubarer Hintergrund:

Da ist Irene, die feinnervige, dezente, im Wesen und Auftreten zurückhaltende Person. Sie drängt nicht nach vorn, das Derbe und Grobe sind ihr fremd. Einst hat sie im KaDeWe Unterwäsche an die Frau gebracht. Dagegen fällt Bea sofort auf. Sie kleidet sich gern bunt und funkelnd, mit Strass und Nieten, kreischenden Farben, Plüsch, Samt und Mustern. Und Bea gibt nie auf, an ein Happy End zu glauben.

Von Anfang an sind mitten drin im Geschehen. Wie im Film. Es gibt schnelle Bilder und Szenenwechsel, spritzige Dialoge und humorvolle Einlagen. Obwohl das Ganze manchmal makaber und rücksichtslos wirkt, erzeugt es nicht unbedingt Unwohlsein, was auch der Verdienst des lebhaften und schwungvollen Schreibstils ist, der keine Zeit zum Nachdenken bietet. Bis Irenes und Beas Konkurrenz auf den Plan tritt und die Sache „kippt“. Jetzt verliert die Handlung doch etwas von ihrer Leichtigkeit.

Leider bleiben insgesamt auch die Empfindungen ein wenig auf der Strecke, sie werden zwar angerissen, aber ermöglichen keine tiefere Kontaktaufnahme.

Trotzdem unterhält die Geschichte. Von Vorteil ist dabei, dass „Die Königin von Lankwitz“ in Berlin spielt. Eine Stadt, die ein bisschen verrückt und abgedreht ist. Wie ihre Bewohner. Skurril, ungehobelt und schroff, jedoch immer mit Herz. Das hat Max Urlacher wirklich gut eingefangen.

3,5 Sterne

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